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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-10-09 · Heft 41 (9.10.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 41 (9.10.1914)
Date
1914-10-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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78. Jahrgang Nr. 41 Berlin, 9. Oktober 1914 Vor Gemeindeüote. Betlase zur „Allgemeinen Leitung üe^ Judentums" Sorrrhwndrn?en und Machrichten. Seutschlsnd. Berlin, 7. Oktober. Jrnnitten der gewaltigen Ereignisse des Riesenkampfes, den unser Vaterland für sein Dasein und seine Größe ausficht, tritt der Verein für jüdische Geschichte und Literatur wiederum an den Kreis seiner getreuen Mitglieder und an das jüdische Publikum der Reichshauptstadt mit seinen Darbietungen an Vorträgen und volkstümli ch-w issenschaftlichen Veranstaltungen heran. Je tiefer unser Empfinden und Denken von den uns alle als Menschen und Bürger so nahe berührenden Vorgängen ans dem Kriegsschauplätze erschüttert werden, desto lebhafter fühlen wir das Bedürfnis, von Zeit zu Zeit unser Bewußtsein abzulenken. Und wie könnten wir das besser und ersprießlicher, als indem wir aus dem erfrischenden und beruhigenden Borne unserer jüdischen Literatur und Geschichte schöpfen? So stellen wir am reinsten den Zusammenhang zwischen unserem Deutschtum und unserem Judentum her, so gewinnen wir neue Kraft, die aufregenden Eindrücke, das Sorgen und Jubeln über die großen Tagesereignisse zu tragen. In den diesjährigen Vorträgen wird versucht, die Vereinigung, des jüdischen Interesses mit bm\ deutschen und zeitgemäßen möglichst zum Ausdruck zu bringen. Alles zur gemeinsamen -Förderung der deutschen und jüdischen Gesinnung. Das Verzeichnis der für das Winterhalbjahr 1914/15 festgesetzten Vorträge weist folgende Namen und Themata auf: Donnerstag, 15. Oktober: Professor Dr. LudwigStcin: Die deutschen Juden und der Krieg. Erster populär-wissenschaftlicher Vortrag: Donnerstag, 22. Oktober: Kapellmeister Eduard Levy: lieber jüdische Musik und Musiker; mit gesanglichen Demonstrationen von Frau Gina Götz-Levy. Donnerstag, 12. November 1914: Geheimer Negierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger: Krieg und Kultur. Donnerstag, 26. November 1914: Dr. E r n st Cohn-Wiener: Das Judentum in der Kunst. Donnerstag, 10. Dezember 1914: Dr. R u d o l f L e s z y n s k y: Kriegführung im Lande der Bibel. Donnerstag, 7. Januar 1915: Schriftsteller I u l i u s B a b : Das Judentum in der Schauspielkunst. Zweiter populär-wissenschaftlicher Vortrag: Donnerstag, 21. Januar 1915: Schauspieler Fritz Richard: Rezitationen. Donnerstag, 4. Februar 1915: Bibliothekar Dr. Nt o r i tz S t e r n : Der Anteil der Juden an den deutschen Freiheitskriegen 1813/15. Donnerstag, 18. Februar 1915: Professor Dr. Enge n M ittwoch: Abessinien und seine Juden; mit Lichtbildern. Donnerstag, 11. März 1915: Professor Dr. M a x L ö h r , Königsberg i. Pr.: Israels Religion im Lichte der vorderasiatischen Geistesknltur. Die Vorträge finden sämtlich im Oberlichtsaal. der Philharmonie statt und beginnen pünktlich um 814 Uhr. - Gleichzeitig gestatten wir uns die Literaturvereme des Reiches aufzufordern, dem Beispiel des Berliner Vereins zu folgen und, soweit es in ihren Kräften steht, ihre bisherige zum Segen unserer jüdischen Gemeinschaft sich so glänzend bewährte Tätigkeit trotz der schwierigen Zeitverhältnisse sortzusetzen. Der Verband der Literatur- Vereine, der mit Rücksicht auf die durch den so plötzlich ansgebrochenen Krieg eingetretenen unsicheren Verhältnisse von der Publizierung der Rednerliste, die für die Drucklegung schon vorbereitet war, Abstand nehmen zu sollen glaubte, ist gern bereit, allen Vereinen über geeignete Redner und Themata die nötige Auskunft zu erteilen sowie nötigenfalls wissenschaftliches Material kostenlos zu übermitteln. Ebenso steht den Vereinen die vorjährige Rednerliste, soweit der Vorrat reicht, unentgeltlich zur Verfügung. Alle diesbezüglichen Anfragen und Zuschriften sowie Mitteilungen für das Jahrbuch 1915, dessen Drucklegung bereits in Angriff genommen ist, sind an das Sekretariat des Verbandes, Berlin-Pankow, Florastraße 58, zu richten. Berlin, 7. Oktober. Die Trauerseier für den Wirklichen Geheimen Rat Wilhelm Herz fand, wie angekündigt, am Donnerstag, den 1. d. M., vormittags, im Sterbehaufe, Dorotheenstraße 2, statt. Die Räume des ersten Stockwerks reichten kaum aus, um alle die Teilnehmer anfzunehmen, die gekommen waren, von dem verehrten Manne Abschied zu