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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-19 · Heft 8 (19.2.1915) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 8 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 — Die Wacht. Berlin, den 16. Februar 1915.. errliche Siegesnachrichten brachten die letzten Tage. Die deutsche Ostarmee hat an der Grenze Ostpreußens einen glänzenden Erfolg errungen, 26 000 Gefangene gemacht, viele Maschinengewehre und Kanonen erbeutet und die Russen zu einem fluchtähnlichen Rückzug gezwungen. Dieser große, mit Recht von den Deutschen herzlich gefeierte Erfolg, der hoffentlich Ostpreußen endgültig von russischen Einfällen befreit hat, ist um so höher anzuschlagen, als die Deutschen mit ihren Verbündeten auch in Galizien und der Bukowina in raschen Märschen mit bedeutendem Erfolge vorrücken und die Russen, ebenso wie die Engländer und Franzosen, auf diese Kämpfe in Ostpreußen die größte Hoffnung gesetzt hatten. Hatte doch ein russischer Minister in der Duma in einer äußerst zuversichtlich, fast triumphartig klingenden Rede diese Kämpfe in Ostpreußen als die wirklich ausschlaggebenden bezeichnet. Wie groß dieser Triumph ist, dessen Größe im einzelnen noch gar nicht feststeht, und wie berechtigt unsere Freude, geht auch aus russischen Berichten und aus den Zeugnissen der uns nicht sonderlich günstig gesinnten Neutralen hervor. Ein russisches Blatt, und zwar das deutschfeindlichste, die „Nowofe Wremja", meldet: „Möge der barmherzige Gott unseren tapferen Helden seine Hilfe nicht versagen. Ein furchtbarer, orkanartiger Angriff des Feindes hat begonnen. Es wird wahrscheinlich der letzte in diesem Kriege sein." Der Verfasser des Artikels sagt weiter: „Wie eine mächtige Lawine, wie ein unheurer Heuschreckenschwarm ergossen die deutschen Truppen sich über das westliche Rußland." Das Vorwärtsdringen geschehe mit einer urgewaltigen Wucht, mit solcher Krastanstrengung. daß es wohl möglich sei, daß die russischen Heere nicht vermöchten, standzuhalten, sondern überrannt werden würden. Der Artikel schließt: „Gott sei unseren tapferen Helden gnädig!" Ein schwedisches Blatt schreibt: Dieser große deutsche Lieg ist offenbar das wichtigste militärische Ereignis, das seit langer Zeit gemeldet wurde, wenn wir auch vorläufig nur wissen, daß die russische Offensive gegen Ostpreußen vollständig zusammengebrochen ist. Die russischen Armeen mußten, um nicht abgeschnitten zu werden, Hals über Kops den Rückzug antreten. Es steht auch nicht ein einziger russischer Soldat mehr aus deutschem Boden. Dies ist an und für sich schon von großer Wichtigkeit, besonders, da man in Rußland wie in den alliierten Ländern große Hoffnungen an einen russischen Vorstoß aus dieser Kante geknüpft hat. Es ist möglich, daß dem deutschen Sieg noch weitere, größere folgen werden, besonders meint man ihn in Verbindung bringt mit den: kräftigen Vorstoß, den Deutsche und Oesterreicher über die Karpathen und in der Bukowina, im letzteren Gebiet bereits mit bedeutendem Erfolg, vornehmen. Das russische Communiquö, das von einer großen Operation sprach, die endgültig Ostpreußens Schicksal entscheiden sollte, deutet sehr wahrscheinlich an, daß die Russen daran denken, ihre Stellung vor der Weichsel auszugeben, um sich gegen Brest-Litowsk und Bjelostok, also über die ganze Linie, zurückzuziehen. * Auch von dem österreichisch-russischen Kriegsschauplatz wird das Günstigste berichtet: Die in der Bukowina befindlichen russischen Truppen unternahmen den Versuch, in der Gegend von Viznitz und Sniathn sich unseren unaufhaltsam vordringenden Truppen entgegenzustellen. Der Versuch mißlang. Tie Russen wurden nach heftigen Kämpfer! geschlagen. Der Einzug unserer Truppen in Radautz erfolgte so unerwartet und rasch, daß die dort befindlichen russischen Stabsoffiziere gesangengenommen wurden. Ein russischer General verübte Selbstmord. * Sind auch im Westen ähnliche Großtaten nicht zu melden, so steht unsere Sache doch gut. Das Erscheinen englischer Schiffe und Flieger an der belgischen Küste schädigt mehr das