Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- Seite 531 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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531 Augustow vorloärts. — Bei Iwaugvrod steht der Kampf günstig; eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. (Oberste Heeresleitung durch W. T. B.) Großes Hauptquartier, 28. Oktober, vormittags. Die Kämpfe bei Nieuport- Dixmuiden dauern noch an. Die Belgier erhielten dort erhebliche Nerstärkungen; unsere Angriffe wurden fortgesetzt. 16 englische Kriegsschiffe beteiligten sich am Kampf gegen nuferen rechten Flügel; ihr Feuer war erfolglos. — Bei Wres ist die Lage am 27. Oktober unverändert geblieben; westlich Lille wurde unser Angriff mit Erfolg fortgesetzt. — Im Argonnenwald sind wieder einige feindliche Schützengräben genommen worden, deren Besatzung zu Gefangenen gemacht wurde. Aus der Westfront hat sich weiter nichts Wesentliches ereignet. In Polen mußten die deutsch-österreichischen Truppen vor neuen russischen Kräften, die von Jwangorod Warschau und Rowogeorgiewsk Vvrgingen, ausweichen, nachdem sie bis dahill in mehrtägigen Kämpfen alle russischen Angriffe erfolgreich abgewiesen hatten. Die Aussen folgten zunächst nicht. Die Loslösung vom Feinde geschah ohne Schwierigkeit. Unsere Truppen werden sich der Lage entsprechend neu gruppieren. Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz sind keine wesentlichen Aendernngen. (Oberste Heeresleitung durch W. T. B.) Großes Hauptquartier, 29. Oktober, vormittags. Unser Angriff südlich Nieuport gewinnt langsam Boden. Bei Ppres steht der Kampf unverändert. Westlich Lille machten unsere Truppen gute Fortschritte. Mehrere befestigte Stellungen des Feindes wurden genommen, 16 englische Offiziere und über 600 Mann zu Gefangenen gemacht und 4 Geschütze erobert. Englische j und französische Gegenstöße wurden überall abgewiesen. — Eine vor der Kathedrale voll Reims anfgefahrene französische Batterie mit Artilleriebeobachter aus dem Turme der Kathedrale mußte unter Feiler genommen werden. - Im Argonnenwalde wurde die Feinde aus mehreren Schützengräben geworfen und einige Maschinengewehre erbeutet. — Südwestlich Verdun wurde ein heftiger französischer Angriff znrüÄgeschlagen. Im Gegenangriff stießen unsere Truppen bis in die feindliche Hauptstellung durch, die sie in Besitz nahmen. Die Franzosen erlitten starke Verluste. - - Auch östlich der Mosel wurden alle Unternehmungen des Feindes, die an sich ziemlich bedeutungslos waren, Zurückgewiesen. Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz befinden sich unsere Truppen in fortschreitendem Angriff. Während der letzten drei Wochen lvlirden hier 13 500 Russen zu Gefangenen gemacht, 30 Geschütze und 39 Maschinengewehre erbeutet. -- Auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz haben sich die Verhältnisse seit gestern nicht geändert. 1 (Oberste Heeresleitung durch W. T. B.) Großes Hauptquartier, 30. Oktober, vormittags. Unsere Angriff südlich Nieuport und östlich?)Pres wurden erfolgreich fortgesetzt. Acht Maschinengewehre wurden erbeutet und zweihundert Engländer zu Gefangenen gemacht. — Im Argonnenwald nahmen unsere Truppen mehrere Blockhäuser und Stützpunkte. Nordwestlich Verdun griffen die Franzosen ohne Erfolg an. - - Im übrigen ist im Westen und ebenso aus dem östlichen Kriegsschailplatz die Lage unverändert. (Amtlich durch W. T. B.) Die Berliner türkische Botschaft teilt mit: Nach einer offiziellen Nachricht aus Konstantinopel haben einige russische Torpedoboote versucht, die Ausfahrt der türkischen Flotte aus dem Bosporus ins Schwarze Meer zu verhindern. Die. türkischen Schisse eröffneten das Feuer und brachten zwei russische Fahrzeuge zum Sinken, lieber 80 russische Seeleute wurden von den Türken zu Gefangenen gemacht. Die türkische Flotte hatte keine Verluste. Wien, 30. Oktober. Amtlich wird verlautbart: 30. Oktober, mittags. In Russisch- Polen wurde auch gestern nicht gekämpft Am unteren San wurden stärkere, südlich Nisko über den Fluß gegangene feindliche Kräfte nach heftigem Gefechte zurückgeworsen. Bei Starh Sambor sprengte unser Geschützfeuer ein russisches Munitionsdepot in die Luft. Alle feindlichen Angriffe auf die Höhen westlich dieses Ortes wurden abgeschlagen. Im Raume nordöstlich