Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-11-27 · Heft 48 (27.11.1914) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 48 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229123-3229172--70904-3283276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

78. Jahrgang Nr. 48 Berlin, 27. November 1914 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. korrrlponSrn-M und Mchrichtm. Seutlchlsnd. 2ß Berlin, 24. November. Ter V o r st a u-d der jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltet Sonnabend, den 5. Dezember, abends 7lA Uhr, in der neuen Synagoge (Oranienburger Straße 30) ein Konzert, dessen gesamter Ertrag der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen zusließeu wird. Ihre Mitwirkung haben freundlichst zugesagt: die Königliche Opernsängerin Fräulein Ennni L e,i s n e r , der Großherzogliche Kammersänger Herr v. R a a tz - B r o ck m a n n, der Geigenvirtuose Herr Alfred Wittenberg, der Organist Herr- Professor Deckert und die vereinigten Synagogenchöre unter Leitung der Herren Kapellmeister Kellermann und Weiub a u m. Eintrittskarten zn 10, 6, 4und 2 Mark sind bei Bote n. Bock und A. Wertheim zu haben. B. T. Berlin, 24. November. In der vierten Kriegssitzung, die der M i l i t ä r v e r e i n „Deutsches Vaterland" im Marinehause am Köllnischen Park veranstaltete, sprach Rabbiner Dr. Blumenthal über den Anteil der deutschen Juden am gegenwärtigen Kriege. Er hob dabei besonders hervor, daß noch keine amtlichen Unterlagen über die Zahl der im Felde stehenden Inden und über Verwundungen und Todesfälle der jüdischen Soldaten vorhanden seien. Zwar hätten große jüdische Verbände Fragebogen an alle jüdischen Gemeinden in Deutschland gesandt, doch sei das auf diesem Wege erhaltene Material sehr lückenhaft. Vielfach seien überhaupt keine Antworten eingegaugen. Nach oberflächlichen Schätzungen könne angenommen werden, daß die deutschen Juden wohl annähernd in dein gleichen Prozentsatz am Kriege teilnähnren wie die andersgläubige Bevölkerung. Werde der gleiche Prozentsatz nicht voll erreicht, so sei zu berücksichtigen, daß in Deutschland zahlreiche Juden lebten, die nicht naturalisiert seien. Immerhin könne mit Befriedigung festgestellt werden, daß bis jetzt schon 400 Fälle bekannt wären, in denen jüdische Krieger vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet seien. Bei Ausbruch des Krieges hätten außerdem ungewöhnlich viel junge Juden in noch nicht militärpflichtigem Alter sich freiwillig zur Fahne gemeldet. Ans alledem gehe hervor, das; die Juden an Opfermut und Vaterlandsliebe hinter andersgläubigen Kriegskameraden nicht zurückständen. Es sei deshalb auch zu hoffen, daß nach dem Friedensschluß alle Schranken und Vorurteile, die jetzt noch vielfach gegen die Inden aufgerichtet seien, fortsallen würden. Berlin, 24. November. Tie diesjährige G e n e r a l v e rsammlung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" fand am 1. November zu Berlin im Bureau der Organisation statt. Den Vorsitz fiihrte Kommerzienrat Gerson Simon- Berlin. Den Be r i ch t über die Tätigkeit der A. I. K. O. im Jahre 1913/14 erstattete der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses, Dr. Alfred N o s s i g. Die A. I. K. O. fördert die Kol o n i s a t i o u d e r I u den i m Orient teils durch Organisierung von Boden-Erloerbsgellosseilschaften und Vermittlung von Terrainkänfen, teils durch Gewährung von Agrarkredit. Die mit Hilfe des Finanzinstitutes der A. I. K. O. „T h e O r i e n t C o l on i s i n g E o., L t d." gegründete Kolonie „K i r i a t h M o s ch e" zwischen Jaffa und Jerusalem eickwickelte sich im Berichtsjahre 1913/14 in erwünschter Weise. Als besoiideres Verdienst des Verwalters der Kolonie ist hervorzuheben, daß es ihm gelungen ist, einheimische, sephardische Juden ans Tiberias zur landwirtschaftlichen Tngelohnarbeit in der Kolonie heranzuziehen. Die Gründung einer zweiten Kolonie wurde von der A. I. K. O. durch die im Berichtsjahre abgeschlossene Organisierung der Boden- E r w e r b s - g e n o s s e n s ch a st „I i s ch u b" vorbereitet. Tie Mitglieder dieser Genossenschaft, gegenwärtig in Lublin, Warschau, Ezeustochan ansässig, zahlen durch eine Reihe von Jahren Raten ä 500 Rubel bei der „Orient Eolonising Eo." ein, wogegen diese verpflichtet ist. für sie Boden zn kaufen, denselben bis zur Uebersiedlung der künftigen Kolonisten zu bearbeiten und alle erforderlichen Vorschüsse in Form eines innerhalb 