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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-11 · Heft 50 (11.12.1914) · p. Seite (593)

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 50 (11.12.1914)
Date
1914-12-11
Page
Seite (593) (sequence 5)
Language
German
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b-kW' R Haß zu Wasser -und Haß zu Land, Haß des Hauptes und Haß der Hand, Haß der Hämmer und Haß der Kronen, Drosselnder Haß von siebzig Millionen, Sie lieben vereint, sie hassen vereint. Sie haben alle nur einen Feind: England. Mchtlingsbrikke. Von Helene Knoblauch. - Scheveningen, 2. August 1914. uhig ist die See, ein blaues Gewebe hängt in der Luft — nur murmelnd spülen die Wellen den Sand. Leichte Wolken schweben zwischen Himmel und Meer, unsichtbare Göttinnen, die ihre durchsichtigen Schleier über dem Meere ausgebreitet, umnebeln leicht die Luft. Der bogenförmige Rand des Meeres ist violett gefärbt, und ein rosiger Hauch schwebt hin und her. Das blaßgrüne glitzernde Wasser läßt die wallenden Wellen hell aufblitzen, die'goldene Sonne sendet kosend ihre Strahlen aus, und durch den leichten grauen Nebel, der die Farben noch blasser erscheinen läßt, streben zwei Schiffchen der Ferne zu. Zwischen dieses Bild drängt sich das Schwert des DamokleS. Ich sehe, wie es dieses Bild durchbohrt, und da — ein Gräßliches kommt zum Vorschein. Blutige Erscheinungen tauchen aus und strecken drohend ihre Arme aus. Ein Schlachtfeld, von einem Meere unendlichen Blutes durchtränkt, Leichen, die sich im Blute baden, und einzelne seufzende Herzen. Kinder, die nach ihren Vätern rufen, Frauen nach ihren Männern, Mädchen, die Hoffnung bauten auf das Leben, das ihnen so sonnig schien, und jetzt klagen und trauern um ihr verlorenes Glück. Scheveningen, 4. August 1914. Dort ganz von ferne, wo das Meer so blau ist, daß es wie schwarz erscheint, schwimmt etwas heran — eine Kriegsflotte? — Bringt sie Grüße aus England? Dieses Pevlenschäumende Meer, das, vom Glanz der Sonne umwoben, das Blau des Himmels in verschiedenen Farben widerspiegelt. Träumerisch ziehen die leichten durchsichtigen Wölkchen am Himmel hin, die wie kleine Eilande aussehen und vielleicht Aufenthaltsorte der Göttinnen sind. Das Leben gleicht dem Meere, schreiend, heulend, tobend oder nur murmelnd, bald grau oder blau, bald grün, braun oder rosig schimmernd, lockend . . . O. Leben, auch im bist trügerisch, zeigst uns manche schöne Farbe und lässest sie bald vom Winde verwehen ... * Ernst Lifsauer. Scheveningen, 5. August 1914. Ter Sturm des Lebens, der Haß trieb die Menschen so weit, daß er ihnen all ihre menschlichen Gefühle raubte und die Unschuldigen am meisten darunter leiden ließ. Eben erhalte ich ein Telegramm aus Antwerpen, daß meine Eltern heute hierherkommen — erst nächste Woche sollten sie kommen — ich ahne etwas — aber ist es denn möglich? Das Unmögliche wurde aber bald wahr. Eine Dame erhielt auch eine, aber etwas ausführlichere Botschaft. Die Oesterreicher und Deutschen sind alle allsgewiesen lvorden. Kalt rieselte es durch meine Adern, und blutig tanzten die Worte vor meinen Augen. Abends kamen die Flüchtlinge an, unter denen die Meinen sich befinden sollten. Wir versammelten uns am Bahnhof, und ein jeder erwartete seine Familie. Die immer so lustigen Antwerpener Kaufleute, die unter uns waren, schienen ihren Witz verloren zu haben, und prahlten nicht so wie in alten guten Zeiten. Ein schriller Pfiff der Lokomotive erweckte mich aus meinen Träumen. Der Zug war da. Die sonst mit Brillanten und Paradiesreihern geschmückten Damen trugen die Kochschürzen unter den Mänteln. Der Mann blieb zurück und ging da aus und ab. Gebeugt in seinem Schmerz, erwartete er seine Söhne und Töchter — ich fühlte mit ihm. Denn jetzt beschäftigte mich nur der Gedanke, die Meinen gesund wiederzusehen. Wiederum ein schriller Ton der Lokomotive — ein Ruck, und ein Schwarm von Frauen und Kindern, die stöhnend ausstiegen. Die Männer trugen nur kleine, lose in Leinwand oder Handtücher zusammengewickelte Päckchen und ermahnten ihre Frauen zur Ruhe, aber auch ihnen steckten die Tränen im Halse. Und der Herr neben mir fand auch seine Kinder, und der sonst so stolze und harte Mann weinte laut. Jetzt blieb er ganz allein zurück. Eine finstere Nacht. Das Meer heulte und tobte vor Wut und ließ seine Wellen hoch ausspvitzen. Die Klagetöne des Windes und Seufzer des Meeres erzählten mir alte Geschichten. Längst verblichene Bilder zauberte das Meer herauf und zeigte mir manch traurige, bekannte Gestalt, die mir zuzuwinken schien. Ich verließ den Bahnhof und verbrachte eine lange, bange Nacht. Endlich kamen meine Eltern; die Kinder, ihr Unglück nicht ahnend, lächelten mich an. Antwerpen, wo wir zwanzig Jahre gelebt und gearbeitet hatten und glücklich waren. Nur eine Sorge kannte man: die, sich das Leben noch bequemer zu gestalten. Da erschien das Unglück Plötzlich in seiner ganzen Größe, und mit seiner gewaltigen Macht zerschlug und zerriß es das Glück der Menschen, C. J. u. DUhren, Berlin, phot.

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