Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1914)
- Date
- 1914-11-13
- Page
- Seite 552 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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552 Politiker reifen — er muß (und mit ihm sicher noch viele!) uml e r ne n , und zum Nmlernen gehört Zeit, Muße . . . Wie nun über selche Zeit kounuen, wenn man die Probleme friedlicherer Tage nicht mit einem Schlage desavouireu kann noch — will? Unterzeichneter folgte schließlich vor kurzem einem Wink dieses Blattes, der im Anzeigenteil enthalten schien: „Das Arbeitsamt für jüdische Akademiker, Berlin C, vermittelt kostenlos akademische Stellungen und Niederlassungsmöglichkeiteu, Bosenstraße 2/4". Als er sich dorthin begab und zunächst au Herrn Dr. Herlitz, Eharlottenbnrg, gewiesen wurde, mußte ihm dieser eröffnen, daß das Arbeitsamt \ 11 st seit A u s - bruch des .Krieges geschlossen sei! Welch ein Widersinn und Widerspruch! W er hilft, da ß e s sich im (3 e g e n teil e r st jetzt aufs tatkräftig st e o r g a u i s i e re, damit alle u B e r w alte r n g e i st i g e n G u t e s gegen lv ä r t i g n e u e , e n t s p r e eh e n d c E r t st enz m ö g l i ch k e i t e n g e s ch a f f e u lv e r d e n >: In. vorzüglicher Hochachtung Tr. Ernst Samuel (Anselm Ruest), Schriftsteller. Berlin, im Oktober 1914 u s r u f! Die llnterzeichneten haben die Herausgabe einer Sammlung von Kriegsbriefen deutscher und österreichischer Juden in Angriff genommen, die demnächst erscheinen soll. Obwohl eine große Anzahl von Briefen bereits vorhanden ist, wäre die Bereicherung des ^Materials sehr erwünscht. Die Unterzeichneten bitten alle, die Origiualbriefe, Auszeichnungen, auch photographische Ausnahmen und Handzeichuungen besitzen, diese zur Verfügung zu stellen. Tie Originale werden nach kürzester Zeit den Eigentümern znrückerskattet und eveutt. Auslagen vergütet. Der Herausgeber: Der Verlag: D r. E u g e n T a n n e u b a u m , I ü d i s ch e r B e r l a g G. m. b. H. Berlirr W 62 Berlin W 15 Bayreuth er Straße 21. Sächsische Straße 8. * L iebesgab e n s ii r d i e „ F r a n z e r ". Auf den im September veröffentlichten Aufruf zur Einsendung von Liebesgaben für die „Franzer" sind bei dem Regiment so zahlreiche Gaben an Geld, warmen Sachen, Zigarren und Lebensmitteln eingegangeu, daß das Regiment Anfang dieses Monats einen Transport von 11 Automobilen, unter denen sich 4 große Lastautos befanden, beladen mit Waren aller Art, zu t>cn Franzern ins Feld absenden konnte. Ein freundlicher Zufall fügte es, daß der Transport gerade am 14. Oktober, an welchem Tage das Regiment sein hundertjähriges Stiftungsfest feierte, in der Front ankam und die Liebesgaben an diesem Ehrentage des Regiments zur Verteilung kounuen konnten. Unvergeßlich wird den Begleitern des Transports die Stunde sein, in der der Kommandeur des Regiments, Oberst von Boeder, denjenigen Teil des Regiments, der an dem Tage in Reservestelluug lag, auf weitem freien Felde, angesichts der feindlichen Stellungen und unter dem fernen Donner der Kanonen versammelt hatte und iit ergreifenden Worten ans die Bedeutung des Tages hinwies und die Depeschen der höchsten Vorgesetzten des Regiments zur Verlesung brachte. Der Kaiser hatte die große Huld, in der das Franz-Regiment bei ihm steht, durch zahlreiche Beförderungen und Verleihungen des Eisernen Kreuzes zum Ausdruck gebracht und dem Regiment durch zwei aus dem allerhöchsten Hauptquartier entsandte Herren seine herzlichsten Glückwünsche anssprechen Lassen. Das donnernde Hurra, das unsere Franzer bei diesem Appell auf ihren allerhöchsten Kriegsherrn und ihren hohen Ehes, den Kaiser Franz Josef von Oesterreich, ausbrachten, klang weithin über das Feld und so hell und so frisch und so klar, als ob das Regiment eben erst ins Feld gerückt wäre. Bon den großen Strapazen, die das Regiment schon seit zweinndeinhalb Monaten zu ertragen gehabt hatte, war nichts zu verspüren. Brausend erscholl dann, von der Regimentsmusik gespielt, „Heil Dir im Siegerkranz" und „Gott erhalte Franz den Kaiser" über das Feld, worauf das Regiment in sein Lager entlassen