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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-01-29 · Heft 5 (29.1.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 5 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Mengen von Lebensrnitteln hierherzubringen, doch wurden sie von den Engländern als Kriegskonterbande beschlagnahmt. Die durch die Deutsch-Holländische Palästinaverwaltung überwiesenen Geldmittel rvarerr für den Augenblick eine rettende Tat, nur reichen diese Summen bei weitem nicht aus, um dem großen Kreis von Gefährdeten zu helfen. Schnellste weitere Hilfeleistung ist dringend notwendig. Aus Safed wird der Deutsch-holländischen Palüstinaverwaltung geschrieben: Die Lage der Armen ist verzweifelt. Wir bitten vor allem um Erhöhung des Budgets für Krankenhilfe, da das jüdische Spital leider aus Mangel an Mitteln geschlossen werden mußte und andererseits zum Glück die englischen Missionäre ihre Tätigkeit auf dem Gebiete der Krankenpflege seit der Kriegserklärung einstellen mußten. Wenn nun auch die Arbeit unseres Komitees für ärztliche Besuche und Krankenhilfe aus Mangel an Mitteln aufgehoben werden würde, so wäre dies eine schwere Katastrophe für unsere arme Bevölkerung, der zurzeit keine andere Hilfe zur Verfügung steht. Die hier veröffentlichten Briefe sprechen für sich selbst. Nur ein kräftiges, von den weitesten Kreisen unterstütztes Eingreifen kann eine Katastrophe abwenden. Spenden für Erez-Jisroel nehmen außer den bekannten Vertrauensmännern der Deutsch-holländischen Palästinaverwaltung deren Zentralen in Frankfurt a. M., Schützenstraße 14, Berlin, Heidereutergasse 4, sowie auch sämtliche Filialen der Deutschen Bank (Konto Deutsch-holländische Palästinaverwaltung) entgegen. Bulgarien. S2 Sofia, 20. Januar. In ganz Bulgarien veranstalten die jüdischen Einwohner Wohltätigkeitsunterhaltungen zugunsten der Witwen und Waisen im europäischen Kriege gefallener jüdischer Soldaten. Während des Balkankrieges hatten verschiedene jüdische Vereine Europas insgesamt 260 000 Frank für ihre bulgarischen Glaubensgenossen gesandt, wofür jetzt nach Maßgabe der Kräfte Dankbarkeit bewiesen wird. Das Zentralkomitee befindet sich in Holland; Präsident ist ein Jude, welcher Justizminister gewesen war. — Vergangene Woche ergab eine derartige Veranstaltung, welche im städtischen Kasino in Anwesenheit mehrerer Minister stattfand, den Betrag von 5000 Frank. Auch der König hatte eine ansehnliche Spende geleistet. Bis jetzt wurden in Bulgarien ungefähr 40 000 Frank für obigen Zweck aufgebracht. Von Mah und ssern. Der Jüdische Volksverein, der seit Beginn des Krieges eine besonders rege Tätigkeit ausgeübt hat und zurzeit noch etwa 170 Pfleglinge, znm größten Teil Flüchtlinge, beherbergt, hält am Montag, den 1. Februar, abends 8 Uhr, im zweiten Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2—4, seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. — Der Fürsorgeverein für hilflosejüdischeKinder hat in Niederschönhausen bei Berlin, Moltkestraße 8/9, ein Säuglingsheirn neu erbaut, das am Sonntag, den 31. Januar, mittags 12 Uhr, durch eine Einweihungsseier eröffnet wird. — Der Zentralverband selbständiger jüdischer Handwerker in Berlin bewilligte aus den Vereinsmittelu und aus einer Sammlung im eigenen Kreise, die den ansehulichen Betrag von etwa 1000 Mark erreichte, für die Dauer des Krieges einen monatlichen Zuschuß für die Frauen der im Felde stehenden Krieger in Höhe von 6 Mark für die Ehefrau und 2 Mark für jedes Kind. Ohne Rücksicht auf die Dauer der Mitgliedschaft wurde diese Ehrengabe bewilligt. Der Hamburger Verein leitete eine gleiche umfangreiche Hilfsaktion ein. — Privatdozent Dr. M. Katze nste in ist zum dirigierenden Arzt der zweiten äußeren Abteilung des städtischen Lazaretts in Buch gewählt worden. — Die Firma N. Israel, deren Gründung in eine ebenso große, bewegte Zeit wie die heutige gefallen ist, blickt in diesem Jahre auf ein hundertjähriges Bestehen zurück. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit ist vorläufig von einer Feier Abstand genommen worden. — Aus der Er ich-Ra th en a u-S ti f t u n g sind für das Jahr 1915 zur Ausbildung in einem technischen Berufe 113 Stipendien mit 25 250 Mark verliehen worden. — Aus Elbing wird uns mitgeteilt, daß dort die Synagoge teilweise einem großen Brande zum Opfer gefallen ist. Eiit Mil des Daches wurde abgerissen. Drei wertvolle Kronleuchter fielen in den Tempel und wurden vernichtet. Die Thorarollen konnten in Sicherheit gebracht werden. — Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierten in Soran (O.