unglückliche Land und seine arg heimgesuchten Bewohner als unsere Truppen, und das Auftreten englischer Soldaten im Sundgau wird uns hoffentlich keine sonderlichen Gefahren bereiten. Kleine, aber immerhin nicht unwichtige Erfolge sind auch gegen die Franzosen errungen, und wir halten an der Hoffnung fest, daß in nicht allzu langer Zeit auch im Westen ein entscheidender Schlag zu unseren Gunsten erfolgt. * Mit einigem Bangen verfolgen wir die von der deutschen Marine zum 18. Februar angekündigte Blockade der englischen Küste. So berechtigt auch die Androhung der deutschen Verwaltung ist, den neutralen Schiffen zu drohen, da England es wagen will, sich für seine Schiffe der neutralen Flagge zu bedienen, so bedenklich wäre ein Konflikt mit Amerika. In der amerikanischen Antwort aus die deutsche Ankündigung kommt folgender schwerwiegender Passus vor: Falls die Kommandanten deutscher Kriegsschiffe auf Grund der Annahme, daß die Flagge der Vereinigten Staaten nicht in gutein Glauben geführt werde, handeln sollten und auf hoher See ein amerikanisches Schiff oder das Leben amerikanischer Staatsangehöriger vernichten sollten, so würde die Regierung der Vereinigten Staaten in dieser Handlung schwerlich etwas anderes als eine unentschuldbare Verletzung neutraler Rechte erblicken können, die kaum in Einklang zu bringen sein würde mit den freundschaftlichen Beziehungen, die jetzt glücklicherweise zwischen den beiden Negierungen bestehen. Sollte eine solche beklagenswerte Situation entstehen, so würde sich die Regierung der Vereinigten Staaten, wie die Kaiserlich Deutsche Negierung wohl verstehen wird, genötigt sehen, die Kaiserlich Deutsche Regierung für solche Handlungen ihre r M arinebehörden st r e n g verantwortlich zu machen, und alle Schritte tun, die zum Schutze amerikanischen Lebens und Eigentums und zur Sicherung des vollen Genusses der anerkannten Rechte auf hoher See für die Amerikaner erforderlich sind. Gleichzeitig wird folgende deutsche Meldung verbreitet: In Ergänzung der Proklamation der deutschen Admiralität gibt die deutsche Gesandtschaft im Haag bekannt: Seit Deutschland, dem englischen Vorbilde folgend, beschlossen hatte, die englischen Gewässer vonr 18. Februar ab für gefährlich und als Kriegsgebiet zu erklären, hat England alle englischen Häfen zu Kriegshäsen und sich selbst für berechtigt erklärt, auf seinen Handelsschiffen die neutrale Flagge zu führen. Jetzt wird eine große Anzahl englischer Handelsschiffe bewaffnet mit der Instruktion, auf die deutschen Unterseeboote zu schießen oder sie anzurammen. Dadurch werden die Handelsschiffe F a h r z e it g e. Deutschland sieht sich deshalb von neuem genötigt, alle neutralen Schiffe dringend zu warnen, von: 18. Februar ab nicht mehr englische Küstengewässer zu befahren, da von diesem Tag an die deutsche Admiralität den Kampf gegen die englischen Kriegshäfen und die Kriegshandelsflotte mit allen Mitteln einleitet. Neutrale Schiffe, die sich dann noch in das Kriegsgebiet begeben, laufen Gefahr, mitten in ein Seegefecht zwischen kämpfenden deutschen und englischen Schiffen zu geraten. Deutschland lehnt jede Verantwortlichkeit ab. Damit beginnt eine neue Phase, die hoffentlich ernste Verwicklungen ausschließt. Wir wünschen von ganzem Herzen, daß das stolze England aufs schwerste geschädigt und gedemütigt wird und unsere Marine alle die Hoffnungen erfüllt, die man auf sie setzt. Bisher sind die englischen Pläne, Deutschland a n szuh ungern, ohne jeden Erfolg geblieben. Die Beschlüsse der deutschen Regierungen, den Brot- und Mehlverbrauch staatlich zu regeln, kündigen keine Furcht an und deuten weder auf eine augenblickliche noch auf eine drohende Not, sondern bezeichnen nur eine weise Beschränkung jedes unnützen Genusses. Unser Volk, das fast sieben Monate einer furchtbaren Zeit so heldenhaft ertragen hat, wird auch hier zu siegen wissen. Es handelt sich nur um Sparsamkeit, nicht um Darben. Wir, die zu Hause Gebliebenen, haben bisher in unseren Gewohnheiten und in unserer Lebensführung so wenig

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