Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1914)
- Date
- 1914-10-09
- Page
- Seite 488 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Gebrüll erhebt es wie der Löwe, es brüllt wie der Junglen und tost! Er saßt die Beute mW trägt sie davon, und niemand rettet! Es tost über ihm au jenem Tage wie Meeres-Toseu! Schallt man zur Erde — Finsternis! das Licht ist verfinstert im Gewölk! Tie letzten, schaurigen Worte malen das Entsetzen, das die Menschen beim Nahen eines solchen Heeres befällt. Möge solches Entsetzen unseren Feinden in die Glieder fahren, wenn sie das deutsche „Hurra" vernehmen! Etwa anderthalb Jahrhunderte später beschreibt Jeremias das Ausrücken des ägyptischen Heeres, das mit der von Osten heranziehenden chaldäischen Weltmacht um den Besitz Syriens und Kanaans streiten will, aber nach der Ueberzeuguug des Propheten am Euphrat seinem Gegner erliegen wird. In aufgeregten, fliegenden Rhythmen beginllt das Orakel, einen kriegerischen Auszug schildernd, in echt prophetiseher Tnnkelheit: Rüstet die Tartsche, fasset den Schild, heran zum Krieg! Schirrt an die Rosse, besteigt die Nenner! Befestigt die Helme, schärst die Lanzen, zieht an die Panzer! Toch nun schaut der Prophet, selber erstaunt und verwundert, das Bild der plötzlichen Flucht: Warum schall' ich, sie sind erschüttert, sie weichen zurück ö Tie Helden zerschlnettert, sie fliehen xtnb fliehen und kehren nicht um? Grauen ringsum! Ter Schnelle flieht llicht, der Held entkommt nicht! Nordwärts am Strande des Euphratstromes stürzten sie, fielen! Ein iicitce Stück desselben Inhalts ans derselben Zeit, das wiederum ganz dunkel einsetzt. Bon Aegypten aus wallt und wogt es empor wie der Nil, wenn er überschwillt: Wer ist's, der schwillt wie der Nil, seine Wasser wogen wie Ströme? Er spricht: „Ich will aus, bedecken das Land, will Städte zerstören und die darin wohnen!" Und mm wieder die kurzen, hastigen Aufforderungell, die ganze Aufregung des Propheten malend: Empor, ihr Rosse! rast, ihr Wagen! heraus, ihr Helden! Kusch und Pllt, die ihr Schilde führt, ihr Libyer, die ihr Bogen spannt! Und nun klarer und abschließend: Jahve, der Feldherr, hält jenen Tag, einen Tag der Rache an seinen Feinden, Ta frißt das Schwert, wird satt ihres Bluts. Tenn ein Schlachten hat der Herr, der Feldherr Jahve, im Lande des Nordens am Euphratstrom. Wieder um fast ein Jahrhundert jünger ist ein Orakel uns im Buche des Jesaias erhalten, welches das Heranrücken der persischen Macht gegen das Reich der Ehaldaer schildert. Auch dies voll voll der Aufregung jener Tage und ganz dunkel beginnend. Ein Banner schaut der Seher errichtet, Hände sieht er winken, Stilnineil hört er erschallen, die sie Herbeirusen, die edlen Fürsten! Alis nacktem Berg pflanzt das Banner! ruft ihnen lallt! Schwenkt die Hand, daß sie kommen, die edler: Fürsten! Nun eine gewaltige Stimme. Ter Prophet sagt nicht, von wem sie ausgeht; aber wir erwarten, daß es die Stimme des himmlischen Feldherrn selber ist! Ich bin's, ich entbiete me ine Geweihten für meinen Zorll, ich lade meine Helden, die stolz frohlockenden! llnd nun sind sie da! Tas Ohr vernimmt ihr dumpfes Brausen. Und der Prophet in seinem grenzenlosen Glauben -ist so kühn, diese Fremden, die Jahve eigentlich nichts allgehen, Jahves Heer zu nennen, durch das er auf Erden seine großen Taten tun will! Horch, ein Tosen auf den Bergen lvie eines großen Bolks! Horch, ein Brausen von Reichen, versammelter Völker! Jahve, der Feldherr, hält Heerschall, Heerschau zum Krieg! llrld beit Propheterl begeistert der Gedanke, daß Jahve alls so weiter Ferne seine Kriegswaffen holt: Sie kommen aus fernem Land, von des Himmels Enden, Jahve uild seine Kriegeswaffen, die ganze Welt zn verderben. Die Erde aber, die voll Jahves heranrückendem Heere verrtiilllllt, fällt in Schrecken und Entsetzelr: Heult, denn nah ist Jahves Tag, der kommt als Verderben vorn Verderber! Drob lverden alle Arme laß, jedes Menschenherz zerschmilzt! Sie erschrecken; Krämpfe und Wehen erfassen sie, sie winden sich wie die Gebärende! Einer starrt den andern an; Flammenantlitz ihr Antlitz! Ja, der Tag Jahves komnlt grausig, als Wut und Zornesglllt, Um die Erde zur Wüste zu machen lind ihre Frevler von ihr Zll tilgen. Nlir wellige Proben solcher prophetischen Krtegsgedichte haben wir gegeben. Aber schon aus dieseiu Wenigen geht hervor, wie gewaltig diese altisraelitische Schlachtenpoesie ist. Tie Größe dieser Dichtung besteht darill, daß in diesen Liedern nlänilliche Herzell reden, die allch vor dem Furchtbarsten nicht verzagen. Und woher dieser unzerbrechliche Mut? Weil diese Propheten es wissen, daß in denl Kriege, allch gerade darln, wenn er grausig und entsetzlich ist, Gottes starke Hand lvaltet. Sie jauchzen hinein in das furchtbare Gewitter, voller Zuversicht, daß der Herr darinnen heranzieht. Und so wünschen wir allch unserem Bolke den festell Glauben, daß sich ill dem Groszeil und Furchtbaren, das mm kommen soll, ein die Welt beherrschender Wille offenbart, durch viele Schauder hindurch gewaltsam das Antlitz der Welt wandelnd, und doch heilig: das Unsittliche. Niedrige, was nicht sein soll, zerschmetternd und das Kraftvolle, Tüchtige, Edle Zllm Siege erhebend. Bas Milche Antwerpen". Eindrücke voll Jakob F i n g e r m a n n. ie Uhr zeigte die elfte Stunde nachts, als der Schnellzug in die geräumige Bahnhofshalle einlief. Ich nahm mein geringes Gepäck, das ans einer leichten Handtasche bestand, lind kam im Gedränge nach dem Ausgang, wo die Droschken, Mietautomobile und Hotelomnibusse der Reisenden harrten. h Ter vbeustehende Artikel über Antwerpen ist lange Zeit vordem Kriege eingeschickt und seit vielen Wochen abgesetzt. Wir hielten ihn bisher absichtlich zurück. Nun, da das Schicksal der Stadt sich, wie wir anuehmen dürfen, ill nächster Zeit entscheidet, sei er als besonders aktuell abgedruckt. Die Red.