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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-11-27 · Heft 48 (27.11.1914) · p. Seite (567)

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 48 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
Seite (567) (sequence 3)
Language
German
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-- werden; bisher sind ihre Anstrengungen völlig vergeblich gewesen. Auch ihr Bestreben, die Neutralen gegen uns aufzuhetzen, war bisher erfolglos: Bulgarien, Rumänien, Italien bleiben fest, und selbst Portugal in seine Netze zu ziehen, ist England nicht geglückt, so oft es sich auch rühmt, Portugal umstrickt zu haben. Dagegen mehren sich die Proteste der übrigen neutralen Staaten, die durch England in ihrer Ruhe gestört und in ihrem Handel bedroht werden. In Serbien haben die Oesterreicher endlich Ernst gemacht, und der von den Mächten in den Krieg hineingehetzte und dann doch nicht genügend unterstützte großsprecherische Kleinstaat, dessen verbrecherische Taten den unmittelbaren Anlaß zum Kriege boten, scheint am Ende seiner Kräfte angelangt zu sein. Erschöpfung — das ist das Wort, das in vielen unserer Zeitungen zur Charakteristik mancher unserer Gegner oft gebraucht wird —, u n gebrochene Frisch e u n d u n - entwegtes Ausharren die Bezeichnung für unsere Kampfesweise und unser Beharren. Wir wollen uns freilich nicht täuschen; die Hilfsmittel, über die unsere Gegner gebieten, sind vielleicht doch stärker, als private Berichterstatter uns glauben machen wollen. Es sind keine Schwächlinge, die uns gegenüberstehen, sondern kriegstüchtige Scharen, die mit der Sucht, uns zu schaden, auch die Schwere der Gefahren kennen, die ihnen drohen, und die neben einer Zähigkeit ohnegleichen, unter trefflicher Führung, auch über eine furchtbare Uebermacht und über alle Hilfsmittel»moderner Technik verfügen. Aber wir harren und vertrauen auf den Sieg unserer gerechten Sache, und wenn die Feinde auch überall wrder uns toben, wir hoffen gläubigen Sinnes, voll ungebrochener Tatkraft und unbeugsamen Mutes auf den endgültigen Triumph. * Berliner Zeitungen berichten folgendes: R o t e s K r e u z gegen Anti s c nt itismu s. In den ersten Kriegswochen wurden verschiedentlich aus jüdischen Kreisen Beschwerden laut, die von einer antisemitischen Behandlung in verschiedenen Organisationen des Roten Kreuzes berichteten. Generalleutnant v. P f u e l, der Vorsitzende des Zentralkomitees des Preußischen Lmrdesvereins front Roten Kreuz, hat folgende Kundgebung an die einzelnen Abteilungen des Kontrollkomitees gerichtet: „Zentralkomitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz. Schon mehrfach sind Beschwerden laut geworden über eine kränkende Behandlung von Angehörigen des israelitischen Glaubens durch Mitglieder des Roten Kreuzes in Berlin. Nicht nur in den ersten bewegten Tagen der Mobilmachung seien solche Fälle vorgekommen, sondern bis in die letzten Tage. Diese Fälle haben sich nun zu bestimmten ernsten Anklagen verdichtet, die heute von maßgebenden Vertretern der hiesigen israelitischen Gemeinde bei uns in glaubwürdigster Weise erhoben worden sind. Es handelt sich beispielsweise daruul, daß Bittsteller bei Bejahung der Frage, ob sie Israeliten seien, den Bescheid erhielten, sie möchten sich an teils schon im Frieden vorhanden gewesene, teils erst für den Krieg geschaffene israelitische Anstalten und Vereine wenden. Diese Mitteilungen haben uns aufs peinlichste berührt. Das Rote Kreuz ist interkonfessionell, die in die Erscheinung getretenen Zeichen von Unduldsamkeit widersprechen vollkommen seinem Geist und ebenso der Allerhöchsten Willensmeinung unseres erhabenen Protektors, Seiner Majestät des Kaisers und Königs. Eine Erklärung für diese Borkommnisse ist vielleicht in dem Umstande zu finden, daß seit Ausbruch des Krieges das Rote Kreuz in großer Zähl von Damen und Herren bei der Arbeit unterstützt wird, die seinen Bereinigungen nicht angehören und mit feinen Grundsätzen daher weniger vertraut sind. Jedenfalls aber tritt an alle unter dem Roten Kreuz tätigen Damen und .Herren die dringende Pflicht heran, dafür Sorge zu tragen, daß bei ihrer Arbeit niemand in seinem religiösen Empfinden verletzt wird. Wir Deutsche wollen doch zu Hause in der Erfüllung unserer großen Aufgaben der Nächstenliebe ebenso einig