Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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i. April bi* oii nt J. Cltobcr HM 4 einschließlich der bereits ge- .'»achten Vorschüsse eine Subvention von H(>(>Jy5(> IDinrf unter der j Bedingung 31t bewilligen, daß das Inventar der Synagoge ohne! iveitere Entschädigung in das (Eigentum der Gemeinde übergeht,! nltd ferner znm Ausgleich eines etwaigen Defizits, das sich bet ' der Schlußabrechnung per 1. Oktober ergeben tollte, eilte weitere Subvention bis zur Hohe von 1500 Mark zn bewilligen. Damit j schloß die öffentliche Sitzung, der noch eine geheime folgte. j Berlin, 2 7. Oktober. Unter großer Beteiligung weiter Alrcifc fand gestern vormittag auf dein Friedhof der Adaß-Jisrvel- Gemeinde die Beisetzung des Geheimen Negierungsrats Professor Dr. Jacob Barth statt, der nach kurzer Trautheit aut 24. d. Bl. im 05. Lebensjahr verschieden ist. Neben vielen bekannten Persönlichkeiten der Berliner Jndenheit und einer stattlichen Anzahl von Freunden und Rabbinern auswärtiger Gemeinden waren erschienen, der Rektor der Berliner Universität, Geheimrat Professor Hipp soivie sämtliche engeren Fachkollegen des dahingeschiedenen Semitolvgen, und zwar Oieheimrat S a ch a n, Geheimrat Dell"tz s eh, Professor Bl i t t w o ch, Professor So beruhe im und Privatdozent Dr. Wehl. Es sprachen der Rabbiner Dr. Bl u n k, ein naher Verwandter des Verstorbenen, ferner Dr. David H o f f nt a n n, der Rektor des hiesigen Rabbinerseminars, au dein Barth nahezu 40 Fahre tätig war, endlich der Schivager des Dahingegangeneu, der Prediger Dr. Blei er Hildesheimer. Die Feier loirkte um so ergreifender, als sie eine Doppeltrtenfeier war. Sie galt gleichzeitig dem auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohne, dem Unterarzt Dr. Heinrich Barth, der noch kurz vor seinein Heldentod auf dem westlichen Kriegsschauplatz mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war. Das Judentum verliert in Jacob Barth einen seiner treuesten Söhne, die Wissenschaft einen ihrer würdigsten Vertreter. Wir behalten uns vor, das Wellen und Wirken des auch in liberalen Kreisen hochgeschützten entschlafenen Gelehrten demnächst in einem besonderen Artikel eingehend zn würdigen. Für heute rufen nur ihm mit allen, die ihn kannten und verehrten, wehmütig nach: Jannach beschalom! &&& Berlin, 27. Okkober. Das Eiserne Kreuz erhielten: Sberat zt d. R. Dr. H e i u r i ch R u h e m a n u - Wilmersdorf, Regimentsaizt d. R. Dr. Ernst F l ö r s h e i m - Berlin, Unteroffizier d. R. Fritz Hauff, Unteroffizier Redakteur Hans Behrens, Unteroffizier beim 10. Fnsiartillerieregiment B r n n o E o h n , Unterarzt Erich Faruslaioski (zugleich znin Unteroffizier befördert), der Landn'ehrmann Leo B loch, Fritz R e n g e d ä ch t e r - Berlin, Variotöki.ustler Flatow, Sohn des Fabrikbesitzers Moritz Flatow-Eharlvttenburg, Leutnant d. R. Kurt Ezarnikow, Sohn des Fabrikanten und Bezirksvorstehers Ezaruitow-Berlin, Stabsarzt d. R. Dr. Eugen B o r ch a r d t - Eharlottenburg, Oberarzt d. R. Tr. Hans A r o n, Dr. Hans H i r s ch s e l d - Berlin. