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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-11-20 · Heft 47 (20.11.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 47 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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tat sich der Feldwebel Joseph Kainberger des Pionierbataillons Nr. 2 bervor. Tie Kompagnie Vertrieb am 29. August eine feindliche Artillerie von der Höhe Debowiec und hatte dabei vom Feuer des Feilwes zu leiden. Als sich die Kompagnie dann sammelte, wurde fit aus einem Walde mit Feuer überschüttet. Tabei benahm sich der Fel dloedel Kainberger musterhaft. Er setzte sein Leben für die Kompagnie ein, indein er im Kugelregen aus der eigenen Schwarmlinie zur schiebenden Abteilung vorgina und sie über die Situation aufklarte." Joseph Kainberger wurde für diese -Heldentat zur allerhöchsten Allszeichnung vorgeschlagen. Kaillberger ist nlvsaischer Konfession. H. K. Budapest, 13. November. Mit rührender, ergreifender Bescheidenheit hat Frau H e i ll r i ch F e l l n e r in Budapest eine Speiseanstalt für Familien eröffnet, die Künstlern, Schriftstellern und Schanfpieleril in generöser Weise Gastfreundschaft bietet. Ein stattliches Heer voll vornehmeil, edlen Frauen ist l>emüht, ben durch die jähen Kriegtzereigllisse in ihren Betätigungen schwer betrosfenell Künstlern luld Schriftstellerl! die Wohltaten eines gastlichen Herdes zu spenden, lind lvenn inan in der bezwingenden Anmut die Rührigkeit sieht, wvlnit die ganze Garde bestrebt ist, dell an sie gestellten Anforderungen mit der größten Bereitwilligkeit zu entsprechen, kann man nicht genug der Vorsehung dafür danken, daß das jüdische großmütige Herz bei jeder sich darbietenden Beraulassung passende Gelegenheit findet, die schönsten Triumphe der Humanität lind Uneigennützigkeit zu feiern. Und wenn man sie selber bei der Arbeit sieht, die graziöse Präsidentin Frau Heillrich Fellner, lvie sie in ihrer unendlichen Güte darauf bedacht ist, jeden Beteiligten mit guter, nahrhafter Kost und einem holdseligen Lächeln zu befriedigen, dann mochte man wahrhaftig jene Hönde in dankbarster Vergeltung küssen, die in diesen großen Sälen der allgemeinen, freien Bewirtung eine so wohltuende Wirkung der Zufriedenheit bei allen Gemütern auszuüben imstande sind. Dieses Bild erhält aber nur dann sein wahrhaftes Kolorit, wenn wir hier auch der ersprießlichen Tätigkeit des unermüdlichen Sekretärs des Vereins, des Herrn Dr. Ernst Weillers, mit einigen Worten gedenken, der trotz seiner stark in Anspruch genommenen Berussagenden eines Rechtsanwalts immer und überall seines Amtes mit feinster Liebenswürdigkeit, richtigem Verständnis und unverdrossenem Pflichtgefühl waltet. Man kann getrost behaupten, daß Herr Dr. Ernst Weiller diese Anstalt als vorbildliches Muster jüdischer Wohltätigkeit und philanthropischer Gemeinnützigkeit geschaffen hat. Von Iah unN JFmt In der preußischen Armee wurden zu Reserveoffizieren befördert: Rechtsanwalt Dr. D a v i d f o h n , Darmstadt: Flieger Mar Elias, Hannover: Negierungsbaumeister Rapp, Frankfurt a. M.: Rechtsanwalt Dr. Siegfried Bau m, Frankfurt a. M.: Ehemiker Tr. Eohn, Halberstadt: Rudolf S. Masse, Berlin: und Otto B ehrmann, Vizewachtmeister beim Stabe der zweiten Trainabteilung des IX. Armeekorps, ans Frankfurt am Main: Mar Gans, Göttingen. In der sächsischen Armee wurde der Kaufmann Ball aus Dresden, in der würrkembergischen der Rechtsanlvalt Dr. Nathan, Ulm, zum Leutnant befördert. Tie Berliner Rechtsanwälte Benno W y g o d z i n s k y , Tr. Paul H e r z b e r g , Oscar. S ch r e i e r , Tr. Gottfried Holländer und Justizrat Hugo Sonnenfeld sind mit deni Range eines Hauptmanns Kriegsgerichtsräte geworden. - Bon den zu den Fahnen eiuberufenen Beamten der Berliner jüdischen Gemeinde starb am 16. September d. I. bei den Kämpfen in Frankreich den Heldentod für das Vaterland der Assistent im Steuerbureau Herr Adolf S o h r a u e r. Ehre seinem Andenken! Ein bekannter Kommerzieller Berlins, Paul Pniolver, wurde kürzlich unter großer Beteiligung ans dem jüdischen Friedhofe in Weißenfee bestattet. Pniolver galt als einer der besten Kenner ans dem Gebiete der Papier- und Pappenindustrie und war für diesen Handelszweig Mitglied der Sachverständigenkommission der Handelskammer. Rabbiner Tr. Warschauer würdigte in seiner Trauerrede die Verdienste des Verstorbenen und hob besonders seine humane Gesinnilng hervor. —- In Danzig starb am 27. v. M. Herr Leopold Perls, der seit 25 Jahren dem Repräsentantenkollegium der jüdischen Gemeinde angehörte. — Dem Ehrend ü r g e r der Stadt Pos e u , Geh. Kommerzienrat