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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-04 · Heft 49 (4.12.1914) · p. Seite (584)

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 49 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
Seite (584) (sequence 8)
Language
German
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s ^84 Borgestern tagte hier eine Versammlung jüdischer No tadeln aus dem ganzen Lande, an deren Spitze Männer, wie Jacob H. Schiss, Felir Marburg, Louis Marschall, der bekannte Präsident des American Jewish Committee, Cyrus Sulzberger usw., stehen, die eine Hilfsaktion zugunsten der von der Kriegsnot heiingesuchten Jllden einleiteten. Es wurde beschlossen, einen Fonds von zirka 10 Millionen Dollar aufzubringen, mit dem man der Not in den Ländern des Krieges nach Menschenkräften steuern will. Ein besonderes Komitee aus Vertrauensleuten der amerikanischen Juden soll die Kriegsschauplätze im Osten bereisen und für eine zweckmäßige Verteilung der Beträge Sorge tragen. Bit Milche FrldlerlfmM im deutschen ihrer. in September hat, wie damals mitgeteilt wurde, das preußische R Kriegsminifterium sechs Rabbiner zur Ausübung der Seelsorge im Felde verschiedenen Armeen überlviesen. Seither sind das bayerische und das sächsische Kriegsmiuisterium dem Beispiel des preußischen gefolgt, und auch das Generalkommando des badischen Armeekorps hat einen Rabbiner zum Feldgeistlichen; jetzt sind insgesamt zehn Rabbiner im Felde. Der Verband der deutschen Juden hat von allen Feldgeistlichen —-■ mit Ausnahme desjenigen, der erst nachträglich ins Feld gesandt worden ist -- ausführliche Berichte erhalten, aus denen erhellt, wie überaus schwer und aufreibend einerseits der Dienst ist, dem die Rabbiner sich unterzogen haben, aber auch, wie überaus dankbar die jüdischen Heeresangehörigen die (Gegenwart der Geistlichen ihrer Religion begrüßen, und wie auch die Heeresverwaltung offenbar ihr seelsorgerisches Wirten zu schätzen weiß, das — gleich demjenigen der christlichen Feldgeistlichen — keineswegs nur den Angehörigen des eigenen Glaubens gewidmet bleibt Tie Rabbiner sind jetzt folgendermaßen verteilt: der I. Armee zugewiefeu ist Dr. Baeck-Berlin, der II. der III. „ der IV. „ der V. „ der VI. der VII. „ Dr. Emil Levh-Charlottenbnrg, Tr. Neinhold Lewin-Leipzig, Dr. Wilde-Magdeburg, Dr. Salzberger-Frankfnrt a. M., D r. B aerw al d-M ünchen, Dr. Italien-c r-Darmstadt. und außerdeni insbesondere dem badischen (XIV.) Armeekorps Dr. Ehoue-KoustmlZ, der VIII. Armee zngewiesen ist Dr. Sonderling-Hamburg, der IX. „ „ ,, Dr. Arthn>r Levy-Schöneberg. Tie Mehrzahl der Herren ist beim Stabe des A. Q. K. stationiert, nur Dr. Lervill-Leipzig nach seiner letzten Nachricht bei der Etappeninspektion der III. Armee, Dr. Italiener beim Stabe der 10. Jnsantoriedivision (B. A. K.) und Dr. (5hone bei der 29. Division (XIV. A. K). wültigung des Dienstes aus eigenem Antrieb Kraftwagen zur Versügung gestellt, und bald hat das Kriegsuttuisterlum in Würdigung der Verhältnisse eine Verfügung betreffend die Benutzung von Kraftwagen durch bw Rabbiner zur Erleichterung ihrer Tätigkeit erlassen (und auch dem Verbände amtlich zur Kenntnis gegeben). Nach allen Berichten gestatten die Verhältnisse trotz der Bereitwilligkeit der Konunandostellen nur selten die Abhaltung von Gottesdiensten, zu denen mrd) den christlichen Feldgeistlichen nicht oft Gelegenheit gegeben werden kann. Immerhin konnte an mehreren Stellen zum Versöhnungsfest — sowohl am Vorabend wie am Vormittag und am Schtußabenv — und ebenfalls zum Laubhüttenfest Gottesdienst gehalten werden sowie gelegentlich am Sabbat. Die uns mitgeteilten Zahlen von Teilnehmern am Gottesdienst schwanken von 15 bis 40. Die Gottesdienste sind von den Konunandostellen vorher angeordnet oder wenigstens angekündigt worden; sie wurden verschiedentlich in katholischen Kirchen, sonst in anderen Räumen, die auch für die christlichen Gottesdienste benutzt werden, abgehalten. Nach dem Fall Antwerpens hat in Brüssel ein auf Anregung des seinerzeit gerade anwesenden Rabbiners von der Kommandantur befohlener