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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-11-13 · Heft 46 (13.11.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 46 (13.11.1914)
Date
1914-11-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Geistes zu bestimmen: unb hierfür bietet sich die deutsche Philosophie an, die nicht eine aparte Provinz des Geistes sei. Es ist das Ideal der deutschen Philosophie, alle Aeußerungen der Kultur mit ihrem Geiste zu sättigen. Ihr Wesen muß sich aus dem allgemeinen Aufbau der Kultur gewinnen lassen, und es ist ein einheitlicher Zug deutschen Philosophierens, sich in dem mathematische n Bewußtsein zu begründen. Das ist platonisches Gedankengut, und als Nicolaus v. Cues vor 500 Jahren schrieb, daß außer der Mathematik nichts Gewisses sei, beginnt die platonische Erkenntnislehre in unserer Philosophie Wurzel zu schlagen. Die Frage nach der Gewißheit ist die Frage nach den Grundlagen unseres Wissens — Grundlagen müssen gelegt werden, und damit ist das Prinzip des deutschen Idealismus zum Ausdruck gebracht. Denn es kann nur der menschliche Geist sein, der diese Grundlage legt: hierfür bietet das platonische System den Begriff der „Hypothese" dar, aus dem sich von Kepler über Leibniz zu Kant der deutsche Idealismus gestaltet. So wird der Gegenstand zum Problem, und so unterscheidet sich deutsches, kritisches Philosophieren von jeder anderen Lehre, die von den Dingen ausgeht. Hierin steckt, der berüchtigte „Formalismus" der Ethik Kants, die „bcn Menschen in der Menschheit begründet". Der Mensch ist niemals bloßes Mittel, sondern jederzeit Zweck. Das ist ein dem Deutschen eigentümlicher Zug, der in einem strengen Pflichtbegriff sich zusammenfaßt. Hier ist der Kern des zu llnrecht geschmähten deutschen „Militarismus", der nicht nur einer großen nationalen Bewegung entsprlmgen ist, sondern deren Schöpfer auch in genauer Beziehung zu der Lehre Kants stehen. General v. Doyen, der Verfasser der „Allgemeinen Heerordnung", ist ein Schüler Kants und im Herzen seiner Forderungen steht die „Erziehung des guten Willens", die bis auf den Wortlaut die Lehre Kants wiederholt. So bestimmt sich aus dem philosophischen Geist das Eigentümliche der Deutschheit. In der Kunst stellt es sich als eine spezifische Verseelung des Kunstwerks dar: eine Vereinheitlichung der Motive, als deren Beispiel der Vortragende das Porträt Albrecht Dürers und das Gedicht Goethes anführte. Hier ist reine Sehnsucht lebendig: reine Sehnsucht, in die tiefe Dankbarkeit verschmilzt. Dieses Deutschtum ist keine Mstraktion, so wenig der Staat eine Abstraktion bleibt, sondern eben Deutschland ist, unser Vaterland, das unsere Liebe fordert. 22 Berlin, 10. November. Zugunsten der von der Bibliothek der jüdischen Gemeinde (N., Oranienburger Straße 28) veranstalteten Sammlung von Büchern für die in den Lazaretten liegenden jüdischen Verwundeten spendete Professor Dr. A. Berliner 50 Exemplare seiner Schrift „Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter", sowie 50 Exemplare seiner „Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuch" Band 1, und 100 Exemplare des zweiten Bandes. Erfreulich sind auch die sonstigen Zugänge, die der Sammlung von allen Seiten und aus allen Orten des Reiches zugehen. Berlin, 10. November. Das Eiserne Kreuz erhielten: Oberarzt Dr. Rudolf E h r m a n n, Privatdozent an der Berliner Universität, Stabsarzt Dr. Alfred Frank, Oberarzt d. R. Dr. Bruno Valentin, Unteroffizier tut Gardefeldartillerieregiment Referendar Dr. Ludwig Simon, Sohn des verstorbenen Bankiers Martin Simon, Oberarzt Dr. Wilhelm Israel, Sohn des Professors Dr. Israel, der 1870 die gleiche Auszeichnung erhalten hat, Stabsarzt Dr. Adolf S i l b e r st e i n, Chefarzt Tr. S. Vogel, Kammergerichtsreferendar Dr. Alfred W o l l st e i n , Dr. Siegfried L a s e r st e i n , Unterarzt Dr. Herbert Stranz, Stabsarzt d. R. Tr. Bruno Cohn, Stabsarzt d. R. Dr. Bau m , Professor Tr. Julius C i t r o n , Vizefeldwebel im 10. Fußartillerieregiment Erich Brasch, Dr. Victor Cohn, Tr. Mar London, Einjähriger Unteroffizier Ludwig H e y in a n n, Unteroffizier d. R. Paul G o l d sie i n, Assistenzarzt Tr. Hans Kamnitzer, der auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde angestellte Leichenträger Adolf Kantorowih, Unteroffizier Erich Benjamin, OberveterinÜr d. L. Dr. Richard K a n t o r o w i h, Walter Berliner, Sohn des verstorbenen Brauereibesitzers Oswald Berliner, Dr. Georg Zickel, Architekt Erich S i m o n , Feldwebelleutnant Rechtsanwalt Georg L e w y , Stabsarzt d. R. Tr. Adolf G u t m a n n. Sind. Phil. Ernst Israel, Mitglied des freiwilligen Automobilkorps, dessen Vater, Rittergutsbesitzer