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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-26 · Heft 9 (26.2.1915) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 9 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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- —, 98 ju anderen noch in einem jugendlichen Alter und innerhalb dieses Systems die Erde, der isolierte Nebelfleck, -den wir bewohnen, etwa im Mannesalter steht, wenn die Menschheit auf dieser Erde in der Tat eine höhere Gestalt des Weltlebens als die ihr vorangehenden Formen des Naturlebens -annimmt, wenn wir also die ganze Natur aus dem Stande der Roheit in den der Bildungsfähigkeit, aus dem der Unfruchtbarkeit in den der Fruchtbarkeit verwandelt werden sehen — konnten »vir nns dann wohl einreden, daß es mit der sittlichen Welt schlechter stehe, sich vielleicht gar umgekehrt verhalte? Sollte in der geistigen Region der Menschheitsentwicklung, in der Bildung des geistigen Anteils der Natur im Menschengeschlecht ein umgekehrter Gang, ein Gang aus dem Guten ins Schlechtere, aus dem Vollkommenen ins Unvollkommene vorwalten? Einer unserer tiefsinnigen Weltweisen sagte von der Menschheit, daß man ihr alles rauben könne, nur nicht den Glauben an die Gerechtigkeit; denn mit ihm vernichtete man ihr eigenstes Wesen. Diese Wahrheit findet ihre Bestätigung in dem Berits Israels, in seinem Leiden und in seinem ganzen Erdenwallen, das sich in seinen hervorragendsten Personen, in den Lehren und Verkündigungen der Propheten offenbart. Diese Wahrheit findet auch ihre Bestätigung in diesem blutigen Völkerringen. Bit Woche. Berlin, den 23. Februar 191'». er glänzende Sieg an der v stpr euß i s chen G r e n z e über die Russen hat die schönsten Früchte gezeitigt. 100 000 Russen sind gefangen, ein ungeheures Kriegsmaterial ist erbeutet worden. Ostpreußen, das freilich aufs neue schwer gelitten hat, ist von den Feinden befreit; wir hoffen und wünschen, daß diese Befreiung eine endgültige sein möge. Die Verfolgung wird machtvoll und energisch fortgesetzt; gar manche Städte in Polen, in der Nähe Warschaus, sind gefallen. Es ist wahrscheinlich, daß die Russen sich weiter in das Innere des ungeheuren Landes begeben, aber doch ist zu erwarten, daß vor und um Warschau noch heftige Kämpfe stattfinden werden. Möchten sie bald zu unseren Gunsten ausgefochten werden! Mit dem Falle Warschaus wäre noch keineswegs alles erreicht, aber der moralische Eindruck würde bei den Russen und ihren Verbündeten ein ungeheurer sein. Nach anfänglichem Schweigen und allerhand Beschönigungsversuchen, die zuerst zuversichtlich, dann immer kleinlauter wurden, gestehen die Russen ihre Niederlage ein, wenn sie sie auch gewohnterweise mit strategischen Rücksichten zu erklären und durch solche zu bemänteln versuchen. Auch ihre Verbündeten können nicht umhin, die schwere Niederlage zu bekennen. Sie tun das um so beklommener, als sie auf diesen neuen russischen Vorstoß als Vorspiel zu ihrer Errettung sicher rechnen zu können meinten. Sie haben die Entfernung zahlreicher deutscher Truppenmassen zu häufigen Angriffen an allen Punkten der ungeheuren Schlachtfront benutzt, haben sich aber nur hier und da winziger Siege zu erfreuen gehabt, während die deutscherseits an den verschiedensten Punkten unternommenen Abwehren und Gegenangriffe von schönen Erfolgen, zuletzt namentlich in den Vogesen gekrönt wurden. Trotz aller Ruhmredigkeit, trotz des Verschweigens deutscher Fortschritte, trotz der lauten Verkündung des Beharrens der Franzosen auf ihren Verträgen mit den Engländern, trotz der zur Schau getragenen Siegesgewißheit — hat doch ein französischer Minister erst jüngst verkündet, daß Elsaß-Lothringen wieder zu Frankreich kommen müsse, zu dem es gehöre (!!!) — wird sich, wie wir zuversichtlich hoffen, in