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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-16 · Heft 42 (16.10.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 42 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Es konnte durch die große Opserwilligkeit der hiesigen jüdischen Geschäftswelt vollständig aus freiwilligen Spenden -eingerichtet lverden. Das Publikum nimmt die Dienste der Schwestern sehr gern bei allen vorkommenden Fällen in Anspruch, so daß die vorläufig kleine Zahl der Krankenschwestern gar nicht allen -an sie gestellten Anforderungen Nachkommen kann. gA) Kaiserslautern, 9. Oktober. Der hiesige Tierzuchtinspektor Rabus hat in einer amtlichen Bekanntmachung mitgeteilt, den Händlern sei jeglicher Handel mit Schlachtvieh bis auf weiteres untersagt. Dann heißt es weiter: „Durch diese Maßnahme sollte vor allem einem planlosen Ankauf und der Preistreiberei besonders unter den jüdischen Händlern vorgebeugt werden." Die.angerusene Regierung der Pfalz hat darauf folgenden Bescheid erteilt: „Wir haben das unzulässige Borgehen des Königlichen Tierzuchtinspektors Rabus in Kaiserslautern beanstandet und dem Genannten eröffnet, daß wir erwarten, daß künftighin derartige Nngehörigkeiten unterlassen werden." I,. R. Frankfurt a. M., 9. Oktober. Ein Frankfurter Landlvehrmann gibt Mitteilungen über Feiern der h o h e n i s r a e litt s ch e n Feiertage, Neujahr undVersöhnungstag, die sich an vorausgegangene Kämpfe und Strapazen aller Art anschlossen: Für uns Krieger war nach den großen Aufregungen der letzten Wochen eine Stunde der Erbauung geradezu zum Bedürfnis geworden. Bereitwilligst gestattete uns unser-Kompagnieführer, am Neujahrsfeste einen Gottesdienst abzuhalten. Eine größere Anzahl jüdischer Landlvehrmänner fand sich in einem Zimmer zu einer kurzen, erhebenden Andacht zusammen. Ein Frankfurter Lehrer hielt eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages unter ganz besonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse hinwies. Seine mit Begeisterung vorgetragenen Worte machten tiefen Eindruck. Am nächsten Tage führte uns unser Weg nach der Höhe von Provencheres (Departement Bosges), wo lvir acht Tage blieben und Gelegenheit hatten, uns am Bersöhnungstage wieder zum kurzen Gottesdienste zusammenzufinden. Diesmal war es ein Waldgottesdienst eigener Art. Wir standen am Abhange eines Waldes, umgeben von hohen Fichten, vom Fuße hörten wir das Plätschern eines kleinen Baches, die Sonne sandte ihre Strahlen durch die Bäume, um uns herum aber dröhnte dumpf der Donner der Geschütze. Ergriffen lauschten lvir den Worten unseres Borbeters. Gerade im Augenblick, als das Kaddischgebet gesprochen wurde, sausten über unsere Köpfe vier feindliche Granaten, hinweg. Wir faßten sie als Ehrensalut für die gefallenen Kameraden aus. 22 Ulm, 9. Oktober. Die israelitische Gemeinde in der Festung ur.b Garnisonstadt Ulm verfolgt mit besonderem Interesse den mächtigen Krieg und alles, was er mit sich bringt für uns Juden und seitens der Juden. Eine vorläufige Zusammenstellung aller bisher einberusenen und ausgerückten- Mitglieder unserer Gemeinde beträgt gegen 60 Mann; davon sind es über 20, die sich freiwillig g e m e l d e t haben und größtenteils angenommen wurden. Die Ausmarschierten sind natürlich auch nicht alle verschont geblieben von den Gefahren des Krieges; vier bis fünf Soldaten haben schon mehr oder minder schwere Verwundungen erlitten. Aber auch die Anerkennung und Ehren für Mut und selbstlose Hingabe sind ihnen zuteil geworden; gestern erfuhren wir, daß zwei unserer Söhne das Eiserne Kreuz erhalten haben. Der erste ist Dr. August Nathan, R e ch t s a n w a l t, der als Feldwebelleutnant im Infanterieregiment Nr. 120 eingerückt ist und nun zum Leutnant der Reserve befördert wurde, der zweite ist cand. med. Albert Eckstein, als Unterarzt im Feldlazarett des Garde-Train-Korps verwendet; letzterer, Sohn eines alten bayerischen Offiziers, hat sein Lazarett mit zirka 350 Verwundeten nicht verlassen, auch als man dasselbe in Feindes Hand fallen lassen mußte. Er ist aus dieser freiwilligen Gefangenschaft wieder entlassen worden und aus seinen Posten zurückgekehrt. Schwei?. Bern, 9. Oktober. Die russische Gesandtschaft in Bern fordert sämtliche russische Aerzte, die sich in der Schweiz befinden, und auch die Studenten der Medizin aus, sich sofort nach Rußland zu begeben. Es muß im Zarenland schon schlimm aussehen, wenn, die Negierung die jüdischen Studenten aus der Schweiz ruft. Erst vor kurzem