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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-01-15 · Heft 3 (15.1.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 3 (15.1.1915)
Date
1915-01-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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8 Köln, 8. Januar. Die Fürsorge für die jüdischen Verwundeten in Köln beschäftigt andauernd die beteiligten Kreise der Gesamtgemeinde und hat bereits schöne Erfolge erzielt. Die Arbeit ist, wie das „Israelitische Gemeindeblatt" hervorhebt, mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden, wenn man bedenkt, daß über 50 Krankenhäuser und Lazarette, über das ganze Weichbild Kölns und seine Vororte verstreut, in Betracht kommen; denn bei der Verteilung von Verwundeten auf die einzelnen Lazarette ist das konfessionelle Moment völlig ausgeschieden. Woran es bis zur Stunde mangelt, ist eine genau unterrichtete Zentrale, die über die Anzahl und Namen der jüdischen Verwundeten in den einzelnen Hospitälern sowie über den Zu- und Abgang täglich genauen Bericht erhält. Wie wir erfahren, sind zur Schaffung eines solchen statistischen Nachweises Unterhandlungen mit den Behörden im Gange. Gelingt er, so kann die Fürsorge für die jüdischen Krieger, die hier Genesung von ihren fürs Vaterland erhaltenen Wunden suchen, eine völlig ausreichende und systematische werden. Aus der mannigfachen und hingebenden Liebestätigkeit, die bis jetzt schon für die hiesigen jüdischen Verwundeten auf allgemeinem und religiösem Gebiet geleistet worden ist, möchten wir besonders die Ehanukabeschenkung durch den Vorstand der Synagogengemeinde hervorheben. Soweit jüdische Soldaten in den Lazaretten um die damalige Zeit festgestellt werden konnten, erhielten sie eine hübschverpackte Liebesgabe, enthaltend Zigarren, Zigaretten, Pfeife, Tabak, Schokolade und Keeks, alles von bester Sorte. Die Dankschreiben, die von den Beschenkten für den Vorstand der Synagogengemeinde eingelaufen sind, bekunden in rührender Weise die außerordentliche Freude, welche die sinnige Aufmerksamkeit bei den Beschenkten hervorgerufen hat. Vor viele neue und große Aufgaben hat uns dieser Krieg gestellt, deren Bewältigung naturgemäß erst mit der Zeit möglich ist. Auch hier liegt eine solche Aufgabe vor; und so wenig wünschenswert es ist, ebenso sehr muß doch damit gerechnet werden, daß sie uns noch auf Monate hinaus beschäftigt. Mögen alle Kreise, denen sie naturgemäß obliegt, sich vereinigen, um hier in aller Not der Zeit ein ganzes und lückenloses Werk menschlicher und jüdischer Liebestat zu schaffen — zum Segen unseres deutschen Vaterlandes! R. Worms, 8. Januar. Am 25. v. M. ist hier ein Mann aus dem Leben geschieden, der, wenn auch lange nicht mehr im Lehrerberufe tätig, sich doch noch immer, und zwar mit vollem Rechte als Lehrer fühlte und der an allen Freuden und Leiden der Lehrer den wärmsten Anteil genommen. Leo Oppenheimer, geboren 1840 in Essen, besuchte das Lehrerseminar in Münster, war an verschiedenen Orten als Lehrer tätig, bis er nach Mülheim a. d. Ruhr an die dortige Simultanschule berufen wurde, wo seine unterrichtliche Tätigkeit, dem preußischen Gesetze entsprechend, nur den Fächern zugewandt war, die mit „Deutsch" nichts zu tun hatten. Gleichzeitig übertrug ihm die jüdische Gemeinde das Amt eines Predigers. Hier erwarb er sich das Vertrauen feiner Vorgesetzten Behörde im höchsten Grade wie auch die Liebe der ganzen israelitischen Gemeinde, was besonders bei seinem 25 jährigen Jubiläum und bei seiner Zurruhesetzung durch Ueberreichung vieler und wertvoller Geschenke zum Ausdruck kam. Bei dieser Gelegenheit wurde er durch Verleihung des j Adlers des Hohenzollernschen Hausordens ausgezeichnet. Trotz äilßerst angestrengter Arbeit im Berufe war O. stets bemüht, sich weiterzubilden, so daß er über ein bedeutendes Wissen verfügte. Da sein edles Herz von dem Schillerschen Gedanken „An ein Ganzes schließe dich an" durchströmt war, gehörte er zu den Mitbegründern des heute so bedeutenden Rheinisch-Westfälischen jüdischen Lehrervereins, für dessen Ziele und Zwecke er auch später immer noch tätig war. Nach dem Tode seiner Gattin siedelte er > mit seinem einzigen Kinde hierher zu Verwandten über, wo er itod) 11 Jahre überaus glücklich und zufrieden, geistig sich immer betätigend, verlebte. Er hatte noch das Glück zu sehen, daß sein Sohn, der zurzeit im Felde steht, sein juristisches Examen be-! standen. In der hiesigen jüdischen Gemeinde von jedem sehr gej schätzt, versah er, solange sein Gesundheitszustand es ihm ge>! stattete, ehrenamtlich an den hohen Festtagen das Amt des Kantors in der Levyschen Synagoge und bis an sein Lebensende dasjenige des Schriftführers und Mitgliedes der Verteilungskommission des israelitischen Unterstützungsvereins. Besonders in diesem Verein wird das, was O. geleistet, so bald nicht vergessen werden, wie auch seine Kollegen und viele Freunde sein Andenken stets in Ehren halten werden. „Was versunken, kehrt nie wieder, doch ging es leuchtend nieder, leuchtebs lange noch zurück." 