-S.) am 17. d. M. in voller körperlicher und geistiger Frische Herr Joseph G n t t m a n n und seine Gattin Rosa geb. B a d r i a n aus Gvldmannsdorf (bei Soran). In der mU frischem Grün geschmückten Synagoge, woselbst sich die große Familie des Jubelpaares, Kinder, Enkel und Urenkel, sowie die ganze Gemeinde versammelt hatten, fand ein besonderer Festgottesdienst statt. Das Jubelpaar wurde von Herrn Rabbiner Dr. G o l d s ch m i d t - Königshütte in feierlicher Weise eingesegnet. — Aus Bernstadt i. Schl, wird uns geschrieben: Montag, den 19. Januar, hielt Prediger W o l f g a n g tm Hilfslazarett (Kronprinzliches Schloß) aus besondere Aufforderung der Frau Oberförster W. Stünzner vor deu Verwundeten einen Patriotischen Vortrag. — Herr M. Theilheimer, Inhaber der Metallgroßhandlung M. Theilheimer tu Nürnberg, wurde von der ersten staatlichen bayerischen Munitionsfabrik, dem königlichen Hauptlaboratorium Ingolstadt, berufen, während der Kri egs Zairer die selbständige Leitung der Metallabteilung zu übernehmen. — Aus Köln wird uns geschrieben: Als ein überaus erfreuliches Zeichen der entgegenkommenden Beziehungen der hiesigen hohen kirchlichen katholischen Behörde zu dem Judentum möge hier die Mitteilung gemacht werden, daß am Sonnabend, 16. d. M., Se. Eminenz Kardinal Dr. Felix v. H a r tm a n n, Erzbischof von Köln, dem Rabbiner Dr. Frank einen längeren Besuch abgestattet hat. — Auf Verordnung des Regierungspräsidenten in Frankfurt am Main ist denjenigen Ausländern, die noch Hausiererlaubnt's hatten, diese für dieses Jahr nicht mehr gewährt worden. Eine Anzahl jüdischer Familien hat so ihren kümmerlichen Erwerb eingebüßt und befindet sich in traurigster materieller Lage. — Aus Wien wird uns berichtet: Der Assistent des Professors Dr. O. Zuckerkandl, Dr. Robert Bach rach, der als Regimentsarzt im Felde steht, wurde durch die Verleihung des goldenen Derdienstkreuzes mit der Krone aut Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. — Das Interkonfessionelle Hilfskomitee zur Frühstücksausspeisung von Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina bringt durch das Komite-emitglied, Herrn Robert Ehrlich aus Lemberg (derzeit in Wien IX, Clusiusgasse 1/27), ein geschmackvolles jüdisch-patriotisches Abzeichen zur Einführung. Das Reinerträgnis dieses zum Einheitspreis von 1,50 Kronen pro Stück zum Verkaufe gelangenden Shmbols wird zum Teil dem Humanitären Zweck der Frühstücksaktton zu geführt. - Die Hörer des höheren Kursus des Landesrabbinerseminars in Budapest haben mit Begeisterung beschlossen, ihre frühere Entschließung durchzuführen und, ohne von reu ihnen laut Gesetz zu stehenden Begünstigungen Gebrauch zu utachen, ihre Dienste der Armeeleitung anzubieten. — Wie ausländische Zeitungen berichten, hat der Großrabbiner von Saloniki im Namen der jüdischen Bevölkerung der Regierung angcboten, zugunsten der griechischen Marine eine Sammlung zu veranstalten. Dieser Opfersinn der Salomker Juden hat großen Enthusiasmus in ganz Griechenland hervorgerufen. — Die I u d c n a uswe i s u n g e n a u s P c t e rsburg dauern nach deu Berichten der russischen Presse an. In der letzten Woche ist eine Anzahl jüdischer Handwerker aus der Hauptstadt ausgewiesen worden. — Nach den Schätzungen des Chacham Baschi der Türkei leben in Palästina gegenwärtig etwa 25- bis 30 000 russische Juden. Diese suchen nun türkische Untertanen zu werden. Charakteristisch für die türkische Toleranz ist der Umstand, daß es auf Grund dieser Aktion gelungen ist, den sogenannten „Roten Zettel" abzuschaffen. Diesen Passierschein erhielten die emigrierenden fremden (russischrumänischen) Juden und durften sich rechtlich nur drei Monate lang in Palästina aufhalten. Dieser von Abdul Hamid eingeführte, beschämende Umstand hört nun auf. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin - Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrn lande r, Tteulölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin,

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