Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Stadt ernannt. Zudieser Feier erschienen mittags in dem Hause des Jubilars je eine Deputation des Magistrats und des Stadtverordnetenkollegiums und wurde dann durch dieselben der künstlerisch ausgestattete Ehrenbürgers rief überreicht, wobei der Bürgermeister speziell in seiner Rede hervorhob, daß sich die gesamte Stadtbehörde einstimmig zu dieser Ehrung entschlossen habe, weil der Kaufmann I. Baron einzig und allein durch sein selbstloses Arbeiten für die Stadtgemeinde sich dieser Ehrung würdig gezeigt habe. Derselbe ist seit 40 Jahren als Stadtverordneter und zweiter Vorsteher tätig gewesen und hat viel zur Vergrößerung der Stadt beigetragen. Viele Jahre war er auch Kreistagsabgeordneter und bekleidete sonstige Ehrenämter. Jahrzehnte war er auch Vorstand unserer Kultus-- gemeinde. Mit einem Glückwunsch und einem Hoch seitens des Bürgermeisters auf das Wohl des neuen Ehrenbürgers und seiner Gemahlin Paula geb. Friedländer endete die erhebende Feier. 22 Nakel, 4. Dezember. Am 26. v. M. wurde hier Frau Henriette Pinn geborene Baerwald unter sehr großer Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung zur letzten Ruhe bestattet. Sie war eine Frau von seltener Herzensgüte, die viel Gutes getan, reichen Segen gestiftet und sich als langjährige Vorsitzende des Frauenvereins um denselben in hervorragendem Maße verdient gemacht hat. Im Hause hielt Herr Dr. Theodor, Rabbiner in Bojanowo, ein Verwandter der Verblichenen, eine gemüt- und geistvolle Rede, in welcher er das Haus, in dem die Entschlafene waltete, ein Gotteshaus nannte, aus dem sie nun in die Pforte des Himmels einziehe. Hieraus nahm deren Nesse, Rechtsanwalt Dr. Ed u a r d B a e r w a l d, Sohn des verewigten Direktors des Frankfurter Philanthropins Dr. Hermann Baerwald, in bewegten Worten von der Dahingeschiedenen zugleich im Namen der Familie Abschied. Dann bewegte sich der Trauerzug zum Friedhof, wo der Ortsrabbiner Dr. P e r l i tz ein Bild des Lebens und Wirkens der Verblichenen entwarf und ihre Verdienste aus humanitärem Gebiete würdigte. In unserer Gemeinde wird die edelsinnige und edelherzige Frau unvergessen bleiben. M. Hamburg, 4. Dezember. In einer gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und der Verwaltung fand eine Wschiedsfeier für den bisherigen Leiter des jüdischen Warseninstituts, Herrn S. P l o d i, statt, der auch die Zöglinge der Anstalt beiwohnten. Herr Plocki, der 23 Jahre als Leiter am Deutsch-Israelitischen Waiseninstitut tätig gewesen, hat aus Gesundheitsrücksichten seinen Abschied genommen. Der Vorsitzende, Herr Julius Kronheimer, überreichte mit einer Ansprache den scheidenden Waiseneltern als sichtbares Zeichen der Anerkennung eine kunstvoll ausgeführte Mappe mit den Ansichten der inneren und äußeren Räume des Hauses. Herr Plocki dankte dem Vorstand für das ihnen in ihrer dreiundzwanzigjährigen Wirksamkeit erwiesene Wohlwollen und Vertrauen. Tränenden Auges verabschiedete sich daun Herr Plocki vou den Kindern. Vor 23 Jahren habe er die Leitung des Hauses mit 12 Knaben übernommen, heute zähle das Institut 18 Zöglinge. Dann übergab der Vorsitzende des Instituts, Herr Kronheimer, den neuen Waiseneltern, Herrn Schloß unb Frau, die Kinder, und wies darauf hin, daß ihnen ja auf dem Gebiete der Waisenpflege bereits Erfahrungen zur Seite stehen. Vor allem müßten die neuen Leiter, \vk die bewährten alten es getan, danach streben, die Kinder vergessen zu macheu, daß sie in einem Waisenhanse ftnb, und versuchen, ihnen das Elternhaus zu ersetzen. Herr Schloß dankte für das in ihn gesetzte Vertrauen und versprach, daß er und seine Frau sich dieses Vertrauens würdig erweisen wollen. Die Kinder wurden alsdann mit einem Imbiß bewirtet. Bereits am Vormittag hatte in der Synagoge des Waisenhauses eine interne Feier stattgefunden, bei der Herr Strauß als ältester Synngogenbesucher Herrn Plocki für seine Mühewaltung dankte und ihm im Namen der Synagogenbesucher ein wertvolles Geschenk überreichte. — Herr Joseph Kronheimer, ein bekannter Philanthrop, der vor einigen Monaten in Melbourne gestorben ist, hat in seinen! Testament große Beträge für gemeinnützige Zwecke bestirnmt. Herr Julius K r o n h e i m e r, sein hier lebender Bruder, hat die Verfügung getroffen, daß von diesen Beträgen der Talmud-Thora-Realschule 10 000 Mark, der Israelitischen Höheren Töchterschule (Lyzeum) 5000 Mark, dem Deutsch-Israelitischen Waiseninstitut 2500 Mark zugewendet werden; auch für die engere Heimat der Brüder Kronheimer, Bayern, sind erhebliche Summen gestiftet worden. Erst vor wenigen Jahren haben die Brüder Kronheimer eine wohltätige Stiftung bei der hiesigen deutsch-israelitischen Gemeinde durch Zuwendung eines Betrags von 300 000 Mark errichtet. Aus dem Nachlaß seines Bruders hat Herr Julius Kronheimer neuerdings 75 000 Mark zur Begründung einer weiteren Stiftung zur Verfügung gestellt. 