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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-12 · Heft 7 (12.2.1915) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 7 (12.2.1915)
Date
1915-02-12
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 utt-migefochten ■cjcuii-ejjcn. Wer wollte heute -der Firma Krupp noch ihre Ri-esengewinne mißgönnen? Aber berechtigt ist die Abneigung des Volkes gegen die Gewinne der Kriogslieferanken überall dort, wo es sich um die wenig appetitlichen Früchte der Protektiou und des Monopols handelt, um Speku-! lativnen, die man mit einigem Recht als wucherisch bezeichnen dürfte,! wert sie den Leichtsinn von kaufmännisch unerfahrenen Beamten und! die Notlage der Nation auszub-enten verstanden. Man erzählt sich - im Volke, daß auch diesmal wieder solche Millionengewinne gemacht worden seien und übertreibt dabei wahrscheinlich, wir wollen es j hoffen, Zahl und Bedeutung weniger Einzelsälle ins Ungeheure. Aber! gleichviel? Auch ein einzelner Fall ist in der Tat unerträglich! Wo! das ganze Volk entbehrt, kämpft, leidet unb blutet, hat vom Standpunkt der Primitivsten Moral auch nicht ein einziger das Recht auf; Bereicherung über den Wert seiner A r b e i t Hinalls, auf Bereicherung; durch die Konjunktur und das künstlich geschaffene Monopol. Das! so verdiente Geld ist verflucht, es klebt allzuviel Blut darau! Wo j solche Fälle bekannt werden, gehören die Schuldigen an den Schand- : Pfahl der Oessentlichkeit. Alles, loas reine Hände hat, soll weit; von ihnen abrücken. ' Der Staat aber sollte diese Kriegsgewinne zum großen Teil durch j eine Wertzuwachssteuer konfiszieren. Seine Notlage rechtfertigt die! Maßregel ohne weiteres; er braucht das Geld dringend, und niemand! kanir dieser Not gegenüber sein Recht zu behaupten loa gen, aus solchem Weltenbrande stark bereichert hervorzugehen, lvo jeder andere j froh sein muß, mit einem blauen Auge davonzukommen, Leben, Ge-! fundheit und ein. Auskommen gerettet zu haben; und lvo so viele Leben, Gesundheit, Glück und Vermögen der großen Sache willig geopfert! haben. Die öffentliche Meinung aber des Volkes lvird btc]c Besteuerung ' eines großen Teils der Kriegsgewinne durch den Staat, der sie selbst erst ermöglicht hat, mit der größten Begeisterung aufnehmen j und lvird dabei der Billigung durch die Moral durchaus sicher sein.! Nicht der Neid der Besitzlosen gegen die Glücklichen wird sie lenken, j sondern das Gefühl der Gerechtigkeit, das Belvußtfein, daß in solcher j Feit, lvo einer für alle nlid alle für einen zu stehen haben, auch im j geschäftlichen Leben eine neue Mvral, die Kriegsmornl, zll gelten hat.! Das Gewerbe nnb der Handel werden sich nicht voll der Land-! lvirtschast beschämen lassen, die das staatliche Getreidenionopol mit! Freude begrüßt hat, weil sie zwar die „Teuerung für notwendig : hält, um der Hungersnot vvrznbeugen", aber den Gelvinn und das Odium.der hohen Kornpreise nicht auf sich nehmen wollte. Das ist staatserhaltender Geist. Möge er ht allen Schichten gleich lebendig fein ulld bleiben. Den „Lultur"fördrrrrn. Von dl r t h u r T i (b e t g I e i t. ^^^ohl füllen sich mit Betern Moskaus Tome, Ter Menschheit Tempel aber ist verwaist. Seit ihr im heißen Blutrausch der Pogrome Satans Altar nmvast, umkreischt, umkreist. Fluch euch auch Briten, Helfer feiler