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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-01-22 · Heft 4 (22.1.1915) · p. Seite 48

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 4 (22.1.1915)
Date
1915-01-22
Page
Seite 48 (sequence 12)
Language
German
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48 Ga stör: konnte nicht länger an sich halten. Er.sprang zum gellster und rief.mit dröhnender Donnerstimme: „Leute, seid ihr wahnsinnig geworden?" „Rosche!"h brüllte ihm Buchsbaum zu. Und die Juden brüllten ihm nach: „Rosche! Rosche!" Buchsbaum schrie wieder: „Humen!" (Haman.) Und die Juden schrien es ihm nach. Drinnen im Saale hatten sich die Christen instinktiv zueinander gefunden. Littauers blieben sich selbst überlassen. Gaston beugte sich jetzt zum Fenster hinaus und rief: „Männer! Brüder!" Littauer riß ihn mit hartem Griffe vom Fenster weg. „Dir richtest dich zugrunde", raunte er ihm ins Ohr. Aber Gaston schenkte ihm kein Gehör. „Brüder!" begann er wieder, doch konnte er seine Rede nicht fortsetzen. Buchsbaum brach in schallendes Gelächter aus: „Brüder hot e' gefügt! E grojsse Kränk!". Gaston sprang auf den Fenstersims. Sein Gesicht war jetzt nicht mehr bleich. Ein fanatisches Feuer brannte in seinen Augen. Er hob beide Arme, wie zum Schwure und wollte sprechen, doch vermochte er nur soviel zu sagen: „Jidische Brider! . . ." Er sagte es im Jargon, in der Sprache der Inden. Frau Littauer wankte. Diese beiden Worte hatten sie mit der Wucht von zwei Felsenstüüen am Kopfe getroffen. Frau Sonngott wollte Else mit Gewalt hinauszerren. Frau Tuhajda und Frau Szentpnly lächelten. Draußen aber hatte sich der Lärm gelegt. Die Leute hatten sich beschämt davongemacht. Auch Buchsbaum fuchtelte nicht inehr mit der Fahne der gegnerischen Partei. Aber dennoch erlitt Gaston eine Niederlage. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. — G es eh i ch t e de r F r a u kfurte r I rr d e n i m M ittel - alte r. Bon Pros. Dr. ,vy. Kracauer. Ans der inneren Geschichte der Juden Frankfurts im XIV. Jahrhundert. (Iudengasse, Handel und sonstige Berufe.) Bon Prof. Dr. I. Kracauer. Mit einem Nebersichtsplan der ältesten Iudengasse. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kanfflnanu. 1914. A u s d e r i it n e v e n G e s ch i ch t e de r I n den F r a n k f u r t s i n: XIV. I a h r h u n d e r t. (Indengasse, Handel und sonstige Berufe.) Bon Oberlehrer Pros. Dr. I. Kracauer. Jahresbericht des Phitantropins, Realschule und Lyzeum der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Ostern 1914. Frankfurt a. M. Druck von M. Lehrberger u. Co. 1914. Der Inhalt der Schrift des verdienstvollen Lokalhistorikers wird durch seinen ausführlichen Titel gekennzeichnet. Die Schrift ist von höchstem Interesse und ausgezeichnet durch die sehr sorgfältigen Einzelnutersuchungen topographischer und geschichtlicher Art. Wir gehen ebvas ausführlicher auf das dritte Kapitel ein, in der die Berufe der Inden besprochen werden, die nicht dem großen Gebiete des Handels angehören. Da ist zunächst von dem Jndenarzt Jsaac die Rede (1345), der ein Opfer der zweiten Judenschlacht (1349) wurde, dann von dem Meister Jacob (1303), der auch bei Christen Praktizierte. Ans dem Jahr 1394 gibt es eine Bestallung für einen jüdischen Arzt Salomon Ptetsch als städtischen Beamten, dem 1398 ein anderer Jude Isaae als Stadtarzt folgte. Von Frankfurter Rabbinern Höven wir schon seit der Mitte des 13. Jahrhunderts; viele Namen sind gegen Cnde des 14. Jahrhunderts bekannt von solchen, die als Lehrer und Richter tätig waren, als letztere die Entscheidungen in religiösen Fragen hatten, auch den Bann aussprachen, wogegen freilich Kaiser und Gemeinde anstraten. ^Besonders wichtig sind die Mitteilungen über Unterricht, Schnlklopfer, Handwerker, Dienstboten, wobei be- *) Judenfeind. merkenswert ist, daß die Diener meist Juden waren, unter den Mädchen