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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-11-27 · Heft 48 (27.11.1914) · p. Seite (576)

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 48 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
Seite (576) (sequence 12)
Language
German
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ungeschickt. ßr besteht nämlich aus Briefen und Tagebuchblättern. Tie letzteren sind unendlich lang unb höchst ermüdend. Schließlich lnnß der Verfasser doch zur Erzählung greifen, um sein Buch zu beenden. Das ganze Werk ist leichte Unterhaltungsware, aber bei dem außerordentlichen Erfolg, den der Erzähler beim Publikum hat -- seine Sammlung von Ghettogeschichten ist schon in fünfter Auflage und sein Buch über Judentaufen gar schon in zehnter Auslage -erschienen wird gewiß auch dieses Buch viel gekauft und viel gelesen werden, aber einen wirklich künstlerischen Erfolg kann -es nicht haben. L. G. * — B e v u e d e s E 1 w d e s j u i v e s. Publieation tr! inest rielle de Ja sociele des Etudes juives. Tome soixante-liuitieme. Paris, ä Ja lihrairio DnrlacJier. UM4. Das neue Heft enthält eine Reihe größerer Abhandlungen, Miszellen und Rezensionen. Tie Verfasser sind meist Franzosen: von Nichtfranzosen seien als Mitarbeiter S. Krauß, N.' Porges und Samuel Poznanski erwähnt. Tie Abhandlungen sind sehr gelehrt, aber da sie in einem sehr lesbaren Französisch geschrieben sind, auch allgemein, verständlich. Mich haben die historischen Arbeiten, die dem Mittelalter und der neueren Zeit gewidmet sind, besonders interessiert. Sehr merkwürdig sind die über „Tie Juden in Nizza" und das „Tekret von 1808". Es ist allgemein interessant, lvie die dortigen Juden 1808--1810 gegen ein gewisse Beschränkungen enthaltendes Editt Napoleons kämpften und endlich den Lieg errangen. Tie Ausstattung des Heftes ist seines gediegenen Anhaltes lvürdig. — Z u r M u t t e r. Gedichte von Georg I. Plotke. Verlag von Earl Reifener, Tresden 1914. Preis: 2 Mark, geb. 3 Mark. Aus dieser Sanlmlung unseres Mitarbeiters haben lvir im Feuilleton von Nr. 11 schon ein Gedicht abgedruckt. Die neue Sammlung : ist nicht ausschließlich jüdischen Inhalts. Zwei Abschnitte sind „Aus! Frarlkreich" und „Aus Spanien" überschrieben. In dem letzteren! findet sich das schon erwähnte Gedicht. Auch die Sammlung ,°Sulaj "lith" trügt trotz ihres Titels nichts Spezifisch-Jüdisches an sich. Trotzj dem glaube ich die Berechtigung zu haben, diese neue Sammlimg i eines deutschen Dichters jüdischen Glaubens hier anznzeigen. Sie - enthält vielfach sehr schöne Verse, die aus einem ringenden, irrenden! Herzen stanlmen, Verse eines Suchenden, der nach Veredlung und Verj vollkommnung verlangt. Kein tönender Patriotismus erschallt in i diesen Liedern, und doch könnte man das letzte so deuten, daß der deutsche Dichter, der in der Fremde neue Genüsse und eine neue Befriedigmlg seines Strebens sllchte, zur geliebten Akutter und zu deren nicht minder geliebten Heimat zurückkehrt, um aus ihr neue Kraft zu entnehmen. Demi also lauten seine Schlußverse: „Zwinge mich in deine klaren Kreise. Wie der Knabe kam vom Mutterschoß, Also kehr' ich wieder nackt und bloß, Und zersetzt von meiner Liebesreise, Blind und sterbend nahm ich deine Güte. Deinenl Wesen liegt ja eingebannt Ruhe, Segen aus der Gotteshand.- Gibst du Lieder mir und neue Blüte." L. G. * — Tlie Jewisli Review. Edited by Norman Bentwicli and J)r. Joseph Hochman. Vol. IV, No. 24. March, 1914. London. Geo. Routledge & Sons Ld. New York. Tho Bloch Publishing Company. Price: 1/6 net. Auch über dieses Heft kann ich nur das Gute wiederholen, das ich schon so oft dieser Zeitschrift nachgerühmt habe. Freilich steht sie durchaus aus orthodoxem, fast zionistischem Standpunkt. In dem Leitartikel wird die hebräische Sprache als die einzig mögliche Unterrichtssprache für die palästinensischen Juden erklärt. In einer Bemerkung über die Spaltung in Deutschland werden die deutschen Juden angesichts der großen Gefahren, die das Judentum im allgemeinen zu bestehen hat, zum Frieden und zur Harmonie aufgefordert: sie sollten die inneren Kümpfe lassen und die Gefahren von außen bedenken — eine Mahnung, die die Wichtigkeit der Kämpfe innerhalb der deutschen Judenheit doch stark verkennt. E. N. Adler schreibt einen kurzen warmen Nachruf auf den verstorbenen Wilhelm Bacher. Der Aufsatz Israel Cohens über den Fortschritt der Erziehung innerhalb