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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-16 · Heft 42 (16.10.1914) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 42 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 496 (sequence 4)
Language
German
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496 aufrichtigen Worte in (yurcii Seelen Widerhall finden, und daß wir die sehnsüchtig erwarteten kommenden Liegestage im gvttgesegneten Frieden eines nunmehr einheitlichen ungarischen Judentums werden feiern können. So sei es! Budapest, 26. September 1914. Tr. Moritz Al e z e i, Präsiderck der isr. Landeskanzlei. Tr. Franz M e z e i, Vizepräsident der isr. Landeskanzlei. Terselbe Aufruf, in ungarischer und hebräischer Sprache abgefaßt, ist uns auch als besonderes Flugblatt zugegangen. * Ter „Vorwärts" schreibt: Z i o n i st e n g e g e u I s r a e l Z a u g w i l l. Ter in England lebende GhettoschiIderer und Zionist Israel Znngwill hat sich, um Herrn Grey eine kleine Freude zu bereiten, herbeigelassen, die russischen I u d e n in das Lager des Zaren, für den er bisher imurer nur Worte der Verachtung und des Hasses gehabt hatte, zu treiben. Gegen diesen Verrat Zangwills wenden sich jetzt in scharfer Weise die New Yorker Zionisten durch den Mund des Herrn A. Tynner, der zu den Gründern der Pariser Zionistengerneinde gehörte und als ihr Vertreter den ersten Baseler Zionistenkongreß besucht hatte: „Mit Zangwills Ansehell bei den Zionisten wie bei den Inden im allgemeinen ist es schon längst nicht mehr weit her," schreibt Tynner in einer New Porter Zeitung. „Ter Mann hat seine eigellen Ideen, die weder bei den „alten" noch auch bei den „lnoderueit" Inden Gegenliebe finden. Zaugwill verlangt, daß die Juden sich ans Gnade und Ungnade den Russen und ihren Verbündeten ausliefern. O nein, das Judentum ist nicht so dumm, zarischen Lockungen zu trauen, und auch Sir Edward Grehs Versprechungen werden nicht geglaubt, denn ein altes Sprichwort sagt: „Sage mir, mit wem > du umgehst, und ich sage dir, wer du bist." Der „Gentleman" von England ist tot, heute ist England ein eifersüchtiges und verzweifeltes Land, das sich nicht scheut, alle Geister der Unkultur anzllrufen, und sich sogar soweit vergißt, sich dem russischen Bären in die Arme zu werfen. Nein, meine Brüder und Glaubensgenossen, verlaßt Euch nicht auf den wortbrüchigen und unmenschlichen Zaren! Seht und urteilt nach den harten Tatsachen, die Euch allen nur zu wohl bekaunt sind! Erinnert Euch der Pogrome in Rußland! Erinnert Euch aber auch, daß zu derselben Zeit, als die Vereinigten Staaten den Inden zuliebe ihren Handelsvertrag mit Rußland lösten, England es uuir, das sich mit demselben barbarischen, antisemitischen Rußland; verbündete und verbrüderte, obwohl es den englischen Juden im > Zarenreiche nicht besser geht als den anderen! Nein, Herr Israel! Zaugwill, die Inden werden Ihnen nicht folgen, das Judentum will! sich nicht als die Zange gebrauchen lassen, die die zarischen Kastanien j aus dem deutschen Feuer holt! Dafür kennen die Juden ihre Freunde wie ihre Feinde viel zu gut! Bestellen Sie das Ihrem Freunde Grey, Herr Zaugwill!" * In der „Vossischeu Zeitung" ist folgendes zu lesen: I n d e n h e tz e i m r u s s i s ch e n M ilitärblatt. K o p e n h a g e n , 1. Oktober. Angesichts amtlicher russischer Meldungen, wonach eine Viertelmilliou Juden im russischen Heer stehe, verdienen zwei Mitteilungen des Petersburger Blattes „Retsch" vom 21. September Beachtung. Tort legt der bekannte russische Publizist. Timitri Filosofow Verwahrung ein gegen einen Artikel des r u s s i s ch e n M ilitärb l a t te s „R u ß k i I u v a l i d", worin die bisherigen Mißerfolge der französischen Armee darauf zurückgesührt werden, daß dort zuviel Juden dienen; der „Rußki Invalid" zählt bei ben Franzosen 6 jüdische Generalleutnants, 5 Brigadegenerale, 14 Obersten, 21 Vizeobersten, 5tt Majore, 107 Hauptleute auf. Ferner bringt der „Retsch" folgende amtliche Mitteilung: Der Minister für Bolksaufklärung hat das Ersuchen des Professorenkolleginms der höheren F raue n k u r s e auf Annahme von 77 Jüdinnen über die