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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-30 · Heft 44 (30.10.1914) · p. Seite 524

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 44 (30.10.1914)
Date
1914-10-30
Page
Seite 524 (sequence 8)
Language
German
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in englischer Sprache abgefaßt — lauten: „Das Judentum, seine Lehren und Pflichten", „Das Martyrium des Jesus von Nazareth", „Judentum und Christentum, ihre Uebereinstimmungen und Abweichungen". Er hat ferner manche Predigten im Druck erscheinen lassen, ebenso ein Gebetbuch „Minhag America". Auf Inhalt und Wert dieser Schriften mag in ruhigeren Zeiten, sobald uns solche wieder beschieden sind, eingegangen werden; heute soll nur der Jubilarin ein Glückwunsch ausgesprochen werden. Das Blatt, das ein für ein jüdisches Organ nicht eben häufiges Fest begeht, erscheint wöchentlich in Cincinnati. Früher hatte es eine deutsche Beilage „Deborah", deren ich mich aus meiner Knabenzeit sehr wohl erinnere. Das Blatt war lange Zeit — wenn es dies nicht etwa heute noch ist, was sich unserer Kenntnis entzieht — das gelesenste und angesehenste jüdische Blatt Amerikas. Es vertrat früher den gemäßigten Resormstandpunkt. Jede Nummer umfaßt 8 Folioseiten, von denen jede in 7 ziemlich eng bedruckte Spalten geteilt ist. Es enthält Gedichte, Leitartikel, allgemeine Betrachtungen, Nachrichten aus allen Ländern. Amerika wird naturgemäß hauptsächlich berücksichtigt; bei diesen Notizen spielen Personalien, Mitteilungen über Feste, Familiennachrichten, Spenden eine große Rolle. Wissenschaftliches und Literarisches wird verhältnismäßig wenig berücksichtigt; dagegen wird allgemeine Politik und Lokales aus vielen Staaten der Union vielfach berührt. Ein bestimmter Parteistandpunkt tritt kaum hervor; das Blatt will mehr ein Nachrichtenblatt sein und die allgemeinen jüdischen Interessen vertreten. Wie in allen amerikanischen Blättern, sind auch in diesem Reklamen und Anzeigen sehr zahlreich; sie nehmen oft ein Drittel der Nummer ein, manchmal auch mehr. Wir wünschen dem Blatte einen weiteren guten Fortgang und hoffen, daß unser Glückwunsch an seine richtige Adresse gelangt. I,. 0. Der neue Lhrilt. Roman von Peter Ujväri. Uebersetzt von Rosa Trencssni. (Fortsetzung.) C Litauer schwieg. Es fiel ihm ein, daß die Heiligen möglicherweise doch Einfluß auf die irdischen Dinge haben könnten. Karraramarmor ist teuer und der Nutzen wird geringer sein, aber es schickt sich jetzt nicht, schmutzig zu sein. Die Protektion der Heiligen kann nicht schaden. Hol's der Kuckuck, sei es karrarischer. Die Frau war glückselig und begab sich gut gelaunt in die Empfangshalle, den Gästen entgegen. Es war schon beinahe 10 Uhr, und noch niemand ließ sich melden. Die Zeit verrann und keiner kam, aber es trafen von allen Seiten Gratulationsüepeschen ein: man bedauere lebhaft, unvorhergesehener Hrndernissc halber dem heiligen Akte nicht beiwohnen zu können, und wünsche viel Glück. Frau Littauer fiel aus einer Ohnmacht in die andere. Endlich fuhr der Wagen des Baron Szentpälh vor. Aber nicht die Herrschaften entstiegen demselben, sondern deren Gutsverwalter mit seiner Frau. Beide hatte man als Stellvertreter geschickt. Der hochgeborene Herr hätte nicht erscheinen können, weil der Graf v. Rikitthv ein Duell habe und er sein Sekundant sei. Und die hochgeborene Frau sei krank. Frau Littauer spielte in allen Farben. Littauer lächelte bloß. Denn auch er hatte eine Depesche erhalten. 