Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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60 tätig sein und eine Kommission von hervorragenden Fachmännern (speziellen Diplomatikern) die Oberaufsicht führen müßten, und viertens, daß die Ausführung des Werkes ganz außerordentlich großer Geldmittel bedarf. Dem verdienten Verfasser der Abhandlung, der sich als Herausgeber dieser Mitteilungen und als Leiter des Gesamtarchivs der deutschen Juden große Verdienste erworben hat, gebührt jedenfalls lebhafter Dank für seinen Plan und dessen Begründung. S ch r i f t en z u r E i n sü h r u n g i n d i e B e n u tz u n g d e r Berliner U n i v e r s i t ä t s b i b l i o t h e k. Herausgegeben von .der Verwaltung. Heft 4. Führer durch den Lesesaal C, Judentum: Orientalia. Von Dr. Heinrich Loewe, Bibliothekar an der Universitätsbibliothek zu Berlin. Preis 50 Pfennig. Berlin 1914. Druck und Verlag von Georg Reimer. Ein sehr nützliches Handbuch, praktisch und bequem eingerichtet, das den Studierenden als trefflicher Handweiser, aber auch den Forschern ein angenehmer Ratgeber Zu sein bestimmt ist. L. G. * Ges chmack und Bildung. Von Kurt Martens. Kleine Essays. 1914. Egon Fleischel u. Co., Berlin. Preis 3,50 Mark. Ein sehr hübsches Buch, das ich meinen Lesern empfehlen möchte, wenn auch nichts Jüdisches darin vorkommt. Lebensweisheit, Takt, Erziehung und Umgangsfragen werden hier in geistreicher Weise besprochen. Der Verfasser ist, wie wir aus seinen Schriften wissen, von denen mir einige bekannt sind, durchaus ein Moderner, aber das Hypermoderne tritt ber ihm durchaus nicht unangenehm hervor; die, kleine Skizze „Das Mädi" über die Erziehung der jungen Mädchen ist so verständig, behandelt das Gute, Alte nur mit ein wenig modernem Einschlag, daß es jeder Leser mit Genuß lesen wird. L. G. * The Real Life. By Rabbi Louis Grossmann D. D. New York, The Bloch Publishing Co. 1914. Amerikanische Rabbiner haben oft eine andere Auffassung vom Wesen und Zweck, der Predigt als ihre Kollegen in der Alten Welt. Das bezieht sich sowohl auf den Stoff und die Form wie auf die Beziehungen zum Judentum, und an der vorliegenden Sammlung kann man alle Vorteile und Nachteile der amerikanischen Art studieren. Es sind kurze Ansprachen an die Beter, in denen jedes Wort überlegt ist und an der rechten Stelle steht, den Andachten Naumamis vergleichbar, wenn auch noch schlichter und noch weniger gekünstelt. Sie berühren alle nur erdenklichen Gebiete des menschlichen Lebens, nehmen zu jeder Frage der Politik und der Volkswirtschaft Stellung und überraschen geradezu durch die Fülle und Mannigfaltigkeit der Themen. Nur ein Gebiet ist - fast möchte man sagen sorgfältig — vermieden: Das Judentum! Von seinen besonderen Sorgen, Leiden und Freuden ist in dem Büchlein kaum eine Silbe zu finden, und diese Ansprachen könnten 'ebensogut von der Kanzel einer freien religiösen Gemeinde, wie von der einer protestantischen Kirche gehalten worden sein. Für den europäischen Rabbiner sind solche amerikanische Predigtsammlungen ganz gewiß eine nützliche Lektüre. Die Nachteile unserer Art werden klar, und wenn auch die amerikanische Methode, besonders die Unterdrückung der jüdisch-konfessionellen Momente, ganz gewiß kein Ideal darstellt, so weist sie doch zwei beachtenswerte Wege: Die häufigere Betonung des rein Religiösen und rein Sozialen aus der einen Seite und aus der anderen die Einschränkung der Apologetik und Polemik, welche heutzutage einen nicht geringen Teil unserer Predigten beherrschen. G o l d m a n n. * — The Jewish Review. Edited by Norman Bentwich, Dr. Joseph Hochmann. Vol. IV. No. 22, Nvr. 1913 and No. 23, Januar 1914. London. Geo. Routledge & Sons Ld. New York: The Bloch Publishing Company. Price: 1/6 net. Im Gegensatz zu der „Revue des Etudes Juives" fährt diese eng-! lische Zeitschrift fort, neben der Wissenschaft auch das Leben zu berücksichtigen und Zeitfragen auch ausführlich zu behandeln. Das letztere geschieht besonders in den sogenannten Leitartikeln, die brennenden Fragen, die innerhalb und außerhalb Englands erwogen