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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-01-08 · Heft 2 (8.1.1915) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 2 (8.1.1915)
Date
1915-01-08
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 Bor Przemysl lvurden russische Patrouillen in österreichisch-ungarischen Uniformen sestgestellt. Offiziere und Mannschaften des Feindes, die sich dieser unzulässigen Kriegslist bedienen, haben auf die Begünstigullgen der internationalen Gesetze und Gebräuche im Kriege keinen Anspruch. Tie Ruhe auf dem Balkankriegsschauplatz hält an. Oestlich Trebinje zwang unsere Artillerie die Montenegriner nach nlehrstündigem Geschützkampf zum Rückzuge. Der stellvertretende Chef des Generalstlibes. v. Hoefer, Feldmarschalleutnant. Bier deutsche Flugzeuge über Düllki r chen. London, 31. Dezember. Wie das Reutersche Bureau aus Dover erfährt, haben vier Flugzeuge Bomben über Dünkirchen abgeworfen. Ergänzend meldet uns dazu ein eigener Drahtbericht aus London: Dünkirchen wurde gestern eine halbe Stunde lang von vier deutschen Taubenapparaten bombardiert. Eine Taube tauchte nach der andern auf, verschwand, und eine neue kam. Flintenschüsse und Knall explodierender Bomben durchhallten die Stadt. Die erste Bombe fiel in die Festung. Es wurde großer Schaden angerichtet. Fünfzehn Personen wurden getötet und zweiunddreißig verwundet. Die Truppen feuerten auf die Flugzeuge, die jedoch entkamen. Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. Januar. We st liche r K riegsfchauplatz. Bor Westende erschienen gestern mittag einige von Torpedobooten begleitete feindliche Schiffe, ohne zu feuern. Auf der ganzen Westfront fanden Artilleriekümpfe statt; ein feindlicher Jnfanterieangriff erfolgte nur nordwestlich St. Menehould, der unter schwersten Verlusten für die Franzosen abgeschlagen wurde. Oest l i ch e r Krie g s s ch a uPlatz. In Ostpreußen mit) im nördlichen Polen keine Veränderung. In Polen westlich der Weichsel gelang es unseren Truppen nach mehrtägigem harten Ringen, den besonders stark befestigten Stützpunkt d e r r u s fischen H a u p t st e l l u n g , B o r z h m o w , zu nehmen, dabei tausend Gefangene zu machen und sechs Maschinengewehre zu erbeuten. In drei Nachtangriffen versuchten die Russen Borzymow zurückzugewinnen, ihre Angriffe wurden unter großen Verlusten abgewiesen. Auch östlich Raum kam unser Angriff langsam vorwärts. Die in den russischen Berichten mehrfach erwähnten russischen Erfolge bei Jnowlodz sind glatt erfunden. Sämtliche russische Angriffe in jener Gegend sind sehr verlustreich für die Russen abgewiesen und gestern nicht mehr wiederholt worden. In übrigen ist die Lage östlich der Pilica unverändert. Ober st e Heeres l eit u n g. So schreiten wir voller Zuversicht ins neue Jahr. Möge es in jeder Beziehung für unser teures Vaterland, für das Judentum und für die Menschheit ein gesegnetes sein. * Wie „Egyenlösieg" mitteilt, hat der Vizepräsident der ungarisch-israelitischen Landeskanzlei königlicher Rat Dr. Franz Mezey auf diplomatischem Wege ein Memorandum an die amerikanischen Juden gerichtet. In diesem Memorandum wird in mehreren Punkten auf die Tatsache hingewiesen, daß aus den von den Russen bei ihren Einbrüchen in den Karpathen besetzten Gebieten hauptsächlich die Juden geflüchtet sind. Die Ursachen, weshalb gerade die Juden und nicht etwa auch die in diesen Gegenden wohnenden Ruthenen und andere nichtungarische Nationalitäten flüchten mußten, wurden in dem Memorandum ausführlich angegeben. Ebenso wurden die Verheerungen eingehend geschildert, welche die Russen gerade an jüdischem Besitz und jüdischem Vermögen angerichtet haben. Die meisten dieser Flüchtlinge suchten in der Landeshauptstadt Budapest bei ihren dortigen Glaubensbrüdern Schutz. Es wird nun dargetan, daß die ungarischen Inden bei allen infolge des Krieges notwendig gewordenen Humanitären und patriotischen Aktionen in erster Reihe zu finden waren und daher so sehr in Anspruch genommen wurden, daß sie außerstande sind, die