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Stabsarzt Dr. Bl o s e s - Königsberg, Tr. B e n a r i o - Frankfurt a. M., Henri G r ä tz - Hildesheim, Landtagsabgeordneter Fabrikbesitzer Dr. Leopold L e v y - Hohensalza, Unteroffizier d. R. beim 'Reserve-Feldartillerieregiinent Rr. 00 Georg Sternberg, Sohn des Kaufmanns Julius Sternberg-Breslau, Unteroffizier Hugo R o t hschild in Rotenburg, Tr. Max Samuel und Leutnant d. R. und Kvmpagniesührer int 20. vaherischen Infanterieregiment Dr. jnr. Artur Heidenheim, Sohn des Herrn Bruno Heidenheim-Köln, Josef Z ü r n d o r f e r - Bochum, Mar H a h n - Halle a. S., Siegfried! Ol o s e n b a n nt - Königsberg, Fritz Bl e y e r - Stettin (zugleich zum; Unteroffizier befördert), der Artillerist Rudolf T i l l e n b e r g er-! Urspringen bei Würzburg, Leutnant d. R. Dr. Fritz Oettinger - j R'egensburg, Wilhelm Le m an l e - Stuttgart, Dr. med. Bl. Auer- I b a ch 11 - Köln, Otto Jülich- Remagen, Hermann R e i ch e n b e r-! g e r - Fchenhansen, Einjährig-Freiwilliger Gefreiter beim 0. Artillerie-! Regiment. Letzterer brachte bei heftigem Schrapnell- und Granat-! sener eine Feldfernsprechleitung aus der Gestchksliuie in Sicherheit,! jo das; sich sein Blajor oeraulasit sah, ihn zur Auszeichnung vorzu- ' schlagen und selbst die Eltern zu dem tapferen Verhalten ihres Sohnes j herzlichst zu beglückwünschen. Aus Hannover wird uns geschrieben: ’ Der Unteroffizier beim Generalkommando des Königlich Sächsischen j 12. Reserve-Armeekorps Erich S ch a p i r a - Hannover erhielt das! Eiserne Kreuz. Bemerkenswert ist, daß auch der Vater des jungen | Helden, Herr Bernhard Schapira, ein verdienstvolles Vorstands-! Mitglied unserer Ehewrah-Kadischah, 1X70 die gleiche Auszeichnung! erhalten hat. - Die gleiche Auszeichnung erhielten ferner: Einjähriger Unteroffizier Emil K o h n - Bamberg, Bl artin Lion- Fürth, Stabsarzt Dr. E i ch m a n n - Frankfurt a. M., Sohn des Herrn Kommerzienrat Eichmann-Rürnberg. Herr Fritz A i ch b a u m ans Nürnberg, Lazarettinspettor beim 3. bayerischen Armeekorps, erhielt das Berdienstkreuz zweiter Klasse mit Krone und Schwertern. W. Posen, 20.: '£ktober. Tie hiesigen Synagogen waren NN den hohen Festtagen von jüdischen Soldaten hiesiger Garnison stark besucht. Tie Mannschaften erhielten reservierte Plätze angewiesen. Große Teilnahme erweckte ein jüdischer Unteroffizier, welcher, verwundet und zn den Seinen beurlaubt n>ar. - Die Vereidigung der kr iegssrei Willi gen jüdischen Blannschafteu vom 20. Feldartillerie-Regitnent fand am zweiten Snkkoktage in der Synagoge 10 (Brüdergemeinde) statt. Eingeleitet wurde die Feier durch den'Gesang des 20. Psalms vom Synagogenchor. Es folgte die Ansprache des Rabbiners Professor Dr. Bloch. Er legte dar, wie unter besonderen Verhältnissen anläßlich des Krieges der Eintritt in das Heer geschieht, und ermahnte die jungen Krieger zu treuer Pflichterfüllung. Oberkantor Lilienthal trug stimmiingsvoll Psalm 21 vor. Mit dem Gebete für Kaiser und Reich und dem Gesänge: „Bjodchu af Kid ruchi" endete die religiöse Feier. M. Hamburg, 23. Oktober. Herr Daniel I s a a k, der Senior des Lehrerkollegiums der Talmnd-Thora-Realschnle, ist nach