für Juden bestimmte Einschränkungsnorm hinaus a b g e l e h n t. Nach ausländischen llniversitäteu dürfen Jüdinnen sich gegenwärtig auch nicht begeben. N e u e I ll d e lt v e r f v l g lk n g e it i n R u ß t a n d. - K o p e n h a g e u , 9. Oktober. Nach zuverlässigen, persönlichen Mitteilungen sind in B e s s a r a b i e n und in R u s s i s ch - P o l e n blutige Pogrom e gegen di e Juden ausgebrochen. Gleichzeitig wird der j u d e n f e i n d l i ch e Kurs Rußlands jetzt wieder im\ der gesamten Rückschrittspresse nachdrücklichst verfechten. Der „Rußki Invalid" druckt ununterbrochen antisemitische Hetzartikel, wobei ihm die „Nowoje Wremja", die den alten Antisemitenton wieder anschlügt, sekundiert. In der russischen Armee wird das Gerücht verbreitet, die „Teilniederlage" bei Tannenberg sei auf den Verrat der jüdischen russischen Soldaten zurückzuführen, die durch Winten mit Taschentüchern dem Feinde die Richtung angegeben hätten. Das Kriegsministerium und der Generalstab werden von Denunziationen gegen die Juden überschwemmt, „Novwje Wremja" tischt folgendes Märchen auf. Ein jüdisches Leichenbegängnis in Warschau sei den Behörden verdächtig vorgekommen, und sie hätten daher den Sarg untersucht. In dem Sarge hätten sich an Stelle der Leiche 25 Millionen Goldrnbel gefunden, die für die einmarschierenden Deutschen bereitgehalten wurden. Die angesehene Monatsschrift „Rußkoje Bogatstwo" wurde wegen eines Artikels des Redakteurs Pechechonow verboten. Entrüstet über die unmenschliche und grausame Behandlung der Inden, die gerade jetzt besonders empöre und allen göttlichen und menschlichen Gesetzen Hohn spreche, ruft er aus: „Die russischen Juden kämpfen gegen Deutschland, das ihren Brüdern linb Schwestern Bildung gab; sie kämpfen für Rußland, das ihnen diese verweigert. Darf man unter diesen Voraussetzungen erwarten, daß der patriotische Aufschwung der Juden zunehmen und erstarken wird, daß in ihrer Seele keine anderen Gefühle und Stimmungen Platz greifen werden? Sie sind doch schließlich Menschen!" Der neu ausgebrochenen Verfolgung gegenüber hat das russische Judentum nicht einmal die Möglichkeit, an die öffentliche Meinung der Welt zu appellieren. England hat es dieser Möglichkeit beraubt. England war es, das sofort bei Allsbruch des Krieges der öffentlichen Meinung Europas und noch intensiver der Amerikas bewußt und shstenlatisch die Lüge suggerierte, die russische Regierung wolle ernstlich itut> ehrlich eine neue liberale Politik in der Judenfrage treiben. Nicht nur, daß England es unterlassen hat, seinen Einfluß auf die russische Regierung zugunsten der Jllden geltend 311 machen, schämte England sich nicht, mit dem eigenen Prestige als liberaler Staat Rußlalld zu decken! Orof. MchsrÄ M. Mayer. Geboren am 5. Juli 1860, gestorben am 8. Oktober 1914. anz plötzlich ist in der Morgenfrühe des 8. Oktober ein trefflicher Mann in kräftigem Mannesalter uns entrissen worden. Richard M. Meyer, dessen Name weit über Deutschlands Grenzen mit Ehre und Ruhm genannt wurde, war ein Berliner Kind. Sein Vater, Fritz Meyer, war der Chef eines angesehenen Bankhauses, seine Mutter Elika, aus Frankfurt am Main stammend, eine der feinsten und würdigsten Damen, die ich je gekannt habe. Ich war beiden, als ich 1870 von Frankfurt nach Berlin übevsiedelte, durch einen gemeinschaftlichen Freund empfohlen und habe viel in dem Hause verkehrt: die Bande knüpften sich noch enger, da die Familie meiner Frau mit Meyers innig befreundet war. Trotzdem habe ich mit Richard Meyer nur gesellschaftlich, nicht eigentlich freundschaftlich verkehrt, habe aber stets Gelegenheit gehabt, seine Tüchtigkeit zu erkennen und seine Bedeutung zu rühmen. Richard Meyer hat in Berlin die Schule, in Berlin und Straßburg die Universität besucht. Er wurde ein Schüler und ein begeisterter Verehrer Wilhelm Scherers, ein Freund Erich Schmidts. Er wandte sich dem Studium der deutschen Philologie und Literaturgeschichte zu, habilitierte sich in jungen Jahren an der Berliner Universität, brachte es aber in dieser Tätigkeit, obgleich er viele Zuhörer hatte, nur zum nicht-

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