524 -— Unter zwanzig Bewerbern hatte man ihm den Bau der Basilika zugesprochen. Als sie sich in die Kapelle begaben, war er außerordentlich guter Laune. Das Ovgelfpiel gefiel ihm, und er versöhnte sich auch mit dem Kantor, obgleich dieser nicht so schön singen konnte wie Kantor Treihaft. Mit großer Aufmerksamkeit hörte er die Messe, aber der Predigt lauschte er nur mit halbem Ohre. Als der Priester das Wesen der Hauptsakvamente erklärte, da war er schon im vollen Zuge dabei, den von dem Bau zu erwartenden Nutzen zu kalkulieren. Dann fühlte er plötzlich, daß die Sache zu Ende geführt sei. Er faßte seine Frau am Arm und trachtete hinauszukommen. „Esterchen," flüsterte er, während sich die Frau zum zehntenmal bekreuzigte, „es geht nicht. Ich habe ausgerechnet, daß es nicht geht. Karraramarmor ist zu teuer. Heimischer Stein wird für die Heiligen auch gut genug sein." Seine Frau konnte nichts erwidern, denn eben kam Frau Sonngott mit offenen Armen auf sie zu und preßte Frau Littauer mit einer Innigkeit an ihre Brust, als wäre sie die alleinseligmachende Mutterkirche. Unterdessen hatte Else, an eine Säule gelehnt, eine soeben erhaltene Depesche gelesen. Sie kam von Gastvn und enthielt die Nachricht, daß er die Entscheidung getroffen habe. Er sei beim Minister gewesen, um die Erklärung abzugeben, daß er nicht mehr auf die Professur reflektiere. Nicht der Ruhm verlocke ihn, nur das Glück — er werde übertreten. Elses Gesicht strahlte. Siehe, das erste Heldenstück ihres Helden. Indes war es sein erster Fall. III. Die Littauerschen fingen ein neues Leben an. Aus Manuel ist Johann geworden und aus Ester wurde Agnes Maria. Das Christentum forderte von ihnen eine ganz gründliche Häutung. Jener Tropfen Taufwassers mußte mit der Kraft einer Sintflut ihre alte Welt wegschwemmen. Nichts durfte von derselben zurückbleiben, kein einziges Gefühl, keinerlei Ueberzeugung. Neue Begriffe lösten sich aus dem für sie noch immer mystischen christlichen Nebel los, und die an den Urformen geschärften Äugen mußten sich an die neuen Formen erst gewöhnen. Das aber ist eine schwere Sache. Frau Littauer nahm es gar nicht scherzhaft damit. Die Gläubigkeit hatte"zwar mit ihrem Uebertritt nichts zu schaffen; doch einmal Christin geworden, strebte sie ganz ernsthaft der vollen Reinigung zu. Und diese Reinigung suchte sie auf höchst sonderbaren Wegen. Denn sie wollte mehr haben als ein andere Frau unter ähnlichen Verhältnissen. Daß das Christentum die Menschen zur götllichen Erhabenheit führen solle, das kümmerte sie sehr wenig, aber daß es sie in den Augen der Leute erhöhe, daß der Taufschein das Diplom zu einer irdischen Lebensführung höheren Grades sei, diesen Vorteil wußte sie sehr hoch zu schätzen. Sie wollte nicht allein eine gute Christin sein, sondern sehnte sich vielmehr danach, für eine wirklich vornehme Dame zu gelten. Vor dem Christentum der Frau aus dem Volke schauderte ihr. Aber das Christentum der Baronin Szentpäly, der Frau Suhajda de Hajdäcs und der Frau Sonngott v. Brücken imponierte ihr. Sie brauchte den hochgeborenen Glauben der Prälaten und Bischöfe, das sich in Spitzen hüllende, feine, vornehme Christentum. Große Bitternis erfüllte ihr Herz, als sie erfahren mußte, daß weder ihr Mann, noch ihr Sohn ihren Eifer zu würdigen wußten. Littauer war einfach unverbesserlich. Er ärgerte sie mit malitiösen Bemerkungen und benahm sich so, als ob ihn der Probst zum Heiden getauft hätte. Dieser Mensch war jetzt ganz und gar ungläubig.

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