Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Und das alles, um an der. Universität ausgenommen zu werden! Abgesehen von den Naturwissenschaften kann man, wenn der Bildungstrieb wirklich so groß ist, sich alles eben so gut aus Büchern aneignen. Aber auch wenn das nicht der Fall wäre. Auf wieviel muß wohl jeder Mensch verzichten! Um bei dem Beispiel der Universität zu bleiben: wie viele können ein Studium aus Mangel an Mitteln nicht durchführen! Ich habe bisher noch nicht gehört, daß man für erlaubt gehalten hätte, eine ehrlose Handlung zu begehen, um einen Beruf, zu dem man Neigung hat, zu erreichen. Als Jude weiß man besonders, daß einem solche Berufe versagt sind, die andere erreichen. Wir würden uns mit uns selbst in Widerspruch setzen, wollten wir das Verhalten der Studentinnen entschuldigen. Die jetzige schwere Zeit hat hoffentlich jedem, der es bis jetzt noch nicht hat begreifen können, gezeigt, daß das Ziel jeder Erziehung und Selbsterziehung sein muß zu lernen, sich dem Ganzen und höheren Gesichtspunkten unterzuordnen. Der offene Brief des Feldrabbiners Dr. Levy hat erschütternde Kunde gegeben von den Leiden geschändeter jüdischer Mädchen und Frauen in Polen, von ihren seelischen Qualen lind denen ihrer Männer und frommen Väter, die den Tod erleiden, wenn sie mit ihren schwachen Kräften zum Schutze der Ehre der brutalen Gewalt gegenübertreten. Wenn aber ein Unbeteiligter zugleich erfährt, daß gebildete Mädchen desselben Glaubens, nur um ihre Liebhaberei durchzusetzen, sich freiwillig dem unterwerfen, wofür die anderen den Tod erleiden, dann können leicht Zweifel entstehen, ob das Verhalten der russischen Soldateska wirklich so schlimm ist. Damit solche Zweifel bei unseren andersgläubigen Mitbürgern, bei denen überhaupt äußeres Wissen nicht so überschätzt wird wie bei uns, nicht aufkommen, müssen wir erklären, daß wir jede Gemeinschaft mit den anderweit bewunderten Studentinnen ablehnen?) KfSL Gruh der Landwehr an unseren Laisrr. us Deines Reiches Osten, Der Grenze Wehr und Sperr', Grüßt stolz der Landwehr Posten Dich, Kaiser, König, Herr.! Sonst konnte sie sich laben An Deinem Fest zu Haus, Heut muß im Schützengraben Das Naß sie trinken aus. : Doch niemals galt die Blume! So herzlich Dir wie heut,.! Denn alles ist zum Ruhme, Zum Wohl für Dich bereit. j Wohl fehlten manche Brüder ' Am Festestisch daheim. Heut bilden alle Lieder Nur einen Kaiserreim!! Und viele Millionen Von Meer und Luft und Land, Und wo sonst Deutsche wohnen. Sie reichen sich die Hand, h Wir billigen die sehr beachtenswerten Ausführungen des Einsenders nicht vollständig, zunächst weil wir glauben, daß das Streben nach Wissen bei jüdischen Studentinnen ein ernstes, ja heiliges ist,! sodann, weil wir überzeugt sind, daß keines dieser Mädchen das entehrende Gewerbe treibt, zu dessen äußerlicher Annahme sie von! einer barbarischen Regiermig gezwungen werden. Vielleicht ergreift j noch jemand anders in dieser Angelegenheit das Wort. D. Red.! Und beten zu dem alten Herrgott im ew'gen Feld: Mag er Dich uns erhalten. Uns und der ganzen Welt. Sie werden es ja sehen. Die uns das Leid gebracht. Wie nach dem großen Mähen Du nutzest Deine Macht. Für Frieden, Recht und Wahrheit, Für echter Bildung Wert, Hast Du gestrebt in Klarheit Mit Feder und mit Schwert. Doch da das Schwert gezogen Jetzt ist, so bleibt es drauß, Nicht eher wird der Bogen Gespannt, Ihr Feinde, aus. Bis all Ihr liegt zur Erde, Und Du, o Kaiser, rufst, Daß Friede endlich werde. Wie Du ihn willst und schufst. So lange woll'n wir streiten. Wie auch das Kriegsglück steht; Und stets soll uns begleiten Das alte Schlachtgebet: Du großer Gott, Allweiser, Wir fleh'n mit Herz und Hand, Beschirme unfern Kaiser Und unser Vaterland! Martin Hoexter, L.-J.-R. 11./48. (Verfaßt im Schützengraben an Kaisers Geburtstag.) Der neue Lhrilt. Roman von Peter Ujväri. Uebersetzt von Rosa TrencsSni. (Fortsetzung.) rau Littauer schämte sich vor Else, und um diese Empfindung zu bemänteln, blies sie sich auf wie ein Pfau. „Aber geh' doch mit diesem ewigen Zurücksehnen." „Wir sehnen uns auch nach unserem Geburtsort, nach unserer Heimat zurück, wenn uns das Leben daraus vertrieben hat. Mein älter Glaube war — nur, seit ich ihn verlassen habe, weiß ich es, nur seitdem ich krank bin, fühle ich es — mein alter Glaube war — meine Welt." Jetzt konnte auch Samuel nicht länger schweigen. Seine Stimme, sonst so still und unterwürfig, klang jetzt triumphierend: „Eine schöne Welt war es, eine gute Welt war es, so soll ich leben!" Frau Littauer rief abwehrend: „Spitz!" Samuel Spitz kehrte sich nicht daran. Flammend vor Begeisterung fuhr er fort: „Die Sabbattage, gnädiger Herr, und die Feiertage, gnädiger Herr. Es war eine schöne Welt und eine gute Welt. Besser wie die jetzige. Der gnädige Herr hat nicht soviel Sorgen gehabt." „Nein, nein," seufzte Littauer. „Hat der Hagel den Weizen verwüstet," schwelgte Samuel in den Erinnerungen weiter, „dann hat Gott einen guten Schätzmeister von der Assekuranz geschickt. Wenn er die große Kirche dort drüben verwüstet . . ." Frau Littauer war zornig aufgestanden und mit Else ins zweite Zimmer gegangen. Wenn die Kirche zur Sprache kam, um es besser, die beiden allein zu lassen. Da sahen und hörten