Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- Seite 504 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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504 Geschlecht c der berühmten Familie dieses .Namens (i 178*2), -frirfcf) Auerbach (t 1778) itnb Isaak Adler (t 3828) vor?Lugen geführt. Auch der Rabbiner mie der Zeit des Stadtbrandes von 3689, Rabbi CH. Jair Bacherach, ist nicht vergessen. Ans dem Geschlechte der berühmten Familie Oppenheim ist eine Reihe von Steinen abgebildet, von denen der des Rabbi Moses (Z 1(>75) durch wundervolle Gestalt und Schönheit der Inschrift hervorragt. Auch einige interessante Steine von prallen, besonders derjenige der Sagira ans 1100 — er galt lange als der älteste des Friedhofes, da man ihn fälschlich aus 900 datierte , sind wiedergegeben. Nicht zum mindesten sind die Aufnahmen durch die Verschiedenheit der sich nt ihnen widerspiegelnden landschaftlichen Reize in den einzelnen Jahreszeiten wirksam. Wie der Friedhof im Sommer bei üppiger Vegetation sich ausnimmt, imb wie er sich zeigt, wenn die Bäume kahl sind, tritt deutlich zutage. Auch der alte Dom als eindrucksvoller Hintergrund erscheint prächtig im Bilde, ebenso eine ungemein reichhaltige Gruppe von alten Steinen, deren jeder durch schöne Form bemerkenswert ist." Damit ist gesagt, was'man zmn Lobe dieses Buches anssprcchen must. Rur den einen Wunsch möchte ich noch hinznfügen, dast iu einem eventuellen Neudruck die photographischen Inschriften in einem hebräisch punktierten Dert und in deutscher Ucbersetznng wiedergegeben werden möchten, denn bei dem manchmal stark verwitterten Zustand der Inschriften läßt sich der Sinn der einzelnen Worte nicht immer feststellen. Cs wäre sehr schon, wenn auch in anderen Gemeinden sich Forscher entschließen würdcn, ähnliche Werke heranszngeben. Unsere Grabschristliteratur ist zumr nicht arm, wer aber den großen Wert solcher Inschriften kennt, muß durchaus die Vermehrung dieser Literatur fordern. L. G. * — F e st schrift zur F ü n f z i g j a h r s e i e r des Shuag o g e u - G e s a n g v e r e i n s z u W i e s b a d e n. 3863—3918. 1. Zur Geschichte der Juden Wiesbadens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bon Tr. Adolf Kober. 2. Rückblick auf die fünfzigjährige Tätigkeit des Synagogen-Gesangvereins. Von Benedict Straus. iDer erste Teil dieser Festschrift ist auch in einem Separatdruck erschienen.) Die Schrift zerfällt, wie der Titel besagt, in zwei Teile. Aus den zweiten Teil kann ich nur kurz eingehen. Ich will nur bemerken, daß die Bemühungen für einen modernen Ghorgesang mit einem schreiben beginnen, das mein Vater 1836 an den Synagogenvorstand richtete, einen Chorgesang einzuführen, wobei er den Vorschlag machte, die Schüler der Religionsschule zu Chorsängern heranzubildeu. Sonst sind die Mitteilungen über den Synagogen-Gesangverein zwar interessant genug, aber doch mehr von lokaler Bedeutung, so daß sie für den größten Teil unserer Leser nicht wichtig genug sind. Dagegen ist der erste Teil von allgemeinem Interesse, weil es sich hier nicht bloß mit die Geschichte einer einzelnen Gemeinde, sondern um die der Iudenschaft von ganz Nassau handelt, und die Ereignisse vom Anfänge des 39. Jahrhunderts bis ums Jahr 3850 dargestellt werden. Diese Ausführungen beginnen mit einer Bittschrift der Iudenschaft aus dem Jahre 1807, einen Rabbiner anzustellen, einem höchst wichtigen Dokument. Die langeit Verhandlungen bis zur Anstellung meines Vaters sind merkwürdig genug. Bei diesem Punkte geht der Verfasser nicht ins einzelne, sondern verweist aus meine Darstellung in dem meinem Vater gewidmeten Gedenkbuche. Ich konstatiere nur mit Vergnügen, daß Kober, entgegen den orthodoxen Ausstreuungen, daran festhält, daß Geiger „ohne persönliches Verschulden" seine Stellung aufgab (S. 25). Dann folgt die Würdigung des Rabbiners Süßkind und manches andere. Gs ist ein sehr lehrreicher Beitrag für die Provinzialgeschichte der Juden, die in einfacher Sprache sehr merkwürdige Verhältnisse illustriert. - Hebe r w i n d e r. Drama in vier Akten von Georg Hirjchfeld. Leipzig. Druck und Wrlag von Philipp Reclam jun. Preis: 20 Pfg. Gin interessantes Drama, das aber doch nicht das große Judenschauspiel ist, das wir seit lange