Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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”-“Nr'4 Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". Kerl in, 22. Januar 1915 korrrlpmdnmn und Nachrichten. Seutschlsnd. y. Berlin, 17. Janwar. Die heutige erste Sitzung der Repräsentantenversammlung im neuen Jahre gestaltete sich recht feierlich durch eine voraugegnngeue Festsitzung aus Anlaß des 25 jährigen Jubiläums des Herrn Louis Sachs als Mitglied der Re- Prüsentantenversammlung. Der Platz des Jubilars war mit reichem Blumenflor geschmückt, zu beiden Leiten flankierten Lorbeerbäumchen den geschmückten Stuhl, und ein mächtiges, farbenprächtiges Blumeni kissen zierte den Rednerstand des Borsitzenden. In besonders herzlichen Tönen sprach zunächst Direktor Tr. M i n d e n dem Jubilar und seiner Gattin namens der Repräsentantenverfammlung die herzlichsten Glückwünsche aus. Die ernste Zeit sei nicht geeignet. Feste in großem Rahmen zu feiern, und es sei gewiß im Sinne des Jubilars, sich hier im liebgewonnenen Raum auf eine schlichte Feier zu beschränken. Tie überaus reiche, segensvolle Tätigkeit des Jubilars auf fast allen Gebieten der Gemeindeverwaltung, besonders aber auf dem der Krankenpflege fand ebenso die warme Würdigung, wk die Unparteilichkeit und Gerechtigkeit, mit denen er seit einer langen Reihe von Jahren das Präsidium der Repräsentantenversammlung führe. Das ungeheuere Wachstum der Gemeinde lind deren gewaltige Entwicklung in den letzten 25 Jahren lasse zugleich die Größe der Arbeit und Mühe ermessen, die von der Verwaltung und von denjenigen zu leisten war, die in ihr mitwirkten oder wie der Jubilar an leitender Stelle tätig! waren. Er überreichte dem Jubilar eine Adresse der Repräsentanten-! Versammlung, die der Schriftführer, Herr Justizrat Dr. I g n a z E o h n,! zur Verlesung bringt. In derselben wird Herrn L o u i s S a ch s j und seiner Gattin der herzlichste Glückwunsch zu diesem Jubiläumsz tage übermittelt und besonders betank, daß es keinen Zweig der Gej meindeverwaltung gibt, in dem der Jubilar nicht tätig oder fördernd 1 eingegriffen hätte. Sie schließt mit dein Wunsche, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch lange in unverminderter Kraft an dieser > bedeutenden Stelle zu stehen, zum Segen der jüdischen Gemeinde Berlin! und des ganzen Judentums. Sodann ergriff der Vorsitzende des Vor-! standes, Kommerzienrat Eisner, das Wort: Im Namen des Vor-! standes spreche er dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche zur Wiederkehr des Tages ans, da er vor 25 Jahren in diese Versammlung eintrat. In welcher Weise er die Pflichten erfüllt hat, welche segensreiche Arbeit und Mühe er für die Gemeinde geleistet, das sei von Herrn Dr. Minden bereits geschildert. Milde, Wohllvollen, Unparteilichkeit und Gerechtigkeit seien die hervorstechendsten Züge, mit denen er sein Amt als Leiter auch dieser Versammlung ansübte. Der Vorstand danke dem Jubilar für die Unterstützung, die er ihm stets gewährt hat, und hofft auch für die Zukunft das gleiche vertrauensvolle Verhältnis zwischen Repräsentailtenversammung und Vorstand erhalten zu sehen. Milde und Wohllvollen ziere auch die Gattin des Jubilars, die ihr warmes Interesse der Gemeinde so reichlich in guten Werken bekundet hat. Die Namen Louis und Rosa Sachs sind von bestem Klange und unvergänglich mit der Geschichte der Gemeinde verbunden. Der Gemeindevorstand hege den innigen Wunsch, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, in unverminderter Frische des Geistes und Körpers noch lange seines Amtes zu walten. Auch der Gemeindevorstand hat dem Jubilar eine Adresse gestiftet, die Herr Kommerzienrat Eisner zur Verlesung bringt und in der die besonderen Verdienste des Jubilars in den einzelnen Zweigender Verwaltung hervorgehoben, seiner ganzen gemeinnützigen Tätigkeit innerhalb der Gesamtjudenheit, deren Organisationen und der Kommune Berlin gedacht werden und schließlich die besten Wünsche zum Ausdruck gelangen. Sodann ergriff Herr L o n i s Sachs das Wort: Freudig überrascht von den herzlichen Kundgebungen, sage er allen den innigsten Dank. Mit Recht habe der Herr Gemeindevorsteher betont, daß Gedeihliches nur geschaffen werden könne, wenn Repräsentantenversammlung und Gemeindevorstand Hand in Hand arbeiteten. Er hoffe, daß das immer so bleiben werde. Besonders wohltuend habe.es ihm berührt, daß auch seiner Gattin gedacht worden ist. Sie war in der Tat, das versichere er, der ^Antrieb zu