Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-16 · Heft 42 (16.10.1914) · p. Seite 497

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 42 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 497 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229123-3229166--70794-3283160
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

497 etatmäßigen außerordentlichen Professor. Die Gründe dieser Nichtbeförderung lagen wohl hauptsächlich darin, daß er Jude war. Bei Vakanzen innerhalb und außerhalb Deutschlands wurde sein Name häufig genannt, er wurde mehrfach an bevorzugter Stelle vorgeschlagen; trotzdem kam es zil keiner Berufung. Das Vorurteil, daß ein Jude nicht fähig sei, deutsche Literatur zil lehren, war stärker als die Wissenschaftliche Bedeutung. Richard Meyers Stärke lag weniger ine Forschen, in Quellenkritik und im Edieren, als im Darstellen. Er war ein glänzender Schriftsteller, ein geistvoller Mann, von unvergleichlicher Belesenheit. Seine Arbeiten, besonders seine preisgekrönte Arbeit über Goethe, seine Geschichte der deutschen Literatur im 19. Jahrhundert, zuletzt noch sein Merk über Nietzsche sind Zeugnisse ganz ungewöhnlicher Begabung. Sie haben den Namen des Verfassers in aller Welt verbreitet, unser Wissen in reichem Maße gesördert. Seit 2b Jahren lebte Meyer in glücklichster Ehe. Im Sommer dieses Jahres wurde die silberne Hochzeit in glanzvoller Weise begangen. Das reine Glück dieser Verbindung wurde vor einigen Jahren durch den jähen Tod des ältesten Sohnes getrübt; zwei jüngere Söhne trauern mit der Mutter über den frühen Tod des ausgezeichneten liebevollen Vaters. Richard Meyer blieb selbst dem Judentum treu. Als Jude erfuhr er manche Zurücksetzung, die er tapfer trug. Sein Werk ist unvollendet; er lvar berufen, noch viel zu schaffen. Aber was er geleistet hat, wird weiter anregen und wirken; was er lvar, bleibt den Seinen als kostbares, unvergängliches Besitztum. In die schweren Zeiten, die wir durchleben, wiegt der einzelne zwar nicht viel. Und doch trällern wir mit Recht über das frühe Hinscheiden eines so vielseitigen Gelehrten, eines Mannes von so hervorragendem Können. Er soll lins vorbildlich bleiben in seiner rastlosen Tätigkeit, in seiner belvllndernswerten Gestaltungskraft, in feiner trotz aller Hintansetzlmg unverwüstlichen Liebe zur delitschen Literatur und zum Vaterlande. L. G. Aufruf?ur Sammlimg von Suchern für unfere Soldaten im Mde und in den Lazaretten. irdische Soldaten, von treuer Liebe zum Vaterlande be- \ seelt, stehen im Felde, liegen in den Lazaretten. Wir wollen ihnen eine Freude bereiten. Man weiß, was gute Lektüre dem Kriegsteilnehmer, zumal dem verwundeten, bedeutet. Unsere Literatur besitzt einen Schatz herzerquickender Schriften. So richten wir denn an unsere Glaubensgenossen im ganzen Reiche die Bitte, aus ihren Sammlungen jüdische Bücher ernsten sowie heiteren Inhalts auszuwählen und an die B iLliothek der jüdischen Gemeinde, dl 24, Oranienburger Straße 28, zu senden. Prof. Dr. Richard M. Meyer. 1; Gebraucht werden Bücher und Zeitschriften, die die Krieger unterhalten und erfreuen, ihr Lebensgefühl und ihre sittliche Kraft stärken. 2. Erwünscht sind daher namentlich: a) Romane, Novellen, kleine Erzählungen, Kalender, illustrierte Blätter; 1>) Lebensbilder, Kriegsgeschichten, Reiseschilderungen, Erdbeschreibungen, volkstümlich belehrende Schriften naturwissenschaftlichen Inhalts und aus anderen Gebieten; c) religiöse Schriften (nicht ausschließlich Gebetbücher, sondern Predigten und Werke erbaulichen Inhalts). 3. Unerwünscht sind namentlich: »a) Bücher erotischen und schlüpfrigen Inhalts, Hintertreppenromane und Detektivgeschichten;!>) Bücher gelehrten Inhalts und Schriften, die schwierige philosophische Probleme behandeln; e.) Schriften, die Staats- oder Kirchenpolitik in polemischem Sinne behandeln; (1) Schriften mit pessimistischer oder sonst krankhafter Tendenz: e) Schriften, die Deutschlands Feinde verherrlichen. Alle Sendungen werden von den Beamten der Gemeindcbibliothek gesammelt nnd n a ch Vereinbarung an die Königliche Bibliothek, NW 7, Dorotheenstraße 81, dem dort tätigen Gesamtausschuß zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in den Lazaretten zugesandt, dort sortiert und verteilt. Möge dieser Ausruf gute Wirkung üben. Die Bewunderung und Liebe, die wir für unsere heldenhaften Glaubensgenossen, das Mitgefühl, das wir für unsere Kranken und Verwundeten hegen, möge sich in reichen Sendungen bewähren. Wer ein gutes Buch den Ausruhenden nnd Genesenden reicht, stärkt seinen Lebensmut, erhöht seine Zukunftshoffnung und trägt mit dazu bei, die Dankesschuld den Braven und Wackeren abzutragen, die für das Vaterland kämpfen, leiden und siegen. Professor Dr. L u d w i g G e i g e r. Dr. Max K i n s b e r g. Be na s L evy. puk Vorpolten! u eitungsnachrichten entnehme ich die Mitteilung, daß der Verband gegen Ueberhebung des Judentums die gegenwärtige Zeitlage zu einer Betätigung seiner Tendenzen für besonders geeignet hält und sein- Berbandsorgan „Auf Vorposten" demnächst als Feldpostbrief an alle Mitglieder, die zu den Fahnen gerufen sind, versenden will. Ich kann mich um den so rührigen Verband verdient machen und stelle ihm daher den folgenden Bericht über ein Begebnis aus diesen schweren Kriegstagen zur Verfügung — die deutsche Mannhaftigkeit und Ehrlichkeit der Verbandsleitung werden gewiß nicht zögern, ihn ihren Mitgliedern ebenfalls mitzuteilen. Es war in den letzten Augusttagen. Unsere braven Truppen im Osten waren unter beispiellosen Anstrengungen an den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.