Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- Seite (598) (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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geschichte in verschiedenen Variationen zur Anwendung gelangt. Ausdrücklich auf das „Alphabet des Rabbi Akiba" beruft sich nur Jalkut Schimoni (Bereschith, Anfang), während Bereschith Rabba und Tanchmna auf die Bedeutung der Buchstaben in der Schöpfungsgeschichte wohl Hinweisen, aber den Namen Akiba nicht nennen. Zweifellos aber lag dieser dem Rabbi Akiba zngeschriebene Midrasch auch ihnen vor, wie nicht minder denr „Sohar", der ebenfalls, ohne den Namen Akiba zu erwähnen, die zweiundzwanzig Buchstaben des Alphabets, in deren Gestaltung er besondere Eigenschaften erblickt, und die schon „zweitausend Jahre vor der Weltschöpfung als Lieblinge des Heiligen, gepriesen sei er, existierten", für seine Zwecke verwendet und in der Behandlung des Stoffes von den anderen Midraschim vielfach abweicht und seine eigenen Wege geht. . Ich lasse hier eine in der Vorbemerkung zum Sohar befindliche Abhandlung über das Alphabet und die Schöpfung, mit Weglaisung störender Wiederholungen, in möglichst wortgetreuer Ueberfetzung folgen. * * * Als der Heilige, gepriesen sei er, die sichtbare Welt erschaffen ivollte, versaminelten sich um ihn die das Alphabet bildenden zweiundzwanzig Buchstaben der Thora, stellten sich von links nach rechts aus und traten, so geordnet, der Reihe , nach an den Allmächtigen mit der Bitte heran, ihre Dienste bei i der Schöpfung in Anspruch zu nehmen.! Herr des Alls! sprach das?!, möge es doch dein Wille sein,; die Welt durch mich ins Leben zu rufen! Dein Jnsiegel, dein! Flamen heißenbeide ruhen am Ende auf mir, ich flehe dich an, die Welt in meinem die Wahrheit kündenden Zeichen erstehen zu lassen. Wohl bist du würdig, tugendhaft und anmutig — erwiderte der Herr, doch als Werkzeug bei meiner Weltschöpsung darfst du mir nicht dienen. Dir fällt eine andere Aufgabe zu: auf der Stirn der Getreuen, die die Worte der Thora von X bis?| erfüllen, zu glänzen und sie wie auch alle anderen Menschen durch den Tod, den du in dir birgst rnS2» zur Quelle des Lebens zurück zu führen.! 'iip Allmächtiger! flehte nun das ich stehe in diesem deinen Namen an erster Stelle, o erhöre m i ch und bediene dich meiner bei deinem mächtigen Schöpfungswerke. Du selbst, wehrte der Allmächtige ab, bist schön, lieblich und gut; allein die dich begleitenden Genossen ~i und p mißj brauchen dich zu ihren verwerflichen Zwecken, indem sie dich nicht selten in ihre Mitte -gvp nehmen und einen Bund mit dir schließen, um später desto wirkungsvoller als -pty Lüge auftreten zu können. Ich kann darum deine Bitte nicht erfüllen und auch deine Nachbaren nicht berücksichtigen. Der Buchstabe Jf trat hervor und verwies darauf, daß er die Frommen und Gerechten bezeichne, daß der Allgewaltige selbst den Namen pi-j^ führe und Gerechtigkeit liebe; es iväre daher nur recht und billig, die Welt in seinem Zeichen zu erschaffen. Du hast recht und bist auch gerecht, entgegnete der Herr, aber dem Gerechten geziemt Bescheidenheit: er darf nicht immer in den Vordergrund treten. Nun folgten die Buchstaben a und p. Der erste machte geltend, daß mit ihm die Erlösung riHB beginne, der zweite, daß er die Demut nw an erster Stelle zeige. Allein auch sie mußten bescheiden zurücktreten, da durch sie auch Frevel pzpa und Sünde Jp zum Ausdruck gelangen. Das gleiche Schicksal teilte auch das a- Sein Hinweis darauf, daß er die Fallenden stütze "ri27B< wurde mit der Bemerkung zurückgewiesen: Gerade aus diesem Grunde dürfe er seinen