wurde, wo die Mannschaften mit den lang ersehnten Zigarren und frisch gestopften Pfeifeil, bei heimischer Wurst und Schinken, bekleidet mit warmen, neuen Wollsachen, dankbar der lieben Spender gedachten, die sie gerade zur rechten Zeit so reich bedacht hatten. Das Kommando des Regiments spricht hiermit nochmals seinen herzlichen Dank allen denen aus, die in so hochherziger Weise ihre Gaben dargebracht haben und bittet recht herzlich nur weitere Gaben, namentlich an Geld und Wollsachen, die an die Kasinokommission des Reginients zu richten sind, damit recht bald ein neuer Transport von Sachen an die braven Franzer ins Feld gesandt werden kann. v. B l o m berg v. G o ßler v. S ch w a r tz k o p p e n Generale ä ln suite des Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiments Nr. 2. Freiherr v. B o e n i g k General der Infanterie z. D. Das Ersatzbataillon des Kaiser-Franz-GardeGrenadier-Rgts. Nr. 2. v. Z i e g l e r v. B a u g e r o lv Oberleutnant und Adjutant. Major und Kommandeur. Die Kasinokomntiision Stange n v. S i e f a r t Leutnant der Landwehr a. D. Oberstleutnant z. D. Königlicher Kommerzienrat. zngeteilt dem Groszen Generalstab. * Berlin (. 2, den 25. Oktober 1914. Rosenstraße 2 4. S e h r g e e h r t e r H e r r G e h e i m r a t! Der Leitartikel von Herrn Dr. Sußnitzki: „Zur jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland" in der jüngsten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" wird sicher weite Kreise und nicht zuletzt diejenigen, welche sich beruflich, sei es im Ehrenamt oder im besoldeten Amte, mit jüdischer Wohltätigkeit befassen, lebhaft interessieren. Wenn unter Bezugnahme auf einen Aufsatz des Herrn Dr. Hanauer gesagt wird, „sie — die jüdische Wohlfahrtspflege — blüht im Verborgenen, während die Leistungen der christlichen Eharitas vor aller Augen offen daliegen," so liegt dies lediglich in der jüdischen Art, wohltätig zu sein, die auf dem Schriftwort: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" (3. Buch Mosis, 19, 18) beruht, in ihm tief wurzelt. Im übrigen ist aber auch über jüdische Wohltätigkeit zahlreiche, zum Teil wissenschaftliche Literatur vorhanden. Ihr geschätztes Blatt z. B. hat oftmals gute, instruktive Artikel gebracht, die dieses Gebiet behandeln. Nach den sehr interessanten Ausführungen des Herrn Dr. Hanauer resümiert sich dieser, wie es heißt: „So ergibt sich die Bedeutung der jüdischen Wohlfahrtspflege für die öffentliche Armenpflege, indem letztere durch erstere in erheblichem Maße entlastet wird: einmal durch die eminent prophylaktische Wirksamkeit der jüdischen Wohlfahrtspflege, andererseits, weil die jüdischen Armen infolge Bestehens derselben die öffentliche Armenpflege nur in ganz geringem Maße in Anspruch nehmen." Hieran anknüpfend, habe ich zu sagen, daß die Entlastung der öffentlichen Armenpflege durch die jüdische ja selbstverständlich, aber immer nur eine angenehme Nebenwirkung für die öffentliche Armenpflege ist und niemals Hauptzweck der jüdischen sein wird. Wenn dann ferner gesagt wird, daß die jüdischen Armen die öffentliche Armenpflege nur in ganz geri n g e m M a ß e i it A n s P r u ch n e h m e n, so ist dies aber eine Verkennung der Tatsache. Tie zielbewusste, organisierte jüdische Armenpflege stellt sich seit langer Zeit grundsätzlich auf den Standpunkt, daß ihre Armen, soweit sie als für die öffentliche Armenpflege geeignet erkannt werden, sich auch unbedingt an diese wenden müssen. Dieser Grundsatz findet von Jahr zu Jahr mehr Verbreitung und Beachtung, und viele der Bedürftigen haben unter der ständigen Einwirkung der jüdischen Armenpflegestellen ihre veralteten Bedenken ansgegeben und sich auch an die kommunale Armenpflege gewandt. Die moderne jüdische Armenpflege muß eben ihre so stark in Anspruch genommenen Mittel in erster Reihe für d i e Fälle aufsparen, in denen man, anstatt zu geben, wirksam helfen kann. So nur kann auch die jüdische Armenpflege ihre Hauptaufgabe erfüllen, die darin besteht' eine rationelle prophylaktische Tätigkeit auszuüben. Mit der ergebenen Bitte um Veröffentlichung hochachtungsvoll N. Cohn.