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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-11-13 · Heft 46 (13.11.1914) · p. Seite 551

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 46 (13.11.1914)
Date
1914-11-13
Page
Seite 551 (sequence 11)
Language
German
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551 erlaubt, den Antrag des Meschümed anzunehmen? So viel steht fest, daß die Gemeinde nicht ohne Ritualbad bleiben kann. Weisen sie das Anerbieten zurück, so muß man ein neues bauen lassen. Und da die Gemeinde arm ist, wird man von ihm, von Gutlohn, einen Akt der Großmut erwarten. Folglich gibt es nur eine Lösung: man muß Littauers Geschenk annehmen. „Nü", wandte sich Gutlohn, bei dieser Schlußfolgerung angelangt, an die Leute, „was sagt ihr dazu?" „Wir brauchen es nicht", schrie Bernhard Troger. „Warum sollen wir es nicht brauchen?" wandte sich Buchsbaum gegen ihn, der immer wußte, was Gutlohn haben wollte. „Was kann es uns schaden, wenn wir es annehmen? Wir müssen es annehmen. E Chaser e Hur erausgerissen^)." Bei dem rituellen Streite durfte auch der Schlächter ein Wort mitsprechen. „Gemach, gemach, Rebojssem^)! Das ist eine Schafte"), das ist eine große Schafte. Wir müssen das dem Rebbe unterbreiten." Reb Salme hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. In dieser Sache mußte der Rabbi entscheiden. Sagt der Rabbi, daß man das Geschenk von Littauer annehmen darf, so werden sie es annehmen; sagt er, daß es nicht erlaubt ist, dann werden sie es zurückweisen. Gutlohn war sehr vergnügt, denn er wußte schon, was der Rabbiner sagen würde. V. Littauer war in schlimmer Lage. Er hing zwar nicht innerlich am Judentum, aber war doch einigermaßen bedrückt darüber, nur eines guten Geschäfts wegen seinem väterlichen Glauben entsagt zu haben. Seine Frau war glücklich darüber, daß er sich nach jahrelangem Ansturm endlich ergeben hatte. Sein Sohn aber, eine halsstarrige Natur, war gar nicht zrlsrieden damit und versuchte ihn davon abzubringen. „Wir taufen uns, Punktum", hatte Littauer in letzter Sentenz erklärt. „Sage mir wenigstens, womit du diesen Schritt vor der Welt rechtfertigen kannst?" „Es gibt nur eine Welt: die christliche. Vor dieser muß man ihn nicht rechtfertigen." „Ich fürchte, daß auch diese deinen Uebertritt nicht ohne weiteres als Kompliment annehmen, sondern nach den Gründen forschen wird." „Möge sie danach forschen." „Und solche Gründe finden, deren man sich schämen muß." „Sie wird einen guten Einsall finden, und ich bin stolz auf nreine Einfälle, wenn sie nicht dumm find. Dies aber ist, bei Gott, ein kluger Einfall." „Und die Ueberzeugung?" (Fortsetzung folgt.) Lprechlsal. Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Warschauer in dem Artikel Bar-Mzwah der letzten Nummer dies Gemeindebtattes gelben mir Veranlassung, aufs neue in diesen Blättern aus die Notwendigkeit aufmerksam zu machen, daß die Barmizwahknaben verpflichtet werden, bei ihrer Anmeldung zur Einsegnung ihre genügende Vorbereitung durch eine Bescheinigung ihres Religionslehrers nachznweisen. Es mutz doch unbedingt bk Möglichkeit ausgeschlossen sein, daß Knaben ohne jede Vorbereitung, nur mit der Kenntnis der Segenssprüche über die Thora ausgestattet, zur Einsegnung in den Eemeindeshnagogen zugelassen werden. Datz aber solche Fälle häufig Vorkommen, weiß der Unterzeichnete aus eigener Erfahrung und **) Dem Schwein eine Borste herausreißen, das heißt, die Gabe des schlechten Menschen annehm-en, damit er weniger habe. 13) Langsam, langsam, meine Herren. 