Platz nicht verlassen, denn was würden die Fallenden ohne Stütze beginnen? Der Buchstabe j hob hervor, daß in seinem Zeichen der Herr als Furchtbarer K“nj erscheine, ja daß er es bewirke, daß aus dem Munde der Redlichen das Loblied des Allgewaltigen so lieblich erschalle nbn? mxj- Doch der Herr rief ihm zu: Verharre bescheiden an deinen: Orte, da deinetwegen auch das d auf den seinen zurückkehren mußte. So erschaffe doch, o Herr, flehte das o durch mich die Welt, da ich es doch bin, der dich in deiner Eigenschaft als König offenbart. Gewiß bist du es — entgegnete der Herr, der mich als König der Welt verkündigt, aber bei ihrer Schöpfung muß ich auch deine Hilfe ablehnen. Verbleibe nur ruhig an deinem Orte, in der nächsten Nähe deiner Genosse» ‘y und 3 und verherrliche gemeinsam mit ihnen meinen Namen als König, ohne den die Welt nicht bestehen kann. Da erbebte das- All, und aus dem heiligen Gottesthrvn nb3 löste sich das 3 und sprach: Ruhmgekrönter! Ich bin es doch, auf dem deine Herrlichkeit, deine Ehre "1133 in erster Reihe beruht, so erschaffe dbch deine herrliche Welt durch mich.! aKas! rief der Herr, überhebe dich nicht und begib dich bescheiden an deinen Ort, denn du trägst auch den Untergang, die Vernichtung n^a in dir. Das ' verwies darauf, daß fein Zeichen im erhabenen Gottesnamen an erster Stelle glänze, der Herr aber erwiderte: dn darfst mit deinem Los zufrieden sein; oder möchtest du aus meinem die Welt belebenden und erleuchtenden Namen ausgeschieden sein? Da sprach das 12: Herr! Du wirst durch mich als aitt gütig gepriesen, so erweise doch deine Güte auch mir und rufe die Welt ins Leben durch mich. Das ist nicht angängig, lautete die Antwort des Allgütigen. Die in deinem Zeichen sich offenbarende Güte in ihrer wahren Größe zeigt sich erst in der künftigen Welt, denn das an deiner Seite lauernde n verfolgt und umwirbt dich, uni gemeinsam mit dir der Menschheit die Existenz der sie verderbenden Sünde rrvN kund zu tun: ich kann also euch beide als Werkzeug für meine Schöpfung nicht gebrauchen. Das 7 wurde abgewiesen, weil es ebenso wie das 7 eine Waffe darstelle. Die Buchstaben 1 und n erhielten den Bescheid, sie möchten sich doch damit begnügen, daß in ihrem Lichte der allerheiligste Gottesname in seiner ungetrübten Herrlichkeit erstrahle. 1 und 2 vernahmen, daß sie aus dem Grunde, um bei der Schöpfung mitzuwirken, voneinander nicht weichen dürfen, weil der Arme --7 auf die Hilfe des -wN liebeübenden Nächsten angewiesen sei. Da wandte sich das 3 an den Herrn und sprach: Allgebeneideter! Ich bin es, mit dem dein Segen beginnt, meiner bedienen sich alle Kreaturen, die dir "fi->a zurusen; so erhöre mich doch, 0 Herr, und errichte die Welt in meinem segenspendenden Zeichen. Mein Liebling, erwiderte der Herr, dein Wunsch ist berechtigt: dich darf ich bei meinem Werke nicht missen. Sei gesegnet in meinem Namen und diene der Welt zum Segen. Das x allein war bescheiden im Hintergrund zurückgeblieben. Da sprach der Herr: Aleph! Aleph! Warum erscheinst du nicht vor mir wie alle die anderen? Einziger! Ewiger! entgegnete traurig das Aleph: Ich sah, daß alle meine Genossen leer vor dir ausgingen und nur das segensreiche Beth Gnade in deinen Augen fand, so zog ich es vor, still auf meinem Orte zu verharren, zumal ich doch weiß, daß dein einmal gegebenes Wort gleich dir selber unveränderlich ist. Aleph! sprach der Herr begütigend: Im Zeichen des Beth, das meinen Segen in sich birgt, soll die Welt erstehen, bit aber, der erste aller Buchstaben, sollst der Welt in aller Ewigkeit mich als den Einen nrix und meinen Namen als den Einzigen verkünden.