kurzer Krankheit im 75. Lebensjahre ans dein Leben geschieden. Der Verstorbene, der mehr als 50 Jahre an dieser Schule gewirkt hatte, erfreute sich in weitesten Kreisen der Gemeinde einer ganz außerordentlichen Beliebtheit. Als er im 2tpril d. I. sein 50jähriges Leyrerjnbilüum feierte, wurde von ehemaligen Schülern ein bedeutender Geldbetrag für eine „Taniel-Jsaak-Stiftnng" dein Jubilar überreicht. Diese Stiftung, die nach seiner Bestimmung dem Zweck der Schule dient, gibt die Gewähr, daß der Name des Verblichenen für alte Zeiten mit der Talmtid-Tyora-Realschule verbunden bleibt. Biele Generationen der angesehensten Mitglieder der Gemeinde nenneit sich mit gerechtem Stolz Schüler des Altmeisters Isaak, der sich währnd seiner mehr als 50jährigen Tätigkeit große Verdienste um die Entwicklung dieser Institution zn einer der angesehensten Realschulen unserer Stadt erworben hat. Die Bestattung fand vom Trauer- Hanse, Parkallee 20, unter großer Beteiligung statt. Rach dem letzten Willen des Dahingeschiedenen, die der Dranergemeinde so recht seine geradezu beispiellose Bescheidenheit vor Angen führte, durften keine Gedenkreden gehalten werden. Der schmucklose Sarg wurde auf den Leichenwagen gehoben, es folgten zuerst die Schüler der oberen Klassen, eine Abordnung des Vereins ehemaliger Schüler der Talmnd-Thora, hieran schlossen sich die Lehrer, die Verwandten, Freunde und die zahlreichen üblichen Leidtragenden. Der imposante, schierendlose Trauerkondukt belvegte sich über den Grindelhos am Schnlhans vorbei, die Türen der Schule, der Stätte, wo der Verstorbene mehr als ein halbes Jahrhundert so segensreich gewirkt hatte, waren geöffnet und das Gebäude in allen seinen Räumen hell erleuchtet, vom Dache des Hanfes wehte die deutsche Fahne Halbstock. Tie Beisetzung fand dann ans dem israelitischen Friedhof in Langenfelde statt. Rach Letztwilliger Verfügung darf nur ein einfacher Leicheustein, der weiter keine Inschrift als den Rauten des Dahingeschiedenen tragen darf, die Stätte bezeichnen, wo einer der besten Männer unserer Gemeinde seine letzte Ruhestätte gesunden hat. Leipzig, 20. Oktober. Boit den hier a it s ü ssig e it R n f i e u ist der größte Teil, rund 2X00 bis 3000 Personen, jüdischen Glaubens. Zahlreiche Familien wohnen hier schon in der dritten Generation und haben sich den hiesigen Verhältnissen angepaßt. Tie wenigen Wohlhabenden unter ihnen sind int Rauchwaren- und Borstenhandel tätig, während die Aermeren in der Hauptsache Partiewarenhändler und Bi ar kt sah rer sind. Bis znm Krieg hatten sie alle ihr gesichertes Auskommen, jetzt aber gerieten sie plötzlich in große Rot; der Rauchwaren- und Borstenhandel stand sofort völlig still, da die Hauptabsatzgebiete in Uebersee ttitb im feindlichen Ausland vom Berkehr abgeschnitten waren und die großen, in Rußland lagernden Warenmengen — man stand gerade vor der Blesse in Rischnh- Rowgorod — als verloren gelten mußtet!: ebenso waren auch die Marktfahrer gleich ihren anderen jüdischen und christlichen Berufsgenossen. mit einem Schlage, ihrer Existenz beraubt, da auf allen Märkten das Geschäft gänzlich stockte oder daniedertag. Die