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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-16 · Heft 42 (16.10.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 42 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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;,<r. 7r . . -- - 2 -— - .‘ : - '' ■■•■. .- , Wort. Er war Ateyers Jngendlehrer und gab aus tiefster Kenntnis lind innigster Liebe zum Toten eine' schöne Eharakteristik, wobei er / auch Meyers Berlinertum undseine besonderen Forschungen über das Berlinertum hervorhob. Ten Schluß der Feier bildete das Larghetto von Haydn, das vom Königlichen Opernqnartett gesungen wurde. Wie verlautet, hat der Verstorbene wenige Tage vor seinem Tode eine Stiftung für Studierende, die im Felde stehen, ins Leben gerufen. 2XD Berlin, 14. Oktober. Tie Beisetzung des plötzlich am Herzschlag verstorbenen Justizrats K a r l H a m b u r g e r fand am letzten Sonntag auf dem jüdischen Friedhof zu Weißensee statt. In der Tranergemeinde sah man u'nter anderen den Präsidenten der Jnstizprüfnngstommission Ule, die Senatspräsidenten Linsingon iMib Brandt sonne zahlreiche Vertreter der Berliner Anwaltschaft. Tie Gedächtnisrede hielt Rabbiner Tr. Warschauer. Hierauf widmete noch Geheimer Justizrat Eugen Fuchs namens der AlNvnltschast dem Entschlafenen einen Nachruf. Aus Anwaltskreisen wird der „Vossischeu Zeitung" geschrieben: In Karl Hamburger vereinigten sich alle Eigenschaften, die den bedeutenden Anwalt ausmachen: ein scharfer, durchdringender Verstand, umfassende juristische Belesenheit, ein Gedächtnis, das alle wichtigen Präjudizien mit eiserner Treue festhielt, unermüdlicher Pflichteifer und hervorragende forensische Beredsamkeit. Eine jede Sache wurde non ihm dis ins kleinste bearbeitet und mit einer Hingebung behandelt, als ob das Größte von ihr abhinge. Hamburger eine nächtige Sache plädieren zu hören, war jederzeit ein Genuß. Im persönlichen Verkehr von. großer Liebenswürdigkeit, im Gespräch fesselnd durch seine impulsive Art, wahrhaft kollegial auch zu jüngeren Berufsgenossen, war er mit der Stolz der Anwaltschaft am Kammergericht. <V*> Danzig, 9. Oktober. Unser Rabbiner, Herr Tr. Kaelter, ist von der Militärbehörde mit der Lazarett-Seelsorge am hiesigen Festungslazarett und 23 Hilfslazaretten betraut worden. Turch die Fürsorge sind alle jüdischen Verwundeten, die nicht am Gottesdienst in den Synagogen teilnehmen konnten -- auch die Kriegsgefangenen mit Gebetbüchern versehen worden. Außerdem wurden unsere verwundeten Krieger an den Festtagen durch besondere Liebesgaben erfreut. Tie in den Gotteshäusern erschienenen jüdischen Mannschaften, etwa 100, wurden an den Festtagen durch eine vom Rabbinat getroffene Organisation in Familien gastlich verpflegt. - Franz Cohn, Sohn des Fabrikbesitzers Moritz Cohn in Tanzig-Langfuhr (übrigens Neffe des sozialdemokratischen Abgeordneten Oskar Cohn „ohne Cohn kein Fahnenband"), hat als Sanitätsnnteroffizier beim Train des 17. Armeekorps für die Bravour, die er bei der Bergung von Verwundeten bewiesen, das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten und ist sofort zum Wachtmeister befördert worden. W. Briefen (Westprenßen), 9. Oktober. Der verwitweten Frau Tinchen Götz ging am Jom-Kippur die Mitteilung zu, daß ihr Sohn Kurt für Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz sich erworben hat. Derselbe ist Unteroffizier-Einjähriger bei einer Artilleriebrigade und hatte den Auftrag erhalten, mit den ihm zugeteilten. Mannschaften einige Bagngewagen an das Gros des Heeres heranzuschaffen. Auf dein Wege dorthin wurden sie von den Franzosen überfallen. Unteroffizier Götz verstand es, durch geschickte Wendungen, ans den Händen des Feindes zu entkommen und ihm die Beute zu entreißen. Für diese Heldentat ist ihm obige Auszeichnung zuteil c.eworden. 22 Mhslottntz, 9. Oktober. Auch unsere Gemeinde hat eine lebhafte Tätigtet zugunsten der Kriegsfürsorge entfaltet. Der israelitische Frauenverein war der erste aller hierorts bestehenden Vereine, der dem Roten Kreuz einen Beitrag überwies, und zwar in der Höhe von 100 Mark. Tie Gemeinde als solche spendete zu hui gleichen Zwecke 500 Mark, der Jungfrauenverein 50 Mark. Für den nationalen Frauendienst zeichneten der Vorstand der Synagoge sowie der Krankenpflege- und der Wohltätigkeitsverein je 100 Mark als vorläufige Gabe, der Frauenverein wiederum zunächst 50 Mark. Auch sonst haben unsere Gemeindemitglieder sich durch vielfache und zum Teil hoho Spenden wie auch durch'Liebesgaben ausgezeichnet. Der Frauenverein unserer Filialgemeinde Birkental opferte lein ganzes Vereinsvermögen auf dem Altar des Vaterlandes. U . ser Rabbiner Tr. Hat per sohn gehört den Ausschüssen sämtlicher nationalen Fürsorgeorganisationen