Flüchtlingssürsorgeaktion in solchem Maße zu fördern, wie sie es wünschten lind wie es die Sache selbst erfordert. Erschwert wird diese Aktion noch dadurch, daß fast zu gleicher Zeit auch ungefähr 1000 galizische Familien auf ihrer Flucht in Budapest Halt machten und gleichfalls auf die Hilfe der Budapester Judenschaft angewiesen sind. Es wird nun festgestellt, daß die ungarischen Juden selbst in dieser schweren Zeit ihre Pflicht erfüllen, daß aber ihre Kräfte nicht ausreichen, um der großen Not dieser Flüchtlinge gewachsen zu fein. Zu anderen Zeiten pflegte sich die ungarische Judenschaft, wenn es sich um eine Hilfsaktion handelte, welche den Rahmen der lokalen philanthropischen Möglichkeiten überschritt, an die Alliance JsraÄite Universelle oder an die Londoner großen jüdischen Hilfsorganisationen zu wenden. Dieses sei in diesem Falle ausgeschlossen, denn der Weltkrieg und seine Folgen haben auch die humanitären und kulturellen GrenKinien verschoben. Das Memorandum richtet nun zum Schluß an die amerikanischen Juden den warmen Appell, rasche und ausgiebige Hilfe zu leisten, welche es möglich mache, den von der russischen Invasion betroffenen Juden nicht nur momentane Almosen, sondern auch die Möglichkeit zu bieten, nach Eintritt normaler Verhältnisse wieder eine neue Existenz beginnen zu können. * Der „Oesterreichifchen Wochenschrift" entnehmen wir folgende Notiz: Zu der Meldung auswärtiger Blätter, daß die griechische Regierung in Saloniki eine Universitütsgründung plane, sei bemerkt, daß im vergangenen Sommer von dem damaligen leitenden Staatsmann in Athen dem Einsender dieses Hinweises die Absicht eröffnet wurde, an dieser neuen Universität auch die jüdisch-theologischen Fächer besonders zu berücksichtigen. Auf den Einwand, daß damit kein Novum zu verzeichnen wäre, da andere Universitäten, auch in Deutschland, derartige Lehrstühle vereinzelt geschaffen hätten und nur die Einrichtung einer besonderen jüdisckptheologischen Fakultät auf die jüdische Bevölkerung Neu-Griechenlands einen nachhaltigen Eindruck und Einfluß ausüben könne, wurde auch diese Gründung in Aussicht gestellt. Ob mit dem inzwischen eingetretenen Wechsel im Ministerium auch ein Wandel in der Stellungnahme zu dieser Frage verbunden ist, läßt sich von hier ans nicht beurteilen. Wir wollen es jedenfalls nicht unterlassen, die führenden jüdischen Kreise auf den Sachverhalt hinzuweisen. Für die Judenheit, die des Ostens vor allem, wäre ein solcher Fortschritt von allergrößter Bedeutung. * Von einem gelegentlichen Korrespondenten aus Amerika wird uns geschrisben: Moses Alexander in Boise, Idaho, wurde zum Gouverneur des Staates Idaho in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gewählt. Herr Alexander ist der erste Amerikaner jüdischen Glaubens, der im genannten Staate zum Gouverneur erwählt wurde. Im Tempel Emanuel in New Port wurde am 13. Dezember ein Gottesdienst für die jüdischen Polizisten zur Feier des Channkafestes abgehalten. Ein gleicher Gottesdienst fand im vergangenen Jahre statt. Heber 400 jüdische Schutzleute sind im New Porter Polizeidepartement angestellt, unter ihnen ein Inspektor, ein Hauptmann, acht Leutnants und eine Anzahl von Sergeanten. Rev. Dr. A. Blum, israelitischer Polizeikaplan, hielt die Begrüßungsrede, Rev. Dr. Silvermann predigte und Rev. Dr. Enelow sprach das Schlußgebet. Die Kapelle der Polizeibeamten begleitete die Polizisten auf dem Marsche nach dem Tempel und auch den Chor beim Singen der amerikanischen Nationalhymne. Viele jüdische F-merwehrmänuer nahmen auch teil an der Feier, die sich alljährlich wiederholt. * Die Stimmung der Neutralen scheint allmählich zu unseren Gunsten umzuschlagen. Nicht aus dem Grunde, daß die Antipathie gegen die Deutschen gewichen ist, sondern weil die Erfolge der Waffen und ihrer Verbündeten nun allgemein anerkannt werden und weil die Uebergxisfe der Engländer zu arg sind. Nunmehr haben die Amerikaner energisch gegen die englischerseits geübte Beeinträchtigung ihres Handels

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