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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-01-29 · Heft 5 (29.1.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 5 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Dessau; Isidor Israel Pinczower - Ratibor; Offizierstellvertreter Rechtsanwalt Dr. Max Theodor- Posen, Sohn des Rabbiners Dr. Theodor in Bojanowo; Unterossizier d. L. Arthur Marcus aus Bartschin in Posen; Unterarzt Hermann Bahr. Sohn des Rabbiners Dr. Bahr-Prenzlau; Feldwebel Kaufmann Isidor K o ch m a n n - Beuthen O.-S.; Kaufmann Viktor F r e y - Scharley; Aiax P o h l y - Wolsenbüttel; Rechtsanwalt Davids v h n - Düsseldorf; Gerichtsassessor Dr. Solo m o n - Schievelbein; Offizierstellvertreter Rechtspraktikant Dr. L e w i n - Freibnrg i. B.; Vizelvachtmeister d. R. Tr. Kurt S t e r n b e r g - Breslau; Kriegsfreiwilliger Ludwig Werth e i m e r - Offenburg in Baden. Hamburg, 22. Januar. Herr Martin P hili p s e u ,! ein? namentlich in den- Kreisen von Handel und Schiffahrt! sehr bekannte Persönlichkeit, früherer Besitzer der Berlaasanstalt Martin Philipsen u. Co., ist nach kurzer Krankheit iin Alter von 67 Jahren gestorben. Cr war lange Zeit Armenpfleger und bekleidete auch in der D e u t s ch - I s r a e l i t i s ch e n G e - m eint) e in der Verwaltung verschiedener Wohltätigkeitsanstalten Ehrenämter. Zur Trauerseier hatte sich eine außerordentlich zahlreiche Tranergemeinde eingesnndeu. Herr Rabbiner Dr. L ö w e n t h a l zeichnete ein getreues Lebensbild des Verstorbenen. Er schilderte insbesondere dessen große Hilfsbereitschaft und geschäftliche Tätigkeit. Mit einigen Trostesworten cm die Hinterbliebenen schloß die wirkungsvolle Rede. In der Friedhofskapelle zu Ohlsdorf widmete noch Herr Alfred Ziffer als Vorsitzender der Henrh-Jones-Loge dem Dahiugeschiedenen einige Worte des Nachrufs. J. A. Nürnberg, 22. Januar. K r i e g s a u s z e i ch n u n g e n i u R ü r n b e r g. Das Ri i l i t ä r v e r d i e u st k r e uz III. K l a s s e! erhielten: Karl Burger, Unteroffizier d. R. im 6. Feldartilleriej regiment, Sohn des Kaufmanns Isaak Burger; Karl Golds chm i d t, : Gefreiter im 6. Reserveiufanterieregiment, Sohn des Kaufmanns Gnidor Goldschmidt; Feldlazarettinspektor Sigmund Oppen-! heimer, Sohn des Großhändlers Emil Oppenheimer: Feldlazarett- - insp.ktor Lothar S ch ö n b e r g , Sohn des Kaufmanns Beruh. Schönberg. Den M i l i t ä r v e r d i e n st o r d e n IV. Kl a s s e erhielt: Julius Bern stiel, Leutnant, Mitglied des freiwilligen Autonwbilkorps, welcher bereits das Eiserne Kreuz besitzt. Das Eiserne - Kreuz erhielten: Kriegsfreiwilliger, Rechtspraktikant Dr. Hein-! rich, Unteroffizier im 14. Infanterieregiment; Tr. Fritz Wachtel, - Oberarzt bei der 2. NUmitionskolonnenabteilung des 3. bayerischen Armeekorps; Frauenarzt Dr. Siafried Bauer, Oberarzt beim | 12. Feldlazarett des 3. bayerischen "Armeekorps; David Oberndorfer, Hauptmann und Kompagnieführer im Landsturmbataillon Nr. 6, Nürnberg, in Tongern. Herr Oberndorfer, ein langjähriges : hervorragendes Mitglied der Gemeindev'erwaltnng Nürnberg, ist als > Kriegsfreiwilliger mit 55 Jahren als früherer Landwehroffizier eingetreten und wurde vor kurzem zum