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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-12 · Heft 7 (12.2.1915) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 7 (12.2.1915)
Date
1915-02-12
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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-76 wir wollen unseren Platz behalten und wünschen den Sieg! zu ltnferem Heile und einen dauernden Frieden zum Segen I der Welt. ' ' Aus de:n Bureau Franz Oppenheimer geht uns folgendes 1 zur Veröffentlichung zu: u s s i s ch e V e r s p r e ch u n g e n. Man weiß in Denlfchlnnd schon seit langem, das; es mit russischen Vcrsprcchiiuqeu nicht weit ßer ist. Zu Rußland wir^ immer sehr viel versprechen, ai':x jeßr wenig gehalten. Tie unmenschlichen Unter-! drücknngen der Inden in Rußland seit dem Ausbruch des Krieges haben ihrerseits den Glanden an die rNersicherungen der konservativen ' riksfischen Kreise völlig erschüttert. Nun veröffentlicht die jüdische Leitung „Moment" (Warschau) eine Unterrodnng mit einer hochstehenden Pcwsön lichten, die anscheinend zn der l'iberalen Rsichtnn-q gehört. Es ist bemerkenswert, mit welcher^ Vorbehalten auch von dieser Teile den Juden die bürgerlichen Rechte versprochen rverden. Ter russische .1 Politiker hat sich folgendermaßen über die zukünftige Gleichiöerech-! iignng der Juden geäußert:! „Es wird geplant, den jüdischen Ansiedlnngsrayon abznsch,a>fen. jedoch nur in bezug ans die Ttädte. Tas Wohnuugsvervot für die Törfer )vird auch künftighin bestehen bleiben. Plan denkt daran, die Prozentuorm in den mittleren mtb höheren Lehn len fallen zu lassen. Es ist aber nicht sicher, oh dieses gleich oder erst im Verlaufe von einigen Fahren geschieht. Man will indes den Juden erlauben, eigene Tchnlen zu münden. Es ist ferner möglich, daß man den Juden b-en Zugang zur Advokatur wieder gestatten wird; man denkt sogar daran, jüdische Ossiziere ,zn ernennen. Jedoch! hält man dieses Projekt in den muß gebenden Kreisen für verfrüht. Tie hohen Finanzkreise sind sehr dafür, daß man den An siedln ngs-! rayon abschafst. Tie machen aber gleichzeitig darauf aufmerksam,! daß dadurch die Auswandernnq von nichtdiplomierten jüdischen! Handwerkern ans Polen nach Rußland einen zn großen Umfang! an nehmen wird, wodurch eine croße .Konkurrenz zwischen dem jüdischen Arbeiter, der für einen viel niedrigeren Lohn arbeitet, und I dem russischen Bauer entstehen wird. Mit der Vefreinng Galiziens uürd sich für Rußland eine neue Fndensrage bilden. Tie galizischen Juden leben noch ärmer als! die Juden Polens und sind bereit, für einen noch kleinereil Lohn zu j arbeiten. Auch von diesen Juden ist im Falle der vollen Frei-! Zügigkeit eine starte Konkurrenz zn befürchten. Zu beachten ist es,; daß die galizischen Juden an ein freieres Regime gewöhnt sind, iveshalb sie sich nicht so leicht mit den neuen Zuständen abfindeu ' werden. T'ie maßgebenden Kreise halten deshalb ei iw Organi- ' fation der jüdischen Vcasseloansmandernng für sehr wichtig. Wir glauben, daß England eine von deii deutschen Kolonien bekommt und sie uns dann lviedergibt. Iedensialts iväre es sehr wünschenswert, ivenn Tyrien unter Englands Protektorat käme. Tiefer Landstrich soll dann den Inden unter der Garantie der vollen Telbstvenoalkung überlassen iverden. Vinn wünscht auch, daß über diese Fragen eine öffentliche Tisknssiou sich entivickelt. Insbesondere hält man in den maßgebenden Kreisen eine Erörterung der Emigrationsfragen für höchst notwendig." Plan sieht ans den vorstehendeii gequälten Ausführungen, wie iveicig Hoffnung die russischen Juden haben, eine ivirkliche Gleichberechtigung zn erlangen. Nur eine Niederlage des Zarismus wird sie ihnen verschaffen. Lin ölterreichilchkr FeMprediger. err Professor Tr. Gabriel Schwarz in Agram (Zagreb), Kroatien, sandte uns, augeregt durch die Berichte des Herrn Tr. Baeck, einen Artikel „Fünf Monate auf dem südlichen Kriegsschauplätze" und fügte sein Bild hinzu, das wir hier nebst den folgenden autobiographischen Notizen folgen lassen: Sohn des Rabbiners Moses Schwarz (Pozega, Kroatien), geboren anl IR Dezember 1872, besuchte die Landesrabbinerschule in Blldapest von 1886 bis 