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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-19 · Heft 8 (19.2.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 8 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 ^setzen, weil nach Beendigung des Krieges durch die verschiedenen >Zerrichtungsmaßnahmen der Rückwandelung „aus dem Lazarett zur 'Kuranstalt" größere Ausgaben zu erwarten sind. Seit dem 29. August st die Anstalt der Militärverwaltung zur Errichtung eines Referveazarettes übergeben worden. In demselben werden zu gleicher Zeit nehr als 90 Verwundete behandelt. Es ist erklärlich, daß die Anialt nach Friedensschluß einer gewissen Renovation unterzogen werden nuß. Deshalb wird von neuem die Opserfreudigkeit unserer Glaubensgenossen um weitere förderliche Unterstützung des Kurwspitals angerufen. Das Grundvermögen der Anstalt sichert zwar inen Zinsgenuß von etwas über 9000 Mark, allein der Betrag reicht >?i weitem nicht aus, um -die Betriebskosten, die im Vorjahre mehr ls 41000 Mark erforderten, zu decken. M. Hamburg, 12. Februar. Der Verei n selbständiger ü d i s ch e r Handwerker und G e w e r b e t r e i b e n d e r ielt im Logenheim seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz es Herrn B. H e i n e m a n n ab. Ter Vorsitzende gedachte zunächst es auf, dem Felde der Ehre gefallenen Mitgliedes G. Prenzlan avie des Architekten Ed. L ö w e, der gleichfalls den Heldentod für as Vaterland gestorben ist. Das Andenken der Verstorbenen mrde von der Versammlung durch Erheben von den Sitzen geehrt, ins dem alsdann vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht ist zu icknehmen, daß der Verein auch im verflossenen Jahre stetig gewachsen ist. Trotz der wirtschaftlich ungünstigen Lage, unter der aturgemäß auch das Handwerk schwer zu leiden hatte, sind dem Verein durch seine aufklürende Tätigkeit größere ideelle Erfolge bej hieben gewesen. Es beginne namentlich in den Kreisen unserer! Glaubensgenossen das alte Vorurteil gegen das jüdische Handwerk j inner mehr zu schwinden. Andererseits sei es aber auch Pflicht der! 'ereinsmitglieder, durch tüchtige Leistungen diese gute Meinung! -inner mehr befestigen zu helfen. Die Zahl der Vereinsmitglieder! etrug zu Ende des vorigen Jahres 128. Der vom Kassenführer! rstattete Kassenbericht ergibt, daß die Einnahmen die Ausgaben! bersteigen und ein wesentlicher lieberschuß zu verzeichnen ist. Die I nterstützungskasse verfügt, trotzdem ein größerer Betrag der riegshilse der Deutsch-Israelitischen Gemeinde überwiesen wurde, j och über einen Bestand von 260 Mark. Der Vorsitzende berichtete! isdann über die im Dezember stattgefundene Wohltätigkeits- . ranstaltung, die erfreulicherweise einen U e b e r s ch u ß von 1 5 0 Mark ergeben habe, welcher der Kommission für das - oohlfahrtswesen der Gemeinde, Abteilung Kriegshilfe, überwiesen urde. Bei den alsdann vorgenommenen Vorstandswahlen wurde r ansscheidende erste Vorsitzende, Herr B. H e i n e m a n n, ein-! immig wiedergewählt. ~ Gelnhausen, 12. Februar. Wie das „Kreisblatt für Gelu-! msen" mitteilt, wirb zum erstenmal für die Steuerperiode 1915;!s 1917 die israelitische Kultussteuer auf Grundlage der staatlichen! inkommen- und Ergünzungssteuer aufgebaut werden. Damit j ird also das alte unzulängliche Einschätzungssystem, das lediglich if Schätzung der Einkommen beruhte, unter Beachtung der dagegen hobenen Beschwerden, über die wir wiederholt berichteten, durch i ne zeitgemäße Veranlagung ersetzt. Zugleich erfahren auch die j meinschaftlichen Lasten eine gleichmäßige, einheitliche Regelung ud die unverhältnismäßig hohe Heranziehung einzelner Gemeinden j ird beseitigt. Bei der späteren landesgesetzlichen Sanktionierung! ' erden wohl auch die weiteren Wünsche der jüdischen Gemeinden; uehestens, die die Wahl der Synagogenältesten betreffen, berück-! htigt werden.! L. Mainz, 12. Februar. Im hohen Alter von 82 Jahren starb; - er Herr Gottschalk Benedikt. Der Heimgegangene bei ckigte sich in hervorragender Weise an den Kümpfen der Jahre j ^66 und 1870/71, wofür ihm eine Reihe von Auszeichnungen ver-; ehen wurde. Er wurde am vergangenen Donnerstag mit milij rischen Ehren begraben, voran schritt die Kapelle der 27er j ioniere mit unrftorter Fahne, a.uf einem Kissen wurde das Eiserne! ' reuz vorangetragen. Die Trauermärsche der Kapelle geleiteten die; ■ eiche durch die Straßen der Stadt, und am offenen Grabe in- ' inerten die ehernaligen Kameraden ergreifende Choräle. Herr! 