sich aber nicht selten Christinnen befanden. Die sehr lehrreiche Schrift ist ein ungemein wertvoller Beitrag zur Geschichte der Inden in Deutschland während des Mittelalters. I.. G. * Pädagogis ch e I a h r e s s ch a u über das Volkss ch u l w e sen. Herausgegeben von Seminardirektor Dr. E. Clausnitzer. Sonderäbdruck Band 1913. B. G. Teubner, Leipzig-Berlin. Tie in diesem Sonderdruck von M. Spanier gegebene literarische Zusammenstellung über jüdische Literatur ist eine solche, wie wir sie schon früher einmal zu verzeichnen hatten. In der vorliegende:: Uebersicht fiiib die folgenden Abteilungen enthalten: Neligionswissenschaftliches, Schulpolitisches, Methodik. In den beiden ersten Abteilungen werden einige brennende Fragen der Gegemoart gestreift, mit einem verständigen Sinne, mit Berührung der Gegensätze ohne jeden Fanatismus in der Beurteilung der entgegengesetzten Richtung. Natürlich kann eine solche Uebersicht in einer allgemeinen Zeitschrift, eure Uebersicht, die auf nicht ganz sechs Druckseiten 33 vevschie'd>en.e Schriften behandelt, nicht eingehende Rezensionen bringen, aber*' man merkt doch den kurzen Berichten an, daß der Verfasser sehr wohl unterrichtet ist mW sich ebensofern hält von bloßer Absprechung wie von rein bibliographischen Zusammenstellungen. Die Uebersicht ist unseren Lesern sehr zu empfehlen. L. G. — Protokoll de s XI. Z i o iti st e n k o ng r e s s c s. In Kommission beim Jüdischen Verlag, Berlin und Leipzig. Broschiert 1,50 Mark, gebunden 3 Mark. Alan liest diesen stenographischen Bericht mit großem Interesse, weil man all dasjenige in seine:: Zusammenhängen und Motiven erkennt, was die Tagespresse zusnnunengestrichen und etwas zurechtgestutzt dem großen Leserpublikum geboten hatte. Die Lektüre ist ganz gewiß für jeden unerläßlich, der sich über die Strömungen im moder::en Zionisnurs ein Urteil erlauben will. Die Referate geben nicht nur Ansschluß über den gegenwärtigen Stand zionistischer A r b e i t, sondern aus den Aeußerungen der kleinen Geister, die naturgemäß sehr viel geredet haben, gewinnt man ein lebendiges Bild auch von den U r: t e r strömungen, welche besonders die Arbeit lokaler Organisationen oft beherrschen. — Eine kleine Bitte möchten wir der Redaktion zionistischer Berichte unterbreiten, daß sie nämlich von einen: Sekretär dnrchgesehen werden, der eine kleine Ahnung vom Hebräische:: hat. Aus Blättern, welche so viel zum Lobe des Hebräischen enthalten, berührt es etlvas sonderbar, wenn es zu wiederholten Malen heißt: „Die Versammlung singt „Die Hatiklo a h". Der Artikel dürfte überflüssig sein. Gn. Sprechlaal. ftufruf. Zu bcn bedanornswortesten Opfern unseres großen Krieges gehören zweifellos die galizischcn Juden. Die Kriegslage zwang sie, zum Wanderstab zu greifen und zerstreut in den verschiedensten Gebieten unserer Monarchie Zuflucht zu suchen. Nun gilt es, den Armen und Notleidenden zu helfen. Tie Staatshilfe reicht nur hin zur Anschaffung der allernotwendigsten Lebensmittel, und die Privatwohltätigkeit, so unerschöpflich sie auch ist, ist fast am Rande ihres Könnens. So hat auch Karlsbad und der weitere Egerer Kreis 7—8000 mittellose Flüchtlinge, ausschließlich Juden. Jeder leistet sein möglichstes, um dem Elend zu steuern, trotz alledem fehlt es überall an Kleidern. Schuhen, an Wäsche, Decken usw. Wir erlauben uns daher an alle Glaubensbrüder und -schwestern, die Jahre hindurch Karlsbad besuchen, durch Einsendung von Schuhen, Kleidungsstücken und Wäsche »ns behilflich zu sein, den Jammer z» mildern. Im voraus für jede Gabe innigen Dank. Karlsbad, 17. Januar 1015. Das U n t c r st n tz n n g s k o m i t c e. G n b c n s i u d n » r m i t s o l g c n d c r A d r e s s i e r n n g p c r P o st oder Eilgut a b z u s e n d c n : Herrn Rabbiner Tr. I. Ziegler. I »halt: A l t e K l c i d u n g s st ü ck r. Karlsbad (Böhmen).

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