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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-19 · Heft 8 (19.2.1915) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 8 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
Seite 96 (sequence 12)
Language
German
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— D i e P s a I m c n. Sachlich und sprachlich erklärt von Dr. Adolf Fraukl-Grüu. Wien 1912. Die hier angezeigte Veröffentlichung wird als Schulbuch beim Unterricht in der Psalmenlektüre gute Dienste leisten. Der Autor gibt keine Uebersetzung, sondern eine versweise fortlaufende, dem schlichten Wortsinn entsprechende Erläuterung der ersten 41 Psalmen. Den Anfang jedes Psalms bildet eine zusammenfassende Inhaltsangabe, den Beschlus; der Disposition und öfter auch Bemerkungen zur Technik des Versbaues. Die grammatische Worterklärung am Ende des Buches ist als Hilssmittel bei der Prüparativn verwendbar. In der Einleitung verbreitet sich der Verfasser über den mannigfaltigen Inhalt, die poetische Kunstform und die kritischen Grundfragen des Psalmenbuches. David gilt ihm als Begründer der Psalmenliteratur, deren Abschluß am Ende der soferischen Periode, etwa 300 v. Ehr., stattgesunden habe. Ter Autor polemisiert gegen die Annahme makkabäischer Psalmen. Seine Gegengründe lassen sich wohl hören, wenn er aber andererseits den König Hiskija zu einem Psalmendichter macht, so ist doch auch das nur vage Hypothese. Im allgemeinen sind die für die Absassuugszeit der einzelnen Psalmen aufgestellten Kriterien beachtenswert, auch was über sachlich zusammengehörige Psalmengruppeu gesagt wird, die eiue ordnende redaktionelle Hand verraten, ist belehrend. Nur ungern vermißt man eine Erklärung der musikalischen und liturgischen termini tcehnici sowie der hebräischen Namen für die verschiedenen Liedgattungen in den Psalmenüberschriften. Die Beseitigung des gerügten Mangels würde den praktischen Wert des Buches wesentlich steigern. D r. G r ü n t h a l. # — The H a s k a 1 a li Movement in R u s sia. By Jacob L. Raisin, Ph. D., D. D. Philadelphia. The Jcwish Puhlication Society of America 1913. Das Buch Raisins bietet weit mehr, als der Titel besagt. Es enthält nicht nur eine Zusammenhängende Darstellung der Bildungs¬ und Aufklärungsbkstrebungen unter den russischen Juden, sondern es ersaßt überall scharf und klar die Zusammenhänge zwischen den geistigen Bewegungen und den politischen Geschehnissen, die sie erzeugt haben oder die ihnen folgen, und so spiegelt sich in diesen Blättern fast die gesamte Geschichte des Judentums in Rußland und Polen seit der Zeit wider, da überhaupt Juden sich dort angesiedelt habe;;. Das Buch ist aus einer sehr tiefen Kenntnis der Geschichte wie der Seele des russischen Juden heraus geschrieben, der Verfasser hat eine geradezu erstaunliche Belesenheit, und die Bibliographie, die er dem Werke. anfügt, wird wohl alles enthalten, was zur Beurteilung seines Themas überhaupt heranziehbar ist. In manchen Auffassungen dürste der Verfasser freilich Widerspruch erfahren. Seine Darlegungen über den Zusammenhang von Haskalah und Zionismus sind zwar ebenso geistreich wie interessant; aber ob die nationaljüdische Bewegung in Nußland ein so geradliniger Nachfolger der Aufklärungsbewegung ist, darüber ließe sich manches sagen! Jedenfalls ist es aber auch hier ein großes Verdienst, daß Ölaiftu dieses für die Geschichte des Zionismus ebenso wuchtige wie interessante Problem, das in den hitzigen Tagesknmpfen sehr in den Hintergrund getreten war, wieder aus Tageslicht gezogen hat. Eine Uebersetzung des vortrefflichen Buches wäre sehr wünschenswert. Goldman n-Oppeln. M aterialien z u r V o l k s r e l i g i o n Israel s. Von Lic. theol. Dr. Phil. Anton Jirku, Privatdozent an der Universität Kiel. Leipzig 1914. A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung Werner Scholl. Jirku untersucht in seinen wissenschaftlichen Arbeiten vornehmlich die Ueberbleibsel der alten Volksreligion, welche sich im biblischen Schrifttum finden. Auch das vorliegende Werk, das von vornherein durch feine besonnene Haltung dem überlieferten Bibeltert gegenüber einen sehr sympathischen Eindruck macht, beschäftigt sich mit den abergläubischen Vorstellungen, welche in der religiösen Anschauung der Bibel nachweisbar sind. Es behandelt