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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-01-29 · Heft 5 (29.1.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 5 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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mehrfachen Reihen sich auftürmenden Kränzen. Die erhebende Freier wurde durch Orgelvorspiel, Chorgesang „Der Ncensch, wie Gras sind seine Tage" und den Sologesang von Fanny Opfer: „Herr, was ist der Mensch" (Komposition Kellernrann) eingeleitet. Dann hielt Rabbiner Dr. W a r s ch a u e r die Gedächtnisrede. „Rach wenigen Tagen erheben wir aufs neue unsere Totenklagen, zum zweiteiuuat binnen halber Wochenfrist kleiden wir ein Gott.shaus unserer Gemeinde in düsteres Trauergewaud und rüsten lnrch dem ehrwürdigen Führer unseres Vorstandes dem allgeliebten Haupt unserer Gemeindevertretung eine tiefschmerzliche Abschiedsfeier. Es liegt eine tiefe Wahrheit in dem biblisch.'n Worte: „Dem Weisen führt sein Herz die Hand". Dieses Wort kann uns das Wesen unseres Verewigten vergegenwärtigen. Bei allem, was er tat und was er lebte, als Vien sch, als Bürger, als Filde führte ihmdas Herz die Hand. Durch alle ihm gewidmeten- Nachrufe zieht sich das Wort, das den Ruhm dieses edlen Herzens kündet, lebt er in der Erinnerung und in der Dankbarkeit aller als ein Manu, dem das Hcrz die Rechte geführt hat. Und doch war dieses Herz nicht Güte allein, war dies nicht die einzig treibende Kraft seines Inneren. Gin klarer, praktischer, besonders organisatorischer Verstand, eine schier unerschöpfliche Arbeitskraft haben ihn im Dienste unseres städtischen Gemeinwesens und seiner geliebten Vaterstadt bedeutsame und anerkannte Leistungen in drei Fahrzehnten vollbringen lassen. Auch hier wied.r redete das gütige Herz, aus ihm stammt es, dasi er sein Fnteresse besonders dem Wohl der den Armen-und Kranken gewidmeten Institutionen zuwaudte. Mit ganzem Herzen hat er das Fndentnm geliebt, was er unternahm und erstrebte, das sollte zu dessen Ghre dienen. Gr hat auch von ihm eine demokratisch freie Ailfsassnng gehabt und hat sie, das ist sein Ruhm, stets ehrlich itub offen, vor allem sich selbst getreu, vertreten. Dabei wußte er doch bcsri'.ders in seinem Amte als Vorsitzender der Repräsentantenversamuilnng versöhnlich über und zwischen den Parteien zu sein. Mt seinen reichen Erfahrungen in Berwaltungsdiugeu, mit seinen reichen materiellen Mitteln widmete er sein Fnteresse vor allem den Einrichtungen, die sich das Wohl der Armen und Leidenden, der Kranken und Genesenden zum Ziele setzen. Dein Werk ist die Spiegelung innerster sittlicher Kräfte. Auf,gebaut auf sittlichen Werten, war es ein weises und ein gesegnetes glückliches Leben. Das ist der Trost derer, die in Louis Dachs' Hiuscheiden einen schmerzlichen, fast unersetzbaren Verlust beklagen, vor allem auch der Trost seiner durch vier Fahrzehnte treuen Gefährtin, die nach seinen eigenen Worten die Anregerin und Förderin seiner besten Schöpfungen gewesen ist. Do sei Gottes Friede uns allen nahe, wenn wir -unserem Heimgegangeu'u znrufen den Dcheidegruß: „Gehe du hin in den elvi gen Frieden, ziehe hin, da der Ewige dich gerufen hat." Hieran schloß sich ein wundervoll ergreifender Geigenvortrag. Dann sprach Geheimer Danitäksrat Dr. Dtern namens