werden, gewidmet sind; aber auch in besonderen Aufsätzen. So wird! in einem „Die jüdische Mission und die hebräische Universität" durchaus für das Hebräische als ausschließliche Unterrichtssprache plädiert. In einem anderen Artikel: „Allgemeine Ueberstcht der modernen Judenheit", wird eine Gesamtvertretung der Juden verlangt nach Art katholischer Gemeinschaften; ein Beispiel, das mir verhängnisvoll erscheint, wenn auch gewiß ein stärkerer Zusammenschluß der Juden aller Länder in mancher Beziehung erwünscht wäre. Von geschichtlich-kritischen Aufsätzen sei eine Studie über Nachman Krochmal, eine andere über Josephus und eine dritte über moderne jüdische Literatur erwähnt. In der letzteren werden freilich nur die jiddische und die moderne hebräische Literatur behandelt, die so zahlreiche in deutscher Sprache geschriebene leider nicht einmal gestreift. Dagegen werden in der kritischen Ueberstcht, die am Schlüsse jedes Heftes ihren Platz findet, auch Deutsch geschriebene Bücher, z. B. das von Melammed und die „Tragischen Momente" von Fräulein Pappenheim beurteilt. L. G. Sprrchsaal. In der schweren tränenreichen Zeit, die wir jetzt durchleben, sollte es als selbstverständlich gelten, daß frivoler Spott, Persiflage und witzige Erzählungen, welche auf die Lachmuskeln der Zuhörer einwirken sollen, von der geselligen Unterhaltung ausgeschlossen bleiben. Leider ist das nicht immer der Fall, und es muß jeden, der den Ernst! der Zeit erfaßt, mit Widerwillen — ja mit Ekel — erfüllen, wenn alberne jüdische Witze in irgendeine Beziehung zum.Kriege gesetzt lverden. Ein solches Gefühl wandelte mich an, als ich die neuesten „Zeitgemäße Uebertragung jüdischer Ausdrücke ins Deutsche" zur Kenntnisnahme erhielt. Ich möchte es bezweifeln, daß diese „Uebertragungen" von einem Glaubensgenossen vorgenommen und deren Verbreitung mittels Schreibmaschinenabklatsch veranlaßt wurden; eher dürfte es sich um einen Akt antisemitischer Bosheit handeln — zur Störung des Burgfriedens. Ern Jude kann sich nicht, ohne seine Glaubensgenossen aufs schwerste zu kompromittieren, als Verfasser lasziver und das patriotische Gefühl schwer verletzender Elaborate ausgeben. So sehr es mir widerstrebt, so muß ich doch einiges aus den „Zeitgemäßen Uebertragungen" hier wiedergeben. Masel und Broche: dauernd garnison- und felddienstunfähig. Risches: das eiserne Kreuz. Die erste Uebertragung enthält dem Sinn nach eine ganz frivole V-.rletzung der Empfindungen der für das Vaterland begeistert ins Feld ziehenden Krieger, lv ährend die zweite die Unparteilichkeit und ^peinliche Gerechtigkeit der obersten Kriegsbehörde anzutasten wagt. Ziemlich harmlos erscheint noch die Uebersetzung Ganef mit Italien- Neutral. Macht und Jiches mit Offizierstellvertreter. Wenn in Friedenszeiten harmlose Persiflage jüdischer Charaktereigenschaften in Zeitschriften, die ausschließlich für ein jüdisches Publikum bestiuunt sind (als Purimscherze etwa) nichts Verletzendes haben mögen, so müssen sie in jetziger Zeit vollständig unterbleiben, und es ist unserer aller Pflicht, literarischen Banalitäten mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Beuchen O.-S., 16. Januar 1915. A. B r a n n. * Vom Bureau der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft in Frankfurt a. M. geht uns die Mitteilung zu, daß die Drucklegung des Jahrbuchs sich infolge des Krieges verzögert und der Vorstand deshalb beschlossen hat, den Mitgliedern je ein Exemplar der soeben von ihnen herausgegebenen „Geschichte der Juden" von Dr. Kottek in einer eigens zu diesem Zwecke hergestellten und nicht in den Buchhandel gelangenden Ausstattung zu überreichen. Der Versand der Bücher ist im Gange, und sie werden in den nächsten Tagen in den Händen aller Mitglieder sein. Das auf Kosten der Gesellschaft gedruckte Goldhorsche Werk über „Die Geographie Palästinas" ist erschienen. Die große Ausgabe des Scherirabriefes nähert sich ihrer Vollendung. Aus dem Nachlaß Halevys wird ein weiterer Teil des Werkes „Daurauth Horischaunim" veröffentlicht werden, dessen Drucklegung! bereits bis zum 16. Bogen fortgeschritten ist.