von Turka gewannen unsere angreifenden Truppen mehrere wichtige Höhenstellungen, die der Feind fluchtartig räumen mußte. Unser Landsturm machte in diesen Kämpfe!! viele Gefangene. Die Gesamtzahl der in der Monarchie internierten Kriegsgefangenen betrug am 28. d. M. 649 Offiziere und 73 179 Mann, nicht eingerechnet die auf beiden Kriegsschauplätzen sehr zahlreichen, noch nicht abgeschobenen Gefangenen aus den Kärnpfen der letzten Wochen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs, v. H o e f e r, Generalmajor. Großes Hauptquartier, 31. Oktober, vormittags. Unsere Armee in Belgien nahm gestern Ramseapelle und Birschote. - - Der Angriff auf Apres schreitet gleichfalls fort. Zandvoorde. Schloß Hollebeke und Wambeke wurden gestürmt. Auch weiter südlich gewannen wir Boden. - Oe st lieh Soissons wurde der Gegner gleichfalls angegriffen und im Laufe des Tages ans mehreren stark verschanzten Stellungen nördlich von Vaillh vertrieben. Am Nachmittag wurde dann Vaillh gestürint und der Feind unter schweren Verlusten über die Aisne zurückgeworfen. Wir machten 1000 Gefangene und erbeuteten 2 Maschinengelvehre. Im Argonnenwald sowie westlich von Verdun und nördlich von Toul brachen wiederholt feindliche Angriffe unter schweren Verlusten für die Franzosen zusammen. Der Kampf auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz hat noch nicht zu einer Entscheidung geführt. Westlich von Warschau folgen die Russen langsam unseren sich neu gruppierenden Kräften. (Oberste Heeresleitung durch W. T. B.) Konstantinopel, 31. Oktober. Der türkische Kreuzer „Sultan Iawus Selim" hat Sewastopol erfolgreich beschossen und die Stadt in Brand gesetzt. Ein Llohdtelegramm aus London meldet, daß verschiedene türkische Torpedoboote einen Angriff gegen Odessa unternahmen und das russische Kanonenboot „Donetz" am Eingang des Hafens zum Sinken brachten. Ein Teil der Bemannung ertrank, die anderen wurden getötet oder verwundet. Drei russische Dampfschiffe und ein französisches Dampfschiff wurden beschädigt sowie einige Bewohner getötet oder verwundet. („Frankfurter Zeitung".) Köln, 31. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Türkische Kriiegsschiffe liefen in den Hafen von Odessa ein und erbeuteten die dortigen russischen Schiffe. („Köln. Zeitung".) * Von sonstigen Nachrichten ist folgendes zu melden: Das „R o t e K r e u z" und d e r A n t i s e m i t i s m u s. Von dem stellvertretenden Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege, Herrn Fürsten Hatzfeld, Herzog zu Trachenberg, erhielten die „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisernitismus" unter dem 5. Oktober folgendes Schreiben: „Es ist mir mitgeteilt worden, daß Ihrem Verein Material zugegangen ist, aus dem sich das Bestehen antisemitischer Tendenzen im „Roten Kreuz" ergeben soll. Ich wäre dankbar, wenn Sie mir Einsicht in das Material verschafften, um eine Prüfung und Klarstellung zu ermöglichen. Ich würde es sehr bedauern, wenn - selbst von einer untergeordneten Stelle im „Roten Kreuz" eine antisemitische Handlung begangen worden wäre, und ich lvürde dann nnnachsichtlich und nachdrücklichst dagegen einschreiten. Hatzfeld." Die „Mitteilungen" bemerken dazu: Unsere Freunde werden gebeten, etwaige Beschwerden uns zu übermitteln. Wir werden nicht verfehlen, sie der zuständigen Stelle zu unterbreiten. * Dieselben Mitteilungen geben eine Blutenlese aus Hetzartikeln der antisemitischen Blätter und schreiben: Müssen sich die Juden, die auf den Schlachtfeldern an der Seite ihrer christlichen Kameraden für das Vaterland ihr Leben einsetzen, eine derartige bübische Beschimpfung gefallen lassen?! Bon Rußland, dem gelobten Land des Antisemitismus, rühmt der „Hammer" (Nr. 292), es fei ein gewaltiger und gefährlicher Gegner auch „durch die ungebrochene, nicht durch Vildnngstorheiten geschwächte Urwüchsigkeit seiner Bewohner". — Daß Rußland uns mit Krieg überzieht, daran haben natürlich die —- Juden schuld: „Die von Juden geführte russische Presse hat alles getan, den Fanatismus der Russen zu schüren und den Deutschen verhaßt zu machen; wie auch bei uns die Hebräerpresse vom Russen nur Verächtliches zu erzählen weiß." — Bis jetzt hat man immer geglaubt, ^aß die deutschfeindliche russische Presse nicht von Juden, ändern