Gottesdienst in einein Raume des belgischen Kriegsministeriums stattgesunden. — Vielfach werden die vom Verbände herausgegebeuen Feldgebetbücher hierbei benutzt, die nach den Mitteilungen der Rabbiner von den Soldaten als eine willkommene Gabe begrüßt werden. Das Feldgebetbuch, von dem nach und nach bis jetzt 17 000 Stück gedruckt und zum Teil durch Vermittlung der Gemeinden verbreitet worden sind, ist seit den ersten Wochen des Krieges an alle einzelnen Leute im Felde, deren genaue Truppenadresse dem Verbände bekannt wurde, sowie je fünf bis sechs Exemplare an die Kommandos sämtlicher nwbiler Truppenteile (Regimenter bzlv. selbständiger Bataillone) mit der Bitte versandt worden, auf vorgedruckter Karte die Anzahl.der Juden beim Truppenteil anzugeben. Es bezeugt die Würdigung der Sendung seitens der militärischen Stellen, daß bisher von über 90 Kommandos Antworten eingelausen sind, vielfach mit einer Dankäußerung für die übersandten und in einigen 30 Fällen mit der ausdrücklichen Bitte um Uebersendung weiterer Feldgebetbücher, auf welche insgesamt gegen 300 weitere Bücher haben versandt werden können. (Diese Antworten der Kommandos der Truppenteile werden gleichzeitig eine wenigstens teilweise authentische Kontrolle unserer Feldzugsteilnehmerermittlungen ergeben.) Außer dieser unmittelbaren Versendung sind alle Rabbiner mit je mehreren hundert Feldgebetbüchern ausgestattet worden und haben schon verschiedentlich weitere nachgesandt erhalten, die sie auf ihren Fahrten von Truppe zu Truppe, von Lazarett zu Lazarett an die jüdischen Soldaten verteilt haben. Wir dürfen die zuversichtliche Hoffnung hegen, daß die unendlich mühe- und opfervolle Tätigkeit, der die Rabbiner sich im Dienst des Vaterlandes und unserer im Felde stehenden Glaubensgenossen widmen, über den reichen Segen hinaus, den sie im einzelnen stiftet, auch der Anerkennung des-Judentums und der Achtung seiner Anhänger in unserem Vaterlande zugute kommen wird. Dar Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden. Infolge der Verteilung der jüdischen Mannschafton in den Truppenteilen können die Rabbiner nur durch vielfachen Verkehr zwischen den einzelnen zum Armeeverband gehörigen Korps, Divisionen und Brigaden sowie von Lazarett 31t Lazarett Fühlung mit dem größten Teil der jüdischen Soldaten erlangen. Einige der Herren haben daher veranlaßt, daß alsbald nach ihrer Ankunft in ihren Wirkungsbereich durch einen Armee- bzw. Korpsbefehl auf ihre Anwesenheit und die Möglichkeit für die jüdischen Soldaten, sich an sie zu wenden, Hingelviesen lvurde. Infolgedessen konnte einer der Herren am Bersöhuungstage, an dem am Standort seines A. O. K. ein Gottesdienst urullöglich lvar, von einem getrennt davon stehenden Generalkouunando telegraphisch um Abhaltung eines solchen gebeten iverden. Bei der Ausdehnung des Wirksamkeitsgobiets Haben sich die Wagen, die den Herren bei ihrer Ausreise von der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt lvurdeu, mehrfach als unzureichendes Beförderungsmittel erwiesen - in zwei Fällen haben ihre Besitzer sie auch erst nach laugein Warten erhalten können. Verschiedentlich habell daher die zuständigen Kommaudostellen im Felde den Rabbinern zur Be- „Bit fünf Frankfurter" in frmMlifcher iBfifurütunrr. ine anregende französische Monatsschrift „Le Rayon" ft. auf die wir schon früher manchmal hingewiesen haben und von der wir nun gewiß für lange Zeit Abschied nehmen müssen, bringt in ihrer stummer vom 15. März, der letzten, die mir zugekommen ist. manche liberale Aufsätze, mit denen wir vollkommen übereinstimmen. Leider ist in dem Heft anderes enthalten, das unseren Widerspruch heransfordert. zum Beispiel in einem Aufsatz, dessen Titel uns schon widrig anmutet: ..Die Zionisten gegen den König von Preußen", ein Aufsatz, dessen Verfasser sich auf die Seite derjenigen stellt, die das ft Le Rayon paraissant le 15 de cliaque mois. Organe mensuel de l’Union liberale israelite. 2me annee, no. 17. 15. mars 1914. Direction: 24, Rno Copernic, 24, Paris (ICe). Abonnement annuel: 6 francs.

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