Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 galizisch-jüdischen Gelehrtenfamilie; er war der eiiizige Sohn des seligen Rabbiners Rubin Rappaport in Tarnopol. Frühzeitig hat er seine geistigen und physischen Kräfte in den Dienst seiner Vaterstadt gestellt. Mehr als ein Bierteljahrhlmdert gehörte er dem dortigen Gemeinderat und der israelitischen Kultusgemeinde an. Gr war ferner Vorstandsmitglied vieler humanitärer Vereine, Mitbegründer des Handwerkervereins „Jad Eharuzim", Kurator der jüdischen Perl- Schule, Zensor und Ausschußlnitglied der städtischen Sparkasse usw. Ueberall hat der Verblichene in aufopferndster, uneigennützigster Weise gewirkt und sich um den Fortschritt und das Gedeihen der Gemeindeilistitntionen hervorragende Verdienste erworben. Er hinterläßt eine Witwe und drei Töchter. Herr Moses Nappaport war ein begeisterter Patriot, und das unerbittliche Schicksal hat es gewollt, daß er wie ein Held in der Schlacht für Kaiser und Reich gefallen ist. Ehre seinem Andenken! OgWins. /. Jerusalem, im Dezember. Die heilige Stadt ist zum Hauptquartier des Heeres gern acht worden, das in Palästina gegen Aegypten operiert. An den Stätten, zu denen sonst aus allen Teilen der Welt fromme Beter wallten, in der Nähe der heiligen Kirche, init denen die teuersten Neberlieferungen der Ehristenheit verknüpft sind, Hallen Kommandorufe und dröhnt der Schritt der marschierenden Regimenter. Die aufregendsten Gerüchte eiten durch die Straßen und entflammen die Wut der Mohammedaner gegen die Engländer immer mehr. So erregte das größte Aufsehen eine Nachricht, das; die Engländer die Gebeine des Propheten gestohlen hätten und daß der Krieg nun geführt werden müsse, uni diese geweihten Reliquien des Islam wiederzugewinneu. Die Truppen sind alle gut ausgerüstet und mit modernsten Waffen versehen. Große Mengen von Minen, Gewehren und Munition sind von Konstantinopel nach Jerusalem gebracht worden. Die Beduinen des Gebietes, das an den Grenzen Aegyptens liegt, sind mit deutschen Kanonen ausgerüstet. Sehr stark befestigt ist der Libanon; türkische Truppen haben ihn besetzt, und die Befestigungen sind nach den modernsten Mustern angelegt. Von MH mfi fferw Die K a i s e r i u besichtigte vorigen Sonnabend mittag den vom Reichsverband ausgestellten Lazarettzug H. 2 „Auguste Viktoria" unter der Führung des ersten Vorsitzenden Dr. Hanns v. Bleichrüde r und des ärztlichen Leiters P r ose s s o r I s r a e l. Außer dem Arbeitsausschuß und mehreren Damen und Herren der Gesellschaft waren auch die Delegierten des Roten Halbmondes zur Besichtigung erschienen, da die von Dr. H. v. Bteichrvder beabsichtigte Erpedition nach der Türkei eine ähnliche Einrichtung für ein Lazarett mitnehmen soll. Der Stadtverordnete Mar Salinger hier-! selbst. Rilstr des Eisernen Kreuzes von 1870/71, hat einen großen Posten von 160 Kisten bester kalifornischer Konservenfrüchte dem Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz zur Ver- - fügung gestellt, das bereitwilligst für die zweckmäßige Verteilung au! unsere Kriegertazarctte mit besonderer Berücksichtigung der Berliner j städtischen Lazarette Sorge tragen wird. Der Berliner Rechtsanwalt j Oberleutnant Dr. L u d w i g Hamburger, der bei einem bayeri-! scheu Landwehrregiment Dienst tut, ist zum Hauptmann befördert worden. Der Lehrer au der Lehrerbildungsanstalt der jüdischen Gemeinde, Vizefeldlvebe! Gottfried S e n d e r , Inhaber des Eisernen Kreuzes erster und zweiter Klasse, ist zum Leutnant der Landwehr befördert worden. AusMyslowitz wird uns geschrieben: Bei den jüngst stattgefundenen Repräsentantenwahlen wurden gewählt: Grvßkaufmann Lippm. H a u s d o r f f, Hobelwerksbesitzer .F r ö h l i ch , Kaufmann Eugen C o h n , Destillateur Salo G r u n w a l d, Kaufmann Siegfried K a l l m a n n - Birkental, Gasthansbesitzer T i ch a u e r - Wilhelmiuehütte: als Stellvertreter I a k o b o w i tz , S che h e r , W echsler, Dav. Schneemann. — In Lissa i. P. ist Herr Apotheker Elias Wolfs im vollendeten 36. Lebensjahre verschieden. Bon allen Seiten wurde die innigste Teilnahme bei der Trauer b-en Angehörigen entgegengebracht. - Aus München wird berichtet: Das Gemeindekollegium stimmte dem Beschlüsse des Magistrats zu, wonach die israelitische Kultusgemeinde für Zwecke des Religionsunterrichts einen j Zuschuß von 2000 Mark erhält. Die israelitische Kultusgemeinde j hatte einen höheren Zuschuß erbeten, der aber nicht bewilligt wurde, > da