Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Prograitttn, „Rezitationen aus der Bibel sowie älteren und neueren Dichtungen", war reichhaltig und mit Geschmack ausgewühlt. Mit Rücksicht auf die Zeit überwog die Kriegsdichtung, aber trotzdem kam die ernste und heitere Poesie nicht zu kurz. Der Abend begann mit einem Psalmengebet, das der Künstler überaus stimmungsvoll und mit tiefer Innigkeit vortrug. Dann kamen Gedichte von Heine (Prinzessin Sabbat), Fontane (Der Einzug aut 16. Juni 1871), Liliencrou l Einer Toten), Mar Jungmann (Soldatenlied), denen Herr Hartau mit Virtuosität alle Nuancen von der übermütigsten Schalkhaftigkeit bis zum ttcffteu Ernst zu verleihen wußte. Besonderen Beifall erntete er mit den: Bortrag einiger Prosadichtungen von Schalom Asch und I. E. Poritzky. „Der Jaddik im Dorfe" von Schalom Asch ist ein Kabinettsstückchen moderner Novellistik und zeichnet sich ebenso durch liebenswürdigen Humor wie durch feine Beobachtung aus. „Schachwidropp" von Poritzky ist von etwas gröberem Holz und verliert viel durch die übertriebene Anwendung des Jargons. Dieser Umstand verleitete auch den Vortragenden zu starker Unterstreichung, ohne welche die Erzählung wohl fmmt verständlich wäre; erfreulicherweise blieb hierbei Herr Hartau durch seinen Takt vor Uebertreibungen gewahrt. Feiner und gar stimmungsvoll ist Poritzkys „Sabbat-Abschied", dessen Vortrag mächtig ergriff. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete dem Vortragenden lebhaften Beifall. &&& Berlin, 9. Februar. Das Eiserne Kreuz erhielten: Assistenzarzt Dr. Fritz Eohn; Assistenzarzt Dr. Adalbert Sachs; Gefreiter d. R. Kaufmann Walter Perl; Kriegsfreiwilliger Bruno Jacob, Sohn des Börsenmaklers Sally Jacob; Unterarzt Kurt M a r c u s e, Sohn des Sanitütsrats Dr. Alfred Marcuse; Assistenzarzt Dr. med. et Phil. Arthur Krön selb, Sohn des Justizrats Dr. Sally Krottfeld; Assistenzarzt Tr. Margulies; freiwilliger Kriegsarzt und Chefarzt des Eholeralazaretts in Kutno Professor Dr. Friedlünder: Gefreiter d. R. Hugo Metz; Unteroffizier d. Paul Reich nt a n tt; Gerichtsassessor Oskar Heide m mm; Gefreiter Mar B e r a e r, Inhaber der Firma Gebr. Flatauer; Stabs- und Bataillonsarzt Tr. M a r k w a l d; Kammergerichtsreserendar Dr. Artur Schön! n nt, Sohn des Justizrats Adolph Schönlank: Freiwilliger Autoführer cand. med. dent. Ernst Blumenhein; Unteroffizier Paul Levi, Sohn des verstorbenen Mitinhabers der Firma Hermann Gerson; Offizierstellvertreter Walter P l e ß n i. r, Ossizierstellvertreter Bruno Ande r s, Assistenzarzt Dr. Franz R o s e n t h a l, Kammergerichtsreferendar Dr. Hans Reich, llnteroffizier d. R. Julius Münzer, Unteroffizier d. L. Rechtsamvalt Leo G a n s, Oberarzt d. R. Dr. Arthur P r o s k a u e r,! Sohn des Geheimen Negierungsrats Professor Tr. B. Proskauer; j Gefreiter d. N. Heinrich Opprower, Unteroffizier bei einer! Fernsprechabteilung Julius G l ü ck s o h tt, Assistenzarzt Dr. Ludwig P e l t e s o h n, Emannel R ö h r, Erich B u r i n, Feldunterarzt Joachint E a s p n r i, Stabsarzt d. L. Dr. Joachim Roth nt a it n, Gefreiter Louis Eick, Stabsarzt Tr. Ernst Joseph, Ossizierstellvertreter Paul