Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1914)
- Date
- 1914-11-20
- Page
- Seite (564) (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229123-3229171--70886-3283257- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-S&4 - verfärbte sich vor heftiger Erregung, Tränen der Wut stiegen | ihr in die Augen, und ihre Lippen bebten vor Zorn. „Ja, ich! Ich werde das Modell sein und das Bild lasse! ich machen, auch wenn du darüber bersten wirst. Justament!"! Littauer lachte jetzt noch mehr, worüber die Frau noch j zorniger wurde: j „Ja, ich lasse es machen, öu Heide! Dir zum Trotz, du Heide!! Tafte! Verstehst du?"! Nun, das verstand er wirtlich. Wenn diese christliche Ber-! feirwrung anstrebende Frau mit dem Taste argumentiert, j dann gilt kein Appellieren mehr. Und er fand sich schön ruhig! in den (Gedanken, daß Agnes Maria nach ihrem Modell eine! Madonna malen lassen und sicherlich viel Geld dafür ausgeben werde. Er fand keine Zeit mehr, ihr das ruhig zu sagen, denn eben kam der slowakische Diener herein und meldete, daß in der Kanzle: ein Jude auf den gnädigen Herrn warte. „Ein Jude," sagte na'erümpsend Agnes Maria. Littauer dagegen versprach dem Jano eine Ohrfeige, wenn er die Gäste unter Bezeichnung ihrer Konfession bei Fortlassung ihres Namens amnelden werde. Tann befahl er ihm, den Herrn hereinzuführen. Agnes Maria zog sich indigniert ins andere Zimmer zurück. Littauer sah neugierig dem Besuche entgegen. (Fortsetzung folgt.) Lttrrarilchr Mitteilungen. — Das Wiener Donau brückenprojekt des Juden Mendel Jsac von Krakau (1589). Von Dr. Ignaz Schwarz. Svnderabdruck aus „Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich 1913". Wien 1914. Bon technischen Arbeiten und Bemühungen eines Juden aus dem 16. Jahrhundert zu hören, ist selten und merkwürdig genug. Von der Person des Unternehmers weiß man nicht viel. Sein Plan ist besonders deswegen interessant, weil, da die Erhaltung der Brücke durch den Brückenzoll gedeckt werden sollte, der Unternehmer für sich keine besonderen Einnahmen, sondern nur ein Gnadengeld verlangte. Höchst merkwürdig ist das Selbstbewußtsein des Unternehmers, das lebhaft zum Ausdruck konunt. Ob man sich an der Person des Unternehmers stieß oder ob andere Gründe wider sein Projekt sprachen — genug, sein Plan kam nicht zur Ausführung. Aber die Darstellung der ganzen Angelegenheit, der eine große Anzahl von Urkunden beigegeben ist, darf wohl allgemeines Interesse beanspruchen. L. G. * - „L eRayo n“, Organe4 M e n s u e 1 de 1’ Union Liberale Israelit e. :2me Annee. No. 14. 15. Decembre 1913. 0i reellen: 24, 11 ne Copernie, Paris (16). Prix du Numero: fr. 0,60; Abonnement annuel: 6 francs. Ich will wenigstens den leitenden Artikel dieser Nummer hervorheben, ein Gespräch zwischen einem Schüler und einem Rabbi, in dem die Stellen aus Bibel und Talmud über das Gebot, mit bedecktem Haupte zu beten, durchgenommen werden. Aus der biblischen Stelle schließt der Verfasser, dessen Meinung der Schüler vertritt, daß das Bedecken des Hauptes nur dem Hohenpriester geboten sei, aus der talmudischen, daß es sich um ein innerliches, nicht aber um ein äußerliches Gebot handle, und daß in jener Stelle die Befreiung des Hauptes von leichten (leichtsinnigen) Gedanken, nicht aber das äußerliche Bedecken des Hauptes gemeint sei. Der Verfasser will die ganze Sitte, die den Gewohnheiten des Westens widerstrebt, aus einer Eingentümlichkeit der Leute des Ostens entstanden sehen, die eben infolge des Klimas gewohnt sind, das Haupt zu bedecken. Ich bin zwar überzeugt, daß dergleichen schon oft gesagt worden ist, und maße mir nicht die Kompetenz an, ein entscheidendes Wort darüber zu sprechen, halte es aber für meine Pflicht, meine Leser auf die hübschen leichtverständlichen Ausführungen hinzuweisen. L. G. * — Juden! u m und Christentum. Von Max Diene- I mann, Ratibor. ' \ Volksschriften über die jüdische Religion, herausgegeben