Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Nürnberg, Stabsarzt d. R. im dritten bayerischen Reserve-Feldlazarett, Mor. Bing aus Frankfurt, Unteroffizier d. R. im 87. 9! es erde- Info n ter i ereg i men t, Tr. Justin K ü h n aus Nürnberg, Leutnant d. R. und Kompagniesührer im 10. bayerischen Reserve- Infanterieregiment (gefallen am 8. Oktober). Ten Militärverdienstordeu vierter Klasse mit Schwertern erhielt Stabsarzt d. R. Tr. S a l v in o u Gott s ch a l k aus Kaiserslautern. Tas Eiserne Kreuz erhielten' ferner: Tr. Adolf Tessaner ans Nürnberg, Stabsarzt d. R. beim sechsten bayerischen Reserve-Infanterieregiment, Stabs¬ und Regimentsarzt Tr. Otto Fried im 12. bayerischen Feldartillerieregiment. Sahn des in Nürnberg verstorbenen Bankagenten Moritz Fried, Stabsarzt Tr. R o s e n st i eh l, Straßbnrg, Unterarzt d. R. Tr. Marcel Meyer, Sohn der Kreisarztes Tr. Meyer aus Saarbnrg i. Lothringen, eaud. med. Arthur Roos ans Hagenau (zugleich den hessischen Orden „für Tapferkeit"); Andre Ruf, Sohn des Groykaufmanns Bernhard Ruf ans Mülhausen, der vor zwei Monatendas Ei'er ne Kreuz zweiter Klasse erhielt und zum Offizier-Stellvertreter besördert wurde, erhielt nun auch für besondere Leistungen auf dem westlichen Kriegsschauplätze das Eiserne Kreuz e r st e r K l a s s e. Bon Königsberger Inden erhielten bisher das Eiserne Kreuz: Assistenzarzt Tr. Siegsr. R o s e n b a u m , Assistenzarzt Tr. Walter Bennigsou, Stabsarzt Tr. Harry Bl o s e s , Füsilier Adolf N e u m a n n , Oberveterinär Alfred A rnsd o r f f, Stabsarzt Professor Tr. T h e o d o r E o h n. W. K. Berlin, 3. November. Unter den vielen künstlerischen Veranstaltungen, die Ivährend des Krieges in den Tienst der guten Sache gestellt werden, sind die von der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger zum Besten ihrer Hilsskassen angeordneten patriotischen Kunstabende besonders bemerkenswert. Nicht nur in den hohen künstlerischen Darbietungen liegt das Bemerkenswerte - dies wird von einer Bereinigung, der das Beste vom Besten zur Verfügung steht, als selbstverständlich vorausgesetzt sondern vielmehr in dein Umstande, das; zu derartigen Veranstaltungen der Ehvr einer Synagoge herangezogen ivird, und das; die von diesem zu Gehör gebrachten hebräischen Gesänge sich auch beim großen Publikum einer allgemeinen Beliebtheit erfreuen. Ter erheblich verstärkte Ehor der Neuen Synagoge unter der Leitung seines Tirigenten Herrn K a p e l l m eisters A. Kell c r m a n n ivirkt bei diesen Konzerten mit und trägt ausschließlich Gesänge mit hebräischem Text vor. Mir welchem Interesse diese Tarbietuugen entaegengenommen wurden, zeigte wieder der letzte Kuustabend am 31. Oktober in der ausverkanften Philharmonie unter der künstlerischen Leitung des Herrn E m i l R a m e a u. Lauter Namen erster und allererster Größen enthielt das Programm als Mitwirkeude: Lilli L e h - m a n n , M e l a n i e Kurt, Irene Trief ch , H e r in. I a d - l o iv k e r , B e r n h a r d I r r g a n g , I. Thor n b erg, A l f r e d G v l tz usw. Neben allen d'esen Größen verstand es der Ehor, sich ausgezeichnet zu behaupten. Präzises Zusammensingen, schöner, fülliger Klang und dynamische Feinheiten zeichneten die Leistungen besonders aus, und der sehr lebhafte Beifall war wohlverdient. - - Spandau, 2. November. Hier sind ungefähr 1400 Personen aus der Rennbahn in Rnhlebeu nntergebracht, für die eine verhältnismäßig kleine Bewachung vorhanden und auch nur nötig ist, da die Gefangenen sich selbst zu beaufsichtigen haben. Sie sind in Gruppen von 10 bis 20 Personen eingeteilt, über die ein intelligenter Zivilkriegsgefangener gesetzt ist. Tiefer hat auf strengste Ordnung und Reinlichkeit zu sehen, und seinen Anordnungen ist unbedingt Folge zu leisten. Anfangs kamen Reibereien und llnbotmäßigkeiten vor, die sofort streng bestraft wurden. Es stellte sich bei der Untersuchung heraus, daß zu Mannschastsführern L e n t e m o s a i s ch e n G l a n - b e n s ernannt worden waren. Tiefe wollten di e 3! u s s e n nicht als Bor gesetzte anerkennen, und sie glaubten in Tentschland ebenso mit den Juden verfahren zu können Ivie in ihrer Heiurat. Erst die Erklärung, daß in Deutschland kein Unterschied zwischen Anhängern der verschiedenen Konfessionen gemacht werde, brachte die Leute zur Ruhe. W. Posen, 30. Oktober. Außer den bereits veröffentlichten Spenden zu Kriegszwecken seitens der hiesigen Juden werden noch auszugsweise folgende an die Natioualstiftuug für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen mitgeteilt: Ehemische Fabrik Aktiengesellschaft vorm. Milch n. Ev. 2000 Mark; Koinmerzi.'nrak Nazary Kantorowicz 1000 Mark: Fabrikdirektor Tr. Pictrtoivski 500 Mark: Siegfried Lesser 1000 Mark und meyr.'re andere in Abjkujungen von 