des Gemeindevorstandes. Gr entwarf ein Bild der außerordentlich umfangreichen und segensreichen Wirksamkeit des Verblichenen besonderim Dienste der jüdischen Gen-eind,.'' und der Fudenheit. Gr betonte die versöhnliche Milde, die es deln Verblichenen ermöglichte in bester Harmonie mit dem Gemeinde- Vorstand an der großartigen Entwicklung unseres Gemeinwesens den größten Allteil zll nehmen. Gr erinnerte all die Schöpfungen des Genesungsheims Lehnitz, des Krankenhauses, des Vereins und des Verbandes der jüdischell Krankenpflegerinnen ulld wies ans die große Lücke hin, die dllrch sein Hinscheiden entstanden ist. Der Name Louis Dachs lvcrde unvergänglich in unserer Gemeillde sortleben. Namens der Repräsentanten widmete Herr Direktor Dr. Nt in den dem Verblichenen ergreifende Worte des Dankes und das Gelöbnis dauernden Gedenkens. Gr führte etwa alls: „Sehr lveliige Männer süld von diesem Gotteshalls alls zur ewigen Ruhe geleitet worden, lieber diesem Sarge schweben, lvie über der Bundeslade die Cherubim, zlvei Engel, die Menscheuliebe illld die Aufrichtigkeit. Dieser Bau ist dem Verelvigten immer eine geistige Heimat gewesen, hier verrichtete er seine Andachten, hier stand sein Trauhimmel, und hier wirkte er 25 Fahre in der Reprüsentantenversammlnng. Deit er Vorsitzender dieser Körperschaft war, ist kaum ein Dag vergangen, an dem er nicht in diesem Hause weilte, ulld hier ruft ihm nun seine Gemeillde das letzte Lebewohl zu." Er erinnerte all die Worte des Verblichenen ani vorigen Sonntage, als man seine 25jährige Zugehörigkeit zur Repräsentantelwersammlung feierte: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut, das hat Dachs belvahrheitet. Deine Vaterlandsliebe war in diesen Tagen des Krieges bereit, die größtell Opfer zu bringen. Ans dieser Zeit bist du abdeiusen lvorden, du unser Führer, ziehe hin in die Gefilde des ewigen! Friedens, bu hast nach einem Worte 'unserer alten Weisen das Höchste errungen, die Krone des guten Namens. Das Andenken des Gerechten sei zmn Degen für uns alle und besonders für die großen Institutionell, denen er sein Leben widmete." An diese Rede schloß sich wieder Chorgesang, und unter den Klängen des Orgelnachspieles wurde die sterbliche Hülle Louis Dachs' alls dein Gotteshause -hinausgetragen. Aus dem Friedhof in Weißensee erfolgte gegen 3 Uhr die Beisetzung unter Anteilnahme eines Gefolges, lvie ihn größer der Friedhof selten gesehen. Nur ein Teil konnte zu der Friedhofshalle Zutritt finden. Nach einem Chorgesang trug Herr Oberkantor Wilhelm Klein das „El mole rachalililn" vor. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. B l u m e n t h a l eine -ergreifende Grabrede, in der er ein Lebensbild des Verblichenen zeichnete, in welchem kein Zug der Pflichttreuen Arbeit und der Herzensgüte Louis Dachs' fehlte. „Uils ist die Krone vom Haupte gefallen. Dein Verlust ist unersetzlich, was er gewirkt, wird zum bleibenden Degen der Gemeinde bleiben. Dank für alle treue Arbeit in Stadt und Gemeinde." Den Wohltätigkeitssinn, die Bescheidenheit, die Pietät für gediegene Ueberliefernng rühmte er -und verwies auf die Tränen der Armen, die in ihm einen Vater verlieren. Namens des Gemeindc-vorstandes schilderte Herr Geheimer Danitätsrat Tr. Feilchenfeld insbesondere die Tätigkeit und die Verdienste des Verblichenen