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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-09 · Heft 41 (9.10.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 41 (9.10.1914)
Date
1914-10-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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- 1_—L . 2 - „Ressource von 1794" waren fast vollzählig erschienen. Die Korporation der Berliner Goldschmiedeinnung wit ihrer Fahne erwies gleichfalls ihrem dahingeschiedenen Jnnungsmitgliede die letzte Ehre. Die schwer gebeugte Familie des Entschlafenen war durch seine beiden Kinder, seinen Bruder, den Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums, Professor Dr. Max Friedländer, sowie durch seine beiden Schwestern mir ihren Gatten, den Herren Justizrat Dr. Oppenh e imer und Herrn Berthold N e u m a n n , vertreten. Ebenso waren die Mitinhaber der Firma Gebr. Friedlünder, die Herren Kommerzienrat H e r z und die Herren Hofjuweliere Strauß senior und junior, mit dem ganzen Personal des Hauses erschienen. Eine Fülle wunderbarer Kranzspenden bedeckte den Sarg, an dem Rabbiner Dr. Weiße dem Dahingeschiedenen einen letzten warmherzigen Nachruf hielt, der den unvergeßlichen Charaktereigenschaften und dem sonnigen Temperament Felix Friedländers nach Möglichkeit gerecht zu werden suchte. Dann wurde der Sarg unter dem Chor des Liedes „Es ist bestimmt in Gottes Rat" gehoben und in der Familiengruft zur letzten Ruhe bestattet. 22 Berlin, 7. Oktober. Bon den Schwestern des Vereins für jüdische K r a n k enp f le g e r i nn en zu Berlin sind 40 Schwestern in Reservelazaretten resp. im Etappendienst beschäftigt im> zwar in den Reservelazaretten: Krankenhaus der jüdischen Gemeinde Berlin 31, Kolberg 2, Kissingen 1, Bad Gottfchalkowitz 1, Vaterländischer Franenverein Sassendorf 1, Central-Verein des Roten Kreuzes in Berlin im Felde 4. Die Einberufungnoch weiterer zur Verfügung gestellter Schwestern steht bevor. 22 Berlin, 7. Oktober. Der Jüdische I u g e n d b u n d Berlin E. V. beabsichtigt, seine Dereinstätigkeit aufrechtzu erhalten, trotzdenr ein großer Teil seiner Mitglieder im Felde steht und die Zurückgebliebenen ihre Hanptkraft dem Nationalen Frauendienst und der Kriegshilfskommission der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt haben. Ein Einstellen der Vereinstätigkeit würde gleichbedeutend sein mit einer Vernichtung aller der Werte, die die Tätigkeit des Jngendbundes in den letzten Jahren für die jüdische Jugend geschaffen hat. Dereinsabend wie bisher jeden Dienstag in den Räunren Wilhelmstraße 118. Das Wintersemester wird durch eine der ernsten Zeit ang-epaßte würdige Feier eröffnet, in der Herr 'Rabbiner Dr. W a r s ch a n e r die Weiherede halten wird, und unter Mitwirkung des Robert-Schumann-Cho r s. Gäste sind zu allen Veranstaltungen herzlich willkommen. Berlin, 7. Oktober. Ter V e r e i n für A r b e i t s - n a ch weis (begr. von den Berliner Logen U. O. B. B.) tut auch unter den jetzt überaus schwierigen Verhältnissen alles, was in seinen Kräften steht, um seine segensreiche Tätigkeit aufrechtzuerhalten. Täglich sprechen Hunderte von Stellungslosen in den verschiedenen Abteilungen des Vereins vor, aber leider ist deren Unterbringung schwieriger denn je. Um der dringendsten Not zu steuern, hat der Verein Mittel zur Verfügung gestellt, den Bedürftigsten durch Hergabe von kleinen Verkaufsartikeln eine fortlaufende Existenz zu verschaffen. So können die Klienten des Vereins wenigstens einige Mark täglich für den Unterhalt ihrer Familien verdienen. Das ist aber bei der großen Not der vielen Männer und Frauen lmr eine teilweise Hilfe, zumal sich eine Anzahl der eingeschriebenen Bewerber nicht für den Kleinverkauf eignet. Ter Verein bittet deshalb dringend, ihm jede kaufmännische, gewerbliche oder wirtschaftliche Vakanz schnellstens zu melden. Die Stellnngsnchenden sind zum Teil so bedürftig, daß sie auch einen geringeren Verdienst mit Freuden begrüßen. Die Schreibstube des Vereins sucht Aufträge aller Art für Maschine und Hand (Vervielfältigungen, Adressenschreiben, Rundschreiben usw.), um besonders älteren Leuten, die schwerer Stellung finden, aber eine gute Handschrift haben, einen kleinen Verdienst zu verschaffen. Telephonisch? Aufträge an den Verein für Arbeitsnachweis, Monbijouplatz 10 (Norden 9130—9131) erbeten. B. Beirtherr (Oberschl.), 2. Oktober. Im edlen Wetteifer mit der Gesamtbürgerschaft haben auch die Korporationen und Mitglieder unserer Gemeinde zur Linderung der durch den Krieg erzeugten Not sich an allen Werken edler Menschenliebe beteiligt und ihre Hilfsbereitschaft für das bedrängte Vaterland in weitestgehender Weise betätigt. Den Wünschen der Spender entspricht es nicht, Namen und Zahlen allzuführen. Zur Unterstützung der Familien von Gemeindeinitgliedern, deren Ernährer zur Fahre einberufen sind, hat eine