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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-16 · Heft 42 (16.10.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 42 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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bieten, damit dieser Krieg das Ende aller Kriege und der Beginn einer weltweiten Abrüstung sein möge. Tie nächste wichtige Frage, die den Arbeitsausschuß beschäftigte, war die der Sammlung von Geldern für die durch den Krieg betrossenen notleidenden Personen im alten Paterlande. Diese Sammlung erfolgt im Einverständnis mit der Bundesbehörde. Es soll ein Aufruf an das ganze Deutschtum in Westpennsylvanien erlassen werden. - Wie mir mitgeteilt wird, berief das Jüdisch-Amerikanische Komitee anfangs September eine Versammlung ein, um über die Lage der Juden in Osteuropa, soweit diese durch den Krieg betroffen werden, zu beraten. Es wurde bei dieser Gelegenheit eine Summe von 50 000 Toll, gefordert, wovon 25 000 Doll, das Komitee aus seinem Unterstützungsfonds anwies, während Jakob H. Schiff einen Beitrag von 12 500 Doll, hinzufügte in der Voraussetzung, daß der noch fehlende Rest von 12 500 Toll, von der zionistischen Organisation aufgebracht werde. Dem „Reform Advocate" wird aus London mitgeteilt, daß sich unter den bekannten ausländischen Persönlichkeiten, die augenblicklich in London weilen, auch Herr Jakob Treitel befindet, Mitglied des russischen Staatsrates, der einzige Jude, der bisher in Rußland als Richter fungieren durfte. Herr Treitel begann seine staatliche Laufbahn noch zur Zeit Alexander II. Damals wurden drei Juden zu höheren Staatsämtern befördert, von denen Herr Drei t el heute der einzig Ueberlebende ist. In London wurde Herr Treitel vom Lord Ehief Justier in seinem Privathanse empfangen, um mit ihm über die Lage der Juden in Rußland zu beraten. Auch Lord R o t h s ch i t d wurde von Herrn Treitel ein Besuch abgestattet. Von Sah und Fern. — Das H a m b u r g e r Z e n t r a l k o m i t e e des B i k u r -- E h o l i m - H o s p i t a l s z u I e r u s a l e m bittet uns, bekanlckzumachen, daß es sich infolge des Weltkrieges gezwuugeu sieht, seine Tätigkeit einzustelten, da das Komitee unter den obwaltenden Umständen eine fruchtbringende Arbeit nicht leisten kann, anderseits es der Verwaltung in Jerusalem ermöglichen will, von dort aus direkt in neutralen Ländern die Sammlung fortzusetzen. — Am 1. November 1914, 12 Uhr mittags, findet int Vereinslokal, Berlin W., Nollendorsplatz 6, die Generalversammlung der Allgemeinen jüdischen Kolonis a t i o n s - O r g a u i s a t i o n statt. Die Tagesordnung ist im Inseratenteil dieser Nummer angegeben. -- Von jüdischen Beamten, die in den Krieg gezogen, sind auf dein Felde der Ehre gefallen: Lehrer Mar S tr au ß von der Israelitischen Religionsgesellschaft in München (aus Hofheim stammend): Lehrer I. Jsenberg von Andernach a. Rh.; Lehrer Benno R o s e n st o ck , Lehrer und Kantor in Wiesbaden: Lehrer Ludwig N e u m a n n an der städtischen Gemeindeschule in Frankfurt a. M.: Lehrer John Horwitz in Koesfeld, Westfalen. Der Sekretär der ^Berlin cr j ü d i s ch e n R e f o r m g e m e i n d e , Lehrer H. Blumenthal, wurde in den Kämpfen an der Ostgrenze leicht verwundet. - - Geheimer Sanitätsrat Tr. Alex auj der Schlesinger in Ehartottenburg ist im Alter von 84 j Jahren gestorben. Er hat früher lange Jahre im Zentrum Beri lins eine sehr ausgedehnte Praris ausgeübt, die er vor ungefähr > acht Jahren wegen seines hohen Alters aufgeben mußte. Ter Ber-! storbene hat die Kriege 1864, 1866, 1870/71 mitgemacht. -- Durch j den Heimgang des Herrn Berthvld Hamburger in Posen, Mitglied! der dortigen Handelskammer, hat auch das dortige Latzsche Altersitnb Siechenheim einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene hat sonwhl durch Hergabe eigener Mittel als auch durch seinen Einfluß und sein Verständnis andere Wohltäter zugeführt und die Verwaltung in den Stand gesetzt, den schönen, großen Neubau vor fünf Jahren auszuführen. - Aus Murowana Goslin wird uns geschrieben: Kürzlich wurde von hier aus die Mitteilung gemacht, daß Herr Pfarrer R. Hierselbst irO der Synagoge predigte, da der jüdische Geistliche zu den Fahnen einberufen worden ist. Hierzu wird berichtet: Auch den Herrn Justizrat Dr. B i e, Berlin, hat die frohe Botschaft von der Nächstenliebe des Herrn Pfarrers erreicht. Er stellte ihm eine ansehnliche Summe zur Verfügung, auf daß der Pfarrer mit dem Gelde die leibliche Not der Menschen so lindere, wie er durch die Worte der Liebe die Glaubensbrüder des