Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1914)
- Date
- 1914-11-20
- Page
- Seite (563) (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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„Ewa de is Eli je Nowe drin?"H Reb Salme nickte zustimmend, daß er auch dieser Meinung sei; weiß doch jedermann, daß der Prophet um diese Zeit, am Freitagabend, die heiligen Männer zu besuchen pflegt. Gutlohn tat auch jo, als ob er jetzt schon wüßte, was für einen vornehmen Gast der Rabbi habe, dessenungeachtet aber suchte er doch eine Audienz bei ihm;u erwirken. „Reb Elkele," sprach er eindringlich zu dem mächtigen Schammes, „vielleicht ist es doch möglich. Es tvird bald Abend sein, und ich will noch in meinen Keller gehen. Ich möchte gern Nachsehen, ob mein Iingatschch Ihnen den Kideschwein') nach Hause getragen hat, welchen ich für Sie vom Faß abgezogen habe. Nicht viel, bloß zehn Liter." Reb Elkele strich seine Locken glatt, dann wickelte er sie um den Zeigefinger, damit sie sich wieder ringeln sollen. Denn die Locken sind nur so schön, wenn sie sich ringeln. Dann ging er, ohne ein Wort zu verlieren, ins Hans hinein. Nach zehn Minuten kam er zurück mit dem Bescheid, daß der Rabbi die Deputation empfangen will. Die Inden gingen voll andächtiger Befangenheit hinein, just als ob sie Ehristen wären und in eine katholische Kirche eintreten würden. „Berechabe"") begrüßte sic der Rabbi. „Borechnimze"") erwiderten die Inden und traten einzeln vor, um dem Heiligen die Hand zu küssen. „Frage sie nach ihren: Begehr," sagte der Rabbi zum Schammes. Der Rabbi pflegte nämlich nur durch Vermittlung eines Dolmetschs mit seinen Gästen zu sprechen. Sicherlich deshalb, weil der unmittelbare Verkehr mit weltlichen Leuten ihn eines Verkehrs mit Propheten und Geistern unwürdig gemacht hätte. Gutlohn trug den: Schammes und dieser dem Rabbi die Angelegenheit vor. Der Rabbi sann nach. Wirklich eine große Schafte. Im Schulchan-Aruch stand nichts darüber. „Ist das Becken seit gestern tiefer geworden?" fragte endlich der heilige Mann. „Es ist nicht tiefer geworden." „Können die Leute darin ertrinken?" „Sie können nicht darin ertrinken." „Alfo was wollet ihr denn haben? Was das Unreine rein macht; das Wasser wollet ihr reinigen? Gehet in Gottes Namen." Die Leute gingen gutgelaunt auf die Gasse hinaus »nd konnten die Weisheit des heiligen Mannes nicht genug loben. h Gewiß ist Prophet Elija drinnen, h Laufbursche. ') Segensspruch am Freitagabend, h Gesegnet sei, der da kommt. °) Gesegnet sei, den ivir hier finden. (Die gewöhnliche Begrüßungsfovm, das jüdische „Grüß Gott" — „Willkommen".) Littauer war inzwischen zu Hause angekommen. Unterwegs gelang es ihm, seine Zweifel abzuschütteln, und er beschloß, daß die Badehausangelegenheit seine letzte Eselei sein solle. Lustig vor sich hin pfeifend betrat er das Zimmer seiner Frau, die schon aus der Kapelle zurückgekommen war, wo sic vorher für ihren Rückfall zerknirschte Buße getan hatte. Littauer wollte sie mit einem Scherzworte begrüßen, aber dieses erstarb ihm geradezu auf den Lippen, so überrascht war er von dem sonderbaren Zustande seiner Frau. Agnes Maria hatte sich nämlich unterdessen ganz weiß gekleidet, lieber die Schultern hatte sie einen dunkelroten Seidenüberwurf malerisch umgehängt und in den gefalteten Händen hielt sic einen Lilienstengel. So saß sie vor dem Spiegel »nd suchte sich in überirdische Ekstase zu versetzen. Als Littauer sich endlich von seinem Erstaunen erholt hatte, brach er in ein schallendes Gelächter ans: „Esster, um Gotteswillen, es ist doch noch nicht Purim.') Wozu diese Maskerade?" Agnes Maria fiel vor Entsetzen über diese schonungslose Iüdelei beinahe in Ohnmacht. „Das ist keine Maskerade," stieß sie heftig hervor, „das verbitte ich mir. Und damit du es wissest, nur um deinetwillen habe ich mich so angekleidet. „Ich will, daß du dich bekehren sollst, ich will, daß . . ." Die Aermste war zu ungebildet, um ihre Empfindungen in Worte kleiden zu können. Daß sie die Tracht der heiligen Frauen deshalb angelegt habe, weil ihr das Verschmelzen in die neue Welt leichter gelingen werde, wenn sie sich an ideale Vorbilder hielte. Auch wussie sie ihm nicht zu sagen, daß man nur durch Einfachheit und Entsagung zu Gott gelangen könne nnd sie den heiligen Frauen gleichen wolle, nur ihn von seinen Verirrungen zu heilen. ,Sie setzte ihre Hoffnung 'darauf, daß die bilderscheuende jüdische Nüchternheit sich in süßen Glauben verwandeln werde, wenn sie in dem lebenden Weibe die himmlische Schönheit der anbetungswürdigen Madonna Form gewinnen sehe. „Weißt du, Johann," sprach sie, „in unserer Kapelle haben wir noch keine Madonna über dem Altäre." „Macht mir e Sorg." , „Aber mir macht es Sorge," polterte Frarc Littauer, die sich! mittlerweile schon zurecht gefunden hatte. „Dorthiir gehört ' eine Madonna. Mit dem Maler bin ich schon einig geworden. Montag sitze ich ihm schon."; „Montag sitzest du ihm schon?" > „Ja, Montag sitze ich ihm, denn ohne Modell kann er nicht; malen, und ich werde das Modell sein."! Littauer schüttelte sich vor Lachen. „Du wirst das Modell sein?" „Nun ja, ich! Ich, ich!" schrie Agnes Maria. Ihr Gesicht ') Jüdischer Faschingstag. „Die eiserne Tante." Krankenschwester Amalie Levy, die drei Feldzüge mitgeinacht hatte: (8154,1866,1870 71, lieft, in Frankfurt a.tN. August 19>2.