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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-11-13 · Heft 46 (13.11.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 46 (13.11.1914)
Date
1914-11-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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nach Glatz statt, nachdem Herr Rabbiner Dr. d e H a a s warme Worte des Nachrufes, gesprochen hatte. Bei der Beerdigung in Glatz beteiligten sich die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden. Unter Eskorte einer Ehrenkompagnie wurde der Tapfere, der die Ueberreichung des ihm verliehenen Eisernen Kreuzes nicht mehr erlebte, zu Grabe getragen. Herr em. Prediger Löwenstein und der Prediger der Glatzer Gemeinde, Herr I o s p e, richteten ergreifende Worte ehrenden Gedenkens und des Trostes an die Hinterbliebenen. Mit Gebet schloß die eindrucksvolle Feier, dann wurde der Sarg der Erde übergeben. Drei Ehrensalven wurden über das Grab des tapferen Kriegers abgeschossen, der auch dazu berufen war, sein Leben für die Ehre und Erhaltung seines Vaterlandes hingeben zu dürfen. §2 Forst (Lausitz), 6. November. Die hiesige jüdische Gemeinde, die seit einer langen Reihe von Jahren die Gottesdienste im Grundstück Bismarckplatz 1 abhielt, hat das C. H. Fabian sche Grundstück, Wasserstraße 6, käuflich erworben und das erste Stockwerk zu Tempelräumen einrichten lassen. Der Umbau ist vollendet, und die neuen Räume sind bereits ihrer Bestimmung übergeben. Sie entsprechen in weitgehendster Weise den Wünschen der Gemeinde und werden den Bedürfnissen voraussichtlich auf lange Zeit hinaus genügen. Um die Bauausführung hat sich Herr Architekt Albert Richter verdient gemacht. Er hat die Entwürfe und Zeichnungen ausgeführt, und auch die Leitung des Baues lag in seiner Hand. Dem V o r st a n d und den Repräsentanten der Gemeinde lag eine schwere Verantwortung mit dem Ankauf und dem Umb-au des Grundstückes ob; sie haben die schwierige Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit in dankenswerter Weise gelöst. Eine besondere Baukommission unterstützte sie in ihrer aufopferungsvollen Tätigkeit. Ihr gehörte auch Herr Apotheker Frankel an, der sich besondere Verdienste um das Gelingen des schwierigen Werkes erworben hat. Er hat weder Zeit noch Mühe und Kosten gescheut, um das Werk zu einem erwünschten Abschluß zu bringen; ihm ist daher auch ein großer Teil des guten Gelingens zu verdanken. Am Rosch Haschana, dem 20. September, wurde die erste gottesdienstliche Handlung in den neuen Tempelräumen abgehalten; vor Beginn des Feier'tagsgottesdienstes fand, wie bereits mitgeteilt, die Einweihung statt. Sie beschränkte sich auf eine kurze Gebetsweihe. Es war anfangs in Aussicht genommen, eine größere Einweihungsfeier zu veranstalten und dazu Einladungen an die Vertreter der anderen Religionsgemeinschaften in der Stadt, die städtischen Behörden und die Synagogengemeinden der Nachbarstädte ergehen zu lassen, mit Rücksicht auf den * Ernst der Kriegszeit blieb der Gedanke jedoch unausgeführt. — Würdig und stilvoll ist die Einrichtung des neuen Tempelsaales. Der Aufgang erfolgt von der Wasserstraße aus. Dichte, rotgesärbte Plüschdecken dämpfen die Tritte auf der breiten Treppe. Der Anstrich der Wände ist in dunklen Tönen gehalten, von denen sich ein breiter Goldsries wirkungsvoll abhebt. Eine weite Flügeltür schließt einen Vorraum ab, der auf der einen Seite durch dichte Vorhänge zu dem Repräsentantenzimmer, auf der anderen zu dem Beetsaal führt. In diesem befindet sich, dem Eingang gegenüber, aus der Ostseite das Almemar mit seinen Abstufungen, dem Prediger- und dem Aeltestensitze, dem Tische des Vorbeters und dem Aron ha-Kodesch vor dem die „ewige'Lampe" in dunkelrotem Lichte erstrahlt. Hohe Silberleuchter mit starken Wachskerzen erhöhen den feierlichen Eindruck der Predigtstätte. Zur linken Seite des Allerheiligsten ist ein Harmonium aufgestellt. Ueber dem Almemar spannt sich ein sternenbesäter himmelblauer Baldachin, von dem sich, neben symbolischen Zeichen in leuchtenden Goldbuchstaben in hebräischer Schrift der Spruch abhebt: „Höre, Israel, der Ewige unser Gott ist einzig!" Ein anderer Spruch an der Stirnseite des Saales verweist ebenfalls aus die Macht und Gewalt des ewigen Gottes. Der Saal bietet Raum für 110 feststehende Sitzplätze, die durch Ausstellung von Stühlen leicht um 30 weitere Plätze erhöht werden können. . Die Sitzplätze sind bequeme Bänke, zwischen denen ein breiter Gang entlangführt. Die Fenster sind in Glasmalerei ausgeführt und zeigen ebenfalls dem religiösen Kultus entsprechende Symbolik. Die Wände sind würdig und stilvoll; die Beleuchtung besteht aus Bogenlampen und elektrischen Wandarmen; der Fußboden ist mit dunklem Linoleum bedeckt. Der Gesamteindruck gereicht den Erbauern