Soli n g e r, Feldunterarzt Edwin Schiller, Oberstabsarzt Dr. Leopold A l k a u, Stabsarzt d. R. Dr. Alfred W i t k o w s k i - Groß-Berlin. --- Die gleiche Auszeichnung erhielten; Stabsarzt Dr. med. Karl R u p p i n - Bromberg, Bataillonsarzt Dr. Karl T r a u g o t t - Duisburg, Gefreiter Georg R o s ende r ge r - Glogau, Unteroffizier d. N. Leo B a e r - Bochum, die Brüder Joseph und Robert S i m e n a u e r - Kattowitz, Zahnarzt Fritz G e r st e l und Kriegsfreiwilliger Erich K a st a n - Breslau, llnteroffizier Paul Weinberg-Hannover, Unterarzt Alfred O p p e n y e i m - Hamburg, Leopold F e i st - Frankfurt a. M., Assistenzarzt d. R. Tr. U r Y-Belgard, Unterarzt Walter Röttgen, Sohn der Vorsteherin des jüdischen Frauenvereins Frau Minna -)iöttoeit in Wattenscheid: Leutnant d. R. Albert Schreiber, Mitinhaber des Bankhauses H. C. Plaut in Leipzig, Sohn des verstorbenen Generalkonsuls und Rittmeisters der Landwehrkavallerie Georg Schreiber; Unterarzt Dr. Artur D r u ck e r - Mogilno, Dr. Georg O r k i n - Hildesheim, Assessor Dr. Heinrich I ch e n - h ä u s e r - Köln, Rechtsanwalt N e u w a h l - Gelsenkirchen; Landwehrmann Ntar S ch m u l, Neffe des Lehrers Hermann Wolfs in Posen, zugleich zum Unteroffizier befördert; Dr. Franz K a n to row i c z - Posen, Oberarzt d. R. Tr. Eduard M i s l o w i tz e r - Filehne. — Dem Sohn des Herrn Bruno Heidenheim-Köln, Tr. jur. A r t h u r H e i d e n h e i m, Leutnant d. R. und Kompagnieführer im 20. bayerischen Infanterieregiment, der bereits mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, ist der b a y e r i s ch e M i l i - t ä r v e r d i e n st o r d e n mit Schwertern verliehen worden. — Ferner wird uns aus Hannover mitgeteilt, daß der Oberingenienr Dr. Georg Ni e y e r , welcher als Oberleutnant seit Anfang des Krieges in einem bayerischen Artillerieregiment steht, zum Hauptmann und Batteriechef ernannt und außerdem mit dem Eisernen Kreuz und einer bayerischen Militärverdienstauszeichnung dekoriert wurde. Dr. Georg Meyer ist der jüngste Sohn des verstorbenen hannoverfchien Landrabbiners Tr. Sam. Meyer. — Das Eiserne Kreuz erhielten ferner: Rechtsanwalt Hugo Z i p p e r t - Köpenick; Privatdozent Dr. Fritz Heim an n und Vizewachtmeister August Freund, Sohn des Fabrikanten Max Freund in Breslau; Rechtsanwalt Dr. Erich R u h ein a n n - Frankfurt a. M.; Unteroffizier im 1. bayerischen Reserveinsanterieregiment Lippm a n n U l l m a n n , Teilhaber der Firma Reinemann tr. Lichtinger in München, dem außerdem der bayerische Militärverdienstorden mit den Schwertern verliehen wurde, und folgende Herren aus Bayreuth; Oberarzt d. R. Dr. Leo Steinberger beim bayerischen 7. Infanterieregiment; Oberarzt d. R. Dr. Wilh. Strauß, z. Z. Bataillonsarzt bei einem hessischen Regiment; Unteroffizier d. R. Hermann R e i n a u e r. — Berlin, 9. Februar. Zu einer großen Tranerktlndgebung der Berliner Handelswelt gestaltete sich die vorgestern stattgefundene Beisetzung des Kommerzienrats S i. e g m u n d Bo r ch a r d t, der am 3. d. M. im 74. Lebensjahre verschieden ist. Der Beisetzung atlf bent Friedhof in Weißen fee ging im Sterbehaufe, Friedrichstraße 