12 Jahren zu amortisierenden Agrarkredits zu leisten. Vor dem Ausbruch des Krieges wurde von den Mitgliedern des Jischub die erste Halbjahresrate erlegt. Zwecks Auswahl eines geeigneten Terrains für die neue Kolonie weilte der Generalsekretär der A. I. K. O. mehrere Monate im Orient, wo er auch längere Zeit in der Kolonie „Kiriath Mosche" verbrachte und die Unterhandlungen betreffend den Ankauf von Terrains auf der S i n a i h a l b i n s e l betrieb. Ta jedoch die als unerläßlich betrachteten Bedingungen noch nicht vollständig erreicht wurden, konnte der von dem Wiener Komitee der A. I. K. O. für diesen Zweck aufgebrachte und bei der „Orient Eolonising Eo." deponierte Fonds noch nicht zur Verwendung gelangen. Eine sehr rege Tätigkeit entfaltete die A. I. K. O. im Berichtsjahre auf dem Gebiete der P r o p a g a n d a, und zwar einerseits in Deutschland, andererseits in Rußland und Russisch-Polen. In Deutschland besaß die A. I. K. O. früher nur in Berlin, Hamburg und Frankfurt Mitgliedergrnppen. Im Laufe dieses Jahres entstanden im Anschluß an Propagandaversammlungen Mitgliedergrnppen der A. I. K. O. noch in 31 anderen deutschen Städten. Ueberall fand die Organisation die tatkräftige Unterstützung der leitenden Kreise der jüdischen Gemeinden. - Durch Erstattung von Referaten in den Versammlungen förderten den Ausbau der Organisation Herr Tr. Isidor G i n s b e r g, Herr G e o r g L a ch m a n n, Herr A l o i s A. F. Nt a r e u s und Herr Tr. Alfred N o s s i g. Sehr viel verdankt die A. I. K. O. der wirksamen Unterstützung des Herrn Geh. Justizrats B e r t h o l d Ti m e u d o r f e r. Eine intensive und erfolgreiche Tätigkeit entfaltete der fachmännische Leiter der „O r i e n t Eolonising E o." und Herausgeber des „O r i e n t", Herr Ernst Löwenberg, der in vielen Städten Ortsgruppen organisierte und Referate erstattete. In ähnlicher Weise betätigte sich j Herr A. Elias. Besonders ergiebig waren die Bemühungen der! Ortskomitees, die eine Planmäßige nachhaltige Werbetätigkeit enti falteten. - - Eine neue Hilfsorganisation entstand der A. I. K. O.! in ihrer F r a u e n a b t e 11 lt rt g, die in einer Reihe von Städten! Komitees organisierte und die Frauen zur Beteiligung am jiidi- : scheu Kolonisationswerk veranlasse. In Rußland setzte die Propaganda der A. I. K. O. erst im Frühjahr 1914 ein und erstreckte sich auf Warschau, Lodz. Kiew, Petersburg, ' Ni o s k a u und 9t i g a. Trotz der bereits vorgerückten Saison wurden auch in Rußland dank den tatkräftigen Sympathien der dortigen führenden jüdischen Kreise größere Gruppen von Ak- ' tionären der „Orient Eolonising Eo." und Mitgliedern der A. I. : K. O. organisiert. In Warschau war von der Mitgliedergruppe der A. I. K. O. die Bildung eines I n s o r m a t i o n s b u r e a u s; für die Oriente m i g r a u t e u vorbereitet worden. Wie aus i dem Bericht des S ch a tz m e i st e r s, Bankier Alois A. F. Nl a r e u s hervorging, sind die Nlitgliederbeiträge der A. I. K. O. im Jahre j 1913/14 um 18 000 Ncark gestiegen. Auf Antrag der Revisoren! Handelsrichter Beruh. L i l i e n f e l d mtb G. L a ch m a n n lvurde j für die Kassengebarung Decharge erteilt. Tie Wahlen ergaben i keine Veränderungen in den leitenden Körperschaften. Jählings! hat der Ausbruch des Weltkrieges die Arbeiten der A. I. K. O.! unterbrochen. Wie immer das Völkerringen enden sollte, die Lage j der Juden im Osten wird nach Schluß der Kämpfe zweifellos eine verstärkte Emigration und damit auch eine intensivere Koloni-! sationstätiakeit erforderlich machen. j Berlin, 24. November. Der Lehrer all der jüdischen! Lehrerbildnngsallftalt zu Berlin, Herr Gott fr i e d S e li d e r , der als Gefreiter vor einiger Zeit das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhalten hat, ist dieser Tage znm Vizeseldlvebel befördert nnb mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ansgezeichnet worden. Das Eiserne Krellz zweiter Klasse erhielteli: Unterarzt Dr. Otto R v s e u b a ll nt, Rechtsanwalt Dr. Arthur E o h n, Kriegsfreiwilliger Gefreiter Aler! Ehrlich, Willi Eohn von der Firlna D. H. Evhn in Neukölln, i Walter R o s e n d o r f f, Reservist int aktiven Jllfmlterieregiment (5/52, | Walter S a t i ll g e r, Mitinhaber «der Papiergroßhaudtung Sakillger u. j Leppmann, Unterossizier d. L. Max Grünseld, Mitilthaber der ' Firma F. V. Grün selb, Km lfm au n Erich F rieb m n n n, Assistent am

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.