Frankreich bald Kriegsmüdigkeit geltend machen. Die furchtbaren Verluste an Menschen, die entgegen dem unerschöpflichen Material Deutschlands durch einen Zuzug nicht ersetzt werden können, die Knappheit an Kohle, worüber allgemein Klagen ertönen, das Sinken der französischen Rente, die einen sehr traurigen Tiefstand erreicht hat, die schweren Leiden der besetzten Landesteile, die Unzufriedenheit mit den Engländern, die im Nordwesten Frankreichs den Belgiern und Franzosen gegenüber die Herren spielen und die, wie man aus ihrem Verfahren in anderen Gebieten schließen kann, keine Lust bezeigen, das fahren zu lassen, was sie augenblicklich besitzen — das sind alles Momente, die geeignet scheinen, den Franzosen, die in den fürchterlichen Krieg mehr gedrängt als freiwillig hineingegangen sind, und die die Erfolglosigkeit ihrer eigenen Bestrebungen immer mehr erkennen werden, die Augen zu öffnen. Diese Hoffnung ist um so berechtigter, je mehr die Erwartung von den Fortschritten der Russen auch den Oesterreichern gegenüber getäuscht wird. Denn auch unsere Verbündeten gehen wacker vor; Ezernvwitz ist wieder in ihren Händen, die Bukowina ist fast von Feinden gesäubert, und in Galizien bereitet sich der allmähliche Rückzug der Russen vor. Der 18. Februar, der erste Tag der Blockade der englischen Küste, ist ohne besondere Ereignisse vvrübergegangen. Am 17. wurden von unseren Unterseebooten zwei englische Schiffe versenkt, am 20. ein französisches getroffen, am 21. nach einerschwedischen Nachricht ein Transportschiff mit 2000 englischen Soldaten. So schmerzlich dem Menschenfreund auch diese Kriegführung sein mag, wir müssen wünschen, daß dem frevelhaften England, das, trotz seines Besitzes der größten Flotte, trotz seiner Prahlerei, die Herrschaft auf dem Meere auszuüben, nicht wagt, die deutsche Flotte in offener Seeschlacht anzugreifen, jeder nur erdenkliche Schaden geschieht. Leider haben wir den Verlust zweier großer Luftschiffe zu beklagen, die in einem Sturm zugrunde gegangen sind. Die Verteilung der B r o t m a r k e n ist erfolgt. Ihre Herrschaft begann am 22. Das Publikum wird sich bald daran gewöhnen und durch weise Sparsamkeit dazu beitragen, die Aushrmgerungspläne Englands zunichte zu machen. * Ein j ü d i s ch e r O s s i z i e r d e r b a y e r i s ch e n A r in e e schreibt uns: Eine Stelle aus unserem Divisionsbefehl vom 11. 2. 15 lautet: „Für Mannschaften jüdischen Glaubens wird ein regelmäßiger Gottesdienst eingerichtet. Derselbe findet jeweils am Samstag vormittag in Avion oder Vimy statt. Zeit und Ort wird wöchentlich rechtzeitig bekanntgegeben. Zum Vorbcter wird Unteroffizier Koschland der 3. Komp. R.-I.-R. 10 bestimmt, soweit es dessen Dienst erlaubt. Am Sanistag, 13. 2., findet jüdischer Gottesdienst vorm. 9,30 in Avion, Hauptstraße 91, statt. Soldaten jüdischen Glaubens ist nach Möglichkeit Gelegenheit gegeben, an den Gottesdiensten teilzunehmen. Die Regimenter usw. legen der Division baldmöglichst Meldungen der in ihrem Stande befindlichen jüdischen Soldaten vor, ausgeschieden nach Bataillonen. gez. Frhr. v. Kreß." tt Aus Italien wird uns geschrieben: Nach längeren Vorbereitungen ist im Februar dieses Jahres die Societa Per la storia degli Ebrei d'Jtalia (Gesellschaft für die Geschichte der Juden Italiens) ins Leben getreten. Sie ist der Societä Asiatica Jtaliana (Italienisch-Asiatische Gesellschaft), welche in Florenz, Piazza S. Marco 2, ihren Sitz hat, angegliedert und wird von einer Commissione Escecutiva geleitet, der die Herren Professor Umberto Cassuto, Dozent am Jstituto Superiore in Florenz, Professor Ermanno Loevinson, Staatsarchivar in Rom, beide mit der Leitung des herauszugebenden Bulletins betraut, und Dr. Alberto Olivetti in Florenz als Sekretär angehören.

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