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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-11-20 · Heft 47 (20.11.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 47 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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8 Verhältnisse der Gemeinde in Berliw hin, wo der Vorstand nur aus zehn Mitgliedern bestehe. Jedenfalls sei es wünschenswert, daß Zur näheren Begründung des Antrages ein Kommissar des Gemeindevorstandes erscheine. Redner stellt den Antrag auf Aussetzung der Beratung. Herr O e t t i n g e r weist darauf hin, daß der Antrag vom Vorstand durch die Vermehrung der Arbeitslast wohl genügend begründet sei, doch ist nach seiner Meinung der Antrag des Vorstandes NLrr dann annehmbar, wenn gleichzeitig der Antrag Alexander Annahme findet. Nach einer weiteren Debatte wünscht Herr Oettinger die Anträge des Gemeindevorstandes und des Herrn Alexander einer dreigliederigen Kommission zu überweisen, die gleichzeitig, da mit dem Anträge Alexander eine Verfassungsänderung verbunden sei, auch bei dieser Gelegenheit etwaige andere Fragen der Verfassungsänderung, wie Beschränkung der Wahl der Mitglieder auf eine bestimmte Dauer von Jahren usw., zu prüfen habe. Der Antrag O e t t i n g e r wird nach kurzer Debatte angenommen. Der Gemeindevorstand bringt sodann zur Kenntnis der Repräsentanten, daß der Senat der von dem Vorstand und dem Repräsentantenkollegium beschlossenen Ergänzung der Verfassung der Gemeinde (§ 49, Absatz 2) die erforderliche Genehmigung erteilt hat. Daher hat nunmehr der Vorstand beschlossen, die Neuwahl der Repräsentanten bis auf weiteres nuszusetzen, und beantragt die Zustimmung zu diesem Beschlüsse. Für den Fall der Zustimmung weist der Vorstand das Kollegium gleichzeitig darauf hin, daß die jetzigen Repräsentanten bis zur Anberaumung der Neuwahlen im Amte bleiben. Die Versammlung stimmt diesem Anträge zu. (Die Amtsdauer der Repräsentanten ist eigentlich am 31. Dezember d. I. abgelaufen, aber infolge des Krieges bis auf drei Monate nach Friedensschluß verlängert worden.) — Der Antrag des Vorstandes auf Bewilligung von Gehältern für die zeitweilig angestellten Beamten wird ohne Debatte einstimmig angenommen. Der Vorsitzende bringt bamt noch zur Kenntuis, daß die Abrechnung für das Jahr 1913 eingegangen sei. Diese weist einen Fehlbetrag voll 6080 Mark gegenüber dem Voranschläge, der mit einem Fehlbeträge von 63 000 Mark abschloß, auf. Die Abrechnung wird einer aus den Herren Albert -Wolfs, Mathiason und Lisier bestehenden Kommission zur Prüfung überwiesen. Braunschweig, 13. November. Hier fand vor kurzem die feierliche Einweihung das neuen jüdischen Friedhofes an der Helmstcdter Straße statt, der sich unmittelbar an den Zenträlfriedhof anschließt und auch von diesem durch einen Zugang zu erreichen ist. Die Kapelle des jüdischen Friedhofes ist ein prächtiger, edel wirkender Kuppelbau, der als eine Zierde der ganzen Umgebung bezeichnet werden muß. Zahlreiche Personen hatten sich zur Einweihung eingefunden. Als Vertreter des Stadtmagistrats war Herr Oberbürgermeister R e t e m e y e r erschienen, ferner waren Mitglieder der städtischen Friedhofsdeputation anwesend. Unter den Ehrelkgästen bemerkten wir auch den Erbauer der Kapelle, Herrn Geh. Hofrat Professor Lübke von hier, dessen kunstvolles Werk allgemeine Anerkennung fand. Nach einem Orgelspiel folgte ein Gesang des Herrn Kantors Gott lieb: „Herr, was ist der Mensch,'daß du feilt gedenkest, der Erdensohn, daß du auf ihn achtest?" Sodann brachte der Synagogenchor das Lied zum Vortrag: „Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von welchen die Hilfe kommt." Dann ergriff Herr Rabbiner Tr. Rülf das Wort zur Weihepredigt. Er wies zunächst in kurzem aefehichtlichen Rückblick daraus hin, daß es den jüdischen Einwohnern Braunfchweigs erst seit etwa hundert Jahren behördlich gestattet ist, ihrei Toten in heimischer Erde zu bestatten. Vordem mußten die Leichen im nahen Wolfenbüttel und noch früher, als auch dort noch keine entsprechende Erlaubnis gegeben wurde, in Hildesheim zur ewigen Ruhe gebettet werden. Der Rabbiner wies sodann auf den hohen Ernst der Empfindungen hin, welcho ein Friedhof in der Menschenbrust auslöse, besonders aber in diesen Tagen, wo der Tod in dem Kampfe, den unser Vaterland kämpft, eine so reiche Ernte halte und viele Familien in tiefe Trauer versetzt seien. Und doch nennen die alten Lehrer der jüdischen Religion diese Stätte, der wir unser Liebstes auf Erden trauernd übergeben, den „guten Ort". Hätten wir doch den festen Glauben, daß nur unser Leib zerfalle, die unsterbliche Seele aber ewig in Gott sortlebe, wie es ein altes Wort der jüdischen Religion dahin zusammenfasse: „Die geboren sind, ihrer wartet der