Hauptrnauu befördert; Martin Stahl, Oberleutnant im 6. Feldartillerieregiment; Diplomingenieur 1 Otto Nc e tz q e r, Leutnant im -1. bayerischen Pionierbataillon:; Alfred B a m b e r g e r, Oberleutnant beim 3. Trainbataillon. Die! beiden letztgenannten Offiziere sind der Sohn und der Schwiegersohn! des 3. Vorstandes der Kultusgemeinde Nürnberg, Herrn Kommerzienrat Ludwig Metzger; Dr. jur. Ernst Bing, Unteroffizier d. R. im i d. Feldartillerieregilnent, derselbe erhielt auch das bayerische Verdicustkveuz III. Klasse; Otto Seckendorf, Gefreiter d. R. im; M Iufanterieregiment, welcher bei Ausbruch des Krieges im Innern! von Argentinien, 1200 Kilometer von Buenos Aires, in Stellung war; und sofort hierher eilte, erhielt die Auszeichnung nach vierj wöchigem Dienst für bewiesene Tapferkeit bei Erstürmung eines ' Schützengrabens. Köln, 22. Januar. Am 20. v. M. siel, getroffen von einem | feindlichen Geschoß, während der Ausübung seines Amtes der Feldarzt , Dr. Fritz B a u m von hier. Seine zahlreichen Freunde, Bnndesbrüder im K. E.-Berband der deutschen Studenten und dankbare Patienten! haben einen letzten Liebesdienst an ihm geübt und unter Aufbietung großer Anstrengungen die Ueberführmlg der Leiche hierher veranlaßt. Am 17. d. Nt. fand unter großer Teilnahme der Militärbehörde, der Freunde im Beruf, der Studentenschaft die feierliche Beisetzung des Gefallenen in der Reihe der Ehrengräber des hiesigen jüdischen Friedhofes statt. Soldaten, Offiziere, eine Militärkapelle, Chargierte der jüdischen K. C.-Studenkenvereine in Bonn, Heidelberg und Berlin j mit ihren Vereinssahnen, ein unübersehbares Gefolge, schloß sich > dem Zuge an, den: man das von dem jungen Helden erworbene Eiserne Kreuz vorantrug. Die Friedhofshalle vermochte kaum die Hälfte des Ehrengeleites aufzunehmen. Rebell der Bahre ftanbeit der greise Vater, ein verdienstvoller Lehrer in Rheine, Bruder, Schwäger und sonstige Anverwandte. Rabbiner Dr. Frank leitete die Feier ulld hielt den Nachruf, in den: er zunächst das deutsche Niilitärsanitätswesen in feinen hervorragenden Leistungen auf den Schlachtfeldern und in den Lazaretten schilderte, und betonte, daß dasselbe über alle Länder riesengroß hervorrage, und zeichnete barauf den Gefallenen als einen Helden, der nicht allein als Arzt, fonbern auch als Soldat Hervorragendes geleistet hat. Als Kriegsfreiwilliger zog er hinaus, um auch als Kämpfer dem Baterlande zu dieilen. Aul 20. Dezember hatte er am Morgen int Schützengraben mitgekümpft, hat, als der führende Offizier gefallen lvar, selbst die Konlpagnie angeführt und ein Maschinengewehr bedient, zugleich und bald darauf die Verwundeten versorgt, und als er seinen ärztlichen Vorgesetzten, den Jubel eines Siegers auf den Lippen, begrüßte, traf ihn ein Granatsplitter, der ihn ans der Stelle tot nieberftreefte. Sein Oberst spricht sich über die Tapferkeit dos Gefallenen dahin aus, daß, wenn ntnn die Geschichte des 29. Infanterieregiments schreiben werde, man den Namen von Fritz Baum nicht unerwähnt lassen darf, und sein Major stellt ihm in folgenden Morten das Zeugnis aus, daß ..er ein Held lvar in des Wortes bester Bedeutung, und sucht man unter Tausenden, findet man nicht einen, der ihm gleicht". Fritz Baum war ein lieber Mensch, stets hilfsbereit, voll glühender Vaterlandsliebe mit einer kaum bezähmbareu inneren Energie, der nicht den breitgetretenen Weg der Mittelmäßigkeit ging, sondern die Tagesschranken durchbrach und Großes anstrebte, war er doch bereits für die Auszeichnung des Eisernen Kreuzes erster Klasse in Vorschlag gebracht. Nach dem Rabbiner sprach int Aufträge des K. 0.