Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1915)
- Date
- 1915-02-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 ersten Vorsitzenden des Hansabezirksvereins, wurde am 11. d.. M. im Restaurant „Hütte" in der Bachstraße veranstaltet. Der mit Lorbeerbäumen reich geschmückte Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Geheimer Justizrat Cassel hielt die Gedächtnisrede. Cr gedachte des Toten als eines Mannes von echtem Freiheitsdrange, der ein edler Bürger der Stadt gewesen sei und in der Sorge für die Armen und Kranken sich um das Gemeinwesen sehr verdient gemacht habe. Ein treuer Sohn seiner Religion, sei er auch feiner politischen Partei mit größter Treue ergeben gewesen. Mit dem Gesänge „lieber allen Gipfeln ist Ruh'" schloß die Feier. — Eine fernere Gedächtnisfeier für Louis Sachs veranstaltete letzten Sonntag mittags der Brüderverein z. g. 11., dessen Vorsitzender der Heimgegangene seit dem Jahre 1908 war, in seinem großen Festsaal in der Kurfürstenstraße 116. An dem stimmungsvoll dekorierten Saal hatte die Büste.des Verstorbenen inmitten eines Blumenhains Ausstellung gefunden. An der Feier nahmen außer den Mitgliedern des Brüdervereins zahlreiche Freunde und Verehrer von Louis Sachs teil. Nach einem Chorgesang hielt Direktor G o l! d st ü ck e r die Gedächtnisrede, in der er die Verdienste des Verstorbenen mit den Verein würdigte. Ein abermaliger Chorgesang beschloß die Feier. 22 Berlin, 16. Februar. Die Z i o n i st i s che V e r e i n i g u n g für Deutschland hat in der Woche vom 1. bis 7. Februar, für welche Zeit von der Postbehörde Pakete im Gewicht bis 500 Gramm zugelassen waren, weitere 300 Sendungen an jüdische Soldaten im Felde zur Versendung gebracht; die Hälfte dieser Pakete ging an solche Soldaten, die als bedürftig angegeben wurden. Insgesamt wurden bisher über 20 0 0 Pakete ins Feld geschickt. Die vielen überaus herzlichen Danksagungen, die der Zionistischen Vereinigung für Deutschland täglich von der Front zugehen, beweisen, mit welch aufrichtiger Freude das Eintreffen der Liebesgabensendungen ausgenommen wird. Das Komitee, z. H. des Herrn Max W o l l st e i n e r, Charlottenburg, Roscherstraße 5, nimmt auch weiterhin Adressen ariner jüdischer Soldaten gern entgegen, da sich auch eine ganze Anzahl von Vereinigungen gemeldet hat, die an solche Adressen ebenfalls regelmäßig Liebesgaben absenden wollen. V. Z. Berlin, 16. Februar. Wegen des Krieges hat der Detltsche Verein zur Erforschung Palästinas seine geplanten Arbeiten einstweilen aufgeschoben. Das letzte Jahr hatte eine Reihe sehr interessanter Grabungen dort gebracht. Im vorigen Jahre arbeitete mit den Mitteln des Barons Rothschild in Paris Hauptmann Weil. Sein Ziel war offenbar das Grab Davids: es wurde vom Südende des Hügels der Davidstadt der Ostabhang bis auf den Felsen sreigelegt. Der durch Schick schon bekannt gewordene Kanal von Gihon wurde auf diesem Gebiet ein Stück weiter untersucht, sonst die Linie der Ostmauer der Davidstadt festgestellt; auch einige Gräber und Zisternen wurden gesunden. Das in dieser Gegend zu erwartende David-Grab trat aber nicht hervor. Urnfassende Steinbruchsarbeiten hatten vieles zerstört. Berlin, 16. Februar. Das Eiserne Kreuz erhielten: Assistenzarzt Dr. spritz chlesi n g e r , Dr. Hans L i e b e r m a n u , Unteroffizier d. L. Kaufmann Max E h r e n s r i e d , Feldunterarzt Dr. Hans Eck st ein, Assistenzarzt Tr. Robert L ew h , Stabs- und Regiinentsarzt Dr. Ludwig C o h n - Hohenschönhausen, Offizierstellvertreter Julius L. S ej igso h n , Sohn des Justizrats Dr. Seligsohn, Arzt Dr. Adalbert s achs-, dessen Vater Samtätsrat Dr. L. Sachs dasselbe Ehrenzeichen 1870 -erhielt, Leutnant d. R. Dr. Phil. Erich Ascher, Oberarzt d. R. Dr. Iwan Rosenstcrn, Offizierstellvertreter Direktor Mar Wundermacher, Gefreiter -d. R. Referendar Theodor T i ch a u e r , Füsilier Ernst Friedeberg, Einjährig-Freiwilliger Gefreiter William Kellermann - Groß-Berlin. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Dr. Cobliner und Vizewnchtmeister Martin Goldschmidt, Sohn des Bankdirektors Herrn Ignatz Goldschmidt - Posen; Unteroffizier Maurermeister Willy L i pp ma n n- Rakel; Vizewachtmeister Ludwig K a a tz - Pleschen, Unteroffizier Willy R u b e n - Magdeburg,; Unteroffizier Max L e v i s o h n - Frankfurt a. M.; Unterarzt Dr. Max Oppenheimer- Marburg; Unteroffizier der Landwehr Oskar Falken st e i n - Halle a. S.; Wehrmann Georg Falkenberg- Oppeln; Offizierstellvertreter Max P e i s e r« Ltriegau (Schlesien); Stabsarzt Dr. Max Me l z e r - Hirschberg, Sanitätsrat Dr. P t e ß n e r - Wiesbaden, Stabsarzt im Kriegslazarett zn Kutno; Kriegsfreiwilliger Siegfried Dannenberg- Hamtover. — Aus Nürnberg erhiel'ten da.s Eiserne Kreuz: Fritz Ehrenberger, Vizefeldwebel im 7. Landwehrregrment; Diplom-Ingenieur Stefan Roß, Unteroffizier d. R. im 3. bayerischen Pionierbataillon. Von den vier im Felde stehenden Söhnen der Frau Minna Heim an n, hier, wurde nun auch dem zweiten Sohn, Unteroffizier Hermann Heimann, Kaufmann, das Eiserne Kreuz verliehen, nachdem der Dip>lom-Jngenieur und Vize» ftldwebel Leopold Heimann dieses neben dem bayerischen Verdienstkreuz mit Schwertern schon früher erhalten hatte. — Von den Mitgliedern der Jüdischen T-urnerfchast haben bisher das Eiserne Kreuz erhalten: Dr. R o s e n b a u nt - Königsberg; Kand. E m a n u e l Noehr, Dr. Felix Theilhaber, Rechtsanwalt Exiner, Rechtsanwalt Dr. Salti Hirsch, Dr. Ri ch. B l u nt - Berlin, Selmar B ü tow - Gera; Dr. W e i g e r t - Hamburg; Professor Dr. Citron, Dr. Georg Orkin, Max Lychenh eim-Berlin; Leo L eß m a nn , Dr. H enr y Hirsch, H u go Gold schm i d t- Hambnrg; E r i ch B u r l i n, I o a. ch im Caspari - Berlin; Dr. Adalbert Sachs, Karl Michel- Köln. — Der Ossizierstellvertreter Mich. Liebhold, Sohn des Stadtrats Max Liebhold in Heidelberg, wurde zum Leutnant d. R. im Feld-Artillerie-Regiment Nr. 52 befördert. Er ist bereits im Besitze des Eisernen Kreuzes. W. Posen, 12. Februar. In vergangener Woche erfolgte die Enthüllung des Grabdenkmals für den im vorigen Jahre verstorbenen Nabbinats-Assessor Samuel S i l b e r b e r g »in feierlicher Weise. Zu dem Enthüllungsakte hatten sich außer den Angehörigen des Verstorbenen auf dem Friedhofe eingefunden das Rabbinat, der Vorstand der Synagogengemeinde usw. und eine stattliche Zahl von j Geineindemi tgliedern. In der großen Friedhofshalle trug Kantor! R e i n a r d den diesbezüglichen Trauerpsalm vor. Herr Gemeinderabbiner Dr. F r e i m a n n schilderte sodann den unendlich großen Verlust für die hiesige Synagogengemeinde durch den Heimgang , dieses Mannes, der ein Menschenleben hindurch mit ihren Interessen nnf das engste verknüpft war. Ausgezeichnete Charaktereigenschaften, reiche Gaben des Verstandes und des Gemüts, unbeugsame Willenskraft und nie ermüdender Schaffensdrang sowie ein scharf ausgeprägter Gerechtigkeitssinn hatten ihn in hervorragendem Maße befähigt, eine führende Wirksamkeit in der Gemeinde zu entfalten. So hat der edle Verblichene durch sein selbstloses, verdienstvolles Wirken in der Gemeinde ein unvergängliches, ehrenvolles Denkmal sich geschaffen. Herr Rabbiner Dr. Silberberg dankte gerührt namens der Familie für die große Ehrung, die seinem verstorbenen : Vater zuteil geworden. Die Schar der Teilnehmer begab sich sodann i zum Grabe, wo nach Rezitiermtg eines Grabgebetes durch Kantor! Reinard Herr Bankdirektor Goldschmidt im Namen des Ge-! meindevorstandes gleichfalls die hohen Tugenden des im Grabe | R uh enden pries und das Denkmal als ein bleibendes, sichtbares j Zeichen der Erinnerung an den treuen Toten, für die Gemeinde bezeichnete. - Tie Feier hat bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen. y. Kolberg, 12. Februar. Das j ü d i s ch c K u r h o s p i t a l konnte am 26. Juli v. I. auf ein vierzigjähriges segensreiches Wirken zurückblicken. Das hätte Anlaß geben können zu einem freudigen Rückblick auf die vier Jahrzehnte des Bestandes. Allein der segensreichen Tätigkeit des Hospitals wurde mitten im Jahre durch den Ansbruch des Krieges ein „Halt" Zugerufen. Das Haus wurde dem Vaterlande für im Kampfe Verwundete als Heilstätte zur Verfügung gestellt. Am 20. Mai wurde, wie immer, der Anstaltsbetrieb eröffnet. Aber schon am 16. August mußten die letzten Insassen die Anstalt verlassen. Von 1395 Bittstellern wurden 585 Personen zur Kur ausgenommen und auf die fünf verschiedenen Kurperioden bis Mitte Oktober verteilt. Aber nur 331, davon etwa zwei Drittel gratis, konnten tatsächlich die Wohltat genießen. Von den Pfleglingen waren 141 männlichen und 190 weiblichen Geschlechtes. Sie stammten aus den verschiedensten Teilen Deutschlands, fünf aus Rußland. Auch die Einnahmen und Ausgaben der Anstalt stehen unter dem Zeichen des Krieges, insbesondere die Ausgaben. Der Gesamtetat balanciert mit 47 769 Mark. Unter den Einnahmen figurieren Kapitalzuwendungen in Höhe von 8000 Mark, der Kassenbestand betrug Ende des Jahres etwa rund 10 000 Mark. Dieser scheinbar bedeutende Ueberschuß erklärt sich, wie aus dem kürzlich erschienenen Jahresbericht hervorgeht, daraus, daß der Betrieb zwei Monate früher eingestellt werden mußte. Von einer Zuweisung dieses Betrages zum Grundkapital hat man ab-