des Judentums ist teils eine historische Uebersicht, teils eine Betrachtung der russischen.und östlichen Verhältnisse überhaupt, geht aber, was uns besonders interessieren würde, auf Deutschland kaum ein. I. Mann bringt die Fortsetzung und den Schluß seiner gelehrten Studien über die Achtung des Sabbat in den ersten zwei Jahrhunderten der christlichen Aera nach Philo, Josephus, dem Neuen Testament und den rabbinischen Quellen. Endlich ist ein ausführlicher Aufsatz „Jüdische Beitrüge zur Naturwissenschaft im Mittelalter" zu erwähnen, in dem F. S. Spiers wohl hauptsächlich nach Steinschneiders Forschungen einen Ueberblick über die Beteiligung der Inden, einige Studien über Naturwissenschaft, Medizin, Philosophie gibt und den großen Einfluß zeigt, den die Juden auf das allgemeine Wissen allsgeübt haben. L. G. * Erez I s r a e l. Reisebriefe aus Palästina von Nachum Goldmann. Mit einer Kartenskizze der jüdischen Kolonien in Palästina. Frankfurt a. M., Verlag von I. Kaussmann, 1914. Als Schüler und als junger Student pflegte ich über jedes Buch, das ich gelesen, über jede Reise, die ich gemacht, ein Tagebuch zu führen, und ich kenne heute kaum ein größeres Vergnügen, als mich in diese Blätter zu versenken und still zu lächeln über die kecke Sicherheit, mit der da fertige und sichere Urteile über alle nur erdenklichen Dinge hingeworfen waren, über den Idealismus, der oft die merkwürdigstell Gesichtswinkel schuf lmd die seltsamstell Verdrehungen voll Tatsachen zutage förderte. Es ist eilt Gefühl der Wehmut itnb der milden Verzeihung zugleich, wenn Ulan diese Zeugnisse seiner eigenen jugendlichen Unreife stildiert, und dasselbe Empfinden wird auch in Jahren der Verfasser dieser Reisebriefe ans Palästina haben, wenn er das Buch, das er lms beschert hat, sorgfältig liest. Darin besteht sein Wert, denn daß auch nur die geringste Veranlassung vorlag, diese Tagebuchblätter der Oeffentlichkeit 311 übergeben, wird auch der begeistertste Zionist llicht behallpten, und der Gedanke, daß alle jungen Leute — und ihre Zahl ist ill beit Tageil des erleichterten Reiseverkehrs nicht gering — sich gedrängt fühlen sollten, ihre Palästina-Erinnerungen zu veröffentlichen, ist geradezu elltsetzlich. Um kein Mißverständnis aufkonnnell 31t lassen, sei betont, daß dieses Urteil durchaus vorn Parteistandpullkt unabhängig ist. Das Buch halteil wir nicht etwa für schlecht, weil es zionistisch ist; denn es gibt auch ganz ausgezeichllete zionistische Veröffentlichungen gerade über Palästina. Es ist als literarische Leistung wertlos, und auch verställdige Zionisten werden seine Tiefsinnigkeiteu, seine köstlichen Stilblüten und Gestalten nicht anders einschätzen. Eine Probe: Einem Palästinenser reicht der Verfasser die Hand mit den tiefsinnigen Worten, die unbedingt verewigt werden mußteil: „Sie haben recht, mein Freund. Frankfurt ist schön, aber hundertmal schöller ist Merchawiah." G11. Sprechlsal. An die Redaktion der „A l l g e m e i n e n Z e i t u n g d e s I u d e n t u m s". Entgegnung. Ans das Eingesandt des Herrn Dr. Ernst Samuel in Nr. 46 dieses Blattes, das in seinen letzten Sätzen eine abfällige Kritik der im Laufe des Krieges erfolgten Einstellung der Tätigkeit des Arbeitsamtes für jüdische Akademiker enthielt, erwiderll wir folgendes: Das Arbeitsamt für jüdische Akademiker ist im Laufe des Monats August auf unbestimmte Zeit geschlossen worden, nicht uns irgend welcher theoretischen Erwägung heraus, etwa weil es eine Trennung der sozialen Fürsorge nach konfessionellen Gesichtspunkten in diesen Zeiten für unangebracht oder etwa weil es seine Tätigkeit während der Dauer des Krieges für überflüssig hielt, sondern einzig und allein auf Grund der in den ersten Kriegswochen gemachten Erfahrungen. Sogleich nach Ausbrilch des Krieges trat nämlich ein völliges Versiegen des Einlaufs von Vewerbungen und Angeboten ein. Dieser Zustand hat sich auch bis heute nicht geändert, so daß, da doch das Vorhandensein von Bewerbungen und Angeboten die Vorailssetzung der Tätigkeit des Arbeitsamtes ist, dieses bisher nicht in die Lage kam, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Wir bemerken schließlich noch, daß Herr Dr. Samuel von dieser Lage der Dinge durch Dr. Herlitz bereits bei seinem Besuche, also vor Abfassllng seines Eingesandts, unterrichtet worden ist. Arbeitsa nt t f ü r jüdische A k a d e m i k e r. Dr. G. H e r l i tz.

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