erwarten. Daniel Lier, ein jüdischer Musiker, hat sich mit Heinrich Blittersdors, einem christlichen Maler, eng befreundet und loird in dessen Haus geführt. Dort empfindet er alle die Schmerzen des Zurückgesetzten, der sich in der christlichen Hingebung einsam fühlt, um so mehr, da er hier dem Ingenieur Franz Geiger begegnet, mit dem er früher ein unangenehmes Rent.'utre gehabt hat. Er verliebt sich in die schwindsüchtige Armgard, ivird von ihr wiedergeliebt und scheint, durch ihren Zuspruch erntuntert, durch den geplanten Ilebertritt zum Christentum die innere Freiheit und die Zugehörigkeit zu der ihm wert gewordenen Familie zu erringen. Ich halte diesen Schluß weder für eine Lösung der Iudenfrage noch für eine Beendigung des Konflikts in der Seele des jüdischen Künstlers. Der Charakter dieses Daniel Lier bleibt unerklärlich und ivirkt unsympathisch. Er wird von allen, außer jenem Ingenieur, mit größter Freundlichkeit ausgenommen; das Unbehagen, das er empfindet, ist ein völlig krankhaftes, das durch das Entgegenlommen der Familie seines Freundes in keiner Weise gerechtfertigt ist. Das ist nicht die wirkliche Stimmung eines gesund denkenden modernen Juden, sondern die krankhafte Empfindelei eines Schwächlings, der sich selbst Schwierigkeiten bereitet, wo sie gar nicht vorhanden sind. Sonst bietet das Drama, wie man es bei Hirschfeld gewohnt ist, interessante, aufregende, teilweise amüsante Szenen. Namentlich ein höherer Offizier von Marquard und seine Frau, die Schwester des Fabrikbesitzers Blittersdors, der Hauslehrer Obertür und der Gärtner Mitzlafs sind gute humoristische Gestalten; das Liebesverhältnis des Ingenieurs mit Margot, der Schwester Armgards, ist anmutig geschildert und der ganze Familienkreis höchst erquicklich belebt. Aber das, was wir von dem Drama erwarten und ivas der Berfaßer eigentlich zu geben beabsichtigte: die Schilderung des Inden in der modernen Gesellschaft, ist meiner Ansicht nach durchaus verfehlt. L- 6. — M o rali s ch e E r z ä h l u n g e n. Zur Erbauung und Fort- : bildnng für Politiker. Bon Dr. Mehemed Emin Efendi (Pseudonym).; Leipzig 1914. Verlag von O. Gtacklauer (Richard Goldacker). I Ein wohlgesinnter human denkender Mann spricht in Skizzen, die! in Form von Erzählungen und Fabeln gekleidet sind, feilten mensch- ' liehen Statidpunkk aus. Er wendet sich gegen England, das sich bei! seinen sogenannten humanen Bestrebungen nur von Handelsrücksichten habe leiten lassen, die gegen die barbarische Behandlung der Wilden, gegen die Unmenschlichkeiten, die in den neueren (türkischbulgarischen) Kriegen begangen wurden; gegen die Kämpfe der Tiere inttereinander und die der Menschen gegen die Tiere. Es sind wohltuende Aeußerungen, in denen der Verfasser sich in schöner Weise der Unterdrückten annimmt, und man wird bei seiner offen ausgesprochenen Ueberzeugung wohl annehmen dürfen, daß er auch den ivegen ihres Glaubens Unterdrückten ihr Recht gönnt und für ihre bessere Behandlung einzutreten gewillt ist. L. G. Lprrchlsal. Zu dem Artikel „Das rechte Wohltun", nach dein sich viele richten sollten, möchte ich eine Bemerkung machen. Bei Wohltätigkeitsvereinen, die für Witwen und Waisen, die für Blinde oder für Taubstumme sorgen, lausen augenblicklich zahlreiche Zuschriften ein, von denen ich zwei wiedergeben will: „Hierdurch erkläre ich meinen Austritt aus Ihrem Verein, da ich augenblicklich anderweitig zu sehr in Anspruch genommen werde/ Und: „Ich sehe mich veranlaßt, mein Geld den augenblicklich in Rot Geratenen zukommen zu lassen, und sehe daher meinen Beitrag von 10 Mark auf 3 Mark herab." Ist denn das noch ein Wohttun? Den Waisen, Blinden oder Taubstummen wird plötzlich alles entzogen, um ans der anderen Seite Gutes tun zu können. Ist das nicht nur der Ausfluß einer unglaublichen Gedankenlosigkeit? Denn dieser Unglücklichen werden durch den Krieg nicht weniger. Ja, viele von ihnen werden stellungslos und kommen nun und hoffen, von diesen Vereinen unterstützt werden zu können. Aber die Mittel hierzu gehen jetzt nicht ein. Mancher Verein wird selbst durch die Notlage gezwungen sein, Beamte zu entlassen, und so gegen seinen Willen die Not noch vergrößern. Wollt ihr.Gutes tun, so entzieht das nicht denen, für die ihr bisher sorgtet! Dr. F. R.