H e r z, früheren langjährigen Präsidenten der Handelskammer zu Posen, ist der Kronenorden zweiter Klasse verliehen worden. — A us Rakel wird gemeldet: Herr Lehrer Jakob P e c z k o w s k i ist plötzlich aus dem Leben geschieden. Derselbe war seit dem Jahre 1889 an der hiesigen öffentlichen jüdischen Volksschule tätig und erfreute sich unter der Bürgerschaft eines guten Rufes. — Der Alpinist und Schriftsteller Dr. A. D e s s a u e r - München, der als Stabsarzt mit einem bayerischen Feldartillerieregiment in den Krieg zog, ist in Frankreich gefallen. - In Köln ist am 15. d. M. der Begründer des Kölner Warenhauses Leonhard Tietz Aktiengesellschaft, Herr L e.o n - h a r d T i e tz , im Alter von 65 Jahren gestorben. Der Heimgegangene, ein Bruder des Berliner Warenhausbesitzers Oskar Tietz, hat sich um die Entwicklung des Warenhauswesens in Deutschland große Verdienste erworben. Bor nenn Jahren war die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, die jetzt über zahlreiche Zweiggeschäfte verfügt. Die Verdienste des jetzt Verstorbenen wurden durch Verleihung des Roten Adlerordens gewürdigt. — In Wolbeck in Westfalen starb am 27. Oktober Herr Simon Hofs mann im Alter von fast 77 Jahren. Ter Verstorbene war über dreißig Jahre Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde, für deren Wohl er rastlos gestrebt hat. Von der großen Verehrung, deren sich der Entschlafene erfreute, zeugte die zahlreiche Teilnahme auch der christlichen Mitbürger an der Bestattung. — Ein Verein selbständiger jüdischer Handwerker der Provinz Hannover mit dem Sitz in Hannover ist gegründet worden. Die Bereinigung hat sich insbesondere die Förderung des Handwerks unter den Israeliten zum Ziel gesetzt. Der bekannten Firma I. Kaufs m a n n, Verlagsbuchhandlung in Frankfurt a. M., wurde vom Preisgericht der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1914, der silberne Preis zuerkannt. — Erst jetzt wird der Heldentod des Mainzer Rechtsanwalts Dr. I. Kahn bekannt. Kahn, der ein viel begehrter Rechtsanwalt und geschätzter Verfasser staatswissenschaftlicher Werko war, war eifriger Anhänger der Nationalliberalen Partei, für deren Ziele er mit seiner ganzen Persönlichkeit in Wort und Schrift beredt eintrat. Im „Mainzer Tageblatt", dem Hauptorgan der hessischen Nationalliberalen Partei, wird der erfolgreichen Wirksamkeit Kahns mit den wärmsten Worten gedacht und nicht minder seiner heldenmütigen Tapferkeit. — Aus Budapest wird geschrieben: Erzherzog Franz Salvator, der Schwiegersohn unseres Monarchen, besuchte das von der jüdischen Gemeinde denr Roten Kreuz zur Verfügung gestellte große Spital, in dem einige Hundert verwundeter Soldaten gepflegt werden. Er gab seiner Uebrrraschung dem Leiter, Professor Alapi, gegenüber in folgender Weise Ausdruck: „Herr Professor, es gereicht der israelitischen Gemeinde zur großen Ehre, daß sie dieses herrliche Institut den verwundeten Soldaten zur Verfügung gestellt hat." Auf die Entgegnung: „Kaiserliche Hoheit! die jüdische Gemeinde betrachtet dies als ihre patriotische Pflicht," antwortete der hohe Gast: „Ja, ja, patriotische Pflicht . . . aber es ist herrlich .gemacht." Eine außerordentlich stark besuchte Trauerseier hielt die englische zionistische Förderation in der großen Dukes Place Synagoge in London für David Wolfssohn ab. Dr. Herz, Ehies-Rabbi, hielt die ergreifende Gedenkrede, in welcher er die' Vorzüge des edlen Verstorbenen pries. — Die „Deutsche Moskauer Ztg." schreibt: Ter jüdische Arzt Tr. Rathaus in Smolensk wandte sich an den Unterrichtsminister mit folgendem Gesuch: „Mein Sohn hat das Examen zur 1. Klasse des Smolensker Krongvmnasiums bestanden, die Tochter - zur 1. Klasse des Mädchengymnasiums des ' Marienressorts. Ich habe am Kriege in der Mandschurei teilgenommen, und mir sind allerhöchst der Stanislaus- und der Annen-Orden mit Schwertern verliehen worden. Bin schon drei Jahre Arzt an der dritten höheren Elementarschule ohne Gehalt und bin jetzt wiederum zürn aktiven Dienst eiuberusen Ersuche Sie deshalb, meinen Kindern die Aufnahme in die Schulen ohne Anwendung der Prozentnorm und der Losung zu gestatten." Das Gesuch ist abschlägig beschieden worden. — Der bekannte Gelehrte Dr. Solomon S ch e ch t e r, Direktor des jüdisch-theologischen Seminars in New Uork, unterzog sich im Monnt- Sinai-Hospital einer Operation. Sein Befinden ist durchaus befriedigend. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin»Pankow, Floraftraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlander, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin.

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