die wunderwirkenden Gegenstände, die Gebräuche wunderbaren Charakters und die Traumdeutung. Gewiß hat die Liebe für sein Thema den Verfasser häufig dort abergläubische Vorstellungen sehen lassen, wo nichts anderes als bilderreiche Sprachausdrücke vorliegen, und vor allem sind seine Besprechungen prophetischer Stellen nach dieser Richtung hin einer Nachprüfung sehr bedürftig. Des ferneren zeigt seine Literaturangabe, daß er Schriften jüdischer! Autoren, von denen manche hier unentbehrlich waren, entweder nicht kennt oder nicht kennen will. Trotz dieser Ausstellungen und trotz der selbstverständlichen Tatsache, daß man vom jüdischen Standpunkte aus manches ganz anders auffaßt lind beurteilt, ist ' das Buch jedem dringend zu empfehlen, den die heilige Schrift nicht nur als Osfenbarungsquell der jüdischen Religion, sondern überhaupt als religionsgeschichttiches Dokument und als Geschichte des jüdischen Volkes interessiert. Gold m a n n - Oppeln. Sprkchsaal. K r i e g s h i l f e. Aus Leserkreisen wird uns geschrieben: lieber all herrscht bei unseren Soldaten ein Mangel au Taschentüchern, der vielfach ebenso schwer empfunden wird wie der Mangel an Nahrung. In den Schränken unserer Hausfrauen aller Stände aber liegen Massen von alter Wäsche, weiß und bunt, die ohne große Mühe für diesen Zweck verarbeitet werden können Darum ergeht an alle Hausfrauen die Bitte: Schickt eure alte Wäsche, weiß und bunt, sauber gewaschen zur Verarbeitung an die Wäschesammelstelle B e r l i n - H a l e n s e e, Westfälische Straße 27 F r au Kl a r a Rege n h ar d t. Gebt reichlich, gebt bald, damit allwöchentlich ein großer Transport an die Front abgehen kann! Diesem Aufruf ist so schnell und in so reichem Maße entsprochen worden, daß schon in dieser Woche eine große Sendung ins Feld geschickt werden kann. Weitere Spenden sind dringend erbeten, damit keine Pause bei der Versendung einzutreten braucht. # A ch im - Bre m e n, 5. Februar 1915. Hochverehrter Herr Professor! Dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie folgende Notiz bringen wollten: „Wer möchte sich für vier russische Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren interessieren? Dieselben sind zum Zwecke der Erziehung unb des Unterrichts bei einem Lehrer in einer Kleinstadt untergebracht. Seit Ausbruch des Krieges haben die Eltern nichts mehr von sich hören lassen und sind auch ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen. Die zuständigen Konsulate und verschiedene Herren neutraler Länder haben sich bis heute vergeblich bemüht, eine Verbindung mit den Eltern zu erlangen. Es könnte beinahe nach den Vorgängen in Rußland an der Existenz der Eltern gezweifelt werden. Der Lehrer, der nur über ein müßiges Einkommen verfügt, selbst vier Kinder hat, ist nicht in der Lage, noch längere Zeit ohne Unterstützung für Beköstigung und Kleidung der Kinder sorgen zu können. Es handelt sich hier nicht um eine Unterstützung für den Lehrer, sondern um eine solche für bedauernswerte Kinder, über deren Schicksal die nächste Zukunft entscheiden wird. Zuschriften von Interessenten unter N. M. 13 an die Expedition erbeten." Mit vorzüglicher Hochachtung Adolf Rothschild, Lehrer. * Lublinitz, 12. Februar 1915. In Nr. 7 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" (Sprechsaal) weist Professor Schwarz für meinen Aufsatz „Der Stein im Heiligtum" auf Tosefta Joma 3,6 hin und meint, daß danach die Sache noch einfacher sei, als nach meiner symbolischen Deutung. Das ist freilich wohl zuzugeben. Aber die Tofefta-Stelle selbst scheint mir auch nur eine Erklärung, und zwar eine nicht über allen Zweifel erhabene Erklärung zu fein. Denn es bleibt die Frage offen: War der Stein wirklich schon „früher" im ersten Tempel vorhanden, Zugleich mit der Bundeslade, die auf ihm stand? Weshalb ist er dann nicht in der Bibel, in der alle Einzelheiten des Tempels genannt sind, miterwähnt als der „Sockel", auf dem die Bundeslade stehen sollte? Und wenn er eine spä te r e Neueinrichtung im e r st e n Tempel gewesen wäre, so wäre eine solche A e n d er u n g auch wohl nicht vorgenommen worden, ohne eine b e - gründete Angabe in der Bibel zu erhalten. Deshalb scheint mir meine symbolische Deutung völlig gerechtfertigt. Rabbiner Dr. F rieb m a n n.

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