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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-23 · Heft 43 (23.10.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 43 (23.10.1914)
Date
1914-10-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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78. Jahrgang Nr. 43 Berlin, 23. Oktober 1914 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Tettung de^ Judentums". korrrlponLrir?en und Kschrichtm. Seutschlsnd. 22 Berlin, 20. Oktober. Die gewaltige Dramatik des Weltkrieges, die alle Gemüter in fesselnder Spannung hält, hat den „Be rei.n für jüdische Geschichte und Literatur " in richtiger Erkenntnis der Erfordernisse der Zeit nicht abgehalten, seine Tätigkeit mit Beginn der Wintersaison auszunehmen. Der glänzende Redner des ersten Vortragsabends am 15. d. Ni., Professor Dr. L n o w i g Stein, pries es unter dem lebhaften Beifall des den großen Saal der Philharmonie bis auf das letzte Plätzchen füllenden Auditoriums als eine verdienstvolle und richtiger Erkenntnis des Zeiterfordernisses entspringenden Tat, daß der Verein gerade in diesen weltgeschichtlich bedeutsamen Tagen für die wl'mschenswerte und nötige geistige Rüstung zu sorgen bemüht bleibe. Zn seinen: Vortrage über „Die deutschen Inden und der Krieg" stellte er einleitend dem Glück des Heldentums in der blutigen Schlacht und vor dem Feinde das andere Heldentum derjenigen gegenüber, die daheim den Kampf gegen die drückende Schwere ihrer ökonomischen Lage und den schweren Kamps der Erhaltung ihres seelischen Gleichgewichts tapfer kämpften. Ten Daheimgebliebenen liege die schwere Pflicht ob, tapfer durchzuhalten, damit, wenn die Siegesschar heimkehrt, sie ein wohliges Heim finde, um ausznruhen von den unsäglichen Blühen und Entbehrungen und' Wunden, die der Krieg mit sich bringe. Daß der Verein seine Arbeit nicht ausgesetzt habe, zeugt von einem großen Verständnis der geschichtlichen Größe des Augenblicks. Jetzt ist keine Zeit Geschichte zu lehren, jetzt erlebt man Geschichte. Vom Ausgange dieses Kampfes hängt Sein oder Nichtsein unseres Kultursystems ab. Daher bedürfen wir nicht nur leiblicher, sondern auch geistiger Fürsorgetätigkeit. Es gibt nicht nur Verwundete auf dem Schlachtfelde, sondern Verwundete im Gemüte. Auf dein ersten Gebiet Hütte die deutsche Zudenheit sich an allen Arten der Kriegssürsorge hervorragend beteiligt. Brüderverein und Loge hätten ihre Heime in Lazarette umgewandelt. Allein wir bedürfen auch Lazarette für seelisch Verwundete. Darum hat der Verein recht getan, für seelische Labung zu sorgen. Als volle gleichberechtigte Glieder nehmen nur deutschen Juden teil an diesem Kampfe uni die Kultur, nur preisen uns glücklich, daß wir dabei sind, da die Mittagsstunde einer neuen Zeit läutet. Wir wollen als Deutsche, Menschen und Juden aufjauchzen, daß es uns vergönnt ist, mitzuerleben diese große Zeit, da die Weltgeschichte ein neues Gesicht annimmt. Wer auf den Hintergrund der Ereignisse blickt,, der muß ein Glücksgefühl empfinden, daß unter uns Juden wie in der großen deutschen Gemeinschaft Parteien und Richtungen aufgehört haben. Wir haben uns alle geschart um die Standarte der Einigkeit und Einmütigkeit, die urrs in den Kampf um Sein oder Nichtsein führt. Der Vortragende wies sodann darauf hin, daß in diesem Weltkriege aus der leinen Seite Gerechtigkeit und Recht, Ordnung, Tüchtigkeit, Disziplin und Organisation stehen, auf der anderen Seite französis che Rachsucht, rus fische Machts uchk, englische Habsucht, serbische Mordsucht, japanische Raubsucht. Das macht uns Juden, die wir stets als das Höchste Recht und Gerechtigkeit erachten, ohne weiteres unsere Stellungnahme klar. In hochinteressanter Weise verwies der Vortragende auf das häßliche Verhalten des Fürsten von Monaco gegenüber unserem Kaiser lind aus die englische Hinterlist, die sich noch vor einem Jahre in Freundschaftsbezeugungen gegen Deutschland erging. Greh und Fürst Albert von Monaco, beide sind gewaltige, Spielfürsten, Greh politischer. Auch er holt wie die Spielbank in Monaco alle Leute herall, schwarz und gelb, braun und weiß, um ein frevelhaftes Spiel wie ein richtiger Harzardeur zu spielen. Englands Rasseverrat gehöre an den Schandpfahl. Seit vier Jahrzehnten erstrebe England das Allerweltwassermonopol. Darum begann England zuerst, uns die Kabel und dann die Ehre abzuschneiden. Es begann den Lügenseldzug mit Dum-Dum- Geschossen aus Tinte. Aber lvir Deutschen hatten noch eine Chance, die war stärker — nicht das 42-Zentimeter-Geschütz, sondern