eingeleitete Hilfsaktion eine nicht hoch genug anzuerkennende Opfersrerldigkeit gezeitigt. - - Auf dem Felde der Ehre sind gefallen: Gerichtsreferendar Dr. Friedrich Spitz, 23 Jahre alt, das einzige Kind seiner Eltern;^ Dr. Max Kober, Apotheker, 43 Jahre, und Kaufmann Alfred Perl, 30 Jahre alt.' Allseitige Teilnahme bringt man den schwergeprüften Angehörigen der Genannten entgegen, die ihr herbes Geschick in stiller Ergebung in den. Millen Gottes mit umtdigev Resignation tragen. Z, -!": S2 Neiße, 2. Oktober. Nachdem in der Presse die Meldung gebracht wurde, daß für die protestantischen Gefangenen ein regelmäßiger Gottesdienst .eingerichtet worden sei, darf die erfreuliche Tatsache nicht verschwiegen werden, daß auf Veranlassung des Garnisonkommandos in Neiße auch für die jüdischen Gefangenen, 22 Aerzte und 24 Burschen, der Herr Rabbiner Max Ellguther in Neiße einen ordentlichen Gottesdienst eingerichtet hat, den er allsabbatlich abhält. Auch an den hohen Festtagen wurde in beiden Lagern nach alter Form andächtig gebetet; auch hielt der Rabbiner mehrere Predigten, bei denen die aufsichtführenden Offiziere anwesend waren. Es ist überhaupt festzustellen, daß die Behandlung und Verpflegung der Kriegsgefangenen eine mustergültige ist. Dies.dürste auch durch die Gefangenen selbst bestätigt und verbreitet werden, nachdem ihnen jetzt durch Verfügung der Behörden die Korrespondenz mit ihrer Heimat ermöglicht ist. Nur denr einen Wunsche möchte Berichterstatter Ausdruck. geben, daß auch nach dem mit göttlicher Hilfe siegreichen Kriege die Rücksichtnahule auf die religiösen Minderheiten aufrecht erhalten werde. 22 Görlitz, 2. Oktober. Kurz vor dem Neujahrsfeste langten hier 12 000 russische Kriegsgefangene an, darunter 300 jüdische Soldaten. Der Vorstand der Synagogengemeinde wurde bei der Kommandantur vorstellig wegen Abhaltung eines Gottesdienstes an den hohen Feiertagen. Die Genehmigung wurde mit der Maßgabe erteilt, daß zwei Mitglieder der Gemeinde dem Gottesdienst beiwohnten. Dies geschah. Ter Vorstand hatte sich wegen Zustellung von Machsorim, Tallesim, Schofar und Sefer torah nach Breslau an den Vorsteher Neustadt gewandt, der die betreffenden Kultusgegenstände übermittelte. 22 Forst (Lausitz), 1. Oktober. Am Sonntag vor dem Neujahrsfeste fand die Einweihung des neuen Gotteshauses der hiesigen Shnagogengemeinde statt, die aber, entsprechend der gegenwärtigen ernsten Zeit, nur auf den gottesdienstlichen Teil sich beschränkte, dem sämtlicheGemeindmlitglreder mit ihren Angehörigen beiwohnten. Nachdem verschiedene Tempellieder und Psalnren gesungen wurden und nach einem feierlichen Umzug mit den Thorarvllen seitens der drei Vorstandsmitglieder bestieg Herr Prediger Pulver mann die Kanzel und hielt die Weiherode, der er die Worte „Glaube, Liebe, Hoffnung" zugrundelegte. Er betonte, daß wohl jeder Ort dem Herrn heilig sei, und daß der Mensch allenthalben beten könne, daß aber der wahre Glaube nur inmitten einer frommen Beterschar erblühe, nur im Gotteshause seine Schwingen entfalte. „Die Liebe wiederum — fuhr er fort — ist der Grundzug, die Grundlage der ganzen jüdischen Religion, da schon in der Schöpfungsgeschichte die gleiche Abstammung aller Menschen und darum die Pflicht gegenseitiger Liebe -bekundet wird; in der Thora heißt es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", wobei noch ausdrücklich hinzugefügt wird: „Lieben sollst du auch den Fremdling?." Ja, selbst die bekannte Lehre der Tochterreligion: „Lichen sollt ihr auch eure .Feinde!" hat Israel in die Tat umgesetzt; denn jegliche Unbill hat es mit dem Mantel der Liebe bedeckt, und in dem Hauptgebet an den heiligsten Festtagen kommt mit herrlichen Worten der Wunsch zum Ausdruck, daß ein Band der Liebe alle Menschen umschlinge, auf daß sie als ein einziges Volk den einzigen Gott im Himmel anbeten. Die gleiche Liebe empfindet Israel, auch für das Vaterland, ob es auch von diesem wie Stiefkinder behandelt wurde; denn nicht nur in der Stunde der Gefahr hat es Hab und Gut, Leben und Blut für dessen Schutz, Ehre und ruhmreiches Fortbestehen geopfert, sondern auch zu allen Zeiten hat Israel seine ganze Geisteskraft dem Wohle des Vaterlandes gewidmet und das Gebot des Talmuds befolgt: „Bete für das Wohl des Staates und suche dessen Gedeihen zu fördern." Ebenso ist Israel in seiner Hoffnung, die es in dem Gotteshause geschöpft, und die dem jüdischen Volke allezeit die Kraft gegeben, die Leidensbürden zu ertragen, nie getäuscht worden. Sie hat sich jetzt verwirklicht; denn frei und ungestört darf es seinem Gotte dienen, frei und ungehindert seine Gotteshäuser bauen; sicher und geborgen lebt es jetzt im Schlitze einer weisen und milden Regierung, und jüngst erst, in ernster und feierlicher Stunde, hat es die herrlichen Worte aus erhabenem Munde vernommen, „daß Par-

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