Richard Israel, auch bereits die gleiche Auszeichnung erhielt, Regierungsbaumeister Felix H i r s ch b e r g. Kurt I u l i u s b u r g e r, Stabs- und Rcgimentsa.rzt Dr. Max Hirsch, Einjähriger Unteroffizier Kammergerichtsreserendar Dr. Rudolf Cohn — Groß-Berlin; Unteroffizier d. R. cand. jur. Paul F r i e d l ä n d e r, Sohn des verstorbenen Justizrats Friedländer-Potsdam, Offiziersstellvertreter im 20. Reserveinfanterieregiment cand. Phil. Adolf L e v y - Potsdam, Offiziersst-ellvertreter beim Reserveregiment Nr. 104, Rechtsanwalt Dr. Leo M ü h l - felder, Sohn des verstorbenen Rabbiners Dr. Mühlfelder- Chemnitz und Schwager des Rabbiners Dr. Schwartz-Prag. Die gleiche Auszeichnung erhielten, wie uns aus Posen geschrieben wird: Vizewachtmeister d. R. Dr. jur. Fritz Ja f f e, Unteroffizier d. R. im Grenadierregiment Nr. 6 Herbert Warschauer, Sohn des Kaufmanns William Warschauer in Posen, Unteroffizier Fritz Wittkowski im Füsilierregiment Nr. 37 aus Lissa, Unteroffizier Sallh Moses vom Infanterieregiment Nr. 14, Vizefeldwebel Max Jacobi in Jastrow. Das Eiserne Kreuz erhielten ferner: Leutnant d. R. im 11. bayerischen Infanterieregiment Vötting er, Rechtsanwalt in Regensburg, Oberarzt d. R. Dr. Walter L e v h (Hof), Oberarzt d. R. David G r ü n e b a u nt, derzeitiger Präsident der Loge U. O. B. B. in Nürnberg, Oberleutnant d. L. und Kompagnieführer Paul Josephthal, Fabrikbesitzer in Nürnberg, Sohn des kürzlich verstorbenen langjährigen Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde, Geheimrat Gust. Josephthal, Leutnant d. R. Dr. Leopold Neuburger, Rechtsanwalt in Nürnberg, Dr. med. Bauchwitz, Unteroffizier Emil Cohn und Alb. Walter aus B a m b e r g. Leider sind auch bereits drei Söhne der Gemeinde Bamberg auf dem Felde der Ehre gefallen. W* Posen, 6. November. Herr Kommerzienrat N. Hamburger vollendete am 26. v. M. sein sechzigstes Lebensjahr. 1854 als Sohn eines Kaufmanns geboren, besuchte er die Realschule in Posen und lernte 1872 in einem Strickgarngeschäft in Berlin. In demselben Jahre trat er in das Bankhaus Heimann Saul in Posen ein, das er 1891 übernahm. 1898 ging die Firma an die Ostbank für Handel und Gewerbe über, in deren Direktion er als Mitglied eintrat. Er ist u. a. Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bierbrauerei Aktiengesellschaft vormals Gebrüder Hugger, Mitglied des Aufsichtsrats der Hermann Löhners Aktiengesellschaft in Bromberg und der Deutschen Treuhandgesellschaft in Berlin, der Heimann-Mühlenaktiengesellschaft in Posen und der Deutschen Hypothekenbank Aktien- Gesellschaft in Berlin. Wohlfahrtsbestrebungen jeder Art und künstlerischen und wissenschaftlichen Bestrebungen widmet Kommerzienrat Hamburger, der auch zwölf Jahre lang dem Stadtparlament angehört hat, allezeit reges Interesse und tatkräftige Förderung. Die Feier des Geburtstages verlief ganz entsprechend der Stellung, die der Jubilar im öffentlichen Leben unserer Stadt einnimmt. In der Wohnung versammelten sich Zahlreiche Abordnungen von Vereinen und Körperschaften, denen Herr Hamburger angehört. Der Verein junger Kaufleute ernannte ihn zum Ehrenmitgliede, bei der Bedeutung dieses Vereins eine ganz besondere Auszeichnung. Unzählige Depeschen und briefliche Glückwünsche, zahlreiche kostbare Blumenarrangements trafen ein. Kommerzienrat Hamburger, der seinen Gästen ein Frühstück bot, spendete dreitausend Mark für wohltätige Zwecke. 22 Breslau, 6. November. Während ihres hiesigen Aufenthaltes machte die Kaiserin an einem Sonnabend nachmittag Besuche bei den in den Breslauer Krankenhäusern untergebrachten verwundeten Kriegern. Im Israelitischen Krankenhaus, wo die Kaiserin von dem Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Eduard Sachs, und Handelsrichter M u g d a n empfangen wurde, stattete die Kaiserin allen. Räumen, in denen Verwundete liegen. Besuche ab und konnte sich dabei von der mustergültigen Fürsorge, die unseren Kriegern in diesem Krankenhause zuteil wird, überzeugen. Bis 6 Uhr abends verweilte die Kaiserin im Krankenhause und zeichnete auch hier alle Verwundeten durch herzlichen Zuspruch und Blumenspenden aus. ^2 Matz, 6. November. Am 2. d. M. fand hier die Beerdigung des Kammergerichtsreferendars Dr. jur. Salo Dzialoszynski, Unteroffizier d. R. statt, der am 28. Oktober seinen vor Jwangorod erlittenen sechs Verwundungen,. gerade an seinem 28. Geburtstage, erlegen war. Verwundet sollte er in das Reservelazarett Kattowitz überführt werden, starb aber bereits auf dem Transport dorthin. Der jüdische Beerdigungsverein Kattowitz nahm sich des Toten in freundlichster Weise an^ und am 31.' Oktober fand die Ueberführung

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