-Vereins Rechtsanwalt Dr. Heinrich Frank, der in kräftigen Worten den Bundesbruder als einen Kämpfer für die Rechte der jüdischen Studenten an den Hochschulen zeichnete. Hierauf wurde unter Begleitung eines Chorals die Leiche in die Gruft hinabgelassen, mtb die drei Korporationen des K. C.-Vereins traten heran und senkten die Vereinsfahne drei null in das Grab, während die Chargierten ihre Schläger über derselben kreuzten. Ehren- und würdevoll lvar die Feier, entsprechend dem Verdienste des jungen Helden: er lvar Arzt und Soldat, ht der einen Hand die Heilinstrumente, nnt ein gefährdetes Menschenleben zu retten, in der anderen das Schwert, um den Feind zll vernichten. Er ruhe still und friedlich! — Frankfurt a. M., 22. Januar. Die D e u t s ch - h o l l ä n d i - s ch e P a l ä st i ii a v c r w altu n g empfing von Herrn Direktor Dr. Moses Auerbach in Pethach-Tiklvah nnt-erm 25. "November folgendes Schreiben: Die neueste Phase des Bölkerkrieges, die Kriegserklärung der Türkei, hat für Palästina ganz besolldere Bedeutung. Mit Recht betrachtet die türkische Regierung die hier wohnenden russischen Illden nicht als Feinde: lveiß sie doch, daß diese Unglücklichen hier ein Asyl vor den Bedrückungen ihres Geburtslandes slnhtell und sandeil. Die Regierung erleichtert daher die Erwerbung des türkischen Staatsbürgerrechtes, und zu Tausenden treten die russischen Juden in den ottomanischen Staatsverband ein. Von der Regierung loird die arabische Bevölkerung darauf hingewiesen, daß die Juden treue Frelllide der Türkei sind, und an vielen Orten finden Verbrüderungsdemonstrationen zlvischen Juden und Arabern statt. So erfreulich also die allgemeine politische Lage der hiesigen Illden ist, von so erschütterndem Ernste ist ihre wirtschaftliche Sitliation. Bereits vor zlvei Atonalen wies ich ans die drohende Katastrophe hin, welche das Allsbleiben der regelmäßigen Unterstützungsgelder int Gefolge haben muß. Leider ist das Gefürchtete eingetreten. Tausende von Ntenschenleben, die mittelbar oder unmittelbar von den großen Anstalten abhängig sind, stehen buchstäblich vor dein Verhungern. Der Handel liegt fast völlig brach. Der Erport von Wein llnd Orangen ist unterbunden. Die Oraugenernte im Werte von 3 9.UtUioneii Frank ist so gilt wie verloren. Zu dieser Notlage kommen noch die militärischen Sorgen. Viele Familienväter sind eingezogen, ohne, daß sie oder Freunde für die Familie sorgen konnten. Außerdem herrscht noch die furchtbarste Tellernng. Ausländisches Mehl ist nicht mehr vorhanden; das illländische kostet ungefähr das Doppelte des normalen Preises. Ebellso teuer ist Zucker, der immer knapper wird; für ein Pfund Kartoffeln müssen etwa 14 Pfennig bezahlt werden. Vor etwa vierzehn Tagen versuchte man, auf einem neutralen Schiff größere

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