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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-26 · Heft 9 (26.2.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 9 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 9 Der Gemetndebote. Berlin, 26. Februar 1915 Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums". korrrlMndrnzm und Aachrichtrn. Skutschlsnd. J. Berlin, 21. Februar. Die heutige Sitzung der Reprüfeut a n t e n v e r s a m m l u n.g wurde von Herrn Direktor Dr. M i u - den geleitet, der die Satzung mit einer von der Versammlung stehend angehörten Gedenkrede ans den bi-sherigen langjährigen ersten Vorsitzenden Louis Sachs erösfnete und zugleich der wetteren schweren Verluste der V>erlv,ältung der jüdischen Gemeinde Berlin gedachte, die sie durch das Hinscheiden von I u liu s I a c o b y und des dieser Tage verblichenen Sanitätsrats Dr. M e tz e n b e r g erlitten hat. Besonders warme und herzliche Töne fand.Dr. Minden in der Würdigung der rastlosen und hingebungsvollen Arbeit des verstorbenen Louis Sachs für die Gemeinde, für di.e Stadt Berlin und die große jüdische Oessentlichtest. Nach dem Gedenkakt der Verstorbenen gedachte Dr. Minden auch eines freudigen Ereignisses: Stadtrat und Stadtältester Dr. Weigert feierte sein goldenes Doktorjubiläum, und Dr. Minden nahm Veranlassung, dem Jubilar, der der Sitzung als Repräsentaur beiwohnte, die herzlichsten Glückwünsche der Versaurmlung auszusprechen. — Aus den dann folgenden geschäftlichen Mitteilungen sei erwähnt, daß an Stelle de-s verblichenen Louis Sachs Herr Venas Levy als Mitglied in die Versammlung berufen worden ist. Des weiteren teilt der Vorsitzende mit, daß der Gemeindevorstand dein Beschluß der Versammlung bieigetreten ist und zweite Frestagsabend'- gottesdienste zunächst versuchswieise im Monat März auch in den Synagogen Fasanenstraße und Levetzowstrahe abgehalten werden sollen. Sodann folgte die Einführung der wiedergewählten Ge nie in de-! Vorstandsmitglieder, der Herren Kommerzienrat E i s n e r, Justizrai Breslauer und Fabrikbesitzer Seligsohn sowie der stellver» , tretenden Vorstandsmitglieder Geheimrat Pieck und Dr. Eugen Hirschberg. Dr. Minden hielt eine kurze Ansprache, in der n betonte, daß es sich erübrige, auf die bewährte Tätigkeit der Wiede rgcwählten im Dienste der Gemeinde nochmals hi nz'uw eisen. Das Vertrauen der Versammlung werden sie bestimmt rechtfertigen. Ihm liege nur die angenehme Pflicht ob, sie zu verpflichten. An alle Korporationen stelle die Zeit heute größere Anforderungen, er hoffe jedoch, daß Dr unser Vaterland und damit für die jüdische Gemeinde Berlin bessere Zeiten in Bälde kommen werden. Inzwischen aber seien wir zu allen, und den größten Opfern für das Wohl des Vaterlandes bereit. Der erste Vorsteher Kommerzienrat E i s n e r dankte für die freundlichen Worte zugleich namens seiner Vorstandskollegen und versicherte, daß der Vorstand bemüht fein werde, das Vertrauen, das die Versammlung durch die Wiederwahl bekundet habe, zu rechtfertigen. Man werde auf dein alten Woge fortfahren. Auch er hofft auf einen ehrenvollen Frieden entsprechend den schweren Opfern, die unser Vaterland < gebracht habe, und damit auf den Anbruch einer besseren Zeit. — In j der hierauf vollzogenen Wahl des ersten Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung an Stelle des verblichenen Louis Sachs wurde einstimmig Dr. Minden gewählt. Zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden an Stelle Dr. Mindens wurde gleichfalls einstimmig Herr Geheimrat Dr. Blume nt hak gewählt, der bisher zweiter stellvertretender Vorsitzender gewlesen war. Dadurch war auch die Wahl eines zweiten stellvertretenden Vorsitzenden notwendig. Gewählt wurde fast einstimmig Herr Professor Blaschte. Durch das Ableben Louis Sachs' war ferner die Abordnung eines Mitgliedes in den Ausschuß III notwendig. Gewählt wurde Herr Professor Dr. Kali scher. Dann gab die Versamm-lung ihre Zustimmung zur Annahme einer Anzahl von Zuwendungen. Herr Hermann A r o n har zur Verstärkung der bei der Armenkommission bestehenden Aron- Stiftung 1000 Mark der Gemeinde überwiesen, der verstorbene Rentier Bernhard E o h n der Gemeinde letztwillig 6000 Mark und der Altersversorgungsanstalt weitere 500 Mark zugewandt, Frau Klara Jacoby geb. Nathanson letztwillig 500 Mark und Frau Gertrud Mosse zur Verstärkung der „Emil-Mosse-Stiftung" weitere 5000 Mark der Gemeinde überwiesen. Alle diese Zuwendungen resp. Legate wurden angenommen. Dagegen siel die Beschlußfassung über Annahme einer großen Erbschaft der Vertagung