Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- Seite (600) (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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500 warten und den Rabbi zu Worte kommen lassen! Er wird schon sagen, was mit Littauers Thora geschehen muß. Der Rabbi sagte cs ihnen auch. Er hob die Thora nochmals empor, küßte sic und stellte sie andachtsvoll in die Bundcslade zurück. Die Thora ist Gottes, auch wenn sie ein Abtrünniger gespendet hat. Die Versammlung verstand diese stumme Sprache, verstand sie bester als die früheren Donnerreden und beruhigte sich. Doch es gab viele, die fanatisch behaupteten, daß. eine andere Rolle nicht aus den Händen des Rabbi gefallen wäre. Rur mit der Thora des Meschumed kvnnte so etwas geschehen. Gott selbst hat dieselbe aus seiner Hand gerissen zum Zeichen, daß, gleichwie das geheiligte Pergament den Händen des Rabbi entfallen sei, ebenso der Abtrünnige vom Judentum abfällt. Es habe mit ihm keinerlei Gemeinschaft mehr. Und als vom Rabbi für Montag ein Fasten angeordnet wurde, »in die Erniedrigung der Thora zu sühnen, kam auch Samuel Spitz in den Tempel, und sein bleiches Gesicht übersloß von Tränen, als er leise betete: „Die Verräter sollen keine Hoffnung haben, und die Missetäter sollen verschwinden wie der Augenblick, und alle sollen gleich vernichtet werden." Und er setzte hinzu, was nicht in der Liturgie stand: „Allniüchtiger Gott, du bist weise und hast mehr Einblick in die Menschenherzcn als die Sterblichen. Meinetwegen vernichte die Verräter, die Missetäter, diejenigen, welche deine heiligen Gesetze mißachten, aber Littauer tue nichts zuleide, ihn strafe nicht. Denn glaube mir, er hat ein gutes Herz. Rebojne schel Ostern, c wat noch Tschüwe tün, de waßt sehn: e wat noch Tschüwe Hin."'’) (Forts, folgt.) Schwur — nach einem Lied, das Juden im Befreiungskampf gegen die russischen Verfolgungen im vorigen Jahrzehnt gesungen haben von Julius B a b. ir heben die Hände zum heiligen Lande Und schwören bei Zions Fahne den Eid. Wir schwören bei jedem heiligen Bande, Wir schwören beim Jammer, wir schwören beim Leid. Beim Blut, das all unsre Geschichte geschrieben. Beim Schwert, das der Hand unsrer Helden zerbrach. Wir schwören bei allem, das Volk heiß zu lieben! Wir kämpfen, wir stehn und wir lassen nicht nach! Wir schwören in Liebe, wir schwören in Treue: Wir tun vom Gewchr nicht mehr lebend die Hand, Bis daß wir im Kamps uns errungen aufs neue Ein freies, ein friedengesegnetes Land. Und sollen wir fallen noch vor dem Gelingen — Wir schwören: auch das soll nicht enden den Streit! Wir lassen's den andern, — sie sollend vollbringen, Von unserm Geschick zur Vergeltung geweiht! (Das vorstehende Gedicht ist einem Heft entnommen, das den Titel führt: „Zum Chanukahfest 1914. Ein Gruß an die jüdischen Soldaten im deutschen Heere vom Verband der deutschen Juden. Der fernere Inhalt des sehr empfehlenswerten Heftchens ist folgender: Psalm — Das Fest der Helden von Rabb. Dr. Bergmann. — Aus Otto Ludwigs „Makkabäer". Aus dem 5. Buch Moses. — Ein Zwiegespräch zwischen dem Chanukahlicht und dem Weihnachtslicht von Rabbiner Dr. Wilde, Feldgeistlicher beim Armeeoberkommando IV. — Hymnus von Heinrich Heine.) 3) Herr der Welt, er wird sich noch reuig bekehren. Du wirst sehen, er wird sich bekehren. Ehanuda. Bon Ludwig Geige r. - n schwere Zeiten fällt das Weihefest Wo düster grell des Krieges Fackel loht, Wo Haß und Zwietracht eine Welt entzweit. Da scheint kein Platz für stillen Lämpchens Glühn, Das schwanke Lichtchen will im Sturm erlöschen. Es ist kein Kampf, den Judas Söhne führen. Zum Schutz des eignen Lands, gen grimme Feinde. Bei allen Völkern, die Europas Wut, Deutschland zu stürzen, in das Feld gesendet Stehn unsere Brüder, fest und froh vereint Mit den Genossen, die ihr Glaube sonst Von uns getrennt und fern vvn uns gestellt. Noch heut stießt in uns Makkabäerblut. Gar viele müht des Todes Sichel fort. Die heldenmütig, stark und kühn gefachten. Und viele Tapfre schmückt das Kreuz von Eisen. Wie lange dauert noch der Völkermord? Wann wird nach diesem schaudervollen Kampfe, Der schnell zerstört, was Jahre still gebaut, Die Friedenstaube mit dem Oelzweig kommen? Wir harren still und üben unsre Pflicht, Wir klagen nicht, ob auch das Herz sich krampst Ob all des Grausigen, das wir erdulden. Wir zagen nicht, mag auch Gefahr uns dröhn,. Mag auch das Elend 'mit Polypenarmen Im Wachen und im Traume uns erschrecken. Tenn m uns lebt Bewußtsein unsres Rechts, Und um uns weht der Zuversicht Gewißheit, Und stärkend tönt zu uns die Geisterstimme: „Aus blut'ger Saat entsprießt der Völker Wohl, Es muß der grimmige Haß in Lieb' sich wandeln". Und wenn dereinst das mächt'ge Deutschland thront. Gekrönt vom Siege, in Europas Mitte, Wenn unsre Brüder, die sich voll bewährt. In ruh'gen Zeiten ihren Lohn empfangen Für Pflichterfüllung, die sie willig übten. Dann, woll'n wir froh den neuen Tempel weihn. In dem die Menschheit, brüderlich geeint, Der Liebe ihre Hekatomben opfert. Dann künde hell erleuchtend unser Licht Des Geistes und der Freiheit Weihefest. Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Das schmerzliche Wunder. Ein Buch Verse von Ilse Reicke. Egon Fleischet u. Co. Berlin 1914. Der jüdische Student, Monatsschrift des Kartells jüdischer Verbindungen. Herausgegeben vom Präsidium. Bureau des K. I. V. Berlin SW 68, Friedrichstraße 49. Kriegskrankenkassen von P. Matzet. Sonderabdruck aus der „Medizinischen Reform, Halbmonatsschrift für soziale Hygiene und praktische Medizin", Nr. 23 und 24. 1914. Herausgegeben von Professor Dr. Rudolf Lennhoff. Kriegspredigt 1914. Deutschland und Israels Lied, gehalten am Neujahrsfeste (22. September) 5675 von Dr. D. Leimdörser, Rabbiner und Prediger zu Hamburg. Der Ertrag wird dem Roten Kreuz und der „Kriegshilfe" überwiesen. Hamburg 1914. Glogaus Buchhandlung, Bleichenbrücke 6. Worte m die Zeit. Flugblätter 1914 von Ernst Lissaner. Die Hälfte des Reinertrages ist für die Kriegerwaisen bestimmt. Zweites Blatt.