22 Elberfeld, 3. Dezember. Heute begeht Herr Rabbiner a. D. Dr. Zacharias Auer buch seinen siebzigsten Geburtstag. Am 3. Dezember 1844 in Bonn als Sohn des dortigen Oberrabiners Dr. Aron Auerbach geboren, studierte er in seiner Vaterstadt und trat im Jahre 1866, im jugendlichen Alter von 22 Jahren, sein Amt als Rabbiner der Elberfelder Gemeinde an. 41 Jahre versah er hier sein Amt und sah seine Gemeinde aus kleinen Anfängen zu einer der angesehensten Gemeinden des Rheinlandes anwachsen. 1906 wurde ihm aus Anlaß seines 40jährigen Amtsjubiläums der rote Adlerorden verliehen. Seit dem 1. September 1907 lebt Herr Tr. A u e r b a ch im Ruhestand; er erfreut sich großer körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Mögen ihm noch viele glückliche Jahre beschieden sein. 22 Bolkmarsen (Regierungsbezirk Kassel), 4. Dezenrber. Eine verehrnngswürdige Frau ist am 30. Cheschwan hier zu Grabe getragen worden. Frau Jettchen Wertheim, geborene Abt, Ehefrau des Lehrers a. D. Joseph Wertheim, an dessen Seite ihr 51 Jahre zu leben und zu wirken vergönnt gewesen war, wurde hier, wo sie 41 Jahre ihres Lebens verbracht hatte, zur ewigen Ruhe geleitet. In HannoverschMünden, wo sie bei ihrem Sohne zu Besuch weilte, hat sie plötzlich der Tod dem trauten Familienkreise entrissen. Dort gab Herr Lehrer Schwa lim-Dransfeld der tiefen Trauer Ausdruck, die alle jetzt erfüllt, die ihr im. Leben nahegestanden. Hier in Volkmarsen hatte man die sterbliche Hülle der Verklärten ins Lehrerhaus gebracht, wo Herr Lehrer R o s e n b a u m - Zierenberg der Dahingeschiedenen tiefempfundene Abschiedsworte widmete. Am Grabe sprach sodann Herr Lehrer Stern aus Volkmarsen und gedachte der edlen Tugenden, des religiösen Sinnes und der edlen Taten, die die Dahingeschiedene den Armen und Hungrigen gespendet. Stirbt der Fromme, so stirbt er seinein Zeitalter, und eine wahrhaft Fromme war sie, deren Andenken unvergeßlich bleiben wird. Das große Gefolge gab beredtes Zeugnis von der Liebe und Verehrung, deren sich die Verstorbene in weiten -Kreisen der Orts- und Nachbarbevölkerung erfreute. Ehre ihrem Andenken! 22 Wiesbaden, 4. Dezember. Am 29. v. M. starb hier im Alter von 80 Jahren Herr Herm a nn H ertz. Weit über seine Heimatstadt erfreute sich der Verstorbene allgemeiner Achtung und Wertschätzung. Wo Not zu lindern, Tränen zu trocknen waren, war Hermann Hertz stets an erster Stelle. Aber größer als der Geber selbst ist, wer zum Geben veranlaßt, lautet ein Ausspruch unserer alten Weisen, und auch das hat der Verblichene meisterhaft verstanden. Viele Hände, die meistens sonst verschlossen geblieben wären, hat er geöffnet, daß sie den Darbenden Hilfe brachten. Bielen Wohlsahrtsvereinen gehörte er in führender Stellung an. 47 Jahre war er Mitglied der Alliance Jsra^lite Universelle, 40 Jahre war er Schatzmeister und sieben Jahre Vorstandsmitglied der Ortsgruppe der A. I. U. in Wiesbaden. Die Beisetzung fand am 1. Dezember unter großer Beteiligung statt. Januach beschalom! P. Heidelberg, 4. Dezember. Offizierstellvertreter Hermann Müller vom 17. bayerischen Infanterieregiment, Sohn des Hanptlehrers S. Müller, erhielt für besondere Tapferkeit vor dem Feinde das bayerische Militärverdienstkreuz zweiter Klasse. - Das Heidelberger „Rote Kreuz" richtet in Tournai (Belgien) eine Militärverpflegungs- und Erfrischungsstation ein. Zur Einrichtung derselben und als ärztlicher Leiter wurde Herr Dr. A. Elsässer entsandt. Dem Sanitätspersonal gehören an Schwester Helga Wunsch, Großlogenschwester, und Fräulein Grete M a r x. Für diese Station wurden von jüdischer Seite 7000 Mark gespendet. Holland. Gravenhage (Holland), im November. Bor kurzer Zeit starb ^hier unser Glaubensgenosse Herr I. Haukes Drielsma, Put adviseur (Vortragender Rat) beim Finanzministerium, Generaldirektor der Emsuhrrechte und Akzisen, Ritter usw. Als der Verstorbene sich 1913 pensionieren ließ, wurden ihm an dieser Stelle ehrende Worte gewidmet, die in dem Wunsche ausklangen, daß er noch lange sich der wohlverdienten Ruhe erfreuen möge. Tiefes