von Dr. \ Ziegler-Karlsbad. II. Jahrgang, V. Hest. Frankfurt a. Al., I. Kauffmann, 1914. Je mehr das Christentum der Gegenwart sich von den Dogmen früherer Jahrhunderte befreit und dem Monotheismus der Bibel nähert, je entschiedener auch seine ethischen Lehren sich dem modernen Kulturbewußtsein anzupassen suchen, desto dringender wird für uns Juden die Aufgabe, die Eigenart unserer religiösen Anschauung zu erkennen und zu betonen und auf die Differenzen hinzuweisen, die zwischen jüdischer und liberal-christlicher Denkweise bestehen. Dieser Aufgabe hat sich in dankenswerter Weise Rabbiner Tr. Dienemann unterzogen, und es ist ihm gelungen, sie vorzüglich zu lösen. Judentum und Christentum haben in den vielen Jahrhunderten! ihres geschichtlichen Bestehens tiefgreifende Wandlungen erfahren, und j es bedarf darum nicht nur einer gelehrten Kenntnis des gesamten Materials, sondern auch eines sicheren und klarer: Blicks und eines lauteren, unbestechlichen Erkenntnistriebes, um ein objektives Bild beider Religionen zu gewinne!:. Alle diese Forderungen sind in der vorliegenden Schrift erfüllt. Mit einer sicheren Beherrschung des Stoffes, ohne jede Polemik und frei von aller apologetischen Tendenz, bemüht sich der Verfasser, die wesentlichen Lehren des Christentums, auch die liberalchristlichen Anschauungen der Gegenwart darzustellen, und ihnen die entsprechenden Lehren der jüdischen Religion gegenüberzustellen. Neu und besonders wertvoll ist der Versuch, einen systematischen Zusammenhang der einzelnen Gedanken nachzuweisen und die einzelnen differierenden Lehren somit als Konsequenz zweier verschiedener Grundanschauungen hervortreten zu lassen. Aus der optimistischen Beurteilung der Menschennatur, aus der jüdischer: Lehre von der Reinheit lind sittlichen Kraft der Seele ergibt sich das Verhältnis des Judentums zun: Leben und zur Kulturarbeit, folgen auch seine Anschauungen von der Gnade, von Sünde und Erlösung, sein Messiasglaube und seine Stellung zum „Gesetz". Ebenso hat der christliche Erlösungsglaube auch in seiner gegenwärtigen Gestalt, hat die einseitige Betonung der Gnade Gottes, die Negierung der Selbständigkeit sittlichen Handelns und damit die Vernichtung des Persönlichkeitsbewußtseins, die weltflüchtige 4 und kulturfeindliche Tendenz des Christentums, die Ablehnung des Gesetzes ihren letzten Grund in der pessimistischen Beurteilung des Menschen, in den: Zweifel an der sittlichen Natur und Kraft der Menschenseele. Diese grundsätzliche Lehre des Christentums aber wird auch im christlichen Liberalismus der Gegenwart aufrecht erhalten. Es ist daher dringend zu wünschen, daß die Arbeit des Verfassers eine möglichst weite Verbreitung finde. Rabbiner Dr. L e w k o w i tz, Berlin. Letzte Nachrichten. Großes Hauptquartier. 16. November, vormittags. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz war gestern die Tätigkeit beider Parteien infolge des herrschenden Sturmes und Schneetreibens nur gering. In Flandern schritten unsere Angriffe langsam vorwärts. Im Argonnenwalde errangen wir jedoch einige größere Erfolge. Die Kämpfe im Osten dauern fort. Gestern warfen unsere in Ostpreußen kämpfenden Truppen den Feind in der Gegend südlich von Stallupönen; die aus Westpreußen operierenden Truppen wehrten bei Soldau den Anmarsch russischer Kräfte erfolgreich ab und warfen am rechten Weichselufer vormarschierende starke russische Kräfte in einem siegreichen Gefecht bei Lipno auf Plock zurück. In diesen Kämpfen wurden bis gestern 5000 Gefangene gemacht und 10 Maschinengewehre genommen. In den seit einigen Tagen in Fortsetzung des Erfolges bei Wlvclawec stattgehabten Käinpfen fiel die Entscheidung. Mehrere uns entgegengetvetene russische Armeekorps wurden über Kutno zurückgeworsen. Sie verloren nach den bisherigen Feststellungen 23 000 Mann an Gefangenen, mindestens 70 Maschinengewehre und Geschütze, deren Zahl noch nicht feststeht.