'n'. Rabbiner Professor Dr. Salfeld gab der allgemeinen! rauer um den Dahingeschiedenen beredten Ausdruck. Ein gnädiges - eschick habe den Verstorbenenim Feuer der Schlachten bewahrt! und ihn ein solch hohes Alter erreichen lasten; wenn sein König ihn rief, sei er stets -als Deutscher und Jude freudig den Fahnen gefolgt. Herr Benedikt war in seinen Mannesjahren Rechtskonsulent, welchen Beruf er in seiner Heimat Linnich bei Aachen viele Jahre allsübte und allwo er sich großen Ansehens erfreute. Gksterreich-Angarn. K. Wien, 12. Februar. Ein polnischer Schriftsteller, dem es gelungen ist, über die russischen Linien hinwegzugelangen, veröffentlicht in einer „Lwow" (Lemberg) betitelten Broschüre über die Lage in Lemberg während und nach der russischen Invasion folgende Einzelheiten: Am 3. September v. I. zogen die russischen Truppen in Lemberg ein, nachdem zuvor die Vertreter der Gemeinde den russischen Arm-eekommandanten um Schonung der Stadt gebeten hatten. Gleich darauf erlaubten sich die Kosaken in den Vorstädten Uebergrisfe, insbesondere gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Wie auf ein gegebenes Signal wurden zum Schutze gegen die Betätigung der russischen Kultur und Humanität an den Häusern der Katholiken und der von Christen bewohnten jüdischen Häuser Muttergottesbilder angebracht. Ter Judenhaß gab sich namentlich in zahlreichen Fällen einer billigen Equipieruing der Offiziere lind der Mannschaft zu erkennen. Die Russen traten in die jüdischen Kaufläden ein und ließen sich verschiedene Waren vorlegen, nach deren Preise sie sich erkundigten, ohne jedoch die Bezahlung zu leisten, indem sie erklärten, daß sie die Waren als Lomber ge r Andenken mitnähmen. In den an der Peripherie der Stadt gelegenen Straßen fielen auch wehrlose Katholiken der russischen Plünderungssucht zum Lpfer. Den Lernberger Blättern wurde nicht gestattet, dieser Vorkommnisse auch nur mit einem Worte Erwähnung zu tun. Unter dem Vorwände, daß aus russische Soldaten geschossen worden sei, veranstalteten Kosaken einen Pogrom, bei welchem 47 Juden getötet und viele andere schwer verwundet wurden. Dieser Pogrom erneuerte sich später einigemal. Rach dem Einmärsche der bluffen verlangte der Kommandant, daß 16 Geiseln, darunter 4 Inden, die Bürgschaft für die Ruhe in der Stadl übernehmen. Tie ihm namhaft gemachten Geiseln wurden im Hotel Georg nntergebracht, UH) man sie auch (die Inden rituell) beköstigte. Graf Bobrinsky, der neue Gouverneur von Lemberg, löste den bisherigen Gemeinderat auf und beließ bloß einige Mitglieder, darunter den jüdischen Gemeind erat Dr. Schleicher, in ihren Funktionen. Die russische Willkürherrschaft kommt ln Lemberg besonders zum Ansdruck: am meisten haben darunter die „Lieblinge des Zaren", die armen Juden, zu leiden. Tie Broschüre „Lwow" ist der erste und einzige Bericht über die Russenherrschaft in Lemberg seit dem 3. September 1014. Diese Herrschaft wird hoffentlich nur noch von kurzer Dauer sein. Gumsmm. z. Bukarest, 11. Februar. Unter dem Titel „E i u d r ü ck c a u s der v o n den R u s s e n b e s e tz t e n B u t o w t n a " verösfeutlicht eine der vornehmen rumänischen Gesellschaft angehöreude Dame, die sich als ausgesprochene Russenfreundin bekennt, in dem berüchtigten Hetzblatt „Adeverul" Mitteilungen über eine Reise, die sie vor kurzem m der Bukowina gemacht hat. Die Fahrt ging von Bukarest nach dem Grenzstädtchen Jtzcani und von dort nach Suczawa. Auf der Landstraße hielten große Wagenzüge: bk Wagen und Karren der flüchten' den Bevölkerung. In Suczawa vollkommene Ruhe. Die großen Geschäftsläden geschlossen, nur einige wenige geöffnet. Zwei Kosaken auf der Straße. „Ich trat," schreibt die Rumänin, „in einen Laden, um mir ein Andenken zu kaufen, und sagte dem Fräulein, das mich bediente, und das nicht gut Rumänisch verstand: „Ihr solltet jetzt alle Rumänisch lernen, denn bald kommen wir hierher." Eine jüdische Dame, die gleich mir Einkäufe machte, antwortete -mir in recht gutem Rumänisch: „Das wird nicht geschehen, denn unsere Männer kämpfen unter den Fahnen des Kaisers, und unter dem Kaiser werden wir bleiben." Ich wollte, da die Frau sehr entrüstet war, die Diskussion nicht fortsetzen, aber im allgemeinen haben mir alle Bukowiuaer Rumänen, mit denen ich sprach, aufrichtig erklärt, daß sie unter der österreichischen Herrschaft sehr gut leben und eine Aenderung nicht wünschen. Auf der Rückfahrt nach Jtzcani wurden nur von einem russischen Soldaten angerufen: es lvar ein bessar ab i scher Rumäne, der wie ein Zigeuner aussah: „Ich habe genug vom Kriege," sagte

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