22 Laupheim, 8. Januar. Am 3. d. M. feierte unser Rabbiner Herr Dr. Tr eitel seinen siebzigsten Geburtstag. Anläßlich dieses Festes wurde der Jubilar von seiner Gemeinde auf alle nur mögliche Weise geehrt. Vormittags statteten das Vorsteheramt und sämtliche Vereinsausschüsse ihre Gratulationsbesuche ab, die Gemeinde widmete ihrem Seelsorger einen schönen Pokal, die Vereine und Gemeindegenossen wetteiferten nnt allen nur möglichen Ehrengaben, so daß sich dieser Tag zu einen: schönen Familienfeste für unsere ganze Gemeinde gestaltete und allen in schöner Erinnerung bleiben wird. Vergangenen Sonnabend dankte Herr Dr. Treitel auch von der Kanzel ans, indem er in rührenden Worten seinen Gefühlen Ausdruck gab, wovon auch die Gemeinde sichtlich bewegt war. Möge es unserem Rabbiner gegönnt sein, noch lange in seiner Gemeinde wirken zu können! Grsterreich-Angarn. K. Wien, 8. Januar. Eine Abordnung der galizischm Flüchtlinge begab sich der „Neuen Freien Presse" zufolge vor einigen Tagen: zum Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Karlsbad, Herrn kaiserlichen Rat Ludwig Moser, um ihm den tiefempfundenen Dank der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien für die aufopstrungsvolle Tätigkeit des jüdischen Hilfskomitees, n:: dessen Spitze Herr Ludwig Moser steht, abzustatten. Hierauf begab sich dieselbe Depu-. tation zun: Karlsbader Rabbiner Dr. Ziegler und stattete ihm ihren Dank ab für seine und seiner Frau rastlose Tätigkeit bei der Unterbringung, Verpflegung und Bekleidung der armen Flüchtlinge. Von der Behörde wurden der Karlsbader Gemeinde 300 Evakuierte Zugewiesen, es haben sich aber bald noch 600 Zugereiste gerneldet. Dank dem gemeinschaftlichen Eingreifen der Regierungsbeamten, des Bürgermeisters, der Kultusgemeinde und des Rabbiners wurden alle notleidenden Flüchtlinge gehörig untergebracht, bekleidet und in jeder Beziehung versorgt. Ein jüdischer Wohltäter hat sein Haus für die Unterbringung mehrerer Rabbinerfamilien zur Verfügung gestellt. Die Auszahlung der Unterstützungen an die Bedürftigen leitet die Kultusgemeinde. Von der Stadtbevölkerung wurden durch milde Gaben 10 00O Kronen aufgebracht. Karlsbad ist wiedermn sehr belebt, und die Flüchtlinge fühlen sich in diesem Weltkurorte sehr wohl. — Mehrere Tausend jüdischer Flüchtlinge weile:: gegenwärtig in Nikolsburg in Mähren. Auf Intervention des Abgeordneten Dr. v. Löwen stein beauftragte das Ministerium des Innern den Oberrabbiner A. S ch n u r aus Tarnow und Rabbiner Aron L e w i n aus Sambor, das Barackenlager in Nikolsburg einer Besichtigung. zu unterziehe!:, die Wünsche und Beschwerde:: der Flüchtlingb entgegenzimehmen, zu prüfen und ihre eigenen Wahrnehmungen in einem. Schriftsätze niederzulegen. Zugleich sollten die beiden Rabbiner Anregungen geben, wie allfälligen Uebelständen abgeholfen werden könnte. Die genannten Rabbiner haben sich unverzüglich an die Erfüllung der ihnen vom Ministerium übertragenen Aufgabe gemacht und das Barackenlager eingehend besichtigt. Das Ergebnis dieser Reise beisteht in mannigfachen Anregungen, die vorwiegend auf eine Verbesserung in der Versorgung der Flüchtlinge und auf eine Berücksichtigung ihrer religiösen Bedürfnisse abzielen. In organisatorischer Hinsicht empfehlen die Rabbiner, daß für Schlichtung der in der Flüchtlingskolonie auftauchenden Fragen und zur Führung ihrer religiösen und kulturellen Angelegenheiten aus der Mitte der Flüchtlinge ein Rabbinatskollegiun: gebildet werde, das die Überwachung des ganzen Betriebes in die Hand zu nehmen und namens der Flüchtlinge mit den Behörden zu verkehre:: hätte. Das Ministerium, versprach, die Anregungen der Rabbiner von Tarnow und Sambor einer eingehenden Prüfung und tunlichster Berücksichtigung zu unterziehen. 8. Al. Wien, 8. Januar. In T a r nopol hat sich am ersten Tage der russischen Invasion ein furchtbar tragischer Fall ereignet. Al-s die Russen am 23. August vergangenen Jahres in die Stadt einmarschierten, eröfsneten sie wider alles Völkerrecht und trotz der Versicherung des Kommandeurs, die Stadt zu schonen, ein mörderisches Feuer auf die innere Stadt. Vier Zivilisten wurden dabei getötet; darunter fiel — als Opfer auf dem Altäre des Vaterlandes — der bekannte Gemeinderat und Repräsentant der Tarnopoler israelitischen Kultusgemeinde, Herr Moses Rappaport. Mit ihm ist eme der populärsten und markantesten Persönlichkeiten der dortiger: Gemeinde dahingegangen. Herr Moses Nappaport, der ein Alter von 57 Jahren erreicht hat, -entstammte einer hochangesehenen

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