226, eine Trauerfeier voran. An dem von einem Palnren- und Blumenhain umgebenen Sarge hatten unter anderen Kränze niedergelegt der Gesellige Verein der Gesellschaft der Freunde, der Brüderverein Z. G. U., die Coellwitzer Akt.ien-Papierfabrik, der Verein Berliner Buchdrnckereibesitzer, der Verein deutscher Schriftgießereien, Kreisverein Berlin, der Verein Berliner Feinpapiergroßhändler, die Loge Hammonia zur Treue Orient-Berlin und das Personal der Schriftgießerei Wilhelm Woellmer. In der Trauer- Versammlung sah man fast sämtliche Mitglieder der Aeltesten der Kattsmannschast mit dem Reichstagspräsidenten D r. Kaempf und Stadtültesten Stadtrat Weigert. Ferner waren zugegen der Syndikus der Aeltesten, Professor Apt, Generaldirektor Berlin e r vom Bergmann-Elektrizitätswerk, Justizrat M a r k i w i c z. Geh. Rat G r ü n f e l d - Beuthen, der Vorstand des Brüdervereins, Ferdinand Meyer, namens der Gesellschaft der Freunde Hugo H e i t nt >a n tt, Geheimer Kommerzienrat F r ü n k e l sowie viele Vertreter der Berliner Handelswelt und fast alle Direktoren der Großj Berliner Banken. Eingeleitet wurde die Feier durch Gesang des Synagogenchors. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner D r. W e i ß c. j Hieraus trat der Vorsitzende der Loge Hammonia an die Bahre und widmete dem Verstorbenen herzliche Dankes- und Abschieds- Worte. K. Posen, 8. Februar. Die I a h r h it ndertfei c r d e r I s r a e l i t i s ch e tt Brüdergemeinde z tt Pose n wurde gestertt, den 7. Februar, dem Ernst der Zeit entsprechend durch eine Festandacht in der Synagoge dieser Gemeinde begangen. Nicht eine festtägliche Feier, sottdern eine würdig ernste Andacht der Rückerinnernng sollte diesem Gedenktage die Weihe geben. Weihevoll war auch die Stimmtlng der zahlreich erschiettenen Gemeindetnitglieder. Nach einem stimmungsvollen Orgelvorfpiel sang der S y n a g o g e n ch o r in abgetönter Vollendung Joseph Haydns 19. Psalm („Die Himmel erzählen die EhrwGottes"). Oberkantor L i l i e n t h a l, der sich um dett gesamten mnsikalischett Teil der Andacht besonders verdient gemacht' hat, trug ergreifend mit seinem klangvoll schönen Bariton int hebräischen Text den Psalm 133 iit der Komposition des Rechtsanwalts Richard Behr hierfelbst vor. Es folgte die Festpredigt des Rabbiners Professor Dr. Bloch, die den Mittelpunkt der Andacht bildete. Als einen Tribut pietätvoller Rückerinnerung und Dankbarkeit gegenüber der Vergangenheit, aber zugleich als eine Mahnung für jeden einzelnen, über den Kreis der eigenen persönlichen Interessen hinaus für die Allgemeinheit zu wirken, bezeichnete der Redner die Bedeutung der Gedenkfeier. Indem er einett Mckblick auf die Entstehung und Entwicklung der Israelitischen Brüdergemeinde warf, tvürdigte er diese als einen mächtigen religiösen Kulturfaktor innerhalb der hiesigen Synagogengemeinde und wies mit Stolz auf die Fülle verdienter, int Gentei ndeleben führettden Männer hin, die sie allezeit zu ihren Mitgliedern gezählt hat. Nach der Festpredigt sang das Mitglied des Synagogenchors, Frau B e r g g r ü n - K r i st e l l e r , mit ihrer glockenreinen, melodischen Sopranstimme Felix Mendelssohn-