Tod. Die aber gestorben sind, ihrer harret das Leben!" Zum Schluß flehte der Redner den Segen Gottes herab, den er bat, er möge allen, welche dereinst hier ihre letzte Stätte finden, ein ruhiges, seliges Sterben geben. — Chorgesang folgte der Predigt, und das Kaddisch beschloß die ernste, eindrucksvolle Feier. Göttingen, 13. November. Die „Göttinger Zeitung" vom 30. Oktober schreibt: Auch die Tapferkeit unserer jüdischen Mitbürger, an die mancher in Friedenszeit nicht recht glaubt, erweist der Krieg in deutlichster Weise. Viele Juden erhielten schon Eiserne Kreuze oder Beförderungen wegen hervorragender Tapferkeit. Und während im Friedennur Bayern jüdische Leutnants kannte, werden jetzt in allen Bundesstaaten, getreu dem Worte des Kaisers, daß es jetzt nur noch Deutsche gibt, Juden Offiziere. Erst dieser Tage erhielt unser Mitbürger, Herr Max Gans, Mitinhaber der in Göttingen wohlbekannten Firma Julius W. Gans, seine Beförderung zum Leutnant Infanterieregiment Nr. 91. L. Mainz, 13. November. Der aus der D. E. Levinger Stiftung hervorgegangene Israelitische Hospitalverein Mainz eröffnete am 15. November 1904 in der Gonsenheimer Straße das israelitische Hospital ltnb Pfründnerhaus und sieht in diesen Tagen auf sein zehnjähriges Bestehen zttrück. Die beiden herrlich gelegenen Wohltätigkeitsanstalten zeigen aus kleinen Anfängen heraus stetig fortschreitende Entwickelung durch immer bessere Verpflegung, Erweiterung durch Ankauf eines nebenanliegenden großen Gartens usw. Es besteht die Annehmlichkeit, daß es in der Wahl der Pfleglinge sowohl der ersten wie der zweiten Klasse steht, einen ihnen beliebigen Arzt oder Wundarzt zu Hilfe zu ziehen. Durch ansehnliche Schenkungen und Stiftungen besitzt der Verein ein schuldenfreies Anwesen und beträchtliches Vermögen. Ueber 3000 Personen, ohne Unterschied des Bekenntnisses, wurden bislang verpflegt. Eine erhebliche Anzahl alleinstehender alter Leute — vermögende und unvermögende — fanb atnb findet im Psründnerhause sorgsame Wartung für den Abend ihres Lebens. Auch für die Pflege verwundeter Krieger hat die Krankenhausverwaltung eine größere Reihe von Betten zur Verfügung gestellt. Seit Gründung gehören der Verwaltung an: Stadtverordneter Ed. Simon, Vorsitzender; Sanitätsrat Dr. E. Hesdörser, dirig. Arzt; Frl. Clara Het, Oberin. Zitm Vorstände gehören ferner noch die Herren A. Berney, Rabbiner Dr. Bondi, Leo Bondi, S. Eahn, I. I. Fulda, C. Levinger, H. Reiling, Rabbiner Professor Dr. S. Salfeld, A. Schott. £2 Serrnheim u ($♦, 13. November. Ter hiesige Bürgermeister unb ein Stndtrat hatten Verrat geübt und lvaren sofort erschossen worden. Ter deutsche Kommandant vermutete, daß sich noch zahlreiche Verräter im Orte befinden itttb wollte deshalb den ganzen Ort einäschern. Ta begab sich der 75jährige Rabbiner Bamberg e r, ein Sohn des Würzburger Rabbiners Seligman Bär Bamberger s. A., zu dem Kommandanten und bot sich als Geisel an. Er wies dabei auf die Fürbitte Abrahams, als Gott ihm seine Absicht, Sodom zu vernichten, mitteilte, hin. „Wenn nur zehn Gerechte inmitten der Stadt sind, schone sie", habe Abraham gesagt, und so sagte auch er jetzt zu dem Kommandanten. Ter Kommandant nahm von seinem Beschlüsse Abstand, verzichtete jedoch dankeitd auf das Anerbieten des heldenhaften greifen Rabbis, sich als Geisel zu stellen. Gestkrreich-Angarn. K. Wien, 1-3. November. Rechtsanwalt Dr. A l b e r t S chw a r z aus Brod veröffentlichte am 5. d. M. in der „Neuen Freien Presfe'' das Testament eines auf dem südlichen Schlochtselde gefallenen jüdischen Majors. Dr. S ch w a r z schreibt: „Vor einigen Tagen wurde die posthume Dekorierung des ans dein südlichen Schlachtfelde gefallenen jüdischen Majors des Jnfonterieregiments Nr. 52 Emannel K r a u s g publiziert. Es liegt vor mir das Testament des gefallenen Helden, und ich glaube, der Qeffentlichkeit die edle Gesinnung dieses Mannes, wie sie sich auch in diesem Testament äußert, nicht vorenthalten zu dürfen. Tiefes Testament, das am 40. Mobilisieruugstage (5. September) abgefaßt wurde, lautet wörtlich: „Sollte mir das Glück zuteil werden, in dem gegenwärtigen Kriege, welchen ich mit nnanssprechlicher Begeisterung für mein heißgeliebtes Vaterland und in meiner Bcrnfssrendigkeit für meinen Kaiser und König zu Ende kämpfen möchte, nicht in die Hände unseres Feindes zu fallen, sondern verwundet oder tot in unserer Armee zu bleibe», wird usw/ Major Krausz vermachte darin sein Vermögen seinem Regiment und den israelitischen humanitären Anstalten seiner Heimatgemeinde. In derselben Nummer berichtet Kriegsberichterstatter Roda-Roda über die „wahrhaft bewunderungswürdigen Heldentaten von Soldaten der Wiener Trnppeukörper". Roda-Roda schreibt: „Ans besondere Art

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