500 bis 100 Mark. Ein jüdischer Gntsbesitzer aus Russisch-Polen spendete für das Rote Kreuz 1000 Mark. — Ter verstorbene Kaufmann Nathan Neufeld hat der Stadt Posen ein Legat von 5000 Mark vermacht. Die Stadt erklärte sich nach dem Anträge des Stadtverordnetenvorstehers Herrn Justizrat Placzek mit der Annahme des Legats -einverstanden. — In das Kuratorium der Bergerscheu Stiftungen wurde Herr Stadtrat Schleyer wiedergewählt. — Ein Enkelsohn des Armeelieferanten im Kriege 1866 und 1870/71, Herrn Weih Hierselbst, der in den achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts starb, Referendar Tr. jur. Egon Weitz, ist als Einjährig-Freiwilliger des 12. Grenadierregiments (Frankfurt a. O.) ans dein westlichen Kriegsschauplatz gefallen, unmittelbar nachdem er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war, und zwar persönlich von seinem Brigadekvuunaudenr, für eine Tat, die der junge Held in seinem letzten Feldzugsbrief bescheiden als „klein,.' Verdienste" bezeichnet. Ter Brigadekommnndenr teilte den Eltern des Gefallenen eigenhändig die Nachricht von dem Tode des Sohnes in einem sehr herzlich gehaltenen Beileidsschreiben mit, in iX'Ut es unter anderem heißt: „Nicht minder als durch seine Tüchtigkeit trat er durch seine menschlichen Eigenschaften hervor, die ihm aller Herzen gewannen; ich persönlich I) a b e i h n iv i e e i u e n Sv h u l i e b g e w o u u e n u u d iv e r d e i [■ m it be r d a s G r a b h i u a u s e in t r e n -e s A u d e u k e u b e - wahren." Und der Hauptmaun des Gefallenen schreibt: „Sein Andenken ivird in der Kompagnie in Ehren gehalten werden; er star> in treuer Pflichterfüllung." Ter Landwehrossi zier im 7. bayerischen Infanterieregiment Martin Strelitz siel, 42 Jahve alt, bei Berduu. Strclitz' Baker war der langjährige sehr angesehene Stadtverordnetenvorsteher der Kreisstadt P(eschen. Hamburg, 27. Oktober. Eine Trauerfeier fand gestern nachmittag in der Kapelle des Israelitischen Friedhofes in Langenfelde für Herrn John H o r w i tz, Gefreiten im Infanterieregiment Nr. 31, statt, der in Frankreich vor dem Feind gefallen war. Horwitz, ein geborener Hamburger, absolvierte die Talmund-Thorci-Realschule, besuchte hierauf die Lehrerbildungsanstalt in Hannover und erhielt gleich nach bestandener Lehrerprüfung im März 1909 die staatliche Elementarlehrerstelle in Neustadt a. R. Oktober 1911/12 genügte er seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger bei den 76ern in Hamburg. Nach Beendigung seiner Militärzeit wirkte er als Lehrer und Kultnsbeamter in Coesfeld in Westfalen. Er war einer der ersten, der zu den Fahnen eilte. Nachdem er in verschiedenen Schlachten mitgekämpft, hauchte er am 1. September sein junges Leben aus. Sein Hauptmaun sandte den Eltern die Nachricht von dem Tode mit folgenden Worten: „Mache Ihnen die traurige Mitteilung, daß Ihr Sohn bei einem Ansfallaefechte von . . . am 1. September den Heldentod gestorben ist. Ich habe ihn mit mehreren Kameraden der . . . Jnfanteriebrigade zwei Kilometer westlich von . . . auf französischer Erde begraben. Er war seinen Kameraden beim Borgehen ein schönes Borbild. Ter Herr tröste Sie. v. St., Hauptmann." — Ten Bemühungen der Eltern gelang es, daß die Leiche nach hier überführt werden konnte. Zur gestrigen Trauerfeier waren außer den Eltern, Verwandten und zahlreichen Freunden eine große Anzahl angesehener Gemeiudemitglieder erschienen, namentlich war auch der Lehrerstaud zahlreich vertreten. Tas 31. Regiment hatte eine Abordnung mit der Militärkapelle entsandt. Tie Gedenkrede hielt Herr Oberrabbiner Tr. Spitzer. Anknüpfend an das Textwort ans Samuel 2: „Tie Herrlichkeit in Israel ist gefallen ans den Höhen", gab der Redner der Trauer und dem Schmerz Ausdruck über den so frühen Heimgang dieses Mannes, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte und der nun in treuer Pflichterfüllung den Heldentod für das Vaterland fand. Er war ein treuer Sohn, ein echter Bildner der Jugend, der selbst, begeistert von wahrem Patriotismus, es als seine höchste Pflicht ansah, die ihm Anvertranten zur Liebe für Kaiser und Reich anzneifern. Mit ergreifenden Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die ivirkungsvolle Rede. Unter den Klängen der Tranermuslk wurde der Sarg zur Gruft getragen, zuerst folgte die militärische Abordnung, die über das offene Grab die übliche Ehrensalve abfeuerte. Zum Schluß der Trauerfeier widmete Oberlehrer Badrian dem Berufskollegen ein tiefempfundenes Abschiedswort. -- Dresden, 30. Oktober. Am 27. d. M. erfolgte im hiesigen Krematorium die Einäscherung des Referendars Herbert B o n d i, Sohn des Justizrats Tr. Felix Bvndi, hier. Der Verstorbene ist im hiesigen Ycoten-Krenz-Lazarett St.-Josephs-Stift einer schweren Verwundung