nehmen, der ihnen Führer, Berater und Freund weit über ein Menschenalter hinaus gewesen war. Die Wände der Treppenrampen waren mit schwarzem Flor bekleidet, von dem sich die zahlreichen Kränze mit ihrem herrlichen Blumenschmuck abhoben. An der Stelle, wo der Verewigte an seinem 90. Geburtstage außergewöhnliche Kundgebungen entgegennehmen konnte, war der schlichte Sarg zwischen hohen Palmengruppen aufgebahrt. Bald nach 10 Uhr füllten sich die Räume mit einer auserlesenen Gesellschaft, in der die Vertreter der Staatsregierung, der städtischen Körperschaften und der ersten Bank- und Handelsinstitute bemerkt wurden. Es waren u. a. erschienen: Handelsminister Dr. Sydow, Finanzminister Dr. Lentze, Kultusminister v. Trott zu Solz, der Minister der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbach, Justizminister Beseler, Minister des Innern v. Loebell, Staatssekretär Kraetke, ferner der Präsident der Reichsbank v. Havenstein. Der Reichskanzler hatte den Vortragenden Rat Geheimen Oberregierungsrat v. Oppen als feinen Vertreter entsandt. Für den dienstlich verhinderten Staatssekretär Tr. Delbrück nahm der Unterstaatssekretür Heinrichs an der Feier teil. Polizeipräsident v. Jagow, Wirklicher Geheimer Rat Wackerzapp, Präsident v. Tombois, Ministerialdirektor Dr. Lewald, der frühere Kultusminister v. Studt, der Präsident des Hansabundes, Geheimrat Riester, Geheimrat Busleh, Dr. James Simon u. a. Die Stadt Berlin war durch den Oberbürgermeister Mermuth, Stadtkämmerer Boeß, die beiden Stadtverordnetenvorsteher Michelet und Geheimrat Cassel sowie die Stadtverordneten Tyhrenfurth und Hellriegel vertreten, ebenso waren die Vertreter der übrigen Städte und Vertreter der Berliner jüdischen Gemeinde anwesend. Unter Harmoniumspiel intonierte der Chor der neuen Synagoge den Gesang ,-Selig sind die Toten". Rabbiner Dr. Weiße rühmte dann in seiner Gedächtnisrede des Verewigten hervorragende persönliche Eigenschaften, die ihn befähigten, in vielen großen Organisationen an der Spitze zu stehen. Mit warmen Trostworten an die Hinterbliebenen schloß der Prediger, und wieder ertönte Harmoniumspiel und Gesang. Vor dem Trauerhause ordnete sich dann der Zug, der dem einfachen Leichenwagen zum' alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee folgte. — Aus der Fülle der an die Gemahlin des Verewigten und die Handelskammer zu Berlin gerichteten Veileidskundgebungen heben wir noch das a u s d e m Großen H a u p tquartier eingelaufene Telegramm hervor: „Seine Majestät der Kaiser haben die Meldung von dem Hinscheiden des hochverdienter! und von Allerhöchstihnen hochgeschützten früheren Präsidenten der Handelskammer Exzellenz Herz mit Bedauern entgegengenommen und lassen Ew. Hochwohlgeboren ersuchen, der Berliner Handelskammer und den Hinterbliebenen des Verewigten Allerhöchstihre wärmste Teilnahme auszusprechen, v. Valentin." Der Reichskanzler sandte folgende Depesche: „Euerer Exzellenz gestatte ich mir, meine herzliche Anteilnahme an dem schweren Verluste auszusprechen, den Sie durch das Hinscheiden Ihres auch von mir aufrichtig verehrten Herrn Gemahls erleiden. In ihm verliert nicht bloß der gesamte Handelsstand einen vorbildlichen Vertreter, sondern auch unser öffentliches Leben eine führende Persönlichkeit von seltener Tatkraft und Lauterkeit, für deren reichgesegnetes Wirken die Wohlfahrt des Vaterlandes stets oberste Richtschnur gewesen ist." Berlin, 7. Oktober. Am letzten Sonntag um 1 Uhr wurde auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee HofjlNvelier F e l i x Friedländer zur letzten Rühe beigesetzt. Eine ungemein große Trauergemeinde Zeugte für die hohe Wertschätzung, die der so früh Verblichene in weiten Kreisen der Berliner Gesellschaft besessen hat. Tie Zahl der Anwesenden war zu groß, als daß die Leichenhalle sie zu fassen vermocht hätte. Man sah Tr. I a m e s Siino n , die Geheimräte He rm ann Fraenkel, H erz, Kem p n cr und Lautenb u r g, Generalkonsul Eugen L a n bau, Direktor Barnowskh vom Lessing-Theater, die Direktoren Kurt Sobernheim und Magdeburg, die Bankiers Philipp M a r x, Ernst F r i e d m n n u , Ludwig Bor u, Julius H i r s ch l e r , Moritz V e i t - S i m o u , die Justizrüte Alfred G o t t h e l s, Robert L e w i u , Paul Nt a i e r , M e s ch e l s o h n und L ehfeld , die Stadtrüte Jacobh und Panuosky, Gustav F ü r st e n b e r g, Hofjuwelier M a r c u s , Assessor Dr. S ch l e s i n - g e r und viele andere. Die Mitglieder des „Klubs von 1880" und der

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