am Platze an, auch ist ihm die Seelsorge iw den Lazaretten des Ortes sowie der Umgebung vom. Bezirkskommando übertragen worden. Mehrere Kriegsbittgottesdienste fanden bereits statt. Ein Glaubensgenosse unserer Stadt, Referendar Dr. Ernst Centn wer, Sohn eines Gemeindevorstehers, hat für tapferes Verhalten vor dem Feinde das Eiserne Kreuz erhalten und damit einen Preis errungen, den ein hiesiger Gymnasialprofessor ausgesetzt hat. W. Posen, 9. Oktober. Durch das kürzlich erfolgte Ableben von Dr. Ka rl Jeremias in Posen haben weite Kreise, der Judenheit einen herben Verlust erlitten. Nächst der Posener Gemeinde, in welcher der allzu früh Dahingeschiedene seit einer Reihe von Jahren als angesehener Arzt und edler Menschenfreund wirkte und an vielen gemeinnützigen Instituten leitend mitarbeitete, betrauert die zionistische Bewegung den Heimgang, eines ihrer ersten und besten Vorkämpfer, der, besonders auch in der orthodoxen Misrachiförderation, sehr geschätzt und Mitglied des Zentralkomitees für Deutschland war. An seinem Begräbnis, das auf Wunsch des Verstorbenen ohne Rede und Nachruf in schlichtester jüdischer Art stattfand, waren außer zahlreichen Freunden und zionistischen Delegierten auch Vertreter aller jüdischen Organisationen anwesend. 22 Lissa i. P., 9. Oktober. Hier verstarb Freitag, den 25. September, im Alter von 75 Jahren Herr Julius Landsb e r g, einer der geachtetsten Bürger unserer Stadt. Fromm und gottergeben hat er sich sein ganzes Leb-m hindurch als ein treuer Anhänger des Judentums bewährt, viel Gutes getan und stets gern Werke der Wohltätigkeit geübt. Besonders segensreich hat er als Vorstandsmitglied des Krankenunterstützungs- und Beerdigungs- Vereins gewirkt; denn für die armen Kranken helfend -einzutreten, war ihm Herzenssache. Bei der Beerdigung des Verblichenen, die Sonntag, den 27. September, stattsand, rühmte Herr Rabbiner Dr. Gelles mit beredten Worten dessen Tugenden; unter anderem hob er hervor, daß mit Julius Landsberg ein Mann von altem Schrot nnd Korn dahingegangen sei, in dem sich die besten Traditionen der Lissaer Gemeinde verkörperten. Von der Verehrung, die der nunmehr Entschlafene in den weitesten Kreisen der Stadt Lissa genoß, zeugte auch die große Teilnahme von Mitgliedern aller Konfessionen bei seiner Bestattung. Ehre seinem Andenken! J. A. Nürnberg, 9. Oktober. In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" wurde schon daraus hingewiesen, daß, trotzdem in der jetzigen großen und schweren Zeit alle Streitigkeiten und Gehässigkeiten im politischen und im Zeitungskampfe ruhen, die in Leipzig erscheinende antisemitische Zeitschrift „Der Hammer" .gerade den Krieg dazu benutzt, um die jüdischen Mitbürger, welche sowohl im Felde wie in der Heimat überall in der opferwilligsten Weise am Posten sind, m der gemeinsten Weise zu beschimpfen. Tie Zeitschrift „Der Hammer" hat die Tatsache, daß m Nürnberg sechs hochangesehene, hervorragende Juristen von seiten des Oberbürgermeisters zur ehrenamtlichen Leitung von Kriegsfürsorgeämtern -ausgewählt wurden, zum Gegenstand der niedrigsten Angriffe benutzt und dabei behauptet, daß die öffentliche Wohltätigkeit in Nürnberg zum jüdischen Monopol ausgestattet würde, und daß sowohl bei der städtischen Kriegsfürsorge wie beim Proviantamt jüdische Lieferanten besonders berücksichtigt würden. In der Sitzung des Stadtmagistrats vom 6. Oktober hat Herr Oberbürgermeister Dr. Geßler diese höchst unnoblen Angriffe ganz energisch zurückgewiesen. Er hat erklärt, daß die Kriegsfürsorgc in kurzer Zeit 160 000 Gesuche in der zusriedenstellendsten Weise erledigt hat, und | daß diese große Arbeit nur durch die hingebenden Leistungen der Ans- | schlisse und deren Vorsitzenden uw,glich war. Herr Magistratsrat und Landtagsabgeordneter H ä b e r l e i n schloß sich den Ausführungen des Herrn Oberbürgermeisters an.;'"Er sprach seinerseits gleichzeitig drs lebhafte Bedauern darüber aus, daß eine Zeitschrift angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse nnd Umstände es nicht verschmäht hat, mit derartigen Anwürsen auf der Bildfläche zu erscheinen. Er könne hierfür nur das Gefühl der allertiefsten Verachtung zum Ausdruck bringen. Würzburg, 9. Oktober. Unter dem Namen „Verein israelit. Krankenschwestern Würzburg" bildete sich im Lause des Winters 1913 in der Gemeinde ein Verein, dem zahlreiche Mitglieder beitraten. Dank eifriger Tätigkeit des Bereinsausschnsses und außerordentlicher Hilfsbereitschaft der hiesigen jüdischen Einwohnerschaft konnte hier schon am 1. April 1914 eine Station eröffnet werden. Diese besteht vorläufig aus zwei Schwestern und einer Oberschwester, die in einem sehr geschmackvoll ausgestatteten Heim Aufnahme fanden.

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