zur Ehre. Die Gemeinde kann erfreut sein über die neuen Tempelräume, und tatsächlich ist auch die Befriedigung allgemein. M. Hamburg, 6. November. In gemeinschastlicher Sitzung des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums wurde an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten aus dem Vorstand ausgeschiedenen .Herrn M a r k u s Beith Herr Jakob Alexander zum Mitglied des Gemeindevorstandes gewählt. Herr Alexander gehörte dem Repräsentantenkollegium mehr als 25 Jahre an; seit 15 Jahren bekleidete er das Amt eines Vorsitzenden, auch in anderen Zweigen der Verwaltung, namentlich in der Armenpflege, ist der neue Gemeindevorsteher schon seit Jahren segensvoll tätig. Seit dem Jahre 1910 gehört Herr Alexander auch der Hamburger Bürgerschaft an. Kurz nach der Wahl erschienen in der Wohnung des neuen Gemeindevorstehers die sämtlichen Mitglieder des Vorstandes, die Repräsentanten, Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer mit einer Deputation des Vorstandes des Synagogenverbandes, um persönlich ihre Glückwünsche zu überbringen. An Stelle des neugewählten Gemeindevorstehers tritt Herr Tr. Paul Tentler in das Repräsentantenhauskollegium ein. — Etwa 500 russische Juden, die seit dem Beginn des Krieges hier interniert waren, im übrigen sich aber bis auf die Aufenthaltsbeschränkung großer Freiheiten 'erfreuten, haben dieser Tage unsere Stadt verlassen. Wie wir erfahren, ist es hauptsächlich durch die Bemühungen des hiesigen Vertreters des Hilfsvereins der deutschen Juden, Herrn L a s k a r , und verschiedener anderer angesehener Persönlichkeiten der hiesigen Gemeinde gelungen, die Erlaubnis für die aus angesehenen Familien stammenden russischen Juden zur Rückkehr in ihre Heimat zu erlangen. Die Russen fuhren in einem Extrazug über Saßnitz—Tr elleborg ab. Zur Verabschiedung am Bahnhof hatte sich der hiesige spanische Generalkonsul als Vertreter der russischen Interessen -eingefunden. Die Abfahrendeu waren voll des -Dankes und Lobes über den hiesigen Aufenthalt. Cmrnendingen, 6. November. Ein großer Leichenzug bewegte sich vom hiesigen Bahnhof zu dem israelitischen Gottesacker hinauf, um die sterbliche Hülle des im Kampf für das Vaterland gestorbenen Otto Veit zur letzten Ruhe zu geleiten. Dem Leichenwagen voran marschierte die Stadtmusikkapelle, die in den hiesigen Lazaretten untergebrachten Verwundeten (soweit sie marschieren können), der Kriegerverein, die Sanitätskolonne, der Jugendverein, die Sängerrunde Hochberg und der Turnverein. Ten Leichenwagen begleitete lils Ehrenwache eine Abteilung Landsturmleute der Bahnhosswache, und hinter den Angehörigen folgte ein großer Zug sonstiger Leidtragender. In zu Herzen gehenden Worten gedachte Rabbiner Dr. Zimels aus Freiburg der hervorragenden Eigenschaften des Verstorbenen und hob besonders dessen soldatische Tugenden hervor, die ihn bei seinen Vorgesetzten beliebt machten und ihm rasche Beförderung zum Vizefeldwebel der Reserve und Osfizierstellvertreter brachten. Für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Während der Sarg hinabgesenkt wurde, präsentierte die Ehrenwache und krachten drei Salven als letzter militärischer Gruß. Auch die Stadtgemeinde hatte ihren Sohn durch einen Kranz mit Schleife in den städtischen Farben geehrt. Gesierrrich-Angsm. 0. W. Budapest, 5. November. Dem „Eghenlöszeg" wird geschrieben: Simon Fruchtgarten, dieser sonderbare Name gehört einem russischen Juden. Vor zehn Jahren hat ihn ein unbarmherziger Pogrom aus Rußland vertrieben. Er fand in Kaschau Zuflucht. Unter emsiger Arbeit erzog er seine fünf Kinder, und er hat während dieser Zeit nicht nur Ungarisch sprechen, sondern auch fühlen gelernt, anders als so viele Kinder anderer Nationalitäten, welche, obgleich sie Jahrhunderte alte Bande an die Ungarn knüpfen, in Verwahrung genommen werden mußten, damit sie nicht Schaden anrichten. Aber vergebens ist Simon Fruchtgarten Ungar geworden. Wegen seiner russischen Abkunft war er stets Verdächtigungen ausgesetzt. Aber der russische Flüchtling hat seine Verleumder zuschanden gemacht. Gleich am ersten Tage der allgemeinen Mobilisierung meldete er sich beim zuständigen Kommando zu freiwilliger Militärdienstleistung, erhielt jedoch schon einige Tage später vom Bürgermeister der Stadt Krakau die Mitteilung, daß er laut Erlaß des Honvedministers mit Rücksicht auf seine ausländische Staatsbürgerschaft nur dann als Freiwilliger hx den Militärdienst ausgenommen werden könnte, wenn Seine Majestät hierzu die besondere Bewilligung erteilt. Der russischjüdische Flüchtling, dieser gewisse Simon Fruchtgarten, ist auch vor dexn Majestätsgesuch nicht zurückgeschreckt, und es ist ergreifend, wie er dieses Gesuch einleitete: „Eure Majestät! Mein Herr und

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