die Wahrheit, geistige 42-Zentimeter-Kanonen. Wir deutschen Juden müssen es als einen Glücksfall bezeichnen, in diesem Würfelspiel der Weltgeschichte auf weiß zu stehell. Mit uns das Recht, das bestehen muß, denn loie Kaut schon sagte, wenn es kein Recht mehr gibt auf Erden, daun hat es keinen Sinn, daß es noch Menschen gibt auf Erden. „Die Grundstücke aller Kultur ist das Recht," sagt Hermann Cohen, und er beruft sich dabei, aus die Propheten. Wir deutschen Inden sind in Glück und Leid mit unserem deutschen Vaterland, mit deutscher Kultur verbunden. Nur die deutsche Kultlir hat uns Juden die Form des Aufstieges zur Klassizität gebracht. Zur Klassizität haben die Juden es auch nur in der deutschell Kultur gebracht. Des weiteren weist Professor Stein nach, daß von den elf Millionen Juden zehn Millionen jüdisch-deutsch als ihre Mutterjprache haben. Vielleicht lag es im Plane der Vorsehung, daß die Jllden nicht in Petersburg zu gelassen wurden, um Pioniere des Deutschtums zu bleiben und wieder Deutsche 31t werden. Unsere Soldaten stehen vor Warschau! Das ist die neueste Meldung. Wenn es gelillgt, Rußland dahin zu jagen, wohin es gehört, nach Asien, daun ist es nicht ausgeschlossen, daß lvir die russischen Juden zurücksühren in die deutsche Kultur ulld Zivilisation. Der Vortragende untersuchte dann in geistvoller Weise die moralischen Werte, die dieser Krieg ausgelöst hat. Er erinnert an die blitzenden Augen unserer siebzehnjährigen Kriegsfreiwilligen, er erinnert au Ludwig Frank, der als erster Reichstagsabgeordneter nicht nur für seine Partei, sondern auch für das Deutschtum und Judentum gefallen ist. Als moralischer Lehrmeister ist die Zuchtrute des Krieges aber auch in unserer Frauenwelt allsgetreten. Was alle Rabbiner in der Synagoge nicht vermochten, der Krieg hat sie lins lvieder gebracht: die echte jüdische Frau. Zum Schluß richtet der Vortragende eineir lvarmen Appell, Geduld zu haben, die Schwierigkeiten des Krieges nicht zll verkennen, Zucht, .Haltung, Würde und Tapferkeit der Seele zu lvahreu, eingedenk zu bleiben des Wortes Napoleons: „Wir lnüssen siegen, denn wenn es so lveitergeht, lvird ganz Europa kosakisch!" Aber lieber tot als kosakisch. —- Der ungemein fesselnde lmd eindrucksvolle Vortrag fand den lebhaftesten Beifall. -- Tie „Vossische Zeitung" brachte in der Morgenausgabe vom 16. Oktober über den Vortrag des Herrn Professor Steil: ein Referat, das znm Schluß folgende Aenßeruug des Redners enthielt: Und wenn das Judentum seine Eigenart verlieren, ganz aufQcI3.cn sollte in deutscher Kultur, welche beglückeilde Aussicht, in: Vergleich mit der anderen, kosakisch zll lverdeu." Wir sind erinüchtigt zu erklären, daß Professor Dr. Ludwig Stein diese ihn: in den Mund gelegten Worte llicht gesprochen hat. Berlin, 20. Oktober. Die Lehranstalt für die W i s s e n s ch a f t de s I l: de ll t ll m s sendet uns mit der Bitte um Veröffentlichung das V 0 r l e s u n g s v e r z e i ch n i s s ü r d a s W inte r s e m e st t r 1914/15. H e r r D r. B a n e t h lv i r d lesen: 1. Talmud bab. Ketubbot VIII sechs Stullden. 2. Jore Deck: Hil. Schehita zlvei Stunden. 3. Eben ha'ezer Hit. Gittin eine Stunde. 4. Mischne Tora, 12. Buch, eine Stunde. H e r r Tr. E l b 0 g e n lv i r d l e f e n : 1. Pentateuch mit alten Kommentaren zwei Stunden. 2. Literatur- und Kulturgeschichte der Juden in, Deutschland, I. Teil, zwei Stunden. 3. Bereschit rabba (i. V. Dr. Baeck) eine Stunde. 4. Bibel kursorische für alle Hörer (i. V. Dr. Vahuda), zwei Stunden. H e r r T r. T ü üble r lvird lesen: 1. Einführung in das Studium der jüdischen Geschichte zwei Stunden. 2. Uebungen zur Geschichte der Könige Hiskia und Josia zwei Stunden. He r r D r. F r e ll n d wird lesen: 1. Geschichte des Staatskirchenrechts der Juden in Deutschland zwei Stunden. Herr D r. H 0 ch s e l d wird l e s e n : Methodik des Unterrichts in der biblischen Geschichte zwei Stunde'.:. Das Mitglied des Kuratoriums, Herr Geheimer Regiernngsrat Prof. Dr. Hermann Cohen wird lesen: 1. Die Philosophie Kants und ihre Bedeutung. für die deutsche Kultlir eine Stunde. 2. Hebung im Anschluß an die Vorlesung eine Stlinde. 3. Uebungen über Maimonides (Fortsetzung) zwei Stunden. 4. Uebungen über die logischen Grundlagen bei den jüdischen Philosophen des Mittelalters eine Stirnde. Präparandie. Dr. Grünthal: 1. Grammatik vier Stunden (für Prüparanden). 2. Bibel vier Stunden. 3. Repetition der Grammatik für Hörer zwei Stunden. D r. R 0 s e n t h a l: 1. Talmud für Hörer

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