Zusammenstehen wie unsere Kriegsmacht draußen. Der Vorsitzende: gez. v. Pfnel." * Im Gegensatz zu dieser Kundgebung, die hoffentlich ihre baldige gute Wirkung nicht verfehlen wird, kann man mit tiefer Scham das Gebaren der antisemitischen Blätter betrachten, von dem die tapferen „Blätter zur Abwehr des Antisemitismus" in folgendem Artikel Kunde geben: Ein Schandfleck der deutschen Publizistik. Es herrscht zurzeit in deutschen Landen der unerhörte Zustand, daß ein Blatt es wagen darf — allen Ermahnungen und Warnungen der Behörden zum Trotz —, die ordinärste parteipolitische Hetze zu treiben und deutsche Staatsbürger in der schmachvollsten Weise zu verunglimpfen, nur weil sie nicht der christlichen Religion angehören und weil sie nicht arischer Abkunft sind. Dieses Organ der antisemitischen Derleumderzunft ist der „Hammer" in Leipzig, der sich offenbar eine nicht ganz klare Abgrenzung der in Kriegszeiten geltenden Machtbefugnisse der Berwaltungs- und der Militärbehörden zunutze macht, um, ungehindert durch die Zensur, nach wie vor seinem traurigen Handwerk der Verhetzung der Konfessionen und Nassen nachzugehen. Die Verwarnung durch die Leipziger Militärbehörde verhöhnt das Blatt noch, indem es seine giftigen Schmähungen von Nummer zu Nummer häuft. Es treibt die Frivolität sogar so weit, seine elende Rassenhetze als „Ausdruck einer idealeren Lebensauffassung -! gegenüber einem niedrig gearteten Materialismus und Idealismus" \ hinzustellen. Die Anhänger eines so verstandenen Antisemitismus seien „zugleich die ehrlichen Verfechter des nationalen Gedankens gegenüber dem charakterlosen Kosmopolitismus und die Hochhalter einer sittlicheren Lebensauffassung". Freilich sind dieser Patriotismus tlnd diese Moral der Hammer-Antisemiten von ganz besonderer Art, und es verlohnt sich vielleicht, historisch einmal nachzuprüsen, mit welchem Rocht sich diese Sippe als Bannerträger des unverfälschten nationalen Gedankens aufspielen darf. Die berüchtigsten Schwindel- und Hetzblätter des Allslandes, die seit Jahren systematisch in ihrem Lande den Haß gegen das Deutsche Reich, gegen deutsche Kultllr und deutsche Gesittung schüren, haben sich stets der größten Sympathien des „Hammer" erfreut. Die „Nowoje Wremja" in Rußland, die „Times" in England, das „Echo de Paris", der „Matin" und andere nationalistische Blätter in Frankreich galten dem „Halnmer" stets als Verkünder der lauteren Wahrheit. Kaum war in der Türkei vor wenigen Jahren das morsche reaktionäre Regiment zusammen gebrochen und die jungtürkische Bewegung ans Ruder gelaugt, so verunglimpfte das Blatt die neuen Männer sofort als Soldknechte und Mandatare des Judentluns, beschimpfte also dieselbe Regierung, deren geistiges Haupt Enver Pascha soeben die herzlichsten Sympathiekundgebungen mit dem deutschen Kronprinzen ausgetauscht hat.! Oder ist etwa die seit Jahren von diesem Blatt betriebene offene > und versteckte Hetzkampagne gegen den Kaiser der Ansdruck einer besonderen nationalen Ethik des Hammerbundes und seiner Gefolgschaft? Mit dem Schicksal Ludwigs XVI. hat dieses „nationule" Blatt Kaiser Wilhelm II. gedroht und hat zornig den Rücktritt dieses „Schwächlings" gefordert. Man dürfe „nicht das Schicksal eines j Volkes in die Hand von Schwachen und Zaudernden legen". Und worin besteht die sittliche Lebensauffassung dieses Vorkämpfers eines von allen Fremdkörpern gereinigten Deutschtums? Etwa in der rüden Beschimpfung aller derjenigen, die den Gottesglauben noch nicht verloren haben ttnb noch auein besseres Jenseits glauben? Für Herrn Fritsch und seine Klientel sind das freilich nur „Narren" und vom „Größenwahn" Befallene, denen diese schöne Welt noch nicht genügt. Sie werden als die wahren „Gotteslästerer" bezeichnet! Und da wage man noch, diesen Vorkämpfern einer höheren Moral das Recht zu bestreiten, sich über die Zunahme eines „niedrig gearteten Materialismus" zu entrüsten! Die Behörden mögen aus dieser kleinen Blütenlese entnehureu, von welchem geistigen und moralischen Kaliber das Blatt ist, das glaubt, sich über alle obrigkeitlichen Verbote mit souveräner Verachtung hinwegsetzen zu dürfen. Wenn je der Hinweis am Platze war, daß es heilige Pflicht der Obrigkeit ist, darüber zu wachen, daß der Staat keinen Schaden erleide, so ist es hier der Fall. *

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