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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-05 · Heft 6 (5.2.1915) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 6 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
Seite 70 (sequence 10)
Language
German
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fleim'* Vermöge», welches hinreichte, einen Handel mit Fellen! einzurichten, auf den er sich verstand. lieber das Leben der Einwanderer jener Feit erzählt der Alte nichts, die friedlichen! Ereignisse des Alltags scheinen ihm nicht erwähnenswert, und i der Tag, wie er sich ihm eben bot, war gar nicht nach seinem , Geschmack.! Der Umschwung — sein Leben scheint nur aus Uebergängen zu bestehen — trat eher ein, als er und die Welt es dachten. „Im Amerika ist's allzulang ruhig gewesen," schreibt Pollak, „dabei werden die Gemüter immer erregter, nur daß keiner den Groll, der in ihm wütet, zeigen will. Aber, daraus versteh' ich mich! Es liegt etwas in der Luft, und mir steigt meine Rauflust wieder einmal zu Kopf! Das wär' so schlecht nicht, wenn ich noch einmal, bevor die große Reveille kommt, den Pallasch wetzen könnt'! . . . Anna hat mir einen hübschen Brief geschrieben, und unsere Kinder haben erste Schreibversuche gemacht. Dabei schäm' ich mich, an Abwechslung gedacht und Gedanken gehegt zu haben, wie sie einem Wildling anstehen würden, nicht aber einem Vater, der sich im sremden Land für Weib und Kinder sorgen wollte! Weiß Gott, für seine Natur — heißt's — kann keiner!" Vier Wochen später wird Lincoln im Theater ermordel und Pollak ist Augenzeuge des Attentats, ja er hätte beinah den Täter erfaßt, so nahe war er ihm! Darüber fehlt natürlich ein ausführlicher Bericht nicht, und dieZeituncgn werden von ihm mit allen Einzelheiten versehen. Sein Tagebuch notiert den denkwürdigen Tag mit folgenden Strichen: „Abraham Lincoln, ein wackerer Herr, ist heute, 14. April 1865, im Fords-Theater ermordet worden. Wer den Mann kannte, wünscht dem elenden Booth den Teufel an den Kragen! Wir werden ihn aus seinem Kerker Holen und die Prozedur verkürzen! Die Stadt ist in Aufregung, die Männer weinen! Amerika ivird den Tag nicht verschmerzen können und! diesen dies ater mit blutendem Herzen in Erinnerung halten." i Diesem Tag waren Ereignisse vorangegangen, über die der! alte Pollak in einem besonderen Heft Auskunft gibt, und die! ich daher außer der Reihe bringen muß: der Sezessionskrieg! „Der Pallasch war tatsächlich gewetzt worden, und heiß j platzten die Gegensätze aufeinander, Nord und Süd! Als Lincoln 1860 von dem republikanischen National-; konvent als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde und! am 6. November 1860 seine Wahl erfolgte, erhoben die! Sklavenstaaten ein riesiges Geschrei und begannen, indem sie aus dem Staatenbunde austraten, den Krieg. Unter den 75 006 Freiwilligen, die Lincoln für sich und seine Sache zu begeistern verstand, war auch ich. Mit tränendem Auge nahm ich Abschied von Weib und Kind, in deren Schuld ich mich fühlte, denen ich niemals ein guter Vater, ein guter Mann gewesen zu sein glaube, obgleich mir meine Anna, der mein Verdienst jedes Vierteljahr zum Unterhalte zuging, in jedem neuen Schreiben in rührenden Worten ihre und unserer Kinder treue Liebe versicherte. Ich ließ am 18. April mein Geschäft einer Nachbarin, die mir achthundert Gulden allszahlte, legte Anna die Summe in einem Schreiben