1896, mit Unterbrechung von 1893/94 in der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, promovierte in Budapest, ward Prediger 1896 in Karlovae lKroatien), dann nach dem Rabbinatseramen im Jahre 1897 daselbst Rabbiner, seit 1. Februar 1901 königlicher Professor für Religionsunterricht an den Mittelschulen in Zagreb (Agram), Kroatien, und Vertreter des Rabbiners in der dortigen Gemeinde. Seit 1896 habe ich öfters für die „A. Z." geschrieben, sonst bin ich Mitarbeiter der von Professor Dr. L. Blau redigierten „M. Js. Szemle" seit 1893. Mit Interesse las ich die Berichte des Feldrabbiners Dr. Baeck in der ,,'A. Z. d. I.", die mir auf den Kriegsschauplatz nachgeschickt wurde. Ich ersah aus ihnen, daß die Verhältnisse bei uns nicht dieselben sind, darum dachte ich, daß die Leser der „A. Z." diese Schilderungen eines anderen Feldrabbiners vom verbündeten Heere auch interessieren dürften. In der österreichisch-ungarischen Armee hat jedes Korps zumindest einen Feldrabbiner, außerdem haben die beiden Landwehren einige, ebenso der Landsturm. Es gibt also Feldrabbiner zugeteilt dem Korps-, Divisions- oder Brigadekommando. Tie Zuteilung richtet sich gemäß der Zahlengröße der in den einzelnen Truppenkörpern befindlichen Juden. So z. B. befanden sich am südlichen Kriegsschauplätze bei drei Korpskommandos je ein Feldrabbiner, außerdem bei einem kombinierten Korps einer bei einer Landwehrdivision und einer bei einer Landsturmbrigade, die jedoch eigentlich eine Division war, denn sie bestand aus vier Regimentern. Die seelsorgerische Tätigkeit des Korpsfeldrabbiners war nach meinen Erfahrungen eine viel geringere als diejenige eines Divisions¬ oder Brigadeseldrabbiners, denn der erstere war von den Truppen zn weit entfernt, in Wahrheit dem Etappenkommando zugeteilt, zumeist in irgendeiner Stadt im Hinterlande, also nicht ans dem eigentlichen Kriegsschauplätze. Seine Wirksamkeit erstreckte sich auf den Spitalbesuch in der Etappenstation oder auf die Beerdigung der dort Verstorbenen, endlich auf die Führung der Totenmatrikeln. Der Divisions- oder Feldrabbiner hingegen zog knapp hinter den Truppen her, war mit ihnen in steter Fühlung, in dauerndem Verkehr, zumeist infolge dessen auch in fortwährender Gefahr im Feuerbereiche der Infanterie, noch öfter der Artillerie. Seine Lage war eine gefährdete, seine Wirksamkeit dafür eine ausgedehnte, vielseitige und in erster Reihe seelsorgerische. Weiter mußte er auf allen Komfort, den der Korpsrabbiner in der Etappenstation, d. h. in einer Stadt, vorfand, auf alle gewohnten Bequemlichkeiten der Lebensweise verzichten, viel reisen und sich mit der primitivsten Unterkunft rmd einfachsten Nahrung begnügen. So viel im allgemeinen Ich wurde gleich zu Beginn der ersten (serbischen) Mobilisierung znm Feldrabbiner einer Landsturmbrigade ernannt und blieb in dieser Eigenschaft bis zum Jahresende 1914. Da mein zur Landwehrdivision eingereihter Kollege gleich zu Beginn des Krieges beurlaubt wurde, blieb ich am südlicheil Kriegsschailplatze der einzige F e l d rabbiner, nämlich der einzige, der fortwährend im Felde war, zum Unterschied von ben übrigen drei, die als Korpsrabbiner im Hinterlande in Städten sich aushielten. Dem Brigadestabe Zllgeteilt, befand ich mich entweder in demselben Orte mit den Truppen oder wenn diese in den Schützengräben standen, also von fünf Mo naten während Monate in ihrer unmittelbaren Nähe, zwe bis fünf Kilometer hinter ihnen, ein bis drei Kilometer vor den Train. Infolge dieser Nähe jur Feuerlinie gewöhnte sich bald mein Ohr an das Knattern der Gewehre und meine Nerven ai das Pfeifen der Schrapnells und Granaten. Mit Humor, del den Menschen anch im Kriege nicht verläßt, erwarteten wü diese Tod und Verderben bringende Musik zu gewissen Tages Zeiten, denn mit der Zeit entwickelte sich in den Schützengräber eine gewisse Stnndeneinteilung. Der Vormittag war ruhig zur Mittagszeit ging das Schießen los, der Nachmittag wal wieder ruhig, abends ging das Schießen wieder los und dauert« die ganze Nacht hindurch mit kleinen Unterbrechungen. Ein« ruhige Nacht war fast ungemütlich, und oft erwachte einer oder

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