Herrn Dr. B. erquickte. Der Hamburger Israelitische! K r a n k e n k a s s e n v e r e i n von 1 8 6 7 beschloß in seiner Bor- > standssitzung, daß die Mitglieder, die zum Dienst im Heer einberufen worden sind, ihre vollen Rechte beibehalten sollen. Maßgebend für diesen Beschluß war, wie der Vorsitzende Herr A. Jacob hervorhob, daß in dieser schweren Zeit auch der Israelitische Krankenkassenverein von 1867 nicht zurückstehen darf, wenn auch dem Verein durch die eventuell zurückkehrenden verwundeten Mitglieder große Ausgaben erwachsen können. Ebenso wurde beschlossen, die bisherigen Leistungen des Vereins beizubehalten. — Aus Würzburg wird geschrieben: Es wurde vor kurzem in der Tagespresse mitgeteilt, daß der älteste Leutnant unseres Heeres Herr Ludwig Stern aus Aachen sei, der 63 Jahre zähle. Wie wir nun erfahren, wird dieser Altersrekord von dem 64 jährigen E m a n u e l Golds ch m i d t aus Würzburg gehalten, der den Krieg von 1870 mitgemacht, das Eiserne Kreuz erworben hat und nun bei Ausbruch, des Krieges aus seinem ausländischen Wohnsitz heimgekehrt ist und sich freiwillig zum Dienst gemeldet hat. Ersteht zurzeit bei einem bayerischen Landsturmbataillon in Saargemünd im Felde. -- Auf Initiative der zionistischen Organisation in Amsterdam hat sich daselbst ein Hilfskomitee gebildet, welches die Aufgabe übernommen hat, jüdische Flüchtlinge ilnd jüdische Verwundete, welche nach Holland verschlagen werden, in Schutz bzw. Verpflegung zu nehmen. Das Exekutivkomitee dieser Hilfsorganisation hat bei den Zügen und am Hafen einen Permanenzdienst eingerichtet, um allen jüdischen Ankömmlingen, welche der Hilfe und Führung bedürfen, hilfreich zur Seite zu stehen. In Oesterreich wurden folgende jüdische Offiziere befördert: Zum Oberst nnb Kommandanten des Infanterieregiments Nr. 102 Oberstleutnant Marimilian M ä n d l (der einzige jüdische Regimentskommandant in Oesterreich); zu Oberstleutnants: Major Paul Sch eh und Major Ludwig Kiesler; zum Major: Hauptmann Leopold Freund in Brünn; zu Hauptleuten: die Oberleutnants Simon Brodek, Gustav Glücksm a n n , Theophil P o l l a k und Karl Telle r. — Aus Straßnitz (Mähren) wird uns geschrieben: Herr Alfred Baderle, k. k. Leutnant in der Reserve, zugeteilt dem Landsturminfanterieregiment Nr. 25, ist im Alter von 31 Jahren auf dem nördlichen, Kriegsschauplätze gefallen, Tie hiesige Kultusgemeinde beklagt den Verlust eines sehr ehrenwerten Mitgliedes und wird sein Andenken stets in Ehren halten. - An dem Institut für höhere Wissenschaften in Florenz nulrde, wie von dort berichtet wird, von der Negierung ein Lehrstuhl für hebräische Sprache und Literatur errichtet. Zum Professor für dieses Fach wurde Rabbiner Tr. Illnberto Eassuto ernannt.. - - Das russische Gouvernement Sulvalki, das jetzt von der deutschen Armee besetzt ist, zählt etwa 60 000 Juden, 30 000 Deutsche und 55 000 Russen. Außer in Suwatki wohnen Juden in größerer Anzahl in Wilkowischki, Augustowo, Mariampol und Grajewo. Unter den Juden in Suwalki und Mariampol gibt es viele mit gediegener deutscher Bildung. Aus Koustantinopet wird geschrieben: Anläßlich der jüngsten Ausmusterung in der hiesigen Militärakademie wurden auch zwei jüdische Offiziere ausgemnstert. Es sind dies Ha im E f f e n 6 i E o h e n aus Kirk-Klisse und Ella E f f e n d i B a r b o u t aus Kvnstantiuopel. Die beiden neuernannten jüdischen Offiziere sind bereits zu ihren Regimentern abgegnngeu. — — Wie amerikanische Zeitungen berichten, hat Herr Albert Wei n - bäum in Lockhart, eineni kleinen Städtchen in Texas, 230 Dollar für das deutsche „Rote Kreuz" gesammelt. Außerdem hat er in dem zum Bezirk gehörigen ländlichen Distrikt eine Versammlung deutscher Landsleute veranstaltet, bei der zirka 500 Dollar zu demselben Zwecke gesammelt wurden. Das Geld wurde durch Vermittelung des Gouverneurs von Texas, Mr. Eolquitt, dem deutschen Gesandten in Washington zur Weiterbeförderung übersandt. Es stammt nur von Leuten deutscher Abstammung. — Inmitten der Kriegswirren, die eine auffällige Abnahme der Einwanderung nach sich ziehen, wurde für den New Yorker Hasen ein neuer Einwanderungskommissär ernannt. Es ist dies Frederick Howe, ein sehr bekannter Advokat und Freund des Präsidenten Wilson. Seine zahlreichen Werke beschäftigen sich hauptsächlich mit Fragen der kommunalen Wirtschaft. - Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin - Pankow. Florastratze 58. Verantwortlich iür den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neulölln, Druck und Verlag von Rudolj Mosse in Berlin.

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