bei und! bat sie, sich meinetwegen keinerlei Sorgen zu machen, da es! keinem Krieg, sondern nur einem Ausflug in die Südstaaten j gälte, denen Lincoln mit dem Finger drohe! A trip to tlie | South! Hallo! Der Ausflug dehnte sich allerdings ein wenig in die Länge und fand erst am 0. April 1865 ein Ende. Er hat mir wenig; Spaß gemacht, er war kein Krieg nach meiner Art! Die Sache war eines schönen Krieges wert, und die Bej geisterung hätte für drei Kriege hingereicht. i Die einzelnen höchst aufreibenden Märsche, das Herumbalgen mit dem Lumpengesindel und die schrecklich unsoldatischen Mitläufer verleideten mir die Kampagne. Eine einzige Schlacht war erhaben, eine Schlacht, wie sie die Poeten schildern, ein Kampf Brust an Brust, Aug in Aug, jeder auf sich selbst angewiesen, jeder ein Held! Gettysburg war die heldenmütigste Schlacht, die ich erlebte, und sie beschreiben, hieße ein Heldenbuch verfassen! Mit Gettysburg ist unser Geschick entschieden, und die Sklavenhalter werden mit blutigen Köpfen zurückgejagt. Grant treibt Bragg in die Büsche und treibt auch Lee in den Maitagen in stürmischen Gefechten zurück. Der alte Davis wird endlich beim Schopf gefaßt und soll uns den Verlust unserer 90 000 büßen! So endet dieser Zwiespalt, so endet auch meine Amerikafahrt, so endet meine Abenteurerlust. Meine Faust war tatsächlich zittrig geworden, und meiner Nase tat der Pulverdampf weh. Ich habe oft inmitten des Getümmels an mein Weib gedacht und mein Sch'ma Jißroel zum Sternenhimmel hinaufgeschickt, wenn es am Morgen zur Entscheidung kommen sollte. Nun will ich heimfahren ins alte Europa und meine Kinder auf den Knien schaukeln." Pollak kommt 1866 in Prag an und wird hier seßhaft. Seine Frau, eine rührige Hausfrau mit offenen Augen und lebhaftem Herzen, weiß sich vor Glück kaum zu fassen. Die Kinder scheuen sich, den sremden bärtigen Mann Du zu nennen, und erst allmählich finden sie sich drein, ihre intimsten Angelegenheiten mit einem Dritten zu teilen. Im Lauf der Jahre kehrt der Wohlstand ein: die Kinder sind herangewachsen, und Pollak wird ein alter Mann. Sein Weib tritt vor ihm die große Reise in die Ewigkeit an, er aber sieht Enkel heranwachsen und hört sich Großvater nennen! Solch ein Großvater, der mehr erzählen kann als ein Märchenbuch! „Ei, Großpapa, ist denn auch alles wirklich wahr?" Der nruc Christ. Roman von Peter Ujvöri. Uebersetzt von Rosa Trencseni. (Fortsetzung.) XIII. Leute hatten ihres Hasses vergessen und ihrem Zorn entsagt. Ihre Herzen waren voll Schwärmerei, voll glühender Begeisterung für das Wunder. Wenn sie vor dem Tempel zusammenkamen, sprachen sie von nichts anderem, als von Rebbe Reb Herscheles großer Wundertat. Hundertmal sprachen sie darüber, variierten es tausendfach und fanden dieses Thema unerschöpflich. Buchsbaum war der einzige, welcher den Mut fand, der öffentlichen Meinung mit einigen Zweifeln zu begegnen. Wahr ist's, daß Littauer schwer krank gewesen und gesund geworden ist, aber man kann nicht wissen, ob es des Zadik wegen geschehen ist. „Weswegen son denn?" schrien ihn zornig die Zadikschwärmer an. „Vielleicht deinetwegen? Deinem schönen Ponem zuliebe hat sich Gott des Abtrünnigen erbarmt? Es ist doch offenkundig, daß Gott menschliche Tugenden überschreitende Verdienste belohnt hat, indem er einen Menschen aus tödlicher Krankheit rettete, der hundertmal den Tod

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