anh-eim, weil daran eine Bedingung geknüpft war, die reli.gionsgesetzli-che Bedenken, hervorrief. Es handelt fidj dabei um die Zuwendung der Eheleute Adolf Oliven und seiner Ehefrau geb. Buchholz zur Errichtung einer Oliven-Bnch- Holz-Stiftung. Der Erbanteil der Gemeinde beläuft sich auf rund 363490 Mark. Unter den Bedingungen, die die Erblasser gestellt, befindet sich unter anderem auch die, daß an den aus den Todestagen der Erblasser folgenden Sabbaten vor versmwnelter Gemeinde im Gotteshaus ein Gebet in Form des „El mole rachmim" verrichtet werde. Von verschiedenen Seiten, so von Herrn Willibald L o e tu e utha l und Gehermrat B l u m e n t h a l, wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Ausführung dieser Bestimmungen wohl religionsgesetzliche Bedenken habe. Daraufhin wurde die Beschlußfassung ausgesetzt und die Vori läge zur näheren nochmaligen Prüfung dem Vorstand zurückgegeben, j Der Vertagung auf die Dauer von vier Wochen verfiel ferner die I Vorlage über den Ritus, der in der neuen Synagoge Kottbuser Ufer zur Einführung gelangen soll. Von einem Herrn Levy ist dazu ein Schreiben eingegangen, nochmals eine genaue Enquete anzustelten über die religiöse Richtung dev Mehrzahl derjenigen Gemeindemstglleder, für die die neue Synagoge in erster Reihe in Betracht fommt. Rach der Vorlage des Vorstandes soll in der neuen- Synagoge der Ritus der Synagoge Kaiserstraße eingesührt werden. — lieber den Ausbau des Obergeschosses im Seitenbau der neuen Synagoge Levetzowstraße sollte eine zu diesem besonderen Zweck eingesetzte Kommission beraten. Diese hat beschlossen und beantragt die Zustimmung der VersamnÄung dazir, von einem Raum für den Jngendgottesdienst abzusehen. Di>e Kommission hält es für wünschenswert, daß ein Konferenzzimmer mit einem daran anschließenden Zimmer für den Konsirmandenunt erricht eingerichtet wird, so daß eine Vierzimmerwohnung übrig, bleibt, die für einen Beamten gedacht ist. Dementsprechend soll das Bauburean Zeichnung und Anschlag einmal für getrennte und sodann für gemeinschaftliche Ausführung dieser Bauten vorlegen. Tie Versammlung stimmte nach kurzer Debatte den Vorschlägen der Kommission zu. Da Herr Louis Sachs bekanntlich dem Krankenhausvorstand, dein Vorstand des Hospitals, der Kommission für die baulichen Angelegenheiten und der Kommission zur Ausw'ahl von Ehrenbeamten angehörte, so war es erforderlich, Neuwahlen für diese Ehrenämter vorznnehmen. Entsprechend den gemachten Vorschlägen wählte die Versammlung an Stelle Louis Sachs' in den Krankenhausvorstand Herrn Dr. M. G i u s b e r g, in den Vorstand des Hospitals Herrn B l a u t e n - b itt g, in die Kommission für bauliche Angelegenheiten Herrn Benas L evy und hv die Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten Herrn Zahnarzt Li pp schütz. Der Vorsitzende teilte daraus noch mit, daß die nächste Versammlung der Repräsentanten in vierzehn Tagen stattfinden solle. Es war inzwischen nämlich, beantragt worden, alle weiteren der 38 Punkte der Tagesordnung zu vertagen, damit die Repräsentanten die Möglichkeit hätten, der \mi 12 Uhr in der Leh-ranstalt für die Wissenschaft des Judentums stattfindenden Gedächtnisfeier für den verblichenen Geheimen Justizrat Dr. Her,man Beit S i mo n beizuwohnen. Diesem Vertagungsantrag stimmte die! Versammlung zu, so daß die Sitzung kurz vor 12 Uhr bereits ge- | schlossen wurde. i! E. S. Berlin, 23. Februar. Am Sonntag, 21. d. M., fand > in der Aula der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums! die Gedenkfeier für den verstorbenen Vorsitzenden des Kuratoriums. ■ Geheimen Justizrat Dr. H e r m a n Veit S i m o n statt. Die! Feier begann und schloß mit weihevollen Gesängen unter Haruwni'UmbegleiLung. Der erste Redner, Geheimer Regierungsrat i Professor Tr. Her m a n n Cohen, gedachte der persönlichen Beziehungen zu dem Verstorbenen und was er für die Wissenschaft und die Neubelebung des Judentums gewesen war. In lebhafter, eindringlicher und pietätvoller Weise schilderte sodann Dozent Dr. I. E l b o g e n den Menschen, ausgezeichnet im Berufsleben, dem Höchsten nachstrebend, unermüdlich, aber auch auf kleine Dinge der Verwaltung achtend. Von einem unüberwindlichen Wahrheitsdrang beseelt, zeigte S. unermüdlichen Eifer für seine j Religion und ihre wissenschaftliche Ausgestaltung. Als ihre vor-! nehmste Stätte betrachtete der Entschlafene die Lehranstalt für die! Wissenschaft des Judentums, zu deren Vorstand er seit 1904 > gehörte. Mit rastlosem Eifer förderte er den Aufschwung

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