sich das Verhältnis zu den anderen Konfessionen zu sehr verschieben würde. -- Jur Gefangenenlager zu Wahn befinde!; sich Ulster den 6000 gegenwärtig dort internierten Gefangenen auch ei ist ge jüdische ans Frankreich, England und Algier. Dem Anträge des Rabbiners Dr. Rosenthal in Köln, diese Gefangenen als Seelsorger besuchen zu können, hat die dortige Kommandantur bereitwillig stattgegeben. . Die Benvaltungswahlen in der Shuaavgengemeinde Hannover ergaben diE Wiederwahl der beiden Vorstandsmitglieder Kommerzienrat Emil L. Meyer und Bankier Simon Katz, ferner der Repräsentanten Bankier S. Meyer st ein und Rentier Jakob Berliner. An Stelle des verstorbenen Bankiers Gustav Dammauu wurde dessen Bruder, Bankier Max D a m m a n n , neu zum Repräsentanten gewählt. — Das Ehepaar Salti Scheuer und Frau geb. Hahn in Külsheim (Baden) feierte am 10. d. M. das seltene Fest der goldenen Hochzeit in voller geistiger und körperlicher Frische. Das ganze Städtchen ist stolz auf dieses greise Jubelpaar und wünscht ihm noch ein langes, glückliches Beisanunensiin. - Professor Alexander M a r m o r e t, der Pariser Bakteriologe und Zionistenführer, hat sich nach Vorübergehendeln Aufenthalt in seiner Vaterstadt Wien nach Bern begeben. Der Nestor der Wiener Komponisten, Karl Goldrnark, ist am 2. Januar au den Folgen einer Banchfellentzünduug im 35. Lebensjahre gestorben. Goldmart war am 23. Mar 1330 in Ungarn geboren. Er war bekannt geworden durch feine Opern: „Königin von Saba", „Merlin", „Das Heinichen am Herd": besonders seine „Königin von Saba" errang ihm einen bedeutenden Ruf. Er hatte es verstanden, die Fremdartigkeit des Orients in glühenden Tonfarben zu malen. In Budapest starben Baron Peter Herzog (geboren 1339), einer der bedeutendsten jüdischen Industriellen in Ungarn, und Joseph H ü v ö s deBotfa, der Generaldirektor der Stadtbahn, ein feinsinniger Jude und treuer Bürger seiner Vaterstadt. --- Die „Nova Neforlna" berichtet, daß bisher aus dem jüdischen Friedhof in Krakau 8 Offiziere und 67 Soldaten jüdischen Glaubens, die in den dortigen Spitälern ihren Wunden erlegen sind, in einer von der dortigen Kultusgemeinde hierfür reservierten Abteilung bestattet wurden. Bei den Beerdigungen fungiert jedesmal ein Feldrabbiner im militärischen Ornat. — Einer dringenden Depesche der Petersburger Abteilung der „Jca" an das amerikanisch-jüdische Kriegshilfskvmitee entnehmen wir, das; die Juden in ganz Russisch-Polen und in dem größten Teile der Gouvernements Kowno, Wilna, Grodno, Wolhynien, Podolien und Betzarabien sich in der größten Hungersnot befinden. Die Zahl der Flüchtlinge und Obdachlosen beträgt rund zlvei Millionen. Das in Petersburg znstandegekommene Hilfskomitee sei nicht in der Lage, der Situation Herr zu werden. Amerikanische Hilfe, eventuell Entsendung einer Kommission, sei dringend notwendig. Wie man den; „Teinps" aus Kairo meldet, erörtern arabische Blätter, wie „Al Watan" und andere, die natürlich alle mehr oder!veniger von England beeinflußt sind, die Palästinafrage. Sie weisen darauf hiir, die Ereignisse hätten gezeigt, daß Aegypten eines schönen Tages von dieser Seite bedroht werden könnte. Für England lväre es infolgedessen unumgänglich notwendig, ans Palästina einen neutralen Staat zu bilden oder aber es zu okkupieren. Es sei jedoch die erstere Maßnahme vorzuziehen, weil durch letztere die Syrer leicht beunruhigt werden könnten. (Allerdings! Die Red.) — Ein von einer neutralen Macht ausgerüstetes Schiff, das Lebensmittel für. die der Teuerung und den; Hunger preisgegebenen palästinensischen Bevölkerung nach dem Heiligen Lande bringen sollte, ist im Mittelmeer von den Engländern angehalten, und die Lebensmittel sind als „Kriegskonterbande" beschlagnahmt worden. — Die Juden der Ostseite von New Uork wollen ein internationales Waisenhaus gründen, in welches die durch den europäischen Krieg verwaisten Kinder ausgenommen werden sollen. Das Gründungskomitee, an dessen Spitze Jsaae Stanislaw steht, will 200000 Dollar als Gründungsfonds aufbringen. Das Waisenheim soll so geräumig sein, daß es 1000 Kinder ausnehmen kann. — Das neue amerikanische Repräsentantenhaus, das am 4. März 1915 eröffnet werden wird, zählt sechs jüdische Mitglieder, nämlich: Jakob A. Eantor, Meyer London und Jsaae Siegel aus New-Uork, Jfaac Bacharach aus New Jersey, Harry Rosenhaupt ans Washington und Julius Kahn aus San Francisco. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.