hat die russische Regierung erklärt, daß sie keine jüdischen Aerzte annehmÄi will. Jetzt sind ihr sogar die jüdischen Studenten und Studentinnen gut genug, die wegen ihrer freiheitlichen Gesinnung in die Gefängnisse wandern mutzten und keine Möglichkeit hatten, im eigenen Heimatland zu studieren. Die russische Regierung weiß sehr wohl, daß die jüdischen Studenten europäische Gesinnung und freiheitliche Gedanken in das Heer hineingetragen, und trotzdem ruft man sie. Es wird darum allgemein angenommen, daß in Rußland die Cholera wütet. Dies geht auch aus Briefen hervor, die'Russen aus ihrem Heimatlande -erhalten haben. Die Cholera tritt in Südrußland fast in jedem Herbst auf, und in diesem Jahr war schon im Juni Podolien als verseucht zu betrachten. Durch die großen Truppenverschiebilngen hat sich die Epidemie höchstwahrscheinlich in weiteren Gebieten ansgebreitet Die gesundheitspolizeilichen Zustände spotten selbst in den russischen Großstädten jeder Beschreibung, so daß eine erfolgreiche Bekämpfung der Cholera im Kriege fast undenkbar ist. Gelterreich-AiMrn» Wien, 9. Oktober. Unter der großen Anzahl der für ihr heldenmütiges Verhalten vor dem Feinde ausgezeichneten Offiziere und Soldaten befinden sich selbstverständlich auch jüdische Offiziere und Soldaten, die, was Mut und Opferwilligkeit betrifft, hinter den anderen nicht. zurückstehen. Das beweist am besten die große Anzahl gefallener jüdischer Offiziere und Soldaten, deren Namen wir nach eingehender Perluftrieruug noch veröffentlichen lverden. Unter ben mit hohen Orden ausgezeichneten jüdischen Offizieren sei in erster Linie erwähnt Oberstleutnant und Bataillonskommandant Maximilian U l l m a n n , welcher für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde die Eiserne Krone 3. Klasse mit der Kriegsdekoration erhielt. Oberstleutnant Ullmann wurde verwundet und befindet sich derzeit in Spitalspstege in Wien. Der bekannte Redakteur Karl Mutann ist sein Bruder. Ferner wurde ausgezeichnet Stabsarzt Tr. Leopold Redlich, welcher das Ritterkreuz mit dem Franz-Josefs-Orden, zu tragen am Bande des Militär-Verdienstkreuzes, erhielt. Diese neueste Anordnung, daß auch der Franz-Josefs-Orden am rotweihen Bande des Militär-Verdienstkreuzes getragen lverden kann, ist auf eine jüngste kaiserliche Verordnung zurückzuführen uud ist ein Beweis, daß an allerhöchster Stelle die Kriegsverdienste der Aerzte, die nicht minderen Todesgefahren ausgesetzt sind als die Kombattanten-, auch in gleicher Weise bewertet werden. Amerika. 2. New Aovk, im September. Der D e u t s ch - a m e r i k a - n i s ch e Z e n t r a lverba n d v o n W e st p e n n s y l v n n i e n hielt in Pittsburg unter Vorsitz seines Präsidenten H. C. Blödel eine nach dem Berichte des dortigen „Bolksblattes" von tiefem Ernst getragene, von sämtlichen Mitgliedern des Bundesarbeitsausschusses besuchte außerordentliche Versammlung ab. Nach einem Bericht des Herausgebers des „Volksblattes und Freiheitsfreundes" Georg Seibel beschloß die Versammlung, als „Deutsche von Geburt oder Mst-amm.nng>, aber -als gute 'amerikanisch!? Bürger" der schwer kämpfenden germanischen Rasse in Europa ihre herzliche Mitempfindung auszudrücken und ihre Hilfe zuteil werden zu lassen. Weiter stimmte man folgenden Beschlüssen zu: Es sei des ferneren beschlossen, daß wir die Presse unserer Stadt und unseres Staates ersuchen, nichts zurückzuhalten, was wahr ist, aber ihre Spalten zu schützen gegen tendenziöse, vorzugsweise britischen Quellen entstammende Berichte, wobei die Absicht vorherrscht, Deutschland die Sympathien zu entfremden. Auch ersuchen wir die recht und billig denkenden Bürger unseres Gemeinwesens, die Tatsachen im Auge zu behalten, daß der deutsche Kaiser seit einem Vierteljahrhundert der hauptsächliche Erhalter des europäischen Friedens gewesen; daß das deutsche Volk seit 1871 sich ausschließlich in friedlichen Eroberungen gefiel; daß Deutschlands Ehre nie durch perfide oder unmenschliche Politik oder Handlungsweisen beschmutzt wurde, und daß daher billig und recht denkende Menschen ihr Urteil suspendieren und nicht so voreilig sein sollten in dem Glauben verleumderischer Erfindungen. Es sei ferner beschlossen, daß wir alle M-enschen aller Nationen ersuchen, alles, was in ihrer Macht steht, sei es durch Wort oder Tat, zu tun, um diesen schrecklichen Konflikt zu einem raschen und ehrenvollen Ende zu bringen, die Nussifizierung des zivilisierten Europas abzuwenden und alles aufzu-

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