14) Frage. wissen mit ihm sicher viele seiner Kollegen. Knaben, denen der Konsirmationsunterricht a,us irgendwelchen Gründen nicht zusagt — meist auch, weil der besondere Unterricht noch eine besondere Stunde erfordert — , geben diesen Unterricht, zu dem sie nicht gezwungen werden können, ohne weiteres auf, werden aber trotzdem zur bestimmten Zeit in der Synagoge eingesegnet. Natürlich — denn hierzu bedarf es bisher neben der einfachen Nawensanmeldung beiur Kastellan der Synagoge nur eben der Kenntnis der oben erwähnten Segenssprüche. Welcher Widerspruch liegt über darin, wenn in solchen- Fällen der Gemeinderabbiner in einer weihevollen Ansprache daraus hinweist, „daß nun die Vorbereitungszeit vorüber, da treue Lehrer auf die Ausbildung des Knaben mit Fleiß bedacht waren und die Treue gegen die Glaubensgeineinschast ihm ans Herz gelegt haben". Verliert nicht der ganze Einsegnungsakt hierdurch seine Bedeutung? Und lmifjen diese Worte nicht den Spott des Knaben und seiner Angehörigen herausfo-rdern? Müssen wir nicht solchen Eltern wie Schülern zu bedenken geben, daß die Barmizwahfeier nicht nur eine schöne Gelegenheit zu einer großen Familienfeier und zur Entgegennahme von Geschenken ist, sondern, wie Herr Rabbiner Dr. Warschauer es trefflich dargelegt hat, auch in unserer Zeit eine tiefiunerliche Bedeutung besitzt? Aber freilich ist hierzu auch dringend erforderlich, daß der einsegnende Rabbiner in persönliche Beziehung zu dem einzusegnenden Knaben tritt und nicht, wie es bis jetzt der Fall ist, ihn nur dein Namen nach kennt. Deshalb wäre es sehr zu empfehlen, daß es den Barmizwahknaben, ähnlich wie den Brautleuten, zur Pflicht gemacht wird, dem Rabbiner vor der Einsegnung einen Besuch abzustatten, wobei es gewiß keiner der Herren sich nehmen lassen wird, nach der religiösen wie allgemeinen Vorbildung zu fragen und, nach dm Absichten bezüglich eines später einzuschlagenden- Berufes, um hieran seine Mahnungen zu knüpfen. Diese doppelte Verpflichtung der Barmizwahknaben: den Nachweis einer genügenden Vorbereitung zu bringen und sich mit dem einsegnenden Rabbiner in persönliche Beziehung zu setzen, dürfte die Bedeutung der Varmizwahzeremonie im jüdischen Hause wesentlich steigern and zu einer mehr innerlichen Auffassung beitragen. Sehr geehrter Herr G e h e i m r a t! Ich bitte Sie, im Interesse vieler Menschen folgendes in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" anzuregen: Für manchen zu Hause gebliebenen deutschen Schriftsteller ist jetzt, bei währendem Kriege, eine besonders harte Zeit gekommen. Vielleicht hat er sich in langer Friedenszeit zu sehr und ausschließlich nur mit philosophischen, ästhetischen oder moralischen Problemen beschäftigt; vielleicht auch hat er wirklich einen schwankenden, vorübergehenden Zustand zu sicher als festen genommen und darum Rechenfehler in allen seinen „Lösungen" begangen: jedenfalls, soll er denn umlernen und auch dem „ewigen Kriege" nunmehr Platz lind Stelle im System einräumen, so geschieht dies nicht von einem Tage zum anderen, mtb seine in Friedenstagen einst so fleißige und geübte Feder muß wohl oder übel stocken und andere neue Wendungen oft mit schwerer Mühe ersinnen. Diese Feder aber ist ja meistens, vergeht es nicht, des Schriftstellers Brot! Ihr alle habt es erlebt, welche Aenderungen besonders der gesamte Lesestoff unserer täglich erscheinenden Zeitungen in der Spanne weniger Tage durchgemacht hat. Vergleichet nur z. B. das unterhaltende oder belehrende Feuilleton einiger Monate vor dem Kriege mit dem heutigen! Bei solchem geistigen Wechsel gehen durchaus nicht alle mit, viele bleiben liegen; und keineswegs fühlen sie sich darum i n n e r l i ch als Zurückgebliebene, wenn sie weiter an den daue enden Wert manches heute vergessenen Gedankens glauben. Aber viele der großen Revuen und Journale feiern, die Verleger feiern oder drucken ebenfalls nur Broschüren vom Kriege, den Kamps und die Schlacht in Vers oder Prosa. Mit Mühe versucht hie und da ein Theater, unbekümmert um den Lärm der Geschütze, das hehre Wort von der Kunst und Gesittung zu künden; auch hier wird bei so harter Zeit im allgemeinen Kotzebue über Goethe den Sieg davontragen. Unterzeichneter will keineswegs abseits stehen, und auch er verkennt keineswegs die großen und erhabenen Lehren auf der anderen Seite, die wieder nur dieses einzige und große Erlebnis des Kampfes und Krieges geben kann. Aber er ist zuletzt noch ein Produkt des Friedens, er kann nicht bis morgen zum Militär, Historiker und

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