ilm die sozial-jüdischen Institutionen, die Louis Dachs geschaffen und gefördert hat. Das neue Krankenhalls sei mustergültig, alldere Gemeinden, lvie München usw., Hütten es als Vorbild betrachtet lmd sich nicht nehmen lassen, die Reise hierher anzutreten, um demjenigen Dank abzustatten, der es geschaffen. Namens des Deutsch-Fsraelitischen Gemeindebundes widmete Professor Kali s che r herzliche Worte des Abschieds, verwies auf die Verdienste Lollis Dachs' uln den Gemeindebnud, dessen zweiter stellvertretender Vorsitzender er seit langen Jahren war. Zum Schluß sprachen noch ein Vertreter des V r ü d e r v e r e i n s ulld Herr D i l b e r st e i n namens der vielen Mündel des Verstorbenen. Dann folgte wieder Chorgesang, unter dessell Klällgelr sich der unabsehbare Leichenzug nach der letzten Ruhestätte des verdienten Mannes in Bewegung setzte. Unter den üblichen Gebeten übergab man der Erde, lvas sterblich war an Louis Dachs. Er ruhe in Frieden! Berlin, 26. Januar. Das Eiserne Kreuz erhielten: Stabsarzt Dr. Ludwig H a l b e r st n e d t er, Unteroffizier d. R. Gerhard K o h n, Sohn des Herrn Moritz K o h n, Uhrengroßhandlung! in Berlin SW, Rechtsanwalt H ahn, Offizierstellvertreter Hein-! rich Bergmann, Einjähriger Unteroffizier Rudolf G o l d - j st e i it, der Gynäkologe Dr. F. M a i n z e r , Unter-! Offizier Paul E i s n e r, Generaldirektor der Hahnfchen! Röhrenwerke, Sohn des ersten Vorstehers der Mischen Gemeinde : zu Berlin, Herrn Kommerzienrat Heinrich Eisner; Offizierstellvertreter Julius^ N a u m a n n; Husar James R ö h m a n n, für Herabschießen eines französischen Fliegers; Kunsthändler- Paul : C assi r e r; Offizierstellvertreter Rechtsanwalt Dr. Siegfr. Kurt Jacob: Gefreiter Krnftwagenführer Paul Simson; Fähnrich ' in einem Infanterieregiment Oswald Simon; Vizewachtmeister! d. R. Robert E i s e über g; Stabsarzt d. R. Dr. Nt. Heine- ' m a ll n, der and) den bayerischen Militärverdienstorden mit Dchlvertern erhielt; Einj.-Gefv. Hans L e w i n , Sohn des Fabrikanten Max Lewin-Groß-Berlin. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Unteroffizier Leo I a c o b u s - Zempelburg, Fabisch! D n o p p e k, Kriegsfreiwilliger Unterarzt Dr. L. Czapski - Posen,! Unteroffizier d. R. Referendar Walter N e u b e r g - Hannover, Vizefeldwebel Moritz Schloß- E-isenach, Dr. med. Karl Neubnrger, Sohn des Herrn Tr. Otto Neubürger-Frankfurt a. M. Leutnant d. N. Mar K o ch in Firma Rob. Kod), Hofjuwelier, Gefreiter Alfred W e r t h e i m e r - Frankfurt a. M., Einj.-Freiw. Ernst G u n de r sh a u s e n - Mannheim, Martin Löwen sie in, Sohn des Stadtverordneten Max Löwen stein in Neustadt (Westpr.), Wehrmann D dy a dj e r, Sohn des Herrn M. Schacher in Witten (Ruhr), Unteroffizier d. R. Heinrich Auerbach, Sohn des Herrn Wolfs Auerbach-Frankfurt a. M.; Unterarzt d. R. Wilhelm Schm alz, Sohn des Herrn I. Schmalz, Drogenhandlung in Posen; Ersatzreservist Fritz Sandberg, Sohn des Kaufmanns Herrn Sandberg in Posen; Gustav Dentschmann, Sanitätsunteroffizier im Grenadierregiment Nr. 4; Unteroffizier d. R. Sally Moses in Bromberg; Unteroffizier Arthur Loewy aus - Schildberg, Sanitätsunterofffzier Hermann Sarner aus Posen; I Fliegerunteroffizier Baer in Elsenmühle bei Posen; Dr. Moses-

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