allem Guten. Er danke besonders auch Herrn Dr. Minden; er, der Jubilar, werde diesen Tag nie vergessen. Wir leben in tiefernster, schwerer Zeit; seit sechs Monaten währt der Krieg, und wohl eines jeden Herz ist von Sorge erfüllt, sei es wegen eines Lieben da draußen im Felde, sei es wegen eines lieben Opfers, das der Krieg bereits gefordert uftv. Wer würde nicht mitergriffen von der Schwere der Zeit. Aber mitten durch die dunklen Wolken breche ein Sonnenstrahl in seine Brust: die Gewißheit: „Tu hast gearbeitet und findest Anerkennung." Die Arbeit ist der größte Segen, sie macht uns stark, sie macht uns frisch. Als er vor 25 Jahren gefragt wurde, ob er das Amt in der Gemeinde annehmen würde, da habe er überlegt, ob er diese Arbeit bei seinen sonstigen Aufgaben im Dienste der Kommune noch übernehmen solle. Aber da habe er sich gesagt: Was steht mir näher als meine Glaubensgemeinschaft? Ilnd er habe sein Amt nicht etwas nur als Ehrenamt, sondern als Arbeitsamt betrachtet und sich bemüht, alle Pflichten zu erfüllen. Er gedenkt sodann seiner treuen Mitarbeiter, die zu einem Teile noch heute der Versammlung angehören, zu einem Teile dahingegangen oder ausgeschieden sind. Ein Rückblick auf das letzte Bierteljahrhuudert zeige, welche llin= Wälzung, welche Veränderung die Berliner Gemeinde erfahren habe. Aber die kolossal gewachsenen Anforderungen seien in mustergültiger Weise erfüllt. Heute sind wir nicht mehr fern vom Sechs-Acillionen-Etat, wir haben 2 Verwaltungsgebäude, statt damals dreier Gotteshäuser sind heute acht geöffnet, die Zahl der Gememderabbiuer ist auf 12 gestiegen, die der Religionsschuleu aus 21. Die Sozialfürsorge für Arme, für Waisen, für Alter und Krankheit sei musterhaft geordnet, und das neue Krankenhaus beinahe zu opulent. Allen sozialen Anforderungen der Reuzeit hat die Verwaltung entsprochen. Die Beamtengehälter and deren Anstellungsverhältnisse seien geregelt, kurz: mit Stolz erfüllt können wir sein auf unsere Arbeit. Das war alles nur zu erreichen durch Einigkeit und Frieden, durch Hand in Hand arbeiten mit der Schwesterbehörde. Ihr gebühre Tank, den er hierdurch zum Ausdruck bringe. Er schließt mit dem Wunsche: Möge es unserer Gemeinde nie an Männern fehlen, die die Fähigkeit und Kraft haben, sich ihrem Dienste erfolgreich zu widmen, und möge unserer Gemeinde beschieden sein, nach glänzendem Siege unserer unvergleichlichen Truppen und gesichertem Frieden unseres Vaterlandes einer glücklichen- Zukunft entgegenzugehen! - - Als letzter Redner gedachte noch Herr Geheimrat Bln menthal der besonderen Verdienste des Jubilars um das Schulwesen im Vorstand der Talmud-Thora. Damit war die kurze Feier beendet und mau trat in die Tagesordnung ein. . Die W a h l der Vorsitzenden der Versammlung, der Schriftführer, der Mitglieder der Ausschüsse und der Revisionskommission, die statutenmäßig in einzelnen Wahlgängen und per Zettel vorgenommen werden mußte, erforderte sehr lange Zeit. Das Ergebnis war das folgende: zum ersten Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung wurde Herr Louis S a ch s, zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden Herr Direktor Minden, zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Herr Geheimrat Blu menthal, sämtlich einstimmig gewühlt. Ebenso zu Schriftführern der Versammlung die Herren Jnstizrat Dr. I g n a z E o h n (als erster) und Willibald L ö tu e nt h a l (als zweiter). Die Ausschußwahlen hatten das folgende Ergebnis: Es wurden gewählt in den Ausschuß I die Herren Moritz Manheim er, Gerson Simon, Dr. A l. Gins b e r g, Proj fessor K a l i s ch e r, Dr. Levh, Oscar Löwenberg, Emil I P i n c u s, S. Weile und Dr. Weigert. In den Ausschuß II | die Herren L ö w e n t h a l, Aron H i r s ch, L e tu i n s k i, Siegfr. > Sachs, Löwenberg, Gewerberat P l o t k e, Gerson Simon, S. Weil e; und in den Ausschuß III die Herren B l u m e n t h a l, M i n d e n, Blas ch t e, Tr. Jgn. E o h n, Aron H i r s ch, L ö tu e nt h a l, Emil Pincus, Louis Sachs, Oscar T i e tz, Professor Türk. In die Revisionskommission wurden die Herren Lewinski, Oscar T i e tz, Louis Sachs, Gerson Simon und Aron H i r s ch gewählt. Beschlossen wurde ferner, die Repräsenkankensitzungen wie bisher skaktfindeu zu lassen und den Beginn im Sommer um 10 Uhr, im Winter um 11 Uhr auzusetzen. Die Protokolle sollen auch fernerhin vom Schriftführer der Versammlung und nicht von einem Gemeindebeamten geführt werden. — Der Versammlung ist eine Vorlage zugegangen, tvelche die