Henker; Daß ihr den Bund mit Meuchlern nicht gescheut! Ihr Frömmler, frevle Weihranchkesselschwenker, Durch kein Westminster- und Abteigeläut Wird überdröhnt der Sterbenden Gewinsel. Umwogt euch nicht das Meer als Tränenflut? Als roter Nebel flammt um eure Insel Die Mordschuld: mitvergossines Kinderblnt. To sankst auch du tief zum Kvsakenknechte, Franzmann, der einst der Freiheit Banner schwang! Erkämpfen Brudertum und Menschenrechte Mit Kerkerfesseln sich und Knutenzwang? O, daß dir doch das Blut die Schläfen siede! Hast du vergessen alle Erbenpflicht? Den Ring der Schmach, den deutsche Faust dir schmiede. Spannt straffer noch dir einst das Weltgericht. Du aber, Herr der Höhen und der Tiefen, Flamm' endlich auf gleich einem Wutvesuv, Daß nicht umsonst in ihren Martern riefen' Dich Tausende mit ihrem letzten Ruf, Ertränke in dem Blute der Pogrome Die Horde, die in Henkern Helden sieht. Denn es wird Zeit, daß wieder durch die Dome Dein heißersehnter, heiliger Odem zieht. Ser neue Ehrilt. Roman von Peter Ujvöri. Uebersetzt von Rosa Trencsöni. (Fortsetzung.) „Nun gut, Herr Littauer," sprach er, als ihm Littauer die Teilhaberschaft anbot, „ich nehme es an. Wir werden einander nicht betrügen, denn wir sind ja Christenmenschen." „Wann machen wir den Vertrag?" „Auch ein mündliches Uebereinkommen vor Zeugen würde genügen —- denn wir sind doch keine Juden." „Ein Vertrag ist besser." „Wie Sie wünschen. Nachmittag werde ich denselben verfassen." „Bemühen Sie sich nicht. Den werde ich schon verfassen." „Meinetwegen. Aber vergessen Sie nicht, mir in allen Punkten Vollmacht zu geben." „Nur während meiner Abwesenheit und auch dann nur in solchen Dingen, über die wir uns vorher geeinigt haben." „So wird das nicht gut sein." „Es wird gut sein. Anders ist es nicht möglich." „Es wäre besser, wenn Sie sich ganz mir anvertrauen würden. Ich verstehe meine Sache." „Das glaube ich schon, aber das ist doch auch ein bißchen meine Sache." „Wieviel wollen Sie an dem Unternehmen verdienen?" „Eine Million." „Das ist wenig." „Mehr kann man nicht." „Für zwei Männer ist das zu wenig. Ich glaube, daß ich mehr herausbringen kann. Mehr, Herr Littauer, Sie z werden es schon sehen." Tags darauf Unterzeichneten sie den Vertrag. XIV. Kollar übernahm die Leitung des Kirchenbaues. Er verfügte ganz selbständig, obwohl der Vertrag sein Verfügungsrecht an Bedingungen geknüpft hatte. Aber Littauer war nachher noch leidender geworden, so daß er sich um das Unternehmen nicht viel kümmern konnte. Auch sonstige Sorgen und häuslicher Verdruß lenkten seine Aufmerksamkeit davon ab. Nach dem Wahlfiasko hatten die Sonngottschen Gaston beinahe die Türe gewiesen. Else weinte vergebens, und vergebens schwur sie, daß sie ohne Gaston nicht leben könne, Frau Sonngott verharrte eigensinnig bei ihrem alten Standpunkte, wonach sie Gaston Littauer nur dann brauchen könne, i wenn er ihrer Tochter eine entsprechende gesellschaftliche Stellung sichere: als Abgeordneter oder als Universitätsprofessor. Gaston hinwieder verharrte auch bei seinem Willen. Er brauche den Lehrstuhl nicht. Er lasse sich nicht in eine Lage hineindrängen, die den Leuten Gelegenheit geben könnte, ihn